{"id":922636,"date":"2026-04-05T08:41:13","date_gmt":"2026-04-05T08:41:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/922636\/"},"modified":"2026-04-05T08:41:13","modified_gmt":"2026-04-05T08:41:13","slug":"so-teuer-wird-gesundheit-kassenpatient-deutschland-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/922636\/","title":{"rendered":"So teuer wird Gesundheit: Kassenpatient Deutschland! | Politik"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"skip-content skip-content--link\" href=\"#in-content-skip-link-target-v-0-0\">TTS-Player \u00fcberspringen\u21b5<\/a><a id=\"in-content-skip-link-target-v-0-0\" class=\"skip-content--target-link-hidden skip-content skip-content--target-link\" href=\"#in-content-skip-link-target-v-0-0\">Artikel weiterlesen<\/a><\/p>\n<p><b>Die Lage ist dramatisch, die Diagnose verheerend. Unser Gesundheitssystem ist krank. Und vor allem teuer: Fast 580 Milliarden Euro wurden im vergangenen Jahr f\u00fcr Gesundheit ausgegeben\u00a0\u2013 dreimal so viel wie 1994, einsame Spitze in Europa. Die Versicherten zahlen Rekord-Beitr\u00e4ge und trotzdem fehlen den Krankenkassen im n\u00e4chsten Jahr 15 Milliarden Euro. Bis 2030 w\u00e4chst das Loch auf 40 Milliarden. Es droht der Kollaps.<\/b><\/p>\n<p>Auf der anderen Seite ist der Nutzen unseres Systems international bestenfalls Mittelma\u00df: Die Lebenserwartung in Deutschland liegt unter dem EU-Schnitt, Kassenpatienten warten teilweise Wochen oder Monate auf einen Termin beim Facharzt.<\/p>\n<p>Gerettet werden soll das System jetzt mit einem radikalen Umbau. Daf\u00fcr hat die Regierung eine Expertenkommission eingesetzt. Und die haben in dieser Woche geliefert: 66 Reformvorschl\u00e4ge auf 483 Seiten. Es geht ums gro\u00dfe Ganze: \u00c4rzte, Kliniken, Pharmafirmen, Krankenkassen \u2013 und auch die 75 Millionen gesetzlich Versicherten selbst sollen ihren Beitrag leisten.<\/p>\n<p>Was kommt da auf Deutschland zu? Wie teuer wird Gesundheit? BILD hat alle Reformvorschl\u00e4ge gepr\u00fcft und erkl\u00e4rt diejenigen, die f\u00fcr unser Leben am wichtigsten sind:<\/p>\n<p>Patienten und Versicherte<\/p>\n<p>Sie sollen st\u00e4rker zur Kasse gebeten werden, schlagen die Experten vor.<\/p>\n<ul class=\"unordered-list\">\n<li>Die kostenlose Mitversicherung f\u00fcr Ehepartner soll weg (spart den Kassen 3,5 Mrd. Euro). Ein Mindestbetrag von 200 Euro\/Monat f\u00fcr die Ehepartner ist im Gespr\u00e4ch. Dies ist aber politisch hoch umstritten, die CSU ist dagegen, Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will zumindest viele Ausnahmen.<\/li>\n<li>Die H\u00f6he des Krankengelds soll geringer ausfallen. Wer l\u00e4nger als sechs Wochen krankgeschrieben ist, bekommt aktuell 70 Prozent des Bruttogehalts von den Kassen bezahlt \u2013 f\u00fcr maximal 78 Wochen. Die Experten schlagen vor: Das Krankengeld soll in dieser Zeit auf 65 Prozent des Gehalts sinken. M\u00f6gliche Ersparnis: 1,3 Milliarden Euro. <\/li>\n<li>Beim Zahnersatz sollen die Patienten st\u00e4rker belastet werden. Die Experten schlagen vor, den Eigenanteil (heute im Schnitt 764 Euro) zu erh\u00f6hen. Kurzfristige Ersparnis f\u00fcr die Kassen: 590 Mio. Euro. Auch w\u00fcrden Kindern und Jugendlichen zu oft unn\u00f6tige Zahnspangen eingesetzt.<\/li>\n<li>Die Zuzahlungen sollen steigen. Bislang sind f\u00fcr verschreibungspflichtige Medikamente mindestens 5 und maximal 10 Euro f\u00e4llig. K\u00fcnftig sollen sie auf mindestens 7,50 Euro bis 15 Euro steigen. Das bringt 1,9 Mrd. Euro. <\/li>\n<li>Einige Leistungen sollen ganz aus dem Kassenkatalog gestrichen werden: z.B. Hom\u00f6opathie und anlasslose Hautkrebs-Screenings. <\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Gesundheits\u00f6konom Andreas Beivers (46, Fresenius Hochschule) warnt in BILD: \u201eIn den vergangenen Jahren sind die Beitragss\u00e4tze sp\u00fcrbar gestiegen, die Inflation geht auch nach oben. Steigen jetzt z.\u00a0B. die Zuzahlungen, ist das f\u00fcr Versicherte eine zus\u00e4tzliche Belastung.\u201c <\/b><\/p>\n<p>Mehr zum Thema\u00c4rzte<\/p>\n<p>Die Experten wollen den Anstieg der \u00c4rzte-Honorare bremsen.<\/p>\n<ul class=\"unordered-list\">\n<li>Die Ausgaben f\u00fcr Arztpraxen sollen deutlich langsamer steigen. Heute bekommen \u00c4rzte f\u00fcr bestimmte F\u00e4lle mehr Geld \u2013 etwa f\u00fcr schnelle Termine oder neue Patienten. F\u00e4llt das weg, k\u00f6nnte es den Kassen 1,3 Milliarden Euro sparen.<\/li>\n<li>Keine doppelte Bezahlung mehr: Heute kassieren \u00c4rzte f\u00fcr manche Patienten gleich zweimal. Kommt ein Patient z.\u00a0B. \u00fcber die Terminservicestelle schneller an einen Facharzttermin, wird die Behandlung extra verg\u00fctet. Ersparnis: 700 Mio. Euro.<\/li>\n<li>F\u00fcr das Bef\u00fcllen der elektronischen Patientenakte sollen \u00c4rzte ab 2027 kein Geld mehr bekommen. Einsparung: rund 600 Millionen Euro.<\/li>\n<li>Corona-Sonderzahlungen sollen wegfallen. Zuschl\u00e4ge f\u00fcr Hygiene in Praxen sollen gestrichen werden. Einsparung: 100 Millionen Euro pro Jahr.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Kliniken<\/p>\n<p>Auch die Kliniken sollen weniger Geld bekommen.<\/p>\n<ul class=\"unordered-list\">\n<li>Tarifsteigerungen f\u00fcr das Klinikpersonal sollen nicht mehr vollst\u00e4ndig von den Kassen \u00fcbernommen werden. Einsparung: 500 Mio. Euro.<\/li>\n<li>Derzeit bekommen Kliniken f\u00fcr Pflegepersonal extra Geld. Damit soll Schluss sein. Spart 620 Mio. Euro.<\/li>\n<li>Klinik-Rechnungen an die Kassen sollen strenger kontrolliert werden. Folge: mehr R\u00fcckforderungen. Erwartete Einsparung: 1,4 Milliarden Euro.<\/li>\n<li>Krankenh\u00e4user sollen weniger F\u00e4lle einzeln abrechnen k\u00f6nnen. Behandlungen, die kurz hintereinander stattfinden, sollen h\u00e4ufiger zu einem Fall zusammengefasst werden. Ergebnis: weniger Geld pro Patient. Einsparung: 2,1 Milliarden Euro.<\/li>\n<li>Patienten sollen \u00f6fter eine Zweitmeinung einholen m\u00fcssen. Vor bestimmten, h\u00e4ufig durchgef\u00fchrten Eingriffen (z.B. H\u00fcfte oder Knie) wird eine zweite \u00e4rztliche Meinung Pflicht. Ziel: unn\u00f6tige Operationen vermeiden. Einsparung: 150 Millionen Euro.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Intensivmediziner Christian Karagiannidis (52, Uni Witten) betont in BILD, dass die Vorschl\u00e4ge f\u00fcr \u201eKliniken finanziell harte Zeiten nach einem Jahr der leichten wirtschaftlichen Entspannung\u201c bedeuten. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" width=\"992\" height=\"558\" alt=\"Gesundheitsministerin Nina Warken (46, CDU) muss Geld sparen\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/faf785d5c693c17a60b00bc5eb6cc70c,7a80891f.webp\"   class=\"landscape\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p class=\"fig__caption__text\">Gesundheitsministerin Nina Warken (46, CDU) muss Geld sparen<\/p>\n<p>Foto: Britta Pedersen\/dpa<\/p>\n<p>Pharmaindustrie<\/p>\n<p>Pharma-Hersteller sollen den Kassen h\u00f6here Rabatte auf Medikamente geben. Das k\u00f6nnte 2,27 Mrd. Euro bringen. F\u00fcr besonders umsatzstarke und teure Pr\u00e4parate sollen noch einmal h\u00f6here Rabatte greifen. Einsparpotenzial: 700 bis 900 Millionen Euro zus\u00e4tzlich. Eine \u201evertretbare Minderung ihrer Gewinne\u201c, seien die Folge f\u00fcr Pharma-Hersteller, so Experte Karagiannidis. <\/p>\n<p>Bundeshaushalt<\/p>\n<p>Der Bund soll deutlich mehr f\u00fcr die Krankenkassen-Beitr\u00e4ge von B\u00fcrgergeld-Empf\u00e4ngern zahlen. Kommt das Geld komplett aus Steuermitteln statt aus den Kassenbeitr\u00e4gen, w\u00fcrde das den Krankenkassen 12 Milliarden Euro sparen \u2013 der gr\u00f6\u00dfte Einspar-Brocken der Expertenkommission.<\/p>\n<p>Krankenkassen<\/p>\n<p>Die 93 gesetzlichen Krankenkassen (Verwaltungsausgaben 2024: 13 Milliarden Euro, ca. 130.000 Mitarbeiter) werden von den Experten fast komplett verschont. Lediglich eine Obergrenze f\u00fcr Werbung soll runtergesetzt werden. M\u00f6gliche Ersparnis: 70 Mio. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" width=\"992\" height=\"558\" alt=\"AOK-Chefin Carola Reimann (58) verteidigt im BILD-Gespr\u00e4ch die hohen Ausgaben f\u00fcr die Verwaltung der Krankenkassen\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/312d17c94db6eccd60b5966d1b6a9899,bd4f8b2f.webp\"   class=\"landscape\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p class=\"fig__caption__text\">AOK-Chefin Carola Reimann (58) verteidigt im BILD-Gespr\u00e4ch die hohen Ausgaben f\u00fcr die Verwaltung der Krankenkassen<\/p>\n<p>Foto: Christian Lohse\/BILD<\/p>\n<p>Pr\u00e4vention<\/p>\n<p>Theoretisch ist hier am meisten zu holen, denn wer gesund bleibt, kostet wenig:<\/p>\n<ul class=\"unordered-list\">\n<li>Weniger Rauchen: Die Tabaksteuer soll deutlich rauf. Zwischen 2027 und 2031 sollen die Steuern j\u00e4hrlich zwischen 2,3 und 3 Cent pro Zigarette steigen. Folge: Die Packung mit 20 Zigaretten w\u00fcrde dann statt 9 Euro 11,68 Euro kosten. <\/li>\n<li>Weniger harter Alkohol: Auch bei Spirituosen plant die Kommission schrittweise Steuererh\u00f6hungen. Ein Beispiel: J\u00e4germeister 0,7 l (13 \u20ac, 35 % Vol.) w\u00fcrde ab 2027 etwa 1,35 Euro mehr kosten, ab 2029 insgesamt 3,19 Euro mehr. <\/li>\n<li>Weniger Zucker: Besonders zuckerhaltige Getr\u00e4nke (Cola, Fanta, Eistee) sollen mehr kosten \u2013 oder weniger Zucker enthalten. Bis zu 32 Cent mehr pro Liter sollen f\u00e4llig sein. Eine Dose Cola w\u00e4re dann 13 Cent teurer. <\/li>\n<\/ul>\n<p>Gesundheitsexperte Prof. Ingo Frob\u00f6se (69) fordert ein grunds\u00e4tzliches Umdenken: mehr Pr\u00e4vention statt immer h\u00f6here Ausgaben f\u00fcr Reparaturmedizin: \u201eUnsere Krankenkassenbeitr\u00e4ge m\u00fcssen endlich unsere Gesundheit f\u00f6rdern, anstatt immer mehr Geld in die Rettung einer todkranken und ineffizienten Gesundheitsindustrie zu pumpen.\u201c<\/p>\n<p>Gesundheits\u00f6konom Beivers warnt: \u201eEs muss klar sein: Gelingt keine Reform, steigen die Kosten im Gesundheitssystem weiter, der Faktor Arbeit wird noch teurer und dr\u00fcckt auf die Wettbewerbsf\u00e4higkeit unseres Landes. Die Regierung muss jetzt schnell handeln.\u201c<\/p>\n<p><b>Bis Ende Juli will Gesundheitsministerin <\/b><a href=\"https:\/\/www.bild.de\/politik\/inland\/nina-warken-im-steckbrief-alle-infos-ueber-merz-gesundheitsministerin-680e5494716a613fb785593e\" class=\"text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><b>Warken<\/b><\/a><b> aus den Vorschl\u00e4gen ein Sparpaket schn\u00fcren. Es wird ein hartes Ringen in der Regierung geben, beeinflusst vom Geschrei der verschiedenen Lobbyisten. Warken hat bereits Kompromissbereitschaft angek\u00fcndigt: \u201eIch werde die Vorschl\u00e4ge der Kommission nicht eins zu eins \u00fcbernehmen.\u201c<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"TTS-Player \u00fcberspringen\u21b5Artikel weiterlesen Die Lage ist dramatisch, die Diagnose verheerend. Unser Gesundheitssystem ist krank. 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