{"id":922911,"date":"2026-04-05T11:27:17","date_gmt":"2026-04-05T11:27:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/922911\/"},"modified":"2026-04-05T11:27:17","modified_gmt":"2026-04-05T11:27:17","slug":"china-hoert-xi-naechstes-jahr-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/922911\/","title":{"rendered":"China: H\u00f6rt Xi n\u00e4chstes Jahr auf?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Frau Rudyak, der chinesische Volkskongress hat gerade den n\u00e4chsten F\u00fcnfjahresplan beschlossen, das konkrete politische Programm des Landes also. Was hat Peking vor?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Der F\u00fcnfjahresplan skizziert Chinas Industrie-, Wirtschafts- und Sozialpolitik bis zum Jahr 2030 und ist gleichzeitig die Br\u00fccke zu einem langfristigen Ziel: das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt bis zum Jahr 2035 gegen\u00fcber dem Jahr 2020 zu verdoppeln. Vor allem spiegelt der Plan, dass Peking die n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahre als eine Zeit erh\u00f6hter Unsicherheit betrachtet.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Die Schl\u00fcsselthemen sind wirtschaftliche Resilienz, ein st\u00e4rkerer Binnenkonsum und technologische Eigenst\u00e4ndigkeit angesichts des sich versch\u00e4rfenden Wettbewerbs mit den USA. Die Ausgaben f\u00fcr Forschung und Entwicklung sollen um durchschnittlich mindestens sieben Prozent j\u00e4hrlich wachsen \u2013 damit h\u00e4lt Peking an den Zielen des vorherigen F\u00fcnfjahresplans fest. <\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Der Plan priorisiert KI als kritische Zukunftstechnologie und unterlegt dies mit detaillierten Entwicklungszielen \u2013 von der \u201eAI+\u201c-Initiative, die KI in 90 Prozent der Wirtschaft integrieren soll, bis hin zu Zielen f\u00fcr die Energieeffizienz der KI-Modelle. China will hier international die F\u00fchrung \u00fcbernehmen, \u00fcbrigens auch, wenn es um Standards und Regulierung geht. Ministerpr\u00e4sident Li Qiang hatte schon im Juli vorgeschlagen, eine internationale KI-Organisation zu erschaffen.<\/p>\n<p><strong>Wie kommen diese Ideen an?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">In der chinesischen Bev\u00f6lkerung wird dieser Kurs nicht unkritisch betrachtet. In sozialen Medien weisen Nutzer immer wieder auf den Widerspruch hin zwischen dem rapiden Fortschritt in der Robotik und KI einerseits und der nach wie vor harschen Lebensrealit\u00e4t vieler Menschen andererseits.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Dr. Marina Rud\u00adyak forscht an der Universit\u00e4t Heidelberg und ist Autorin des Buches \u201eDialog mit dem Drachen\u201c.\" height=\"320\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/dr-marina-rud-yak-forscht-an.webp.webp\" width=\"240\" class=\"sm:w-content-xs w-full\" tabindex=\"0\"\/>Dr. Marina Rud\u00adyak forscht an der Universit\u00e4t Heidelberg und ist Autorin des Buches \u201eDialog mit dem Drachen\u201c.Privat<\/p>\n<p><strong>\u00dcberrascht Sie, was im neuen F\u00fcnfjahresplan steht?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Nein, die Schwerpunkte spiegeln langfristige strategische Entscheidungen wider, die weit vor Xi Jinping ihren Anfang nahmen. Sp\u00e4testens seit der globalen Finanzkrise im Jahr 2008 ist der chinesischen F\u00fchrung klar, dass die Abh\u00e4ngigkeit von internationalen Absatzm\u00e4rkten China verwundbar macht.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Trumps Handelskrieg hat diese Wahrnehmung verst\u00e4rkt, der Krieg gegen Iran d\u00fcrfte sie weiter versch\u00e4rft haben \u2013 nicht zuletzt mit Blick auf die Sicherheit von Energierouten und Handelskorridoren. Der Plan steht f\u00fcr einen Trend, der nach der Finanzkrise einsetzte: weg von einem Modell, das auf billige Exporte und quantitatives Wachstum setzt, hin zu technologischer Eigenst\u00e4ndigkeit und qualitativem Wachstum. Peking nennt es \u201ehochqualitatives Wachstum\u201c.<\/p>\n<p><strong>Der amtierende Staats- und Parteichef Xi Jinping ist deutlich l\u00e4nger an der Macht als seine unmittelbaren Vorg\u00e4nger. Wer folgt auf ihn?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Einen klaren Nachfolger gibt es bisher nicht. Aber es gibt Namen, die immer wieder genannt werden.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Zum einen den ersten Vize-Ministerpr\u00e4sidenten Ding Xuexiang. Er ist die Nummer sechs im m\u00e4chtigen St\u00e4ndigen Ausschuss des Politb\u00fcros und dessen j\u00fcngstes Mitglied, ein enger Vertrauter Xis und sein ehemaliger B\u00fcrochef. Ein weiterer Name, der zunehmend f\u00e4llt, ist au\u00dferdem Wang Huning.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Er ist Xis Chefideologe und der Vorsitzende der sogenannten Politischen Konsultativkonferenz. Wang diente schon Xis Vorg\u00e4ngern Hu Jintao und Jiang Zemin und galt lange als graue Eminenz. Inzwischen hat er jedoch so viel b\u00fcrokratische Steuerungsmacht auf sich versammelt, dass ihn viele als den m\u00e4chtigsten Mann neben Xi betrachten. Er ist derjenige, der dem Parteif\u00fchrer zuarbeitet und die F\u00e4den zusammenf\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnte Xi Jinping auch selbst noch einmal verl\u00e4ngern?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Ob er zum 21. Parteitag im kommenden Jahr formal einen Nachfolger benennt oder eine vierte Amtszeit anvisiert, das l\u00e4sst sich derzeit nicht sagen. Die Vorbereitungen f\u00fcr die Kandidatenauswahl des n\u00e4chsten Zentralkomitees sollten nach bisheriger Logik diesen Herbst beginnen, wenn die Provinz-Parteikomitees neu besetzt werden.<\/p>\n<p><strong>Gibt es irgendeinen Hinweis darauf, dass Xi aufh\u00f6rt?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">W\u00e4hrend des n\u00e4chsten Parteitags wird er 74 Jahre alt sein, und schon jetzt scheint er Staats- und Regierungspflichten zunehmend an Stellvertreter wie den schon erw\u00e4hnten Ministerpr\u00e4sidenten Li Qiang zu delegieren. Denkbar w\u00e4re, dass Xi einen \u00e4hnlichen Weg geht wie vor ihm schon Mao Tse-tung und Deng Xiaoping: formal an der Parteispitze bleiben, aber das operative Tagesgesch\u00e4ft an J\u00fcngere abgeben. Xi k\u00f6nnte das seit Mao unbesetzte Amt des Parteivorsitzenden beanspruchen und einem Nachfolger das von ihm aktuell ausge\u00fcbte Amt des Generalsekret\u00e4rs \u00fcberlassen. <\/p>\n<p><strong>Wie tickt Xi? Was wissen wir dar\u00fcber, was ihn beeinflusst hat und antreibt?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Xi z\u00e4hlt zu den am schwersten zu lesenden Staatsf\u00fchrern unserer Zeit. Wir wissen nicht, was er denkt, aber wir sollten darauf schauen, was er konsistent sagt \u2013 und es ernst nehmen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Seit er an der Macht ist, spricht Xi von zwei Revolutionen: der \u201eSelbstrevolution\u201c der Partei und der \u201egro\u00dfen sozialen Revolution\u201c Chinas. Das Erste meint die Bek\u00e4mpfung der Korruption. Es wurde viel dar\u00fcber spekuliert, dass seine Antikorruptionskampagne nur ein Vorwand war, um politische Gegner loszuwerden. In den vergangenen Jahren hat sie aber auch Xis enge Verb\u00fcndete und Weggef\u00e4hrten erfasst, einschlie\u00dflich des Anfang dieses Jahres abgesetzten Generals und stellvertretenden Vorsitzenden der Zentralen Milit\u00e4rkommission Zhang Youxia.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Xi, der den Untergang der Sowjetunion als die gr\u00f6\u00dfte Katastrophe des 20. Jahrhunderts sieht, glaubt, dass sie unterging, weil die Kommunistische Partei die Kontrolle \u00fcber die Ideologie und das Milit\u00e4r verlor und von innen zerbrach. Er betrachtet es als seine pers\u00f6nliche Mission, das \u00dcberleben der Partei zu sichern \u2013 die er als essenziell f\u00fcr das Fortbestehen der chinesischen Zivilisation sieht.<\/p>\n<p><strong>Und was verbirgt sich hinter dem Begriff \u201eSoziale Revolution\u201c?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Der Kampf gegen Armut, gegen Umweltverschmutzung und f\u00fcr Technologie. <\/p>\n<p><strong>Wenn Sie seine Mission zusammenfassen m\u00fcssten: Wie lautet sie?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Xis Platz in der Geschichte h\u00e4ngt davon ab, ob der Partei gelingt, die sozialen und wirtschaftlichen Versprechen einzul\u00f6sen. Und ob sie nach seinem Abgang fortbestehen kann. Das kann in seinen Augen nur mit absoluter politischer Disziplin erreicht werden. Am Ende ordnet Xi alles dem \u00dcberleben des Systems unter.<\/p>\n<p><strong>Wer sind die anderen m\u00e4chtigen M\u00e4nner neben ihm?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Neben den vorhin genannten Parteioberen Ding Xuexiang und Wang Huning sind es die anderen Mitglieder des siebenk\u00f6pfigen St\u00e4ndigen Ausschusses des Politb\u00fcros \u2013 Chinas oberstes Entscheidungsgremium ist seit dem Jahr 2022 vollst\u00e4ndig mit Xi-Loyalisten besetzt. <\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Ministerpr\u00e4sident Li Qiang ist ein langj\u00e4hriger Weggef\u00e4hrte Xis aus dessen Zeit in der Provinz Zhejiang, er war zuvor von 2017 bis 2023 Parteisekret\u00e4r von Shanghai, holte damals Tesla dorthin und gilt als wirtschaftsnah und pragmatisch. Zhao Leji, die offizielle Nummer drei, leitet den Nationalen Volkskongress und f\u00fchrte zuvor die gef\u00fcrchtete Disziplinarkommission der Partei. Die V\u00e4ter von Zhao und Xi sollen befreundet gewesen sein. Cai Qi, die Nummer f\u00fcnf, ist als Leiter des Generalb\u00fcros de facto Xis Stabschef. Dass ein Mitglied des St\u00e4ndigen Ausschusses gleichzeitig als Stabschef fungiert, das gab es zuletzt unter Mao.<\/p>\n<p><strong>Gibt es jemanden au\u00dferhalb dieses Gremiums?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Eine wichtige Person neben diesen M\u00e4nnern, die wir in der deutschen Debatte kaum auf dem Schirm haben, ist Xis Ehefrau Peng Liyuan. Die prominente Milit\u00e4rs\u00e4ngerin war vor Xis Amtsantritt in China deutlich bekannter als ihr Mann. Im Jahr 2024 wurde bekannt, dass Peng \u2013 selbst Generalmajorin \u2013 eine leitende Position im Kaderbeurteilungskomitee der Zentralen Milit\u00e4rkommission \u00fcbernommen hat. Dieses kontrolliert die Bef\u00f6rderung ranghoher Offiziere. Mehrere Politb\u00fcro-Mitglieder sollen ihre Karriere teilweise Verbindungen zu ihr verdanken. Pengs wachsende Rolle ruft Vergleiche mit Maos vierter Frau Jiang Qing hervor, die w\u00e4hrend der Kulturrevolution eine eigenst\u00e4ndige und gef\u00fcrchtete politische Machtbasis aufbaute. <\/p>\n<p><strong>Der kanadische Wissenschaftler Dan Wang bezeichnet China als Ingenieursland, anders als etwa die Vereinigten Staaten\u2013 und bezieht sich dabei ausdr\u00fccklich auf die obersten Entscheider. Ist das ein wichtiger Unterschied? Haben die Politb\u00fcro-Mitglieder meist einen naturwissenschaftlichen oder technischen Hintergrund im Gegensatz zu den Ministern oder Regierungschefs in westlichen Staaten?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Dan Wang zieht einen interessanten Vergleich, dem man allerdings entgegnen k\u00f6nnte, dass die USA, obwohl sie seit je von Anw\u00e4lten regiert wurden, bis vor etwa einem Jahrzehnt eine unangefochtene globale F\u00fchrungsrolle in Wissenschaft und Technologie innehatten. Noch im Jahr 2007 f\u00fchrten die USA in 60 von 64 kritischen Technologien, China nur in 3. Im Jahr 2023 f\u00fchrte China in 57, die USA nur in 7. Es geht also nicht nur um die Entscheider.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">China bildet pro Jahr 1,3 Millionen Ingenieure aus \u2013 etwa zehnmal so viele wie die USA und zwanzigmal so viele wie Deutschland. Der entscheidende Unterschied ist ein anderer.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">In China gibt es eine Vision der Modernisierung \u2013 etwas, das in den USA und Europa verloren gegangen ist. Es gibt keine amerikanische oder europ\u00e4ische Zukunftsvision, die vergleichbare Energie freisetzt. Diese Ingenieure haben ein \u00d6kosystem geschaffen, auf das die Regierung nach anf\u00e4nglichen Fehlern aufgesprungen ist. Der Erfolg des KI-Unternehmens Deepseek war auch f\u00fcr Peking eine \u00dcberraschung \u2013 die chinesische F\u00fchrung hat nach dem Crackdown gegen den Privatsektor in den Jahren 2020 bis 2023 inzwischen erkannt, dass sie ihn f\u00fcr ihre Innovationspolitik ben\u00f6tigt. Und hier liegt die Ironie.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Je mehr die USA und die EU chinesische Talente und Investitionen unter Verdacht stellen, desto weniger Alternativen bleiben diesen Talenten und Unternehmen \u2013 ihnen bleibt nur der chinesische Markt, egal ob sie der Regierung vertrauen oder nicht. Gleichzeitig hat das westliche Gegenmodell an Strahlkraft verloren. Gerade in der jungen Generation in China haben die Krisen in den USA und in Europa das Vertrauen in die Demokratie als \u00fcberlegenes System ersch\u00fcttert.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">China hat ein \u00d6kosystem geschaffen, das Innovation erm\u00f6glicht \u2013 mit weniger B\u00fcrokratie, weniger Gatekeepern und einer h\u00f6heren Risikobereitschaft. Geschwindigkeit und das Experimentieren sind Merkmale des Systems, nicht Ausnahmen. In Deutschland ist es umgekehrt \u2013 ein System, das Prozess mit Fortschritt verwechselt und Risikovermeidung f\u00fcr Verantwortung h\u00e4lt. Niemand stellt die eigentlich wichtige Frage: Was kostet es, das Risiko nicht einzugehen?<\/p>\n<p><strong>Immer wieder hei\u00dft es: China sei geduldig, die F\u00fchrung plane sehr langfristig und strategisch und habe einen viel l\u00e4ngeren Atem als die westlichen Demokratien. Ist das so?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Absolut. Sie m\u00fcssen nur auf die Linien schauen, die sich \u00fcber F\u00fcnfjahrespl\u00e4ne hindurchziehen. <\/p>\n<p><strong>Wie nimmt China gerade die USA wahr unter einem Pr\u00e4sidenten, der zu Jahresbeginn milit\u00e4risch in Venezuela eingriff, gerade Krieg gegen Iran f\u00fchrt und Kuba und anderen lateinamerikanischen L\u00e4ndern droht?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Peking beobachtet die amerikanischen Interventionen mit gemischten Signalen. Einerseits er\u00f6ffnen sie diplomatische Spielr\u00e4ume: China kann auf Verhandlungen dr\u00e4ngen, Washington als destabilisierend darstellen \u2013 und dieses Framing verf\u00e4ngt in Staaten, die amerikanische Gewaltanwendung kritisch sehen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Die Krisen legen strukturelle Verwundbarkeiten offen, die China unmittelbar betreffen. China ist der weltgr\u00f6\u00dfte Roh\u00f6limporteur. In den vergangenen Jahren flossen rund 90 Prozent der iranischen \u00d6lexporte nach China, oft zu verg\u00fcnstigten Preisen. Diese Vereinbarung ist nun zur Belastung geworden.<\/p>\n<p><strong>Fossile Energietr\u00e4ger haben sich seither deutlich verteuert. <\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Ja, und f\u00fcr China, dessen Wachstumsmodell nach wie vor auf industrieller Produktion und Exporten fu\u00dft, sind steigende Energiekosten keine abstrakten makro\u00f6konomischen Variablen \u2013 sie sind politische Risiken. Vor allem aber erinnert das Ganze daran, dass Chinas globale Position von milit\u00e4rischer St\u00e4rke abh\u00e4ngt und dass es den USA in dieser Hinsicht nach wie vor unterlegen ist.<\/p>\n<p><strong>Und wie sieht Peking Deutschland und Europa?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Die britische Zeitschrift \u201eThe Economist\u201c schrieb Ende letzten Jahres: \u201eEurope sees China as a rival. China sees Europe as a has-been.\u201c Das trifft einen Kern. Europa wird in Peking als schwach, zersplittert und innovationsfeindlich wahrgenommen. Gleichzeitig glaubt Peking, Europa angesichts der zunehmenden Differenzen mit Washington auf die eigene Seite ziehen zu k\u00f6nnen \u2013 und dass Deutschland und Europa ohnehin nicht ohne China k\u00f6nnen. Deshalb wurde auch das EU-Indien-Abkommen in Peking nicht als Problem gesehen. Doch in dieser Kalkulation fehlt etwas.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Ein Gesp\u00fcr daf\u00fcr, wie sehr das Vertrauen zu China in Europa erodiert ist \u2013 durch die Unterst\u00fctzung Russlands nach dem Angriff auf die Ukraine, durch die Marktverzerrungen, die inzwischen als strukturelle Bedrohung f\u00fcr die europ\u00e4ische Industrie wahrgenommen werden.<\/p>\n<p><strong>Friedrich Merz war inzwischen in Peking, die Bilder haben einen durchaus zufriedenen Bundeskanzler gezeigt, der nicht nur von den humanoiden Robotern begeistert schien. Ist das Verh\u00e4ltnis wieder besser als unter der Ampel?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Es war der wohl schwierigste Besuch eines Bundeskanzlers in Peking, den es je gegeben hat. Europa befindet sich erstmals in einer Situation, in der sowohl das transatlantische Verh\u00e4ltnis als auch die Beziehungen zu China strukturell belastet sind \u2013 milit\u00e4risch bleibt Europa auf die USA angewiesen, wirtschaftlich in zentralen Bereichen auf China. Auf dieser Reise ging es vor allem darum, eine pers\u00f6nliche Beziehung zwischen Merz und Xi aufzubauen, weil die Verflechtungen zwischen beiden L\u00e4ndern komplex genug sind, dass es im Zweifel einen belastbaren direkten Draht braucht.<\/p>\n<p><strong>Wie viel und welcher Handel mit China ist in Ordnung?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Die eigentliche Frage ist doch, was genau wollen wir sch\u00fctzen \u2013 und warum? F\u00fcr ein exportorientiertes Land wie Deutschland ist Handel grunds\u00e4tzlich gut. Aber wir m\u00fcssen klar definieren, welche Bereiche eine Frage der nationalen Sicherheit sind. Wo wir kritische Abh\u00e4ngigkeiten haben, etwa bei Rohstoffen oder Vorprodukten, m\u00fcssen wir diversifizieren. <\/p>\n<p><strong>Braucht Deutschland eine neue China-Strategie?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Deutschland braucht vor allem eine Deutschland-Strategie. Wir brauchen eine \u00dcbergangszeit mit Schutzma\u00dfnahmen, um uns anzupassen. Ohne sie riskieren wir, dass ganze Industriezweige verdr\u00e4ngt werden, bevor sie die Chance hatten, sich zu transformieren. Und wir m\u00fcssen uns die Frage stellen: Was wollen wir von China und warum? Wollen wir chinesische Unternehmen nach Deutschland holen, um unter unseren Bedingungen neue Innovations\u00f6kosysteme aufzubauen? Doch es kommt genauso auf Europa insgesamt an.<\/p>\n<p><strong>Weil wir allein zu klein sind?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Ja. Ohne eine koordinierte europ\u00e4ische Strategie sind wir sowohl gegen\u00fcber China als auch gegen\u00fcber den USA im Nachteil. Die EU-Institutionen m\u00fcssen deutlich schlagkr\u00e4ftiger werden: Die gr\u00f6\u00dfte \u201eBazooka\u201c, die wir haben, ist der europ\u00e4ische Binnenmarkt mit 450 Millionen Konsumenten \u2013 einer der kaufkr\u00e4ftigsten M\u00e4rkte der Welt. China braucht ihn, aber wir m\u00fcssen den Zugang steuern.<\/p>\n<p><strong>Mitunter ist von einer russisch-chinesischen Achse die Rede, besonders unter amerikanischen Analysten, aber auch in Europa. Wie ist denn das Verh\u00e4ltnis der beiden L\u00e4nder, die ja eine durchaus lange Geschichte miteinander haben?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">In den Analysen f\u00e4llt immer wieder der Begriff der \u201egrenzenlosen Partnerschaft\u201c. Die Partnerschaft hat aber Grenzen. Tats\u00e4chlich ist Russland f\u00fcr China ein schwieriger, potentiell instabiler, aber notwendiger Partner. Beide L\u00e4nder teilen sich eine mehr als 4200 Kilometer lange Landgrenze, \u201eda gibt es keinen Ausweg\u201c sagen chinesische Fachleute oft. Historisch waren sich die beiden L\u00e4nder nur selten innig.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Der ungleichste aller ungleichen Vertr\u00e4ge, den China im 19. Jahrhundert unterzeichnen musste, war einer mit Russland: Im Jahr 1858 musste China Territorium in Sibirien abtreten, das 12.700 Mal gr\u00f6\u00dfer war als Hongkong bei dessen Abtretung an Gro\u00dfbritannien im Jahr 1842. Auch die Beziehung mit der Sowjetunion war meist nicht gerade freundlich. Stalin hielt wenig von Mao und bezeichnete ihn einmal als \u201eH\u00f6hlen-Kommunisten\u201c, unter Chruschtschow kam es zu einem offenen ideologischen Bruch, der im Jahr 1969 beinahe zu einem bewaffneten Konflikt zwischen zwei Atomm\u00e4chten eskaliert w\u00e4re. Danach gab es ein Vierteljahrhundert lang keine diplomatischen Beziehungen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Gegenw\u00e4rtig ist der Zustand der Beziehung f\u00fcr China eine Frage der nationalen Sicherheit. Russland ist neben Saudi-Arabien Chinas wichtigster \u00d6llieferant \u2013 infolge des Irankriegs umso mehr. Und Russlands Stabilit\u00e4t ist aus chinesischer Sicht f\u00fcr die gesamte Peripherie relevant, von Xinjiang \u00fcber Zentralasien bis zur koreanischen Halbinsel. China wird eine abermalige Zerr\u00fcttung nicht riskieren. In diesem Kontext ist auch Chinas wirtschaftliche Unterst\u00fctzung f\u00fcr Russland zu lesen. Nat\u00fcrlich profitiert China von den Marktanteilen, die es von den westlichen Unternehmen \u00fcbernommen hat. Viel mehr aber geht es darum, Russland in einem Status quo zu halten: nicht so stark, dass Putin den Krieg gewinnt, aber stark genug, dass das Regime in Moskau nicht kollabiert. China mag keine Unsicherheit. Ein Machtvakuum in Moskau w\u00e4re die gr\u00f6\u00dfte Unsicherheit von allen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Frau Rudyak, der chinesische Volkskongress hat gerade den n\u00e4chsten F\u00fcnfjahresplan beschlossen, das konkrete politische Programm des Landes also.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":922912,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,548,663,158,3934,3935,13,14,15,12],"class_list":{"0":"post-922911","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europaeische-union","13":"tag-europe","14":"tag-european-union","15":"tag-headlines","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116351863891648714","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/922911","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=922911"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/922911\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/922912"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=922911"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=922911"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=922911"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}