{"id":927871,"date":"2026-04-07T14:12:31","date_gmt":"2026-04-07T14:12:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/927871\/"},"modified":"2026-04-07T14:12:31","modified_gmt":"2026-04-07T14:12:31","slug":"s-bahn-muenchen-baustelle-am-isartor-weshalb-deshalb-die-stammstrecke-gesperrt-ist-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/927871\/","title":{"rendered":"S-Bahn M\u00fcnchen: Baustelle am Isartor \u2013 weshalb deshalb die Stammstrecke gesperrt ist &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Aus der Dunkelheit taucht ein gewaltiger gelber Bagger auf Schienen auf. An seinem Greifer baumelt an einer Eisenkette ein l\u00e4nglicher Betonklotz, der im hellen Scheinwerferlicht sofort von den M\u00e4nnern in Orange in Empfang genommen wird. Mit geduldiger Pr\u00e4zision bringen die Bauarbeiter die Schwelle in die zuvor ausgemessene Position, der Bagger l\u00e4sst sie herab, und die Kette wird gel\u00f6st. Mit schnellen Handgriffen und schwerem Ger\u00e4t wird der Balken im Tunnelboden verankert. Es ist nur ein wenige Minuten langer Vorgang auf M\u00fcnchens derzeit wichtigster Baustelle \u2013 aber ein weiterer Baustein zur Ert\u00fcchtigung der Infrastruktur auf einem der meistbefahrenen Eisenbahntunnels Europas.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Noch bis zum Ende der Osterferien erneuert die Deutsche Bahn am Bahnhof <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Isartor\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Isartor<\/a> insgesamt vier Weichen. Und nicht wenige fragen sich, wie es sein kann, dass eine solche Instandsetzung \u2013 verbunden mit Arbeiten an der zweiten Stammstrecke \u2013 derart gravierende Auswirkungen auf den S-Bahn-Betrieb in der Landeshauptstadt haben kann. <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/muenchen-verkehr-osterferien-stau-s-bahn-stammstrecke-sperrungen-li.3460758\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Denn insgesamt zwei Wochen lang ist die Stammstrecke, auf der an normalen Tagen weit mehr als 800 000 Pendlerinnen und Pendler unterwegs sind, komplett gesperrt<\/a>; S-Bahnen wenden vorzeitig am Hauptbahnhof, Stachus, in Trudering oder am Ostbahnhof.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/7649f0dc-e7bf-4f51-9b09-73bef3b9db57.jpg\"   alt=\"Im Leitstand kann Projektmanager Emirhan Kutlu verfolgen, wie viele Bauarabeiter sich in welchem Bereich der Stammstrecke zwischen Marienplatz und Rosenheimer Platz aufhalten.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Im Leitstand kann Projektmanager Emirhan Kutlu verfolgen, wie viele Bauarabeiter sich in welchem Bereich der Stammstrecke zwischen Marienplatz und Rosenheimer Platz aufhalten. Florian Peljak<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Aufschluss soll ein Besuch im Untergrund bringen. Den Weg dorthin darf aber nur antreten, wer einen sogenannten Ortungstransponder bei sich tr\u00e4gt. Das unscheinbare Ger\u00e4t im Kreditkartenformat erm\u00f6glicht es den Menschen im Leitstand, einem Container an der Oberfl\u00e4che des Isartorplatzes, auf Bildschirmen zu sehen, wer sich gerade in den Untiefen der M\u00fcnchner Stammstrecke aufh\u00e4lt \u2013 und insbesondere wo. \u201eDas ist keine normale Baustelle\u201c, sagt Projektmanager Emirhan Kutlu zwischen den Containern des kleinen, eingez\u00e4unten Baustellendorfes auf dem Isartorplatz, bevor er die Besucher \u00fcber den Eingang an der Zweibr\u00fcckenstra\u00dfe in den S-Bahnhof Isartor f\u00fchrt. \u201eWir haben es hier mit ganz besonderen Gegebenheiten zu tun.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u00dcber die Treppe geht es hinunter in den Bahnhof mit seinen markanten gr\u00fcnen S\u00e4ulen auf dem Bahnsteig. Der ist voll gestellt mit Metallkisten, herausgerissenen Bahnschwellen, Kabel liegen am Boden. Auf einer der Sitzb\u00e4nke haben Bauarbeiter ihre Rucks\u00e4cke samt Brotzeitdosen und Getr\u00e4nkeflaschen abgestellt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/e930a073-bae2-45e2-a4d6-2dcd2b717ed3.jpg\"   alt=\"Insgesamt 150 neue Bahnschwellen m\u00fcssen die Bauarbeiter am Isartor verbauen.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Insgesamt 150 neue Bahnschwellen m\u00fcssen die Bauarbeiter am Isartor verbauen. Florian Peljak<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/2a1d8449-5a2a-4148-b3d5-571f899dc5b0.jpg\"   alt=\"Und dar\u00fcber sind die Gleise neu zu verlegen.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Und dar\u00fcber sind die Gleise neu zu verlegen. Florian Peljak<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Vom anderen Ende des Bahnsteigs aus der R\u00f6hre in Fahrtrichtung Marienplatz dringt Baul\u00e4rm her\u00fcber. Auf dem gegen\u00fcberliegenden Gleis in Fahrtrichtung Ostbahnhof steht ein mehrere Hundert Meter langer Zug, dessen Waggons bis obenhin mit Bahnschwellen aus Beton gef\u00fcllt sind. Dem Material, das den Betrieb am S-Bahnhof Isartor wieder zukunftsfest machen soll. Denn sie ersetzen eine Infrastruktur, die noch aus den Anf\u00e4ngen der Stammstrecke unter der M\u00fcnchner Innenstadt stammt: Schwellen aus Holz, die dort zu Beginn der Siebzigerjahre eingesetzt worden waren \u2013 und ebenso alter Schotter, der ersetzt werden muss.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/projekte\/artikel\/muenchen\/muenchen-s-bahn-50-jahre-unvergesslich-e919624\/\" aria-label=\"Artikelverlinkung:\" data-track-szde=\"{&quot;event&quot;:&quot;teaser_clicked&quot;,&quot;teaser_clicked&quot;:{&quot;article_title&quot;:&quot;sehr_verehrte_fahrgaeste_der_stellwerksleiter_hat_uns_vergessen&quot;,&quot;doctype&quot;:&quot;&quot;,&quot;label&quot;:&quot;&quot;,&quot;main_topic&quot;:&quot;muenchen&quot;,&quot;object_id&quot;:&quot;er.e919624&quot;,&quot;pcat&quot;:&quot;free&quot;,&quot;section&quot;:&quot;muenchen&quot;,&quot;teaser_type&quot;:&quot;article_teaser_top&quot;}}\" data-manual=\"teaser-url\" data-tb-link=\"\" aria-labelledby=\"teaser-httpswwwsueddeutschedeprojekteartikelmuenchenmuenchen-s-bahn-50-jahre-unvergesslich-e919624\" class=\"css-14tg8sh\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/e8dcbaa7-be72-4f33-94f7-b49972265731.jpeg\"   alt=\"\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/><\/p>\n<p>Erfahrungen mit der S-Bahn<\/p>\n<p>:&#8220;Sehr verehrte Fahrg\u00e4ste, der Stellwerksleiter hat uns vergessen&#8220;<\/p>\n<p class=\"css-a6ecqs\" data-manual=\"teaser-text\" data-tb-description=\"\" data-schema-org-speakable=\"true\">Manchmal f\u00fchlt man sich nicht nur wie auf dem Abstellgleis: Unvergessliche Erlebnisse von SZ-Leserinnen und -Lesern in der M\u00fcnchner S-Bahn &#8211; die sogar den Atem rauben.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Diesen haben die Bauarbeiter am westlichen Bahnhofsausgang Richtung Innenstadt bereits abgetragen. Sie verlegen dort an \u201eWeiche 4\u201c Schwelle um Schwelle, um im Anschluss die vorgefertigten Gleise darauf zu betten und festzuschrauben. Insgesamt 150 neue Bahnschwellen m\u00fcssen die Arbeiter in den Osterferien platzieren, zudem werden 1500 Tonnen Schotter neu aufgebracht \u2013 und das im 24-Stunden-Schichtbetrieb. In der Tagschicht sind stets 32 Mann zugange, in der Nacht wird die Mannschaft auf etwa 25 Kollegen verkleinert.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Und die m\u00fcssen mit engen Platzverh\u00e4ltnissen k\u00e4mpfen, die das Vorhaben besonders komplex machen. \u201eEs gibt zwei Varianten, eine neue Weiche einzubauen\u201c, sagt Projektmanager Kutlu. \u201eMan setzt vormontierte Weichen an dem vorhergesehenen Platz oder man baut sie vor Ort zusammen.\u201c Letzteres erleichtere die Arbeit nat\u00fcrlich deutlich, aber der Tunnelquerschnitt unter dem Isartorplatz habe den Einbau vorgefertigter Weichen \u2013 eine jede im montierten Zustand etwa 25 Tonnen schwer \u2013 verhindert. \u201eDadurch m\u00fcssen wir alle Einzelteile direkt im Tunnel zusammensetzen. Das kostet auch Zeit\u201c, so Kutlu.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Und bei dieser Arbeit wirbeln die Bauarbeiter zu jeder Tages- und Nachtzeit vor allem eines auf: gewaltige Mengen an Staub. Vor diesem m\u00fcssen nicht nur die Bauarbeiter gesch\u00fctzt werden, auch die \u201eStadtluft\u201c, wie Kutlu sagt, d\u00fcrfe nicht mit dem anfallenden Feinstaub belastet werden. Verhindert wird dies mit einem ausgekl\u00fcgelten System, dessen gigantische Ausma\u00dfe im Zwischengeschoss des Bahnhofs Isartor zu bestaunen und auch zu h\u00f6ren sind.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/c32f5300-d173-48fd-ac2e-11d60606f67d.jpg\"   alt=\"\u00dcber drei gewaltige R\u00f6hren auf den Treppen und Rolltreppen wird die Luft aus dem Untergrund nach oben transportiert.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>\u00dcber drei gewaltige R\u00f6hren auf den Treppen und Rolltreppen wird die Luft aus dem Untergrund nach oben transportiert. Florian Peljak<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Angesaugt wird die belastete Luft, die zuvor als Frischluft je nach Lage der Baustelle vom Marienplatz oder Rosenheimer Platz aus zugef\u00fchrt wird, durch einen kreisrunden Ventilator mit mehreren Metern Durchmesser auf dem Bahnsteig. Durch drei R\u00f6hren, die \u00fcber die Rolltreppen und Treppenaufg\u00e4nge verlaufen, wird die Luft in das Zwischengeschoss transportiert \u2013 begleitet von einem ohrenbet\u00e4ubenden L\u00e4rm und dem best\u00e4ndigen Vibrieren der Au\u00dfenh\u00fcllen der Schl\u00e4uche. Vom Zwischengeschoss f\u00fchren die R\u00f6hren ins Freie und in ein wei\u00dfes Unget\u00fcm an der Frauenstra\u00dfe, in dem der Staub aus der Luft gefiltert und diese wieder in die Stadt gepustet wird.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/c91aab14-60f9-48ef-b77e-e76ade4a54f3.jpg\"   alt=\"\u00dcber einen gro\u00dfen Ventilator wird die Luft vom Bahnsteig angesogen.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>\u00dcber einen gro\u00dfen Ventilator wird die Luft vom Bahnsteig angesogen. Florian Peljak<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Noch bis zum Ende der Sommerferien werden die Arbeiten am Isartor andauern. Am Montag, 13. April, endet aber die Komplettsperrung der Stammstrecke gegen 4.40 Uhr in der Nacht. F\u00fcr den Abbau der L\u00fcftungstechnik aber ben\u00f6tigen die Firmen noch etwas l\u00e4nger Zeit. Dies hat zur Folge, dass am Rosenheimer Platz bis 15. April (wieder 4.40 Uhr) keine S-Bahnen halten; der Bahnhof Isartor kann sogar bis 18. April nicht angefahren werden.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Zumindest am Isartor, so Kutlu, sei die Infrastruktur danach aber auf einem Stand, der \u201esehr lange halten soll\u201c. Klar ist aber bereits jetzt, dass die gesamte Stammstrecke, die rechtzeitig zu den Olympischen Sommerspielen im Jahr 1972 in Betrieb gegangen war, generalsaniert werden muss. Dies kann aber erst dann geschehen, wenn die <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Zweite_Stammstrecke\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">zweite Stammstrecke<\/a> in Betrieb geht. Also fr\u00fchestens in zehn Jahren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Aus der Dunkelheit taucht ein gewaltiger gelber Bagger auf Schienen auf. 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