{"id":931350,"date":"2026-04-08T22:59:17","date_gmt":"2026-04-08T22:59:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/931350\/"},"modified":"2026-04-08T22:59:17","modified_gmt":"2026-04-08T22:59:17","slug":"ex-gastronom-chris-striebel-kein-strom-kein-sprit-aber-geduld-so-erlebt-ein-stuttgarter-kubas-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/931350\/","title":{"rendered":"Ex-Gastronom Chris Striebel: Kein Strom, kein Sprit \u2013 aber Geduld: So erlebt ein Stuttgarter Kubas Krise"},"content":{"rendered":"<p>Der ehemalige Stuttgarter Gastronom Chris Striebel lebt seit 13 Jahren auf Kuba und berichtet von der dramatischen Lage auf der Karibikinsel, deren Zukunft v\u00f6llig ungewiss ist.<\/p>\n<p>\ufeffEs ist eine versch\u00e4rfte Warnung: Das Ausw\u00e4rtige Amt der Bundesrepublik r\u00e4t dringend von Reisen nach <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Kuba\" title=\"Kuba\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kuba<\/a> ab. Aber wer will derzeit wirklich auf die karibische Insel? Bei den Horrormeldungen. \u00dcber Not und Mangel in jedem Bereich. An <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Strom\" title=\"Strom\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Strom<\/a>, seit US-Pr\u00e4sident Donald Trump die <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.umbau-des-kabinetts-in-venezuela-delcy-rodr-guez-staerkt-ihre-macht-in-venezuela.a975ac7d-de72-4bb0-abc5-bb6c44e422b9.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">\u00d6llieferungen aus Venezuela blockiert hat<\/a>, an frischem Wasser, weil die Wasserpumpen auch Elektrizit\u00e4t brauchen. \u00dcber Busse, die nicht fahren und Flugzeuge, die nicht abheben, weil Sprit fehlt. Von Preisen, die explodieren, weil Lebensmittel knapp werden. Und einer v\u00f6llig ungewissen Zukunft. <\/p>\n<p>Wie lebt man dort unter diesen Umst\u00e4nden? Wie \u00fcberleben die Kubaner? \u201eHeute morgen ist <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.schwere-krise-kaum-jemand-kommt-kuba-zu-hilfe.26f816a0-f2bc-427a-a211-92c21a4a1bd6.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">ein \u00d6ltanker mit 730.000 Barrel \u00d6l in Kuba angekommen<\/a>\u201c, ist beinahe das Erste, was Chris Striebel sagt, als wir ihn nach Jahren in seinem Stamm-Bistro wieder treffen. Der ehemalige P\u00e4chter vom <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Teehaus\" title=\"Teehaus\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Teehaus<\/a> im Wei\u00dfenburgpark lebt seit 13 Jahren auf Kuba und weilt gerade in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stuttgart<\/a>. H\u00f6rt man da ein hoffnungsvolles Aufatmen heraus? Aber nein, Striebel ist Realist: \u201eDas erste \u00d6l nach drei Monaten ist nicht mal ein Tropfen auf dem hei\u00dfen Stein. Und seither ist nichts nachgekommen.\u201c Eine Woche sp\u00e4ter neue Hoffnung: \u201eDie Russen haben weitere Lieferungen angek\u00fcndigt.\u201c<\/p>\n<p>Gekocht wird bei Stromausfall im Freien <\/p>\n<p>Angefangen, so Striebel, haben die Stromsperren schon im Mai 2025: Havanna, die Hauptstadt, werde am l\u00e4ngsten versorgt, aber ihn, in Baracoa im \u00e4u\u00dfersten Osten der Insel, habe es voll erwischt: \u201eDa gab es oft nur zwei Stunden Strom am Tag. Meistens nachts zwischen 2 und 4 Uhr. In der Hoffnung, dass die Menschen nicht nachts aufstehen, um zu kochen.\u201c Und nat\u00fcrlich reichten zwei Stunden Strom nicht aus, um Lebensmittel in K\u00fchlschr\u00e4nken und erst recht in Tiefk\u00fchltruhen vor dem Verderben zu bewahren. <\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/media.media.f3482153-97ee-4297-b40b-5b3f9a5df342.original1024.media.jpeg\"\/>     Chris Striebel war fr\u00fcher P\u00e4chter des Teehauses im Wei\u00dfenburgpark.    Foto: Heidemarie A. Hechtel    <\/p>\n<p>Was macht man? \u201eMan legt keine Vorr\u00e4te an und kocht mit einer cocina al carbon.\u201c Striebel zeigt ein Foto davon: Ein simples Gestell f\u00fcr Kochtopf und Pfanne, beheizt mit Holzkohle. \u201eDie dann sofort im Preis steigt.\u201c Gekocht werden darf damit nur im Freien, sonst droht die Vergiftung mit Kohlenmonoxid. \u201eIch habe einen Patio, einen Innenhof. Andere kochen einfach auf der Stra\u00dfe, was bleibt ihnen sonst \u00fcbrig.\u201c<\/p>\n<p>Aber die Zubereitung von warmen Mahlzeiten macht nur den geringsten Teil beim Energiebedarf aus. Als \u201eregelrecht paralysiert\u201c schildert Striebel das Leben auf der Insel, \u201eseit vom 9. Januar an kein Tropfen \u00d6l mehr ins Land kam.\u201c Weder aus Venezuela, dessen Staatschef Maduro Trump hatte entf\u00fchren lassen, noch aus Mexiko, das sich ebenfalls dem Lieferverbot Trumps gebeugt hatte. Die Stromsperren kosten Leben, wei\u00df Striebel. Fr\u00fchchen sterben, weil die Inkubatoren kalt bleiben, Patienten, weil Operationen ausfallen. \u00dcberall herrsche Stillstand, in Restaurants und Caf\u00e9s, Hotels st\u00fcnden leer, Touristen bleiben aus, Havanna, sonst f\u00fcr das bunte und quirlige Leben ger\u00fchmt, ist verwaist. <\/p>\n<p>Ein Liter Sprit kostet auf dem Schwarzmarkt einem Monatslohn <\/p>\n<p>Auf den Stra\u00dfen wachsen die M\u00fcllberge. Striebel hat auf dem Paseo de Marti in Havanna, der vierspurigen Prachtstra\u00dfe, die am Regierungspalast vorbeif\u00fchrt, fotografiert: Wo einmal reger Autoverkehr herrscht, verlieren sich ein Fahrrad und zwei Fahrrad-Rikschas in der Weite. \u201eDer Schwarzmarktpreis f\u00fcr den Liter Sprit betr\u00e4gt 5000 Pesos, das sind zehn US-Dollar und entspricht einem Monatslohn auf Kuba. Die Kubaner tragen es mit Fassung. Sie sind so sozialisiert, dass sich mit Paciencia, Geduld, alles regelt.\u201c<\/p>\n<p>Ob ihn eine gewisse Wesensverwandtheit mit den Kubanern verbindet oder ob er sich angepasst hat: Striebel beherrscht offenbar die Strategie, die st\u00e4ndigen Probleme irgendwie zu l\u00f6sen. Zum Beispiel die Fahrt zum Flughafen von Havanna, 18 Stunden von Baracoa entfernt, obwohl kaum mehr Busse fahren und nur noch Einheimische mitfahren d\u00fcrfen. \u201eIch kenne da einen Busfahrer\u2026\u201c, deutet Striebel an. Oder als \u00c4nderungen bei der Bank in Stuttgart eine intensive Internet-Korrespondenz n\u00f6tig gemacht h\u00e4tten, aber das Internet kaum zur Verf\u00fcgung stand. Da war ein Freund mit eigenen Generatoren die Rettung.<\/p>\n<p> So gehen viele Geschichten. Jedenfalls ist Striebel zum Flughafen gekommen: Hei\u00df wie eine Sauna und \u201evon extremem Geruchsniveau\u201c, wie er sich dezent ausdr\u00fcckt, weil Klimaanlage und Wasserpumpen nicht arbeiteten. <\/p>\n<p> <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.kuba-reisewarnung-cuba-aa.ad51dc0e-f527-434e-9148-554a8d7a7338.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Von der Warnung des Ausw\u00e4rtigen Amtes<\/a> f\u00fchlt sich der bald 64-J\u00e4hrige nicht betroffen. Er wird selbstverst\u00e4ndlich einen R\u00fcckflug buchen und will endlich die st\u00e4ndige Aufenthaltsgenehmigung f\u00fcr Kuba bekommen. Daf\u00fcr muss er hier Dokumente besorgen. Ist ihm sein Paradies nicht inzwischen verg\u00e4llt? Denn er hat nach einem erfolgreichen Start mit seinem Boutique-Hotel Arca de Noe bittere R\u00fcckschl\u00e4ge verkraften m\u00fcssen. Zuerst durch einen Hurrican, der 2016 Baracoa verw\u00fcstete, dann durch die erste Wahl von Donald Trump zum US-Pr\u00e4sidenten, der das Embargo f\u00fcr Kuba nach der Lockerung durch seinen Vorg\u00e4nger Obama wieder versch\u00e4rfte und seit 2018 die Lieferungen alles Lebensnotwendigen von Benzin bis zu Medikamenten stoppte. Schlie\u00dflich durch die Pandemie und nun erneut durch Trump, der erkl\u00e4rte, er k\u00f6nne mit Kuba machen, was er wolle. <\/p>\n<p> Baracoa ist jetzt das Zuhause des fr\u00fcheren Stuttgarters <\/p>\n<p>Das Hotel steht leer und zum Verkauf. Aber Striebel will bleiben. Baracoa sei jetzt sein Zuhause, f\u00fcr ihn der sch\u00f6nste Flecken Erde, tropisch gr\u00fcn, mit kristallklarem Wasser aus 30 Fl\u00fcssen und herrlichem Klima, in dem alles gedeiht. Egal, ob die Familie Castro am Ruder bleibt <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.video-politics-koennte-damit-machen-was-ich-will-trump-deutet-uebernahme-kubas-an.d233ff61-7a46-4a70-b068-6413dd1b4a36.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">oder Kuba von den USA vereinnahmt wird<\/a>. Gegen die Stromsperren wird er sich mit der Anschaffung von Solarpaneelen wappnen. Und gegen die ungewisse Zukunft mit Geduld und Gelassenheit. Nach Art von Land und Leuten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der ehemalige Stuttgarter Gastronom Chris Striebel lebt seit 13 Jahren auf Kuba und berichtet von der dramatischen Lage&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":931351,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1830],"tags":[1634,203479,3364,29,30,4047,1510,52436,2185,1441,8079,85897,113,8080],"class_list":["post-931350","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-stuttgart","tag-baden-wuerttemberg","tag-chris-striebel","tag-de","tag-deutschland","tag-germany","tag-kuba","tag-oel","tag-reisewarnung","tag-strom","tag-stuttgart","tag-teehaus","tag-textmanager","tag-trump","tag-weissenburgpark"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116371572025601140","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/931350","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=931350"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/931350\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/931351"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=931350"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=931350"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=931350"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}