{"id":931625,"date":"2026-04-09T01:42:14","date_gmt":"2026-04-09T01:42:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/931625\/"},"modified":"2026-04-09T01:42:14","modified_gmt":"2026-04-09T01:42:14","slug":"leipzig-neue-hgb-ausstellung-erkundet-geschichte-der-schriftgestaltung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/931625\/","title":{"rendered":"Leipzig: neue HGB-Ausstellung erkundet Geschichte der Schriftgestaltung"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\nJanine Sauter steht inmitten historisch anmutender Schr\u00e4nke und zieht eine schwere Holzschublade auf. Im Inneren lagern, sorgsam geordnet, Buchstaben aus Blei. &#8222;Maxima halbfett&#8220; steht auf dem Namensschild. &#8222;Die Maxima ist f\u00fcr uns gerade wichtig, da wir sie f\u00fcr unser Konzept benutzt haben,&#8220; erkl\u00e4rt Sauter. Sie kam aus Z\u00fcrich an die HGB und ist nun im sechsten Semester in der Klasse von Schriftgestalter Ond\u0159ej B\u00e1chor eingeschrieben.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nF\u00fcr die Ausstellung &#8222;A Typographic Atlas&#8220; hat sie sich mit anderen Studierenden auf die Suche nach verborgenen Schrift-Sch\u00e4tzen in der Werkstatt f\u00fcr Handsatz gemacht.\n<\/p>\n<p><a name=\"Maxima\">DDR-Schrift Maxima<\/a>: ein Ausflug in die HGB-Geschichte<\/p>\n<p class=\"text\">\nF\u00fcr die Studentin er\u00f6ffnete sich mit der Schrift Maxima eine T\u00fcr in die <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/leipzig\/leipzig-leipzig-land\/ausstellung-hgb-nationalsozialismus-geschichte-kultur-news-100.html\" title=\"Leipzig: Ausstellung zeigt die HGB im Nationalsozialismus\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Geschichte der Hochschule<\/a>. HGB-Schriftgestalter Gert Wunderlich entwarf die Maxima 1969. &#8222;Deshalb wollten wir das als Verbindung zu diesem Ort hier nutzen,&#8220; berichtet die Studentin. &#8222;Wir wollten sie mal gro\u00df und sichtbar machen und aus den schweren Schr\u00e4nken rausholen.&#8220; Nun leuchtet die Maxima in riesigen, signalroten Buchstaben von den wei\u00dfen W\u00e4nden der Hochschulgalerie.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nIm Kontrast zu ihren klaren Formen wimmelt es auf den Schauw\u00e4nden im Ausstellungsraum nur so von vielf\u00e4ltigen Gestaltungsideen. Schriftzeichen, mal weich, mal eckig, futuristisch anmutend oder klassisch und schlicht. Dazu Ziffern und Symbole \u2013 auch aus anderen <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/wissen\/archaeologie-fruehgeschichte\/buchhaltung-siegelzylinder-bilder-proto-keilschrift-100.html\" title=\"Die Macht der Bilder: Wie aus Buchhaltungssiegeln die fr\u00fche Schrift entstand\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Schriftsystemen<\/a>, beispielsweise der arabischen oder asiatischen Kultur.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Wie werden Schriftarten verwendet \u2013 m\u00f6glicherweise manipuliert und pr\u00e4sentiert?<\/p>\n<p>Ond\u0159ej B\u00e1chor, Professor f\u00fcr Type-Design in Leipzig<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\nSchriftgestaltung verstehe sich als kulturelle Praxis, erl\u00e4utert Ond\u0159ej B\u00e1chor das Konzept seiner Lehre:\u00a0&#8222;Wir suchen nach unterschiedlichen Wegen der Formfindung. Uns interessiert nicht nur die Geschichte der Schriftgestaltung, sondern auch ihre Verwendung im <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/wissen\/buchempfehlung-warum-bienen-kein-rot-sehen100.html\" title=\"Buchempfehlung: Warum Bienen kein Rot sehen und wir manchmal blaumachen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Grafikdesign<\/a>. Also, wie werden Schriftarten verwendet \u2013 m\u00f6glicherweise manipuliert und pr\u00e4sentiert?&#8220;\n<\/p>\n<p><a name=\"Atlas\">Ein Atlas<\/a> der Schriften zum Durchwandern<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie Idee zur Ausstellung &#8222;A Typographic Atlas&#8220; entstand an der Kunsthochschule ECAL in Lausanne. Studierende aus 30 L\u00e4ndern haben ihre Entw\u00fcrfe zu einer Art Atlas zusammengef\u00fchrt. Einem, in dem man nicht bl\u00e4ttern, sondern den man in Form dieser Ausstellung durchwandern kann. Nach Einladung von Ond\u0159ej B\u00e1chor kam die Schau nach <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/leipzig\/leipzig-leipzig-land\/neue-dauerausstellung-capa-haus-kultur-news-100.html\" title=\"Leipzig: Foto-Ausstellung zum Zweiten Weltkrieg im Capa-Haus neu gestaltet\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Leipzig<\/a>. Seine Studentinnen und Studenten bereicherten sie mit eigenen Arbeiten und machen den Galerieraum zum tempor\u00e4ren Klassenraum.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nAusstellungsbesucherinnen und -besucher sollen so den Entstehungsprozess neuer Schriften miterleben k\u00f6nnen. Schrift ist das, was wir alle teilen, meint die Leiterin der HGB-Galerie, Ilse Lafer. &#8222;Wir verst\u00e4ndigen uns mit Zeichen.\u00a0Ob das jetzt sprachliche Zeichen sind oder andere, es sind immer \u00dcbersetzungen von Zeichen.&#8220; Diese Erfahrung m\u00f6chte man in der Ausstellung vermitteln. &#8222;Und auch, dass dahinter immer Menschen stehen,&#8220; erg\u00e4nzt Lafer. &#8222;Diese Menschen sind nicht nur Handwerkerinnen, sondern K\u00fcnstlerinnen, denn sie erschaffen etwas.&#8220;\n<\/p>\n<p><a name=\"Schrift\">Welche Schrift<\/a> eignet sich f\u00fcr Proteste unserer Zeit?<\/p>\n<p class=\"text\">\nNagyeong Heo ist eine dieser K\u00fcnstlerinnen. F\u00fcr ihre Schrift Forta lie\u00df sie sich von den Protest-Plakaten der Suffragetten Anfang des 20. Jahrhunderts inspirieren. Bei der Recherche stie\u00df sie auch auf einen Entwurf der 1924 geborenen Designerin Anna Maria Schildbach. Ihre eigene Schrift Forta sei eine Art Remake, erkl\u00e4rt Nagyeong Heo: &#8222;Ich habe \u00fcberlegt, welche Schriftart zu einem Protest passen w\u00fcrde&#8220;.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Wie eine Schrift aussieht, ist nat\u00fcrlich wichtig, aber genauso wichtig ist f\u00fcr mich die Geschichte dahinter.<\/p>\n<p>Nagyeong Heo, Studentin an der HGB<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\nSchildbachs Schrift Montan<strong> <\/strong>gefiel Nagyeong Heo aufgrund ihrer kr\u00e4ftigen Form. Sie \u00fcberarbeitete die Buchstaben, entwarf zudem noch Zeichen dazu. Ihre Neugestaltung der Schrift ist auch eine Reminiszenz an Anna Maria Schildbach, als eine der ersten Schriftgestalterinnen, berichtet Nagyeong Heo: &#8222;Wie eine Schrift aussieht, ist nat\u00fcrlich wichtig, aber genauso wichtig ist f\u00fcr mich die Geschichte dahinter. Zu wissen, wer sie entworfen hat, wann und zu welchem Zweck.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nEinen bestimmten Zweck hat auch Nagyeong Heo mit ihrer Neugestaltung im Sinn, die sie im Rahmen der Ausstellung pr\u00e4sentieren wird. Vielleicht, so hofft die Studentin, verwendet jemand ihre Forta, um seinen Protest gut sichtbar auszudr\u00fccken. Anl\u00e4sse gibt es ja zu Gen\u00fcge. Jede Zeit, das zeigt &#8222;A Typographic Atlas&#8220; auf faszinierende Weise, bringt ihre eigenen Schriften hervor, gewachsen auf dem Humus vergangener Epochen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Janine Sauter steht inmitten historisch anmutender Schr\u00e4nke und zieht eine schwere Holzschublade auf. 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