{"id":936693,"date":"2026-04-11T02:02:25","date_gmt":"2026-04-11T02:02:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/936693\/"},"modified":"2026-04-11T02:02:25","modified_gmt":"2026-04-11T02:02:25","slug":"krieg-im-nahen-osten-weiss-nicht-wer-lebt-und-wer-nicht-wie-iranischstaemmige-stuttgarter-bangen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/936693\/","title":{"rendered":"Krieg im Nahen Osten: \u201eWei\u00df nicht, wer lebt und wer nicht\u201c \u2013 wie iranischst\u00e4mmige Stuttgarter bangen"},"content":{"rendered":"<p>\u201eMir geht es gar nicht gut, ich f\u00fchle mich leer\u201c, sagt die 33-J\u00e4hrige Lena Raisdanai klar, fast n\u00fcchtern und trifft damit die Gef\u00fchlslage, die viele iranischst\u00e4mmige Menschen derzeit teilen.<\/p>\n<p>Noch vor wenigen Wochen hatte Raisdanai, Nahostwissenschaftlerin und Aktivistin aus <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stuttgart<\/a>, Hoffnung gesp\u00fcrt, als unsere Zeitung damals mit ihr sprach. Nach dem Tod des iranischen F\u00fchrers Ali Chamenei sei sie \u201edas ganze Wochenende auf der Stra\u00dfe gewesen\u201c, erz\u00e4hlt sie. Menschen h\u00e4tten getanzt, gefeiert, geglaubt, dass sich nun etwas ver\u00e4ndern k\u00f6nnte. Heute ist davon wenig geblieben. \u201eMan f\u00fchlt sich einfach komplett leer\u201c, sagt Raisdanai. \u201eUnd dadurch, dass man einfach nicht wei\u00df, was Trump als n\u00e4chstes macht, <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.fragen-antworten-vereinbarte-waffenruhe-wie-ist-der-stand-in-der-strasse-von-hormus.82f6c164-1be4-406a-ad45-4b7fca780c4e.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">ist das einfach so eine Hilflosigkeit.<\/a>\u201c Die Bilder aus ihrer Heimat verst\u00e4rken das Gef\u00fchl der Ohnmacht. \u201eEcken und Stra\u00dfen, auf denen man gelaufen ist, sind pl\u00f6tzlich zerst\u00f6rt\u201c, beschreibt sie. <\/p>\n<p>Ein schlechtes Gewissen im Alltag <\/p>\n<p>Besonders belastend ist auch die st\u00e4ndige Ungewissheit. Der Kontakt in den Iran ist weiterhin stark eingeschr\u00e4nkt. Seit 40 Tagen ist der Iran vom Internet abgeschnitten. Das ist die l\u00e4ngste staatliche Netzsperre, die es je gab. \u201eIch wei\u00df nicht, wer lebt und wer nicht\u201c, sagt Raisdanai. W\u00e4hrend einzelne Familienmitglieder sie erreichen konnten, herrscht bei Freunden oft v\u00f6llige Funkstille.\u201eDas macht einen verr\u00fcckt\u201c, sagt sie.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/media.media.ccc2f48c-e968-4ac2-a483-75d56c22bd02.original1024.media.jpeg\"\/>     Arwin Mirzaie (links) macht immer wieder auf das Schicksal von Iranern aufmerksam. Der Nahostwissenschaftlerin und Aktivistin Lena Raisdanai (rechs) ist es wichtig, Aufmerksamkeit auf die Lage im Iran zu lenken.    Foto: privat    <\/p>\n<p>Der Alltag f\u00fchlt sich f\u00fcr Raisdanai oft unwirklich an. In Stuttgart lebt sie in Sicherheit \u2013 w\u00e4hrend Menschen in ihrer Heimat t\u00e4glich um ihr Leben f\u00fcrchten. Dass sie daran nichts \u00e4ndern kann, macht es nicht leichter. Es bleibt ein nagendes Gef\u00fchl: \u201eMan hat ein schlechtes Gewissen, wenn man lacht.\u201c Viele Menschen in ihrem Umfeld begegneten ihr mit Empathie. \u201eJemand, der einfach zuh\u00f6rt und sagt: Ich kann es nicht nachvollziehen, aber ich sehe, dass es dir nicht gut geht \u2013 das hilft schon\u201c, sagt sie.<\/p>\n<p>Einstellung von Arwin Mirzaie ist gleich geblieben <\/p>\n<p> Arwin Mirzaie hat noch entfernte Verwandte im Iran, zu denen jedoch kein Kontakt besteht. <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.stuttgarter-brueder-aktiv-fuer-iran-die-bilder-von-leichensaecken-gehen-unter-die-haut.a8f6b526-d42f-440a-9ce2-2ef7fe2fb348.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Der 25-J\u00e4hrige ist im Verein \u201eJunge Stimme Iran\u201c aktiv.<\/a> Er ist der Meinung, dass \u201eein <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Krieg\" title=\"Krieg\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Krieg<\/a> von au\u00dfen das Regime nicht zum Sturz bringen kann\u201c. F\u00fcr eine \u201enachhaltige Demokratie mit Freiheiten\u201c bed\u00fcrfe es \u201eeines organisierten Widerstands von innen\u201c. Seine Position, die er unserer Zeitung vor ein paar Wochen gegen\u00fcber deutlich machte, hat sich nicht ge\u00e4ndert, vielmehr sieht er sich darin best\u00e4tigt: \u201eWir sehen, dass dieser Krieg jetzt nat\u00fcrlich nicht das Regime gest\u00fcrzt hat.\u201c<\/p>\n<p>Die aktuelle Stimmung im Iran beschreibt der Stuttgarter als \u201esehr explosiv\u201c. Es herrsche gro\u00dfe Wut gegen\u00fcber dem Mullah-Regime und die Menschen dort w\u00fcrden es nach wie vor ablehnen. Die vereinbarte Waffenruhe sei eine Erleichterung in dieser Situation. \u201eNat\u00fcrlich wird dieser Waffenstillstand kurzfristig positiv gesehen, weil ein Ende des Krieges herbeigef\u00fchrt wird und zun\u00e4chst einmal Frieden besteht\u201c, sagt der Student. \u201eTrotzdem ist das Bewusstsein da, dass dauerhafte Demokratie nur durch den Sturz und die komplette Abschaffung des Regimes m\u00f6glich ist.\u201c<\/p>\n<p>Arwin Mirzaie informiert sich vor allem \u00fcber die Sozialen Medien \u00fcber die aktuelle Lage im Iran. Er verfolgt Accounts von Aktivisten und Bloggern, die Videos und Fotos teils \u201eunter gr\u00f6\u00dfter Lebensgefahr im Internet teilen\u201c.<\/p>\n<p> Anrufe aus dem Iran kaum m\u00f6glich <\/p>\n<p>Serveh Ezazi ist mit ihren Gedanken st\u00e4ndig bei ihrer Familie im Iran. Die kurdischst\u00e4mmige Iranerin lebt seit 2022 in Stuttgart, doch ein Teil ihrer Familie ist dort geblieben, darunter ihre 14-j\u00e4hrige Tochter. Anrufe in den Iran, das berichten viele, seien fast unm\u00f6glich. Doch manchmal schafft es ein Anruf aus dem Iran heraus. Seit Kriegsbeginn konnte Serveh Ezazi zweimal mit ihrer Tochter sprechen. \u201eIch habe soviel Angst um sie, aber am Telefon halte ich durch.\u201c Ezazi m\u00f6chte stark sein f\u00fcr ihrer Tochter, nicht vor ihr weinen. \u201eMama, mach dir keine Sorgen, mir geht es gut\u201c, sagte ihrer Tochter am Telefon. Dann brach die Verbindung ab. Nicht mal eine Minute konnten Mutter und Tochter miteinander sprechen.<\/p>\n<p>Halt findet Ezazi vor allem in der Gemeinschaft vor Ort. \u201eWir k\u00f6nnen unsere Sorgen teilen und uns gegenseitig Hoffnung geben\u201c, sagt sie. Die Waffenruhe wird von vielen als kurze Atempause wahrgenommen \u2013 nicht mehr. <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.das-volk-das-im-dunkeln-lebt-konfliktforscherin-iranisches-regime-durch-den-krieg-gestaerkt.4c86768d-a261-458d-b267-7159c24b0892.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Die Unsicherheit bleibt<\/a>. Ebenso wie die Hoffnung, dass sich eines Tages doch etwas grundlegend ver\u00e4ndert. \u201eFreiheit und Einheit f\u00fcr alle Menschen im Iran\u201c, sagt Ezazi \u201edas ist mein gr\u00f6\u00dfter Wunsch\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eMir geht es gar nicht gut, ich f\u00fchle mich leer\u201c, sagt die 33-J\u00e4hrige Lena Raisdanai klar, fast n\u00fcchtern&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":936694,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1830],"tags":[1634,3364,29,106,30,345,187293,411,4046,138,1441,85897,64,580],"class_list":["post-936693","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-stuttgart","tag-baden-wuerttemberg","tag-de","tag-deutschland","tag-donald-trump","tag-germany","tag-iran","tag-irankrieg","tag-israel","tag-krieg","tag-kurden","tag-stuttgart","tag-textmanager","tag-usa","tag-waffenruhe"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116383616011165480","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/936693","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=936693"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/936693\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/936694"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=936693"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=936693"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=936693"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}