{"id":937273,"date":"2026-04-11T07:38:14","date_gmt":"2026-04-11T07:38:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/937273\/"},"modified":"2026-04-11T07:38:14","modified_gmt":"2026-04-11T07:38:14","slug":"deutsche-industrie-das-tempo-der-innovation-in-china-ist-geradezu-brutal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/937273\/","title":{"rendered":"Deutsche Industrie: \u201eDas Tempo der Innovation in China ist geradezu brutal\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Der Hamburger Technologiekonzerns K\u00f6rber AG investiert mehr als 200 Millionen Euro f\u00fcr eine neue Fabrik in der Hansestadt. Vorstandsvorsitzender Stephan Seifert sagt, warum die deutsche Wirtschaft schneller werden muss, wenn sie im globalen Wettbewerb bestehen will.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">F\u00fcr mehr als 200 Millionen Euro baut der Hamburger Technologiekonzern K\u00f6rber AG an seinem Stammsitz in Bergedorf eine neue Fabrik, die alte Anlagen ersetzen soll. Am kommenden Donnerstag wird das Richtfest gefeiert. Es ist die gr\u00f6\u00dfte Einzelinvestition in der Geschichte des Unternehmens, das unter anderem Fabrikeinrichtungen f\u00fcr die Pharma- und die Tabakindustrie herstellt, aber auch Logistikanlagen. Der Vorstandsvorsitzende Stephan Seifert wirbt gern f\u00fcr mehr \u201eGerman Mut\u201c anstelle von \u201eGerman Angst\u201c.<\/p>\n<p><b>WELT AM SONNTAG:<\/b> Angesichts etlicher Kriege und Krisen weltweit: Bewahren Sie sich Ihren \u201eGerman Mut\u201c auch selbst?\u00a0<\/p>\n<p><b>Stephan Seifert:<\/b> Absolut. Das ist ja keine Tagesform, sondern eher eine Geisteshaltung. F\u00fcr mich pers\u00f6nlich und f\u00fcr K\u00f6rber insgesamt haben die j\u00fcngsten Ereignisse unsere Perspektive f\u00fcr das Unternehmen nicht ge\u00e4ndert. Wir sind weiterhin sehr positiv unterwegs \u2013 kurz-, mittel- und langfristig.\u00a0<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Die politischen Rahmenbedingungen \u00e4ndern sich permanent und immer schneller, auch f\u00fcr die Wirtschaft. K\u00f6nnen Sie sich von solchen Entwicklungen freimachen?\u00a0<\/p>\n<p><b>Seifert:<\/b> Nein, nat\u00fcrlich k\u00f6nnen wir uns davon nicht freimachen. Es geht um drei Ebenen: das Tagesgesch\u00e4ft mit allen Herausforderungen, die wir dabei bew\u00e4ltigen m\u00fcssen, die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen \u2013 und unsere langfristige Perspektive. Mit unserer Eigent\u00fcmerstruktur \u2013 wir geh\u00f6ren zu 100 Prozent der K\u00f6rber-Stiftung \u2013 k\u00f6nnen wir langfristig denken. Wir haben ein Zielbild entwickelt, das von heute bis 2035 reicht. Es orientiert sich an Megatrends, also Bev\u00f6lkerungswachstum, Gesundheitsversorgung oder auch K\u00fcnstlicher Intelligenz. Und diese Megatrends \u00e4ndern sich nicht \u00fcber Nacht, sie \u00e4ndern sich in der Regel auch nicht durch Rahmenbedingungen oder durch exogene Schocks. Im Moment ist es zwar eine gro\u00dfe Herausforderung, sich auf die vielen Ver\u00e4nderungen im Tagesgesch\u00e4ft einzustellen, aber es ver\u00e4ndert unseren Weg nach vorn tats\u00e4chlich nicht. Entscheidend ist, wie gehe ich mit den gro\u00dfen langfristigen und disruptiven Ver\u00e4nderungen um: Sehe ich sie als Bedrohung oder als Chance? Genau diese Frage haben wir uns vor mehr als zehn Jahren gestellt und damals entschieden, K\u00f6rber konsequent auf Mega- und Technologietrends auszurichten. Wenn das Mindset stimmt, f\u00e4llt eine Transformation leichter.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Der K\u00f6rber-Konzern war in fr\u00fcher vor allem als Hersteller komplexer Maschinen und Anlagen f\u00fcr die Zigarettenproduktion unter dem Namen Hauni bekannt.<\/p>\n<p><b>Seifert:<\/b> K\u00f6rber war als Unternehmen neben dem Ursprungsgesch\u00e4ft schon fr\u00fch in verschiedene Gesch\u00e4ftsfelder diversifiziert. Im Zuge unserer Transformation, die wir 2015\/16 begonnen haben, haben wir 70 Prozent der Firma verkauft, von damals 2,2 Milliarden Euro Jahresumsatz im Jahr rund 1,6 Milliarden Euro. Zum Beispiel das gesamte Gesch\u00e4ft mit Papiermaschinen, speziell f\u00fcr Feinpapiere oder auch unser Gesch\u00e4ft mit Werkzeugmaschinen. Verkauft haben wir Bereiche, die keinem Megatrend folgen oder keinem Technologietrend. Dann haben wir 1,1 Milliarden Euro Umsatz dazugekauft \u2013 schwerpunktm\u00e4\u00dfig Software, digitale Anwendungen und Unternehmen im Bereich Pharma und Supply Chain (Lieferketten), sodass wir bei 1,7 Milliarden Euro Jahresumsatz lagen. Das hat sich ausgezahlt: In den vergangenen sechs Jahren sind wir um fast 100 Prozent organisch gewachsen. Dazu tr\u00e4gt auch sehr stark bei, dass wir \u00fcberproportional in Forschung und Entwicklung investieren und uns als Technologief\u00fchrer positionieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Sie haben alle Bereiche verkauft, f\u00fcr die Sie bei K\u00f6rber keine Zukunft sehen. Warum stellen Sie dann auch weiterhin Maschinen f\u00fcr die Zigarettenindustrie her?<\/p>\n<p><b>Seifert:<\/b> Das ist unser Nukleus, da kommen wir her. Deshalb stand und steht dieses Gesch\u00e4ftsfeld nicht infrage. Zudem haben wir hier eine extrem hohe Technologiekompetenz, die wir auch in andere Zukunftsfelder einbringen wollen. Im vergangenen Jahr haben wir die langfristige Ausrichtung von K\u00f6rber noch einmal \u00fcberpr\u00fcft und mit LIFE 2035 ein Zielbild f\u00fcr die n\u00e4chsten zehn Jahre definiert. Wir fokussieren uns k\u00fcnftig auf den Pharma-Bereich, den wir in Richtung Life Sciences \u2013 also zum Beispiel in Biotechnologie oder Medizintechnik \u2013 erweitern, sowie auf globale Lieferketten und unsere Hightech-Kompetenz. LIFE 2035 ist ein Akronym und steht f\u00fcr Leadership in our Markets, Innovation, finanzielle Unabh\u00e4ngigkeit und Empowerment, also f\u00fcr eine global bef\u00e4higte Organisation.\u00a0<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> K\u00f6rber ist ein Hightech-Mischkonzern, der permanent seine Gestalt ver\u00e4ndert, stets den Megatrends folgend?\u00a0<\/p>\n<p><b>Seifert:<\/b> K\u00f6rber fokussiert sich als Technologieunternehmen auf die drei erw\u00e4hnten Kernbereiche Life Sciences, Supply Chain und Hightech, die Ausrichtung auf Mega- und Technologietrends spielt dabei eine entscheidende Rolle. Nehmen wir das Beispiel E-Commerce: Wenn Sie heute bei Amazon oder Zalando etwas bestellen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es durch Hardwareanlagen von K\u00f6rber geht \u2013 Paketverteilzentren, Lager \u2013 oder dass Software von uns im Hintergrund im Einsatz ist. Fr\u00fcher waren wir ein klassisches Maschinenbau-Unternehmen, heute bietet K\u00f6rber integrierte L\u00f6sungen aus Hardware, Software und digitalen Services an. Etwa 800 Millionen Euro unseres Umsatzes machen wir inzwischen mit Softwarel\u00f6sungen.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Die globalisierte Wirtschaft \u2013 die Basis f\u00fcr Ihr Gesch\u00e4ftsmodell \u2013 steht derzeit stark unter Druck, durch Z\u00f6lle, die Verschiebung politischer und wirtschaftlicher Gewichte und durch rasante technologische Entwicklungen. Macht Ihnen das Sorgen? <\/p>\n<p><b>Seifert:<\/b> Globale Dynamik war immer da. Die Frage ist, wie gehe ich damit um? Neue Technologien werden in Europa oft als disruptiv oder gar bedrohlich wahrgenommen, dort, wo sie entstehen \u2013 in den USA und Asien \u2013 als Innovation und Chance. Das ist der gro\u00dfe Unterschied. Deutschland ist Weltmeister bei den Technologien des 20. Jahrhunderts, aber nicht bei den Technologien des 21. Jahrhunderts. Es geht darum, Zugriff auf diese Technologien zu bekommen. F\u00fcr K\u00f6rber hei\u00dft das: Wir versuchen, dort dabei zu sein, wo die technologische Dynamik stattfindet \u2013 durch Akquisitionen oder auch durch Partnerschaften. Gerade erst haben wir mit NVIDIA eine Technologiekooperation im Bereich digitaler Zwillinge f\u00fcr komplexe Logistikanlagen vereinbart. Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit steht die Anwendung sogenannter physikalischer K\u00fcnstlicher Intelligenz: KI-Systeme, die die reale Welt durch physikbasierte Simulationen verstehen und mit ihr interagieren.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Als Teil einer Stiftung haben Sie deutlich weniger Renditedruck als ein b\u00f6rsennotiertes Unternehmen. K\u00f6nnen Sie auch deshalb so langfristig und vorausschauend planen?<\/p>\n<p><b>Seifert:<\/b> Die Eigent\u00fcmerstruktur mit der K\u00f6rber-Stiftung ist einmalig. Ich glaube, wir h\u00e4tten diese Transformation nicht machen k\u00f6nnen, wenn wir b\u00f6rsennotiert w\u00e4ren. Unser Unternehmensgr\u00fcnder Kurt A. K\u00f6rber hat als Statement in seinem Verm\u00e4chtnis hinterlassen, sowohl die Stiftung als auch das Unternehmen sollen unabh\u00e4ngig voneinander langfristig erfolgreich sein k\u00f6nnen und eine relevante Rolle in ihren Wirkungsbereichen spielen.\u00a0<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Auch die Stiftung als Ihre Eignerin m\u00f6chte allerdings vom Erfolg des Unternehmens profitieren.<\/p>\n<p><b>Seifert:<\/b> Das ist ganz klar, auch bei uns gibt es einen ausgepr\u00e4gten Wachstums- und Ertragsfokus, an dem die K\u00f6rber-Stiftung partizipiert. Sie bekommt \u00a0allerdings eine \u00fcberschaubare j\u00e4hrliche Dividende. Der \u00fcberwiegende Teil des operativen Gewinns verbleibt im Unternehmen und wird reinvestiert.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Inwieweit ist K\u00f6rber heute noch ein Hamburger Unternehmen?<\/p>\n<p><b>Seifert:<\/b> Unser Ursprung liegt hier in Hamburg. Von unseren 13.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weltweit sind 6000 in Deutschland, 2000 davon in Hamburg. Im Innovationspark in Hamburg-Bergedorf investieren wir gerade weit mehr als 200 Millionen Euro in eine nagelneue Fabrik. Hamburg spielt also auch in der Zukunft eine wichtige Rolle f\u00fcr uns.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Ist Deutschlands Wirtschaft, speziell die Industrie, im Abstieg begriffen, wie es die \u00f6ffentliche Diskussion derzeit fast t\u00e4glich nahelegt? Oder ist das ein Zerrbild?<\/p>\n<p><b>Seifert:<\/b> Deutschland hat nach wie vor eine sehr starke Basis und eine sehr breite wirtschaftliche und technologische Substanz. Allerdings haben wir in den vergangenen 20 Jahren viel von dieser Substanz verbraucht, anstatt sie zu st\u00e4rken. Der Export ist der \u00fcberwiegende Garant f\u00fcr unseren Wohlstand, das war in der Vergangenheit so und das gilt auch f\u00fcr die Zukunft. Deutschland muss Technologief\u00fchrer bleiben, um weiterhin global exportieren und wachsen zu k\u00f6nnen. Wenn Innovation abwandert, wandert auch \u00a0Wohlstand ab. Was wir in Deutschland deshalb am allermeisten brauchen, ist Tempo.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Worin unterscheidet sich das wirtschaftliche Umfeld heutzutage wesentlich von demjenigen fr\u00fcherer Jahrzehnte?<\/p>\n<p><b>Seifert:<\/b> Die Technologien des 20. Jahrhunderts waren sehr stark patentgetrieben. Die Technologien des 21. Jahrhunderts kommen dagegen von der ersten Idee viel schneller hin zum Prototyp und zur Markteinf\u00fchrung. Die origin\u00e4re Denke ist heute eine andere. Die USA sind sehr, sehr schnell bei ausgew\u00e4hlten Technologien. Und in China ist das Innovationstempo geradezu brutal.\u00a0<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Wie k\u00f6nnen Sie vor diesem Hintergrund sicher sein, dass ihre strategischen Zeitachsen bis 2035 richtig dimensioniert sind?<\/p>\n<p><b>Seifert:<\/b> Bei unserem ersten Ver\u00e4nderungsprozess hat uns unser Leitbild mit der Orientierung an Mega- und Technologietrends sehr geholfen \u2013 und jetzt tats\u00e4chlich noch mehr. Wir haben bewiesen, dass wir die Transformation hinbekommen, das gibt Sicherheit. Die Belegschaft glaubt, dass wir es bei K\u00f6rber gemeinsam hinbekommen. Eine Erkenntnis dabei ist sehr wichtig: \u201eSeeing is believing\u201c. Sie bekommen das Tempo in der Welt nicht mit, wenn Sie nur in Deutschland sind. Beispielsweise haben wir mit unserem Kern-F\u00fchrungsteam im vergangenen Jahr eine Technologiereise gemacht und 20 Firmen und Start-ups in China besucht. Wir waren in Shenzhen und Shanghai, unter anderem bei Alibaba und bei Foxconn. Ein Drittel der Unternehmen dort war \u2013 wenn es um das Thema \u201eIndustrie 4.0\u201c geht \u2013 deutlich weiter als wir. Ein Drittel war auf unserem Niveau, und ein Drittel war nicht auf unserem Niveau.\u00a0<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Waren Sie \u00fcber diese Eindr\u00fccke und Erkenntnisse \u00fcberrascht?\u00a0<\/p>\n<p><b>Seifert:<\/b> Ich reise seit 25 Jahren nach China, die rasante Entwicklung dort ist schon enorm. Fr\u00fcher sind die Chinesen nach Deutschland gekommen, da haben wir in der Fabrik gesagt, bitte keine Fotos. Bei unserer Reise 2025 durften wir \u2013 bis auf eine Ausnahme \u2013 keine Fotos machen, weil die Chinesen ihre Technologie sch\u00fctzen wollten.\u00a0<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Wenn die deutsche Wirtschaft schneller werden soll, muss sie auch eine viel ausgepr\u00e4gtere Fehlerkultur bei Entwicklungen zulassen.<\/p>\n<p><b>Seifert:<\/b> Wir diskutieren hier so lange, bis alles perfekt, bis es risikofrei ist. Das hat lange funktioniert. Heute haben wir diese Zeit nicht mehr. W\u00e4hrend wir noch diskutieren, wird in anderen L\u00e4ndern schon ein Produkt eingef\u00fchrt. Dabei haben wir \u00fcber Jahrzehnte bewiesen, dass wir etwas k\u00f6nnen. Wir haben allen Grund, uns etwas zuzutrauen, als Unternehmen und auch als Industrie. Da geht noch viel mehr f\u00fcr uns.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> An wen richtet sich dieser Appell? An andere Akteure in der Wirtschaft, an die Gesellschaft insgesamt oder gezielt an die Politik, die anders agieren, auch schneller Rahmenbedingungen schaffen m\u00fcsste?\u00a0<\/p>\n<p><b>Seifert:<\/b> Als Unternehmen haben wir das erst einmal f\u00fcr uns selbst definiert. Unabh\u00e4ngig von den Rahmenbedingungen gilt: Ich muss agieren, ich muss machen. Wenn man in die Politik schaut, dann muss man feststellen, dass wir in den vergangenen 15 bis 20 Jahren komplett den roten Faden der Ordnungspolitik verloren haben. Unsere Wirtschaftspolitik ist sehr aktionistisch getrieben. Aber in dieser Zeit der Disruption glaube ich nicht, dass man mit politischem Aktionismus die gro\u00dfen Trends mitgehen kann. Wann haben wir uns zuletzt wirklich mal ernsthaft gefragt, wo Deutschland eigentlich im Jahr 2035 stehen will? Es fehlt der Leitgedanke, das Zielbild. Unser Exportweltmeister-Modell, das sehr lange auf klaren Rahmenbedingungen, \u00a0Innovationen und f\u00fchrenden Technologien sowie sehr hoher Qualit\u00e4t basierte, kann nur funktionieren, wenn wir auch die neuen Technologien bei uns haben und beherrschen. Deswegen ist es so wichtig, Zugriff auf diese Technologien zu bekommen, und zwar schnell.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Das bedeutet auch, dass K\u00f6rber als Technologieunternehmen in einem Netzwerk agieren muss, weil Sie das Tempo der Ver\u00e4nderungen allein nicht bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen.\u00a0<\/p>\n<p><b>Seifert:<\/b> Ja, ich bin davon \u00fcberzeugt, wenn man im industriellen Technologieumfeld Global Champion sein will, dann ist man auf Partnerschaften und Beteiligungen angewiesen. Ich glaube nicht, dass man alles selbst l\u00f6sen kann. Daf\u00fcr sind die Geschwindigkeit und die Anwendungsm\u00f6glichkeiten von Technologien viel zu unterschiedlich.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Sie kritisieren unter anderem eine zu starke Regulatorik in Europa, etwa bei der Entwicklung und Nutzung der K\u00fcnstlichen Intelligenz.\u00a0<\/p>\n<p><b>Seifert:<\/b> Innovationen bei K\u00fcnstlicher Intelligenz k\u00f6nnen hier im Grunde gar nicht mehr stattfinden, weil sie durch Regulatorik zu sehr eingeschr\u00e4nkt sind. Wir sehen das oft im eigenen Haus, gerade bei KI-L\u00f6sungen. Man st\u00f6\u00dft schnell an die Grenzen des Datenschutzes. F\u00fcr ein Land der Dichter und Denker, Unternehmer und Erfinder ist es eine Katastrophe, wenn die Freiheit des Denkens mit Blick auf Erfindertum und Innovation eingeschr\u00e4nkt wird. Und dar\u00fcber hinaus schafft die aktuelle Regulatorik enormen zus\u00e4tzlichen administrativen Aufwand. Das n\u00fctzt uns gar nichts.\u00a0<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Warum bauen Sie dann ausgerechnet in Hamburg-Bergedorf eine neue Fabrik, bei all der Regulatorik und all den Beschr\u00e4nkungen, die man in Deutschland h\u00e4ufig beklagt?\u00a0<\/p>\n<p><b>Seifert:<\/b> K\u00f6rber steht zu 100 Prozent zum Standort Deutschland. Die Substanz, die ein Unternehmen braucht, von der Schulbildung \u00fcber die klassische Ausbildung bis hin zu den Universit\u00e4ten, ist hierzulande nach wie vor sehr gut. Und unsere Belegschaft ist hochqualifiziert und hat ein sehr gro\u00dfes Know-how, gleichzeitig haben wir eine sehr geringe Fluktuation. Das ist uns ganz wichtig und soll so bleiben. Und wie bereits gesagt, der Standort Hamburg ist seit 80 Jahren unser Nukleus, auf den wir sehr stolz sind. Die 2000 Mitarbeiter in Bergerdorf, die im kommenden Jahr in eine der modernsten Fabriken des K\u00f6rber-Konzerns umziehen, gestalten dann von dort ma\u00dfgeblich die Zukunft von K\u00f6rber mit.<\/p>\n<p><b>Stephan Seifert, 59, absolvierte eine Ausbildung zum Industriekaufmann beim Energieanlagen-Hersteller Deutsche Babcock, machte seinen Abschluss als Diplom-Kaufmann an der Univer- sit\u00e4t Duisburg-Essen und erwarb an der Indiana University of Pennsylvania einen Abschluss als Master of Business Administration. Im Jahr 2007 kam er als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer einer Konzernsparte zur K\u00f6rber AG. 2012 wurde er Finanzvorstand, seit Oktober 2016 ist er Vorstandsvorsitzender.<\/b><\/p>\n<p><b>Olaf Preu\u00df ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG f\u00fcr Hamburg und Norddeutschlnd. Er berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten \u00fcber die Industrie im Norden.<\/b><\/p>\n<p><b>J\u00f6rn Lauterbach ist Redaktionsleiter von WELT und WELT AM SONNTAG f\u00fcr Hamburg und Nordrhein-Westfalen.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Hamburger Technologiekonzerns K\u00f6rber AG investiert mehr als 200 Millionen Euro f\u00fcr eine neue Fabrik in der Hansestadt.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":937274,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1826],"tags":[227,29,30,41361,692,48776,54,112041,94409,1256,45,64],"class_list":["post-937273","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-hamburg","tag-china","tag-deutschland","tag-germany","tag-globalisierung","tag-hamburg","tag-hauni","tag-industrie","tag-innovationen-ks","tag-koerber","tag-kuenstliche-intelligenz","tag-texttospeech","tag-usa"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116384937221256915","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/937273","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=937273"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/937273\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/937274"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=937273"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=937273"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=937273"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}