{"id":938353,"date":"2026-04-11T18:13:17","date_gmt":"2026-04-11T18:13:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/938353\/"},"modified":"2026-04-11T18:13:17","modified_gmt":"2026-04-11T18:13:17","slug":"gelsenkirchen-kaempft-mit-wirtschaftlichen-problemen-und-mit-schalke-um-den-bundesliga-aufstieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/938353\/","title":{"rendered":"Gelsenkirchen k\u00e4mpft mit wirtschaftlichen Problemen \u2013 und mit Schalke um den Bundesliga-Aufstieg"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Es ist einer jener Sonntagnachmittage, an denen die Zeit scheinbar stillsteht. Am Heinrich-K\u00f6nig-Platz kriechen die Minuten z\u00e4h dahin. Ein Rollerfahrer d\u00fcst \u00fcber den leeren Asphalt, eine Frau schiebt ihren Kinderwagen zur Eisdiele. Diese Fl\u00e4che ist nicht irgendein Platz, sondern die amtlich versprochene Mitte der Gro\u00dfstadt Gelsenkirchen. Hier stehen die d\u00fcnn ges\u00e4ten Sehensw\u00fcrdigkeiten: zwei Kirchen, von denen eine geschlossen ist, und ein expressiver Backsteinbau \u2013 das Hans-Sachs-Haus.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Gelsenkirchen ist ein spannender Fall f\u00fcr jeden Besucher. Der Stadtf\u00fchrer \u201eRuhrgebiet\u201c \u2013 ein Einzelg\u00e4nger im Regal, verdr\u00e4ngt von den Mittelmeer-Guides im \u00dcberfluss \u2013 ist schnell durchgebl\u00e4ttert. Das Stadtbild wirkt zusammengew\u00fcrfelt, die Gesch\u00e4fte sprechen nicht f\u00fcr zahlungskr\u00e4ftiges Publikum. Viele Markenh\u00e4ndler sind weggezogen. Gemessen am deutschen S\u00fcden, an den Speckg\u00fcrteln im Neckarraum oder dem Wohlstand im Allg\u00e4u, mutet <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/geld-leben\/gehalts-ranking-in-welchen-deutschen-staedten-verdient-man-am-meisten-113660023\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Gelsenkirchen mit seinen gut 265.000 Einwohnern wie eine Zone der Bed\u00fcrftigkeit<\/a> an.\n  <\/p>\n<p>            Der Mesner sagt: \u201eIn Gelsenkirchen sind die Leute freundlich, offen \u2013 und extrem beim Fu\u00dfball\u201c<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Doch der zweite Blick macht auch Hoffnung. Es tut sich etwas an diesem zentralen Ort, die T\u00fcrfl\u00fcgel der Kirche St. Augustinus werden von innen ge\u00f6ffnet. Das Auge wandert ins Innere, der Altar leuchtet bis auf den verlassenen Platz hinaus. Auf der Empore proben S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger den Gottesdienst f\u00fcr den Abend, begleitet vom Organisten. In der Sakristei verrichtet heute Peter Schabio Dienst. Spontan, wie <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/panorama\/der-gute-deutsche-wird-70-wie-herbert-groenemeyer-zum-gewissen-der-nation-wurde-113930343\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">die Menschen im Ruhrgebiet<\/a> halt so sind, erl\u00e4utert er erst mal sein Ehrenamt in der katholischen Gemeinde. Er deutet auf das Priestergewand, das er bereitgelegt hat, und mit einem Satz wischt er alle Bef\u00fcrchtungen weg: \u201eIn Gelsenkirchen sind die Leute freundlich, offen \u2013 und extrem beim Fu\u00dfball\u201c, erkl\u00e4rt der Mesner. Dann eilt er ins Kirchenschiff und z\u00fcndet die Kerzen an.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Da ist er also schon, der Fu\u00dfball. Die DNA des Ruhrgebiets, wie viele sagen. Vieles mag schlecht laufen, aber da ist ja immer noch der Fu\u00dfball. In Gelsenkirchen, auf Schalke, war selbst der in den vergangenen Jahren kein Lichtblick. Aber wenigstens das hat sich ge\u00e4ndert: Die Schalker haben in diesen Wochen gute Chancen, wieder in die Bundesliga zur\u00fcckzukehren.\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/gelsenki-p-schabio.jpg\" alt=\"Peter Schabio ist Mesner in der Kirche St. Augustinus.\" title=\"Peter Schabio ist Mesner in der Kirche St. Augustinus.\" loading=\"lazy\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Peter Schabio ist Mesner in der Kirche St. Augustinus.<br \/>\n    Foto: Uli Fricker<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Peter Schabio ist Mesner in der Kirche St. Augustinus.<br \/>\n    Foto: Uli Fricker<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Insgesamt jedoch hat die Stadt ihre gro\u00dfe Zeit hinter sich. Diese lag zwischen Gr\u00fcnder- und Nachkriegszeit, als Kohle und Stahl das Revier beherrschten und die Montan-Barone gar nicht genug Arbeitskr\u00e4fte anwerben konnten. Erst wanderten evangelische Kaschuben und katholische Polen ein, dann Menschen aus Italien und Jugoslawien, die sich l\u00e4ngst akklimatisiert haben.\n  <\/p>\n<p>            Die Arbeitslosenquote in Gelsenkirchen lag zuletzt bei ann\u00e4hernd 15 Prozent<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Das Zeitalter des schwarzen Goldes endete in langen und schmerzvollen Sch\u00fcben. Die Zeche Graf Bismarck machte als eine der ersten im Ruhrpott dicht, das war bereits 1966. Andere folgten, wie die riesige Zeche Zollverein in der Nachbarstadt Essen, in der viele Gelsenkirchener unter Tage arbeiteten. Das l\u00e4utete eine \u00c4ra ein, die von Abstieg und Wegzug gepr\u00e4gt ist. <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/reise\/ab-nach-swiftkirchen-der-neue-charme-von-gelsenkirchen-102861959\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Gelsenkirchen hat das Ende des Bergbaus am schwersten getroffen<\/a>. Die Arbeitslosenquote lag zuletzt bei ann\u00e4hernd 15 Prozent, seit ein paar Monaten ist ein AfD-Mann zweiter B\u00fcrgermeister. Geblieben ist ein kantiger Optimismus und \u00dcberlebenswille.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Mit dem Bus kommt man bequem in den n\u00f6rdlichen Stadtteil Buer. Auf der R\u00fcckbank sitzt Cynthia, eine Sch\u00fclerin. Sie h\u00f6rt Musik \u00fcber ihre Ohrst\u00f6psel und schaut gedankenverloren zum Fenster hinaus.\u00a0Pl\u00f6tzlich knipst sie ein L\u00e4cheln an und erz\u00e4hlt. Cynthia ist unterwegs zu ihrem dreiw\u00f6chigen Praktikum bei einem Bestatter. Die Branche hat sie bewusst gew\u00e4hlt, auch sie will eines Tages einsargen und Urnen in die Erde senken. Unvermittelt sagt sie: \u201eIch will Menschen die letzte Ehre erweisen, die es gibt.\u201c Dann dr\u00fcckt sie wieder die St\u00f6psel ins Ohr und schaut aus dem Fenster.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Buer sollte man sich im Rahmen dieser ungew\u00f6hnlichen Stadttour unbedingt ansehen. Es versteht sich als die b\u00fcrgerliche H\u00e4lfte der Gro\u00dfgemeinde. Mit Gelsenkirchen schon in den 20er-Jahren fusioniert, hat es seinen gem\u00e4chlichen Charakter \u00fcber die rauen Zeiten gerettet. Buer w\u00fcrde \u00fcber Gelsenkirchen hinaus heute noch kaum jemand kennen, h\u00e4tte nicht ein spektakul\u00e4rer Bankeinbruch die Aufmerksamkeit auf den Ort gelenkt. Unbekannten gelang es an Weihnachten des vergangenen Jahres, <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/panorama\/nicht-der-erste-sparkassen-einbruch-wie-sicher-sind-schliessfaecher-113157705\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">3250 Schlie\u00dff\u00e4cher der \u00f6rtlichen Sparkasse leerzur\u00e4umen<\/a>.\n  <\/p>\n<p>            In der Sparkasse von Gelsenkirchen-Buer herrscht nach dem Bankeinbruch noch immer dicke Luft<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Seitdem herrscht dicke Luft in und au\u00dferhalb der Bank. M\u00e4nner eines privaten Sicherheitsdienstes stehen im Kassenraum und lassen die Angestellten hinter den Glasscheiben nicht aus den Augen. \u201eWir sch\u00fctzen die Leute der Sparkasse\u201c, sagt einer der Gelbwesten knapp. Mehr kann er, mehr will er nicht sagen. Denn die Wut manches um seine Ersparnisse gebrachten Anlegers\u00a0hat sich gegen die Kassierer am Schalter gerichtet. Ins Gespr\u00e4ch kommt man hier nicht so schnell. Die Kunden erledigen ihre Geldgesch\u00e4fte und schauen, dass sie schnell wieder ins Freie kommen.\u00a0\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/sparkasse.jpg\" alt=\"Unbekannten gelang es an Weihnachten des vergangenen Jahres, 3250 Schlie\u00dff\u00e4cher dieser Sparkasse in Gelsenkirchen-Buer leerzur\u00e4umen.\" title=\"Unbekannten gelang es an Weihnachten des vergangenen Jahres, 3250 Schlie\u00dff\u00e4cher dieser Sparkasse in Gelsenkirchen-Buer leerzur\u00e4umen.\" loading=\"lazy\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Unbekannten gelang es an Weihnachten des vergangenen Jahres, 3250 Schlie\u00dff\u00e4cher dieser Sparkasse in Gelsenkirchen-Buer leerzur\u00e4umen.<br \/>\n    Foto: Christoph Reichwein, dpa<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Unbekannten gelang es an Weihnachten des vergangenen Jahres, 3250 Schlie\u00dff\u00e4cher dieser Sparkasse in Gelsenkirchen-Buer leerzur\u00e4umen.<br \/>\n    Foto: Christoph Reichwein, dpa<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Auf den Stra\u00dfen haben sich die Leute\u00a0l\u00e4ngst ihr eigenes Bild von diesem Raubzug durch die Schlie\u00dff\u00e4cher gemacht. \u201eIch schwanke zwischen Betroffenheit und Schmunzeln\u201c, sagt Alfons Harms etwa. Er fragt sich, wie man allen Ernstes eine halbe Million Euro in bar in einem Schlie\u00dffach deponieren k\u00f6nne. Und warum manches Fach so gut best\u00fcckt war, dass nicht einmal die eigene Familie davon wusste.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Harms ist ein Prachtexemplar von einem Gelsenkirchener. Der alte Herr geht noch immer kerzengerade durch die Welt. Seine Ausbildung zum Journalisten absolvierte er vor vielen Jahren in Augsburg. Als seine Eltern vor Jahren pflegebed\u00fcrftig wurden, war f\u00fcr ihn eines klar: Er w\u00fcrde zur\u00fcck nach Gelsenkirchen-Buer ziehen. Er schw\u00e4rmt von den Parks, wo sich alles zusammenfindet, freilich und friedlich getrennt nach Ethnien und kulturellen Gewohnheiten. Es stand f\u00fcr Harms nie infrage, eines Tages in den Pott zur\u00fcckzukehren. Und nat\u00fcrlich nach Buer.\n  <\/p>\n<p>            In der Gl\u00fcckauf-Kampfbahn, wie sie bis heute hei\u00dft, feierte Schalke 04 seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Der Bus ist bei der R\u00fcckfahrt fast leer. Klar, die angehende Bestatterin Cynthia steckt mitten im Praktikum und assistiert ihrem Lehrmeister. Auf halber Strecke liegt die Schalker Meile. Hier ziehen die Fans vor den Spielen ihres Klubs entlang. \u201eFu\u00dfball ist hier wie eine Religion\u201c, sagt Jonas Pflips, der als Raumplaner im Stadtteil Schalke arbeitet. Pflips h\u00e4tte jetzt eigentlich Mittagspause und k\u00f6nnte die Beine hochlegen. Tut er aber nicht, stattdessen f\u00fchrt er den Reporter, der vorbeischneit, in das alte Schalke-Stadion.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    In der Gl\u00fcckauf-Kampfbahn, wie sie bis heute hei\u00dft, feierte der Verein seine gr\u00f6\u00dften Erfolge. Das Areal ist l\u00e4ngst wieder r\u00fcckgebaut, mit der Veltins-Arena verf\u00fcgt der derzeitige Zweitligist schon seit fast 25 Jahren \u00fcber eine moderne Heimspielst\u00e4tte. Zur\u00fcck blieb hier ein zuwucherndes Feld und viel Ruhm, der sich \u00fcber die grauen Fassaden der Schalke-Meile verteilt. Viele H\u00e4user sind mit wei\u00df-blauen Graffiti bemalt. Gro\u00dfe Spieler sind in Wort und Bild verewigt. Auch Ernst Kuzorra, der dem Platz seinen Namen vererbt hat. An diesem Tag ist er nahezu leer. Ein Heldenplatz ohne Publikum.\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/meile.jpg\" alt=\"Die Schalker Meile mit einigen alten Kneipen und blau-wei\u00df dekorierten Schaufenstern ist ein Treffpunkt f\u00fcr Fu\u00dfballfans vor Heimspielen.\" title=\"Die Schalker Meile mit einigen alten Kneipen und blau-wei\u00df dekorierten Schaufenstern ist ein Treffpunkt f\u00fcr Fu\u00dfballfans vor Heimspielen.\" loading=\"lazy\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Die Schalker Meile mit einigen alten Kneipen und blau-wei\u00df dekorierten Schaufenstern ist ein Treffpunkt f\u00fcr Fu\u00dfballfans vor Heimspielen.<br \/>\n    Foto: Christoph Reichwein, dpa<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Die Schalker Meile mit einigen alten Kneipen und blau-wei\u00df dekorierten Schaufenstern ist ein Treffpunkt f\u00fcr Fu\u00dfballfans vor Heimspielen.<br \/>\n    Foto: Christoph Reichwein, dpa<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Nur die Trinkhalle winkt. Trinkhalle, das ist eine Ruhrpott-Institution. Ein Ort f\u00fcr spontane Begegnungen und leiblichen Trost. Und eine charmante \u00dcbertreibung zugleich, handelt es sich doch um einen schlichten Kiosk mit einem kleinen Fenster zum Verkauf. Daf\u00fcr findet man bis in den Abend hinein Zuspruch und eine Zeitung. Bestellt man sich einen Kaffee, wird der als lauwarmer Bittersud aus einer Thermoskanne aus dem Verschlag gereicht. Der Herr daneben ist schon beim \u201eBier vor vier\u201c angelangt. Im Gespr\u00e4ch geht es um den unvermeidlichen Fu\u00dfball, die Biermarke, das Wetter. Und um die vielen Frauen mit Kopftuch, die hier unterwegs sind und mit famili\u00e4rem Anhang das Bild pr\u00e4gen. Er sagt das nicht aggressiv. Es irritiert ihn eher, wie sich die Stadt ver\u00e4ndert. Ums Wegnehmen von irgendetwas gehe es gar nicht. Wer wenig hat, kann auch wenig verlieren.\n  <\/p>\n<p>            Gelsenkirchen schrumpft \u2013 an Menschen, an Kaufkraft, an Kapital<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die Kirche St. Josef ist Pflichtetappe f\u00fcr Fu\u00dfballfans. Vor dem pr\u00e4chtigen backsteinroten Bau h\u00e4ngt ein Transparent, worauf steht: \u201eVorm Spiel is inne Kirche\u201c. <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/sport\/fc-augsburg\/diesen-47-jahre-alten-rekord-von-fca-legende-helmut-haller-hat-edin-dzeko-gebrochen-113276342\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Vor jedem Auftritt des FC Schalke 04<\/a> treffen sich die Fans hier, offenbar auf der Suche nach h\u00f6herem Beistand. Ein Glasfenster zeigt den Heiligen Alois mit einem Fu\u00dfball zu F\u00fc\u00dfen. Eine Einzigartigkeit der Kunstgeschichte. Leider ist das Gotteshaus in der Regel geschlossen. Das Herbstlaub h\u00e4ngt noch an den Fenstern und auf den Treppen. Gottesdienste finden hier nicht mehr statt, nurmehr Fanbetreuung.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Das hat auch damit zu tun, dass Gelsenkirchen schrumpft \u2013 an Menschen, an Kaufkraft, an Kapital. Die Bahnhofstra\u00dfe ist eine billige Meile. Renommierte Marken sperren ihre Niederlassungen zu. Stattdessen \u00f6ffnen Discounter mit Dutzenden von Ein-Euro-Angeboten. Der Reisef\u00fchrer empfiehlt den Kauf einer Currywurst. Der Kauf wird zum Reinfall: Die Thekenfrau schneidet das Fleisch tats\u00e4chlich mit einer Schere auf und zerfetzt das leckere Teil. Immerhin: Bei 4,95 Euro f\u00fcr Wurst und Pommes freut sich der Schn\u00e4ppchenj\u00e4ger. Der Besuch im Barbershop ist erfolgreicher, f\u00fcr acht Euro f\u00fchlt sich die eigene Gesichtshaut an wie ein Babypopo, Kopfmassage und mehrfaches Aftershave inklusive. Und die Eiskugel gibt es f\u00fcr 1,50 Euro.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Immer wieder st\u00f6\u00dft man auf freundliche Menschen. Ein L\u00e4cheln unter Kappen und M\u00fctzen. Vor einer B\u00e4ckerei stehen Bettler. Die Verk\u00e4uferin am Tresen kennt sie gut, einigen hilft sie, vorausgesetzt, sie verhalten sich nicht aggressiv. \u201eIch habe einer Obdachlosen schon einen Schlafsack gekauft\u201c, sagt die Frau nebenbei. Auch sie ist eingewandert, wie die meisten hier. Dann tippt sie auf ihrer Kasse herum und sagt noch: \u201eIch glaube an das Gute im Menschen.\u201c\n  <\/p>\n<ul data-module-id=\"DragDropModule\" class=\"flex flex-wrap justify-start group-[.no-bookmarks]:hidden\">\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Gelsenkirchen<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Schalke<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Ruhrgebiet<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es ist einer jener Sonntagnachmittage, an denen die Zeit scheinbar stillsteht. 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