{"id":938889,"date":"2026-04-11T23:27:22","date_gmt":"2026-04-11T23:27:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/938889\/"},"modified":"2026-04-11T23:27:22","modified_gmt":"2026-04-11T23:27:22","slug":"die-reeperbahn-400-jahre-und-stetig-im-wandel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/938889\/","title":{"rendered":"Die Reeperbahn &#8211; 400 Jahre und stetig im Wandel"},"content":{"rendered":"<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\"> Eva Decker ist keine Hamburgerin. Und doch gibt es, wenn es um die Geschichte der Reeperbahn geht, kaum eine kundigere G\u00e4stef\u00fchrerin als die geb\u00fcrtige Wienerin. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">F\u00fcr Decker ist die Geschichte von St. Pauli und damit die der Reeperbahn zu einem Lebensthema geworden. Zehn Jahre lang war sie wissenschaftliche Leiterin des St. Pauli Museums. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Dieses Museum &#8211; nicht zu verwechseln mit dem FC St. Pauli &#8211; gibt es nicht mehr. Also hat die 52-J\u00e4hrige ausgew\u00e4hlte Exponate an verschiedenen Originalschaupl\u00e4tzen platziert. Der Titel ihrer F\u00fchrung: \u201eReliquien der Reeperbahn\u201c. Die Stra\u00dfe feiert dieses Jahr ihren 400. Geburtstag.<\/p>\n<p>Anf\u00e4nge der Am\u00fcsierkultur      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die Runde beginnt bei den \u201eTanzenden T\u00fcrmen\u201c. Die zwei markanten Hochh\u00e4usern markieren den \u00f6stlichen Eingang. Von hier bis zum Nobistor, dem anderen Ende der Reeperbahn, sind es rund 930 Meter. \u201eAb 1626 wurden hier Schiffstaue hergestellt\u201c, sagt die freiberufliche Historikerin Decker. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Den Reepschl\u00e4gern, die vorher im Schatten des nahen Michel ihre Taue fertigten und wegen des Baues der Wallanlagen umziehen mussten, verdankt die Stra\u00dfe ihren Namen. Es waren angesehene und gut bezahlte Handwerker. Die Schiffstakelage, die sie herstellten, mussten einiges aushalten. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Fr\u00fche Hinweise auf ihr Wirken finden sich auch in einer Karte von 1786, die Decker nun hochh\u00e4lt. In dieser Karte war die Reeperbahn noch eine staubige Landstra\u00dfe au\u00dferhalb der Stadtmauern von Hamburg. Dann zeigt Decker eine Lithographie aus dem Jahre 1826: Man sehe \u201eflanierendes Bildungsb\u00fcrgertum\u201c und im Hintergrund den \u201eTrichter\u201c. Anfangs ein schlichter Pavillon wurde er sp\u00e4ter ein popul\u00e4res Konzerthaus. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der Trichter markiert die Anf\u00e4nge der Am\u00fcsierkultur auf St. Pauli. Im \u201eArcotel Onyx\u201c, einem Hotel neben den Tanzenden T\u00fcrmen, pr\u00e4sentiert Decker in einer Vitrine das feine Besteck, mit dem einst im Trichter getafelt wurde. Dann holt sie ein Fotoalbum heraus, mit Autogrammkarten und Bildern aus dem Trichter, aufgenommen in den 1940er Jahren &#8211; auch in der NS-Zeit lief das Variet\u00e9-Programm weiter. <\/p>\n<p>Ein St\u00fcck Tankstelle in der Tiefgarage      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Fast zeitgleich entstand ein Foto, das Bauarbeiten auf dem benachbarten Spielbudenplatz zeigt, \u201edem Kulturpflaster St. Paulis\u201c. Damals entstand hier ein Bunker, der nach dem Krieg, so planten es bereits die Nationalsozialisten, als Tiefgarage genutzt werden sollte. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Decker lotst ihre G\u00e4ste durch die Tiefgarage zu einem Schild, dass so ziemlich das Einzige ist, was von der legend\u00e4ren Esso-Tankstelle geblieben ist, die fr\u00fcher jeder Kiezg\u00e4nger kannte, weil man dort rund um die Uhr tanken konnte. Seit 2014 klafft eine gro\u00dfe Brache, wo die Tankstelle stand. Im Kiezjargon der \u201ePlatz der leeren Versprechungen\u201c. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">In der unmittelbaren Nachbarschaft sind die Holzbuden, die Schausteller Ende des 18. Jahrhunderts errichteten, l\u00e4ngst Spielst\u00e4tten gehobener Unterhaltung gewichen. Einige, wie das Panoptikum oder das St. Pauli Theater, haben mehr als ein Jahrhundert auf dem Buckel.<\/p>\n<p>Die Wache gegen\u00fcber von St. Liederlich      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Das gilt auch f\u00fcr die Davidwache, die ihren Sitz seit 1914 mitten im Am\u00fcsierviertel hat. \u201eStrategisch g\u00fcnstig gelegen\u201c, sagt Decker. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Denn auf der anderen Stra\u00dfenseite beginnt \u201eSt. Liederlich\u201c, wie diese Ecke schon in den 1840er Jahren genannt wurde. Damals gab es in der Davidstra\u00dfe mehrere gr\u00f6\u00dfere Bordelle. In der Zeit entdeckten die Seeleute das Viertel. Kurz zuvor war in H\u00f6he der heutigen Landungsbr\u00fccken ein neuer Hafen entstanden. Das Gewerbe expandierte. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Um 1900 reagierte die Stadt und erlaubte Bordelle nur noch in wenigen Stra\u00dfen, von denen die Herbertstra\u00dfe heute die bekannteste ist. Die Sichtblenden zu beiden Seiten dieser Stra\u00dfe wurden 1933 von den Nationalsozialisten errichtet, die das Gewerbe eind\u00e4mmen und kontrollieren wollten. Seit 2024 stehen die Sichtblenden unter Denkmalschutz.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Am Hans-Albers-Platz stoppt Decker vor einem Laden, der \u201eRotlicht\u201c hei\u00dft. Im Schaufenster: ein Paar knallrote Moonboots. Sie w\u00e4rmten einst die F\u00fc\u00dfe einer Prostituierten. Und doch ist \u201edie s\u00fcndigste Meile der Welt\u201c ein Bild, das nicht mehr so ganz passen will, weil die Reeperbahn sich wandelt: immer weniger Rotlicht, immer mehr Musik- und Unterhaltungsprogramm. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Es ist eine Gemengelage, die fasziniert, die Touristen von nah und fern anlockt, P\u00e4rchen und Punker genauso wie Landfrauen-Gruppen und Junggesellenabschiede. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Sicher, wenn ein Szene-Typ wie Marco Apfler um die Ecke kommt, dann drehen sich die Leute um, dann lebt vielleicht auch das eine oder andere Vorurteil auf. Der T\u00e4towierer, selbst von Kopf bis Fu\u00df zugestochen, ist quasi ein Werbetr\u00e4ger in eigener Sache und hat keine Scheu, sich ablichten zu lassen. Schon gar nicht, wenn man mit Eva Decker unterwegs ist. Man kennt sich im Viertel. <\/p>\n<p>Frisieren lassen wie die Beatles      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Und dann waren da ja noch die Beatles. Die Liverpooler Jungs kamen 1960, noch g\u00e4nzlich unbekannt, nach Hamburg. Ihre Musik: Rock &#8217;n&#8216; Roll. Ihr Haarschnitt: von gestern. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Astrid Kirchherr, eine Hamburger Fotografin, machte nicht nur die ersten professionellen Bilder der Band, sondern soll auch zur Schere gegriffen haben. Formvollendet wurden die ber\u00fchmten Pilzk\u00f6pfe dann schr\u00e4g gegen\u00fcber der Davidwache &#8211; im Salon Harry, Hamburgs \u00e4ltestem Herrenfriseur. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Noch heute lassen sich hier Bands, die auf der Reeperbahn auftreten, vorab die Haare richten, erz\u00e4hlt Franz Stenzel, einer der Betreiber des Salons. Die Beatles selbst hat er nicht erlebt. Sein prominentester Kunde war Uwe Seeler, Hamburgs ber\u00fchmtester Fu\u00dfballer. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Beatles-Fans kommen heute noch regelm\u00e4\u00dfig und knien vor den alten Friseurst\u00fchlen nieder. Eine weitere Pilgerst\u00e4tte ist das \u201eZwick\u201c, halb Kneipe, halb Museum, mit der weltweit gr\u00f6\u00dften Sammlung an Bassgitarren, darunter &#8211; sicher verwahrt hinter Glas und handsigniert &#8211; eine von Paul McCartney.<\/p>\n<p>Bl\u00e4ttern in den Nackedei-Magazinen      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Gegen Ende der Tour steuert Decker das Erotic Art Museum an. Besucher k\u00f6nnen hier \u201ein den ersten Nackedei-Magazinen\u201c bl\u00e4ttern und einige der vielen Briefe lesen, die in den 1980er Jahren an Domenica Niehoff geschrieben wurden, zu jener Zeit die prominenteste Prostituierte Deutschlands. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ekkehart Opitz hat das kleine private Museum gegr\u00fcndet. Er steht neben einer lebensgro\u00dfen Werbetafel mit einem Pin-up-Girl und erl\u00e4utert die Gesetzgebung, mit der zu Kaisers Zeiten das Ausstellen unz\u00fcchtiger Schriften und Abbildungen unter Strafe gestellt wurde. Sein Museum ist voll davon. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die Feierlichkeiten zum 400. Geburtstag der Reeperbahn beginnen offiziell am 30. April auf dem Spielbudenplatz. Geplant sind zahlreiche weitere Veranstaltungen. N\u00e4heres unter: <a href=\"http:\/\/www.400jahre-reeperbahn.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">www.400jahre-reeperbahn.de<\/a><\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Informationen zu Eva Decker und ihren Touren gibt es unter <a href=\"http:\/\/www.eva-decker.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">www.eva-decker.de<\/a>, zum Erotic Art Museum von Ekkehart Opitz unter <a href=\"https:\/\/erotic-art-museum.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">www.erotic-art-museum.com<\/a>. Gemeinsam arbeiten Decker und Opitz an einem \u201eMuseum ohne Mauern\u201c, das die Geschichte der Reeperbahn auch \u00fcber das Jubil\u00e4umsjahr hinaus dezentral erlebbar macht.<\/p>\n<p class=\"!text-transparent richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u00a9 dpa-infocom, dpa:260411-930-932860\/1<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eva Decker ist keine Hamburgerin. 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