{"id":94368,"date":"2025-05-08T13:31:15","date_gmt":"2025-05-08T13:31:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/94368\/"},"modified":"2025-05-08T13:31:15","modified_gmt":"2025-05-08T13:31:15","slug":"eine-bibliothek-der-schicksale-erinnert-an-die-nazi-verbrechen-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/94368\/","title":{"rendered":"Eine \u201eBibliothek der Schicksale\u201c erinnert an die Nazi-Verbrechen &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Neben der Gedenktafel am Eingang der M\u00fcnchner Kammerspiele erinnert nun auch eine Installation an die vielen,\u00a0w\u00e4hrend der NS-Zeit verfemten, verfolgten, vertriebenen und ermordeten Mitarbeiter des Hauses. In der ehemaligen Telefonzelle des Foyers, in der zuletzt Putzsachen lagerten, ist die \u201eBibliothek der Schicksale\u201c eingerichtet worden, mit mehr als 170 Bio- und Autobiografien, Bildb\u00e4nden, Theatertexten und Druckschriften, die Janne und Klaus Weinzierl bei ihren Recherchen sammelten.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Seit 2018 haben die Weinzierls die <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Geschichte\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Geschichte<\/a> des traditionsreichen Theatertempels vor und w\u00e4hrend der NS-Zeit detailliert zusammengesetzt und dadurch mehr als 350 Schicksale von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kammerspiele dem Vergessen entrissen, die der Verfolgung durch die Nazis durch Flucht entkamen, sich aus Verzweiflung das Leben nahmen oder ermordet wurden.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Wie bei vielen \u00e4hnlichen Institutionen hat eine eingehende Aufarbeitung dieser eigenen Geschichte auch an den Kammerspielen sehr sp\u00e4t eingesetzt. Verbunden ist sie hier nicht nur mit den Weinzierls, sondern auch mit dem <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/muenchner-kammerspiele-ns-vergangenheit-projekt-schicksale-martin-valdes-stauber-1.6516603\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Namen Martin Vald\u00e9s-Stauber<\/a>.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Als der Kaufbeurer 2017 als Dramaturg im k\u00fcnstlerischen Leitungsteam der Kammerspiele anfing, wunderte er sich \u00fcber den unreflektierten Umgang mit der eigenen Geschichte an einem Haus, das sich explizit gegen Rassismus und Antisemitismus einsetzt. Vielleicht fiel es ihm auch deshalb so auf, weil Vald\u00e9s-Stauber vor seiner Theaterkarriere in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/M%C3%BCnchen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">M\u00fcnchen<\/a>, Friedrichshafen, Berkeley und Cambridge Soziologie und Wirtschaftswissenschaften studiert und so \u00fcber den Tellerrand hinauszublicken gelernt hatte.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Ein gl\u00fccklicher Zufall wollte es, dass er gleich Anfang 2018 Janne und Klaus Weinzierl bei der Verlegung eines Stolpersteins f\u00fcr den ehemaligen Kammerspiel-Direktor Benno Bing kennenlernte. Die beiden pensionierten Englischlehrer engagieren sich seit Langem f\u00fcr die \u201eStolpersteine\u201c-Aktion und wurden so zu Fachleuten f\u00fcr nationalsozialistische Verfolgung. Mit ihnen hatte Vald\u00e9s-Stauber seine Chef-Rechercheure gefunden. Zusammen mit Felicitas Friedrich und nach Kr\u00e4ften unterst\u00fctzt vom damaligen Intendanten Matthias Lilienthal wie von seiner Nachfolgerin Barbara Mundel machten sie sich ans Werk. Mit \u00fcberw\u00e4ltigendem Ergebnis, wie man unter\u00a0<a href=\"https:\/\/schicksale.muenchner-kammerspiele.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">schicksale.muenchner-kammerspiele.de<\/a>\u00a0sehen kann.<\/p>\n<p>Frank Wedekinds St\u00fcck \u201eSchlo\u00df Wetterstein\u201c f\u00fchrte zu den ersten massiven rechtsradikalen Protesten<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Um diese Arbeit noch sichtbarer zu machen, hatten\u00a0Mundel und Vald\u00e9s-Stauber \u2013 der inzwischen an der Berliner Schaub\u00fchne arbeitet, dem Projekt aber verbunden bleibt \u2013 2023 die Idee der Kunstinstallation in der brachliegenden Telefonzelle des Steinfoyers. Den k\u00fcnstlerischen Entwurf schuf der junge Architekt und B\u00fchnenbildner Nikolai Kuchin, der 2023\/2024 an den Kammerspielen engagiert war und jetzt unter anderem f\u00fcr die Kulturhauptstadt Chemnitz arbeitet. Nachdem Denkmalschutz und Brandschutz gr\u00fcnes Licht gegeben hatten, gelang die Umsetzung durch die eigenen Werkst\u00e4tten jetzt in k\u00fcrzester Zeit.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Unter den in Licht getauchten Titeln dieser Weinzierlschen Handbibliothek befindet sich zum Beispiel der 1918 im Georg M\u00fcller Verlag erschienene Theatertext von Frank Wedekinds \u201eSchlo\u00df Wetterstein\u201c \u2013 das 1919 an den Kammerspielen aufgef\u00fchrte St\u00fcck f\u00fchrte zu den ersten massiven rechtsradikalen Protesten.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Den Gedanken, die Schriften in der Telefonzelle tats\u00e4chlich zug\u00e4nglich und lesbar zu machen, verwarf man schnell: \u201eMeine Frau war Bibliothekarin. Sie wei\u00df, dass die B\u00fccher dann verschwinden und nie wiederkommen\u201c, sagt Klaus Weinzierl. Stattdessen kann man an der Installation per QR-Code das komplette, kommentierte Literaturverzeichnis herunterladen. Und wer dann noch tiefer einsteigen will: \u201eFast alle Titel k\u00f6nnen im Internet antiquarisch gesucht, gefunden und g\u00fcnstig erworben werden. Das <a href=\"https:\/\/www.zvab.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zentrale Verzeichnis Antiquarischer B\u00fccher ZVAB<\/a> vermittelt unkompliziert die Angebote seri\u00f6ser Antiquariate\u201c, erkl\u00e4rt Weinzierl.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Bei der Er\u00f6ffnung der Installation am Samstag, 10. Mai, um 17 Uhr (vor der hochkar\u00e4tig besetzten Debatte \u00fcber den \u201eWert der Kultur\u201c im Schauspielhaus) wird Weinzierl ein spannendes Fallbeispiel eines Buches vortragen. Ein Zufallsfund, der die schillernde, in M\u00fcnchen, Moskau und Ostberlin spielende Geschichte der Familie des 1930 und 1931 an den Kammerspielen inszenierenden Ernst Held (der eigentliche Rosenbaum hie\u00df) erz\u00e4hlt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Neben der Gedenktafel am Eingang der M\u00fcnchner Kammerspiele erinnert nun auch eine Installation an die vielen,\u00a0w\u00e4hrend der NS-Zeit&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":94369,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1827],"tags":[772,29,30,2989,2392,1268,38517,57,149,94,3372],"class_list":{"0":"post-94368","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenchen","8":"tag-bayern","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-geschichte","12":"tag-kultur-in-muenchen","13":"tag-muenchen","14":"tag-muenchner-kammerspiele","15":"tag-nationalsozialismus","16":"tag-sueddeutsche-zeitung","17":"tag-theater","18":"tag-theater-muenchen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114472464254738518","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/94368","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=94368"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/94368\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/94369"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=94368"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=94368"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=94368"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}