{"id":944825,"date":"2026-04-14T09:53:14","date_gmt":"2026-04-14T09:53:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/944825\/"},"modified":"2026-04-14T09:53:14","modified_gmt":"2026-04-14T09:53:14","slug":"neue-stolpersteine-erinnern-an-ns-opfer-in-bremen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/944825\/","title":{"rendered":"Neue Stolpersteine erinnern an NS-Opfer in Bremen"},"content":{"rendered":"<p class=\"article-toplinewrapper\">\n<p>Standdatum: 14. April 2026.<\/p>\n<p>Autorinnen und Autoren:<br \/>\nVerena Patel<\/p>\n<p>Audio<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image -image-with-fallback -image-rounded  lazyload\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhEAAJAIAAAP\/\/\/\/\/\/\/yH5BAEKAAEALAAAAAAQAAkAAAIKjI+py+0Po5yUFQA7\"   alt=\"Eine Frau legt an Stolpersteinen Blumen nieder\" data-image-owner=\"dpa | Jens Kalaene\" data-image-title=\"Eine Frau legt an Stolpersteinen Blumen nieder\" data-image-src=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/stolpersteine-106~_v-800x450_c-1775833346731.jpg\" data-image-rights-src=\"\/bilder\/stolpersteine-106~_v-640x360_c-1775833346731.jpg\"\/><\/p>\n<p>In Bremen werden 21 neue Stolpersteine verlegt. Sie dienen dem Gedenken an Opfer des NS-Regimes. (Symbolbild)<\/p>\n<p>Bild: dpa | Jens Kalaene<\/p>\n<p>Audio-Ende<\/p>\n<p class=\"article-intro\">Sie wurden Opfer von Euthanasie, in Haft oder gar im Exil in den Tod getrieben: F\u00fcr sie und weitere Bremer werden in dieser Woche insgesamt 21 Gedenksteine in den Boden gesetzt.<\/p>\n<p>Die neuen Stolpersteine verlegen die Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung Bremen und der\u00a0Initiativkreis Stolpersteine Bremen<strong>\u00a0<\/strong>am Dienstag und Mittwoch. Der Initiativkreis ist eine selbst\u00e4ndige Gruppe im Verein Erinnern f\u00fcr die Zukunft. <\/p>\n<p>Die in den Gehweg eingelassenen Steine dienen dem Gedenken an Familien und Einzelpersonen, die w\u00e4hrend der Zeit des Dritten Reichs verfolgt, ermordet oder in den Tod getrieben wurden. Darauf sind Messingplatten mit den Namen, Geburtsdaten und Todesdaten angebracht.<\/p>\n<p>Verein recherchiert Lebenswege von NS-Opfern<\/p>\n<p>In Bremen gibt es bereits mehr als 800 Gedenksteine, in ganz Europa rund 116.000. Laut Initiativkreis wollen Angeh\u00f6rige einige der Verlegungen f\u00fcr ihre verstorbenen Verwandten begleiten, ebenso wie Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler der Gesamtschule Mitte und der Waldorfschule.<\/p>\n<p>&#8222;Gerade f\u00fcr Menschen, die nicht in Deutschland leben, kann ein Stolperstein ein Fixpunkt sein f\u00fcr das Gedenken und die Trauer, denn ein Grab ihrer Angeh\u00f6rigen k\u00f6nnen sie ja leider nicht besuchen&#8220;, sagt Peter Christoffersen vom Initiativkreis Stolpersteine. Der Verein recherchiert die Lebenswege von NS-Opfern mithilfe von Einwohnermeldedaten, anderen Archivbest\u00e4nden und manchmal auch privaten Sammlungen. <\/p>\n<p>Dass noch lebende Angeh\u00f6rige an den Verlegungen teilnehmen k\u00f6nnen, ist manchmal auch ein Ergebnis der Recherchen: &#8222;Manchmal treten Verwandte an uns heran und wir fangen dann an zu recherchieren, andere Male kommen Kontakte dar\u00fcber zustande, dass wir in Datenbanken recherchieren und dann Verweise auf lebende Angeh\u00f6rige bekommen.&#8220;<\/p>\n<p>Drei Familiengeschichten haben wir hier aus dem Material des Initiativkreises zusammengefasst:<\/p>\n<p>Familie Reichmann, Achimer Stra\u00dfe 32<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/stolpersteine-102~_v-512x288_c-1776159826223.jpg\" data-gallery-entry-for=\"stolpersteine-gedenken-bremen-100\" data-size=\"1600x900\" class=\"text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image -image-with-fallback -image-rounded  lazyload\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhEAAJAIAAAP\/\/\/\/\/\/\/yH5BAEKAAEALAAAAAAQAAkAAAIKjI+py+0Po5yUFQA7\"   alt=\"Herbert Reichmann (Kind) mit L\u00f6wenbaby\" title=\"Bild: Initativkreis Stolpersteine\" data-image-owner=\"Initativkreis Stolpersteine\" data-image-title=\"Herbert Reichmann (Kind) mit L\u00f6wenbaby\" data-image-src=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/stolpersteine-102~_v-512x288_c-1776159826223.jpg\" data-image-rights-src=\"\/bilder\/stolpersteine-102~_v-640x360_c-1776159826223.jpg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Herbert Reichmann als Kind mit einem L\u00f6wenbaby auf dem Arm.<\/p>\n<p>Bild: Initativkreis Stolpersteine<\/p>\n<p>Der in G\u00f6ttingen aufgewachsene Hugo Reichmann kam 1913 nach Bremen, wo er nach dem Ersten Weltkrieg Ida Scherk heiratete. Das j\u00fcdische Paar wohnte ab 1923 in der Achimer Stra\u00dfe 32 und bekam 1925 einen Sohn, Herbert. 1933 reiste die Familie nach Brasilien aus. Dort arbeitete Hugo Reichmann als Lehrer und \u00dcbersetzer, das Geld war jedoch knapp. Reichmann wurde im Exil nicht heimisch, entwickelte depressives und auff\u00e4lliges Verhalten, auch der Sohn entwickelte Suizidgedanken. Ida Reichmann wollte daraufhin eine klarere Abgrenzung von ihrem Ehemann, 1939 sprach ein Gericht die Trennung von Tisch und Bett aus. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/stolpersteine-104~_v-512x288_c-1776159977117.jpg\" data-gallery-entry-for=\"stolpersteine-gedenken-bremen-100\" data-size=\"1280x720\" class=\"text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image -image-with-fallback -image-rounded  lazyload\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhEAAJAIAAAP\/\/\/\/\/\/\/yH5BAEKAAEALAAAAAAQAAkAAAIKjI+py+0Po5yUFQA7\"   alt=\"Ida Reichmann\" title=\"Bild: Initiativkreis Stolpersteine\" data-image-owner=\"Initiativkreis Stolpersteine\" data-image-title=\"Ida Reichmann\" data-image-src=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/stolpersteine-104~_v-512x288_c-1776159977117.jpg\" data-image-rights-src=\"\/bilder\/stolpersteine-104~_v-640x360_c-1776159977117.jpg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Ida Reichmann nahm nach Kriegsende die brasilianische Staatsb\u00fcrgerschaft an.<\/p>\n<p>Bild: Initiativkreis Stolpersteine<\/p>\n<p>Am 7. Juni 1939 kam es zur Trag\u00f6die: Der damals 55-j\u00e4hrige Hugo Reichmann und sein 14-j\u00e4hriger Sohn Herbert wurden tot aufgefunden. Offenbar hatte der Vater vorher eine Schusswaffe auf sich gerichtet, was aber nicht zum Tod f\u00fchrte. Der 14-j\u00e4hrige Herbert schoss demnach noch zweimal auf seinen Vater und nahm sich danach selbst das Leben. Die Hinterbliebene Ida Reichmann lie\u00df sich nach Kriegsende in Brasilien einb\u00fcrgern und arbeitete als Lehrerin. F\u00fcr Familie Reichmann wird ein Stolperstein an der Achimer Stra\u00dfe 32 verlegt.<\/p>\n<p>Familie Stein, Sielwall 79<\/p>\n<p>Wilhelm Stein wurde 1893 in Bremen geboren, machte eine kaufm\u00e4nnische Ausbildung und \u00fcbernahm nach dem Tod des Vaters 1921 dessen Juweliergesch\u00e4ft. 1930 zog er mit Frau und Sohn ins belgische Antwerpen, weil er Verfolgung f\u00fcrchtete, falls die Nationalsozialisten an die Macht kommen w\u00fcrden. 1936 wurde Stein w\u00e4hrend einer Gesch\u00e4ftsreise in Braunschweig verhaftet. Nach Haftende nahm ihn die Gestapo in sogenannte Schutzhaft. Im Gef\u00e4ngnis in Braunschweig nahm er sich 1938 das Leben. <\/p>\n<p>Die United Restitution Organization, eine Organisation, die NS-Opfern hilft, ihre Kompensationsanspr\u00fcche f\u00fcr erlittene Sch\u00e4den und beschlagnahmtes Eigentum zu stellen, stellte demnach 1953 klar: &#8222;Er ist also im Rahmen einer Verfolgungsma\u00dfnahme als Jude von der Gestapo in den Tod getrieben worden.&#8220; <\/p>\n<p>Seine Frau und die beiden Kinder gingen w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs in den Untergrund. Nach Kriegsende wanderten sie in die USA aus. F\u00fcr die Familie Stein wird ein Stolperstein am Sielwall 79 verlegt, wo die Familie von 1924 bis zur Ausreise nach Belgien gewohnt hatte.<\/p>\n<p>Louise Mornhinweg, Halmerweg 130<\/p>\n<p>Louise Mornhinweg wurde 1881 in Bremen geboren. Sie arbeitete als Dienstm\u00e4dchen und bekam zwei T\u00f6chter, bevor sie 1901 den Maurer Julius Robert Mornhinweg heiratete. Das Paar bekam noch vier gemeinsame Kinder. Julius Mornhinweg fiel im Ersten Weltkrieg. Seine Frau belastete es sehr, die sechs Kinder alleine gro\u00dfziehen zu m\u00fcssen. Sie wurde alkoholabh\u00e4ngig, in den 30er-Jahren zog sie oft um, war zwischenzeitlich obdachlos. Ab 1939 wohnte Mornhinweg im Altersheim, dann wieder bei ihren inzwischen verheirateten T\u00f6chtern. <\/p>\n<p>1944 kam sie in die Bremer Nervenklinik. Nach Bombensch\u00e4den wurde sie nach L\u00fcneburg verlegt, wo sie im November desselben Jahres starb. &#8222;Die meisten der verlegten Patienten starben infolge von Medikamenten\u00fcberdosierungen, durch Nahrungsentzug, pflegerische oder medizinische Vernachl\u00e4ssigung&#8220;, schreibt der Initiativkreis Stolpersteine. Am Halmerweg 130, wo ihre Tochter Robertine wohnte und sie vor\u00fcbergehend aufgenommen hatte, wird mit einem Stolperstein Louise Mornhinwegs gedacht. <\/p>\n<p>Video<\/p>\n<p>Bild: Radio Bremen<\/p>\n<p>Video-Ende<\/p>\n<p class=\"article-legal-agencies\"><strong>Quelle<\/strong>:<br \/>\nbuten un binnen.\n<\/p>\n<p class=\"article-legal-broadcast-reference\"><strong>Dieses Thema im Programm:<\/strong><br \/>\nbutenunbinnen.de, Dein Audio-Update, 14. April 2026, 11:15 Uhr<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Standdatum: 14. April 2026. Autorinnen und Autoren: Verena Patel Audio In Bremen werden 21 neue Stolpersteine verlegt. 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