{"id":945185,"date":"2026-04-14T13:09:16","date_gmt":"2026-04-14T13:09:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/945185\/"},"modified":"2026-04-14T13:09:16","modified_gmt":"2026-04-14T13:09:16","slug":"james-webb-teleskop-liefert-staerksten-hinweis-auf-erste-sterne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/945185\/","title":{"rendered":"James-Webb-Teleskop liefert st\u00e4rksten Hinweis auf erste Sterne"},"content":{"rendered":"<p>\n        14. April 2026<\/p>\n<p>              Kai Imhoff<\/p>\n<p>                            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/shutterstock_1367375186-6b83bd873dd588d0.jpeg\"  width=\"3845\" height=\"2161\"  alt=\"Abstrakter Hintergrund mit vertikalen Lichtstrahlen und Sternen.\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p class=\"caption akwa-caption__text\">Das James-Webb-Teleskop hat bei der Galaxie GN-z11 Hinweise auf die ersten Sterne entdeckt.<\/p>\n<p class=\"source akwa-caption__source\">(Bild:\u00a0Mia Stendal \/ <a href=\"https:\/\/www.shutterstock.com\/de\/image-photo\/ultraviolet-background-empty-foggy-street-wet-1367375186\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener nofollow\">Shutterstock.com<\/a>)<\/p>\n<p class=\"lead beitraganriss\">Zwei Forscherteams haben mit dem JWST bei der Galaxie GN-z11 Helium- und Wasserstoffsignale entdeckt, die auf die allererste Sternengeneration hindeuten.<\/p>\n<p>Astronomen haben mit dem James-Webb-Weltraumteleskop (JWST) den bislang \u00fcberzeugendsten Beleg f\u00fcr die Existenz sogenannter Population-III-Sterne gefunden \u2013 jener allerersten Sterne also, die wohl nach dem Urknall im Kosmos entstanden.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Zwei unabh\u00e4ngige Forscherteams identifizierten bei der Galaxie GN-z11 charakteristische Spektralsignaturen, die sich am plausibelsten durch diese urt\u00fcmlichen Himmelsk\u00f6rper erkl\u00e4ren lassen.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse stammen aus zwei Vorver\u00f6ffentlichungen auf dem Preprint-Server arXiv.<\/p>\n<p>Beide Forscherteams untersuchten ein kompaktes Begleitobjekt der Galaxie GN-z11, das die Forscher &#8222;Hebe&#8220; tauften. GN-z11 z\u00e4hlt mit einer Rotverschiebung von z=10,6 zu den fr\u00fchesten bekannten Galaxien \u00fcberhaupt.<\/p>\n<p>Das Licht, das das JWST einfing, war bereits unterwegs, als das Universum gerade einmal rund 420 Millionen Jahre alt war \u2013 etwa drei Prozent seines heutigen Alters von 13,8 Milliarden Jahren.<\/p>\n<p>Das <a href=\"https:\/\/arxiv.org\/pdf\/2603.20362\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Team um Roberto Maiolino<\/a> von der University of Cambridge best\u00e4tigte mithilfe hochaufl\u00f6sender NIRSpec-IFU-Spektroskopie (Aufl\u00f6sung R~2700) ein bereits 2024 erstmals schwach registriertes Signal von einfach ionisiertem Helium (HeII \u03bb1640). Die neue Messung erreichte eine Signifikanz von 6 Sigma und zeigte sogar zwei getrennte Komponenten, die um rund 120 Kilometer pro Sekunde voneinander verschoben sind. Gleichzeitig fehlten im Spektrum s\u00e4mtliche Spuren schwererer Elemente wie Kohlenstoff, Stickstoff oder Sauerstoff.<\/p>\n<p>Reines Helium und Wasserstoff als Fingerabdruck<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Genau dieses Muster \u2013 starkes Heliumsignal bei vollst\u00e4ndiger Abwesenheit von Metallen \u2013 gilt als theoretischer Fingerabdruck von Population-III-Sternen. Anders als alle heute beobachtbaren Sterne bestanden sie aus nahezu reinem Wasserstoff und Helium. Schwerere Elemente existierten schlicht noch nicht.<\/p>\n<p>Theoretische Modelle sagen voraus, dass diese Ursterne extrem massereich und hei\u00df waren, ihren Brennstoff rasch verbrauchten und in gewaltigen Supernovae endeten. Erst deren Explosionen reicherten das interstellare Medium mit schweren Elementen an und schufen so die Voraussetzungen f\u00fcr alle sp\u00e4teren Sternengenerationen.<\/p>\n<p>Ein <a href=\"https:\/\/arxiv.org\/pdf\/2603.20363\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">zweites Team unter Leitung von Elka Rusta<\/a> vom italienischen Nationalinstitut f\u00fcr Astrophysik (INAF) schloss aus dem Verh\u00e4ltnis der Helium- zur Wasserstoffemission, dass die Population-III-Sterne in Hebe vermutlich zehn- bis hundertmal so massereich waren wie unsere Sonne.<\/p>\n<p>Die gesch\u00e4tzte Gesamtmasse an Population-III-Sternen in dem Objekt liegt demnach zwischen 20.000 und 600.000 Sonnenmassen. Beide Befunde decken sich gut mit bisherigen theoretischen Vorhersagen.<\/p>\n<p>Abgrenzung zu j\u00fcngeren Sterntypen<\/p>\n<p>Die Besonderheit der Messungen liegt in den hohen \u00c4quivalentbreiten der Heliumlinie von \u00fcber 20 \u00c5ngstr\u00f6m. Sterne der n\u00e4chsten Generation \u2013 sogenannte Population-II-Sterne \u2013 erreichen typischerweise Werte unter 20 \u00c5ngstr\u00f6m und zeigen zudem stets Metalllinien in ihren Spektren.<\/p>\n<p>Dass bei Hebe trotz intensiver Suche keinerlei Hinweise auf Kohlenstoff, Stickstoff, Sauerstoff oder Neon auftraten, st\u00e4rkt die Interpretation als Population-III-Objekt erheblich. Die Forscher sch\u00e4tzen, dass mehr als 50 Prozent der Sterne in Hebe tats\u00e4chlich zur Population III geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Die Entdeckung erg\u00e4nzt einen k\u00fcrzlich gemeldeten Fund in unserer kosmischen Nachbarschaft: Erst Anfang April hatten Astronomen den chemisch urspr\u00fcnglichsten bislang bekannten Stern im Universum identifiziert. Der Himmelsk\u00f6rper SDSS J0715\u22127334 weist eine extrem niedrige Metallizit\u00e4t auf und besteht fast ausschlie\u00dflich aus Wasserstoff und Helium \u2013 ein lokaler Hinweis auf die Bedingungen im fr\u00fchen Universum.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend dieser Stern ein \u00dcberbleibsel sp\u00e4terer, metallarmer Generationen darstellt, w\u00fcrden die nun bei GN-z11 gefundenen Signaturen direkt von der allerersten Sternengeneration stammen.<\/p>\n<p>Weitere Beobachtungen n\u00f6tig<\/p>\n<p>Trotz der \u00fcberzeugenden Datenlage betonen beide Forscherteams, dass zus\u00e4tzliche Beobachtungen mit dem JWST erforderlich sind, um die Ergebnisse abschlie\u00dfend zu best\u00e4tigen. Insbesondere tiefere Spektralmessungen k\u00f6nnten helfen, den diffusen Hintergrund besser zu charakterisieren und die Massenverteilung der Population-III-Sterne genauer einzugrenzen. Konkrete Folgeprogramme sind bislang nicht \u00f6ffentlich angek\u00fcndigt.<\/p>\n<p>Die insgesamt 38,8 Stunden Belichtungszeit, die das JWST auf das Ziel richtete, zeigen eindr\u00fccklich das Potenzial des Infrarotteleskops f\u00fcr die Erforschung des fr\u00fchesten Universums. Sollten sich die Befunde best\u00e4tigen, w\u00e4re dies ein entscheidender Schritt zum Verst\u00e4ndnis, wie die ersten Strukturen im Kosmos entstanden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"14. 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