{"id":94537,"date":"2025-05-08T15:03:09","date_gmt":"2025-05-08T15:03:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/94537\/"},"modified":"2025-05-08T15:03:09","modified_gmt":"2025-05-08T15:03:09","slug":"ferris-jabrs-buch-ueber-die-entstehung-des-lebens-das-erwachen-der-erde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/94537\/","title":{"rendered":"Ferris Jabrs Buch \u00fcber die Entstehung des Lebens, \u201eDas Erwachen der Erde\u201c"},"content":{"rendered":"<ol class=\"id-DonaldBreadcrumb lp_west_breadcrumb id-DonaldBreadcrumb--default\" data-k5a-pos=\"west_breadcrumb\">\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"1_startseite\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Startseite<\/a><\/li>\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/kultur\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"2_kultur\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kultur<\/a><\/li>\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/kultur\/literatur\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"3_literatur\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Literatur<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"id-Story-timestamp id-Story-timestamp--default\">Stand: 08.05.2025, 16:02 Uhr<\/p>\n<p class=\"id-Story-authors id-Story-authors--default\">Von: <a class=\"id-Story-authors-link lp_west_author\" href=\"https:\/\/www.fr.de\/autoren\/9556\/\" title=\"Zur Autorenseite von Sylvia Staude\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" author-link=\"\" staude=\"\" data-k5a-pos=\"west_author\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sylvia Staude<\/a><\/p>\n<p class=\"id-Story-interactionBar id-Story-interactionBar--default\">DruckenTeilen<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-leadText\">\u201eWie das Leben unseren Planeten formt\u201c, tr\u00e4gt Ferris Jabr detailliert und staunenswert zusammen.  <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Der deutsche Titel, \u201eDas Erwachen der Erde\u201c, klingt ein wenig nach Fr\u00fchlingslyrik \u2013 doch Ferris Jabrs Buch \u00fcber das Entstehen von Leben auf unserem Planeten, \u00fcber Wechselwirkungen und Ver\u00e4nderungen im Laufe der Jahrmillionen, ist eine Fahrt auf einer Achterbahn.  Und am Ende geht es nochmal t\u00fcchtig runter: Wenn es n\u00e4mlich um Joe Bidens Inflation Reduction Act geht, in dem viel Geld bereitgestellt wurde, um den Klimawandel zu lindern \u2013 und man inzwischen wei\u00df, dass jetzt eine Katastrophe namens Donald Trump alles wieder zur\u00fcckzudrehen und kaputtzuschlagen versucht. Eine Katastrophe nicht nur f\u00fcr die USA, sondern die Welt.\u00a0 Und nicht zuletzt f\u00fcr den Menschen.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Aber von vorn. Der Wissenschaftsjournalist Ferris Jabr zeichnet in \u201eBecoming Earth: How our planet came to life\u201c (Orig. 2024) zum einen die Geschichte der Entstehung von Leben auf unserem Planeten nach. Es geht dabei um das Zusammenwirken der Lebewesen im Gestein, im Wasser, in der Luft. Es geht um die Bedeutung der winzigsten Organismen und der gro\u00dfen Tiere, auch von Sauerstoff, Kohlenstoff, Feuer und Wind. Ein deprimierendes Kapitel ist dem Plastik im Meer gewidmet.  Jabr ist hinuntergetaucht zu faszinierenden Wasserw\u00e4ldern aus Riesentang und hinaufgestiegen bis an die Spitze des zierlichen, doch hohen Turms des Amazon Tall Tower Observatory.\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Er hat mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gesprochen, viele aktuelle Forschungsergebnisse zusammengetragen (am Ende des Buches finden sich mehr als zehn Seiten mit Quellen). Und wenn es Widerspruch gibt, l\u00e4sst er diesen keineswegs unter den Tisch fallen. Am ausf\u00fchrlichsten legt er ihn im Hinblick auf die Gaia-Hypothese von James Lovelock und Lynn Margulis dar, die ihn sichtlich fasziniert. Nach dieser Hypothese, benannt nach der \u201eGro\u00dfen Mutter\u201c der griechischen Mythologie, bildet die Erdoberfl\u00e4che ein dynamisches System, das die Biosph\u00e4re stabilisiert. Leben zeichnet sich durch die F\u00e4higkeit von Lebewesen zur Selbstorganisation aus.\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Jabr erz\u00e4hlt von dem Besuch beim 100-j\u00e4hrigen Lovelock, beschreibt in Anmerkungen \u2013 mit Hilfe langer Zitate aus Fachartikeln des Geowissenschaftlers James Kirchner \u2013 auch die Entwicklung und immer wieder Ver\u00e4nderung der Theorie. Kirchner erw\u00e4hnt ihre Vereinnahmung durch einerseits Umweltsch\u00fctzer, andererseits die Industrie. Letztere erkl\u00e4re, \u201eGaias F\u00e4higkeit, Hom\u00f6ostase herzutellen, mache eine Begrenzung der Umweltverschmutzung unn\u00f6tig\u201c. Hom\u00f6ostase meint einen \u201eGleichgewichtszustand eines offenen dynamischen Systems\u201c, eine Selbstregulation.\u00a0Das hei\u00dft nicht, dass man der Erde alles antun kann. <\/p>\n<p>Es k\u00f6nnte eine Erde ohne viel Erde sein<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Und nochmal von vorn \u2013 und also zum Gestein. In dem es, wie man vor noch gar nicht langer Zeit herausgefunden hat, von Mikroorganismen nur so wimmelt. Mikroorganismen, \u201edie noch nicht einmal einen Artnamen haben\u201c, die aber einst das Gestein in Boden verwandelten. Ohne winzige Lebewesen g\u00e4be es nur \u201eeine Erde ohne viel Erde\u201c, schreibt Jabr. Was aber auch bedeutet, dass dieser reichhaltige Planet so nie entstanden w\u00e4re. Dass Homo sapiens nie entstanden w\u00e4re.\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Der Mensch au\u00dferdem nicht ohne Sauerstoff. Und nicht ohne Feuer. Dinge, die zusammenh\u00e4ngen. \u201eIn der dichten, sauerstoffreichen Luft, die das Atmen und Fliegen viel einfacher machte, wuchsen die Insekten und andere Gliederf\u00fc\u00dfer der Karbonzeit\u201c. Gleichzeitig wurde die Erde \u201ebrennbarer\u201c als je zuvor. \u201eFeuer (\u2026) war der wichtigste Katalysator f\u00fcr die Evolution des Menschen \u2013 der Schmelzofen f\u00fcr unsere Intelligenz, Technologie und Kultur.\u201c\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Doch jetzt sind Waldbr\u00e4nde durch das Wirken des Menschen \u201egr\u00f6\u00dfer und hei\u00dfer als je zuvor\u201c (und Jabr hatte, als er das schrieb, den Brand von Los Angeles noch gar nicht erlebt). Womit wir bei dem Thema sind, das jedes Kapitel des Buches, ob \u00fcber Gestein, Wasser oder Luft, grundiert. Denn der Autor erz\u00e4hlt zwar h\u00f6chst anschaulich, wie Mikroorganismen all\u00fcberall gr\u00f6\u00dferen Organismen eine Entstehung erst m\u00f6glich machten, wie sich trotz diverser Katastrophen \u2013 Vulkanausbr\u00fcche, Asteroideneinschl\u00e4ge etwa \u2013 Gleichgewicht und Resilienz einstellten, aber er berichtet gleichzeitig von einer Entwicklung, die jetzt erstmals in Rekordzeit gest\u00f6rt wird.\u00a0 Und das nicht von einem Meteoriteneinschlag, sondern von einer angeblich intelligenten Spezies.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Wo fr\u00fcher Jahrtausende oder sogar Jahrmillionen zur Verf\u00fcgung standen f\u00fcr Selbststabilisierungsprozesse der Erde und ihrer Lebewesen, \u00fcbertrifft die Geschwindigkeit, \u201ein der wir die Atmosph\u00e4re mit einem so gro\u00dfen Kohlenstoffvolumen \u00fcberschwemmt haben\u201c, alles Dagewesene. Wir jagen in Nullkommanichts in die Luft, so Jabr, was in Jahrmillionen durch Absterben, Niedersinken, Zusammenpressen, eine heilsame und notwendige Ver\u00e4nderungen der Konsistenz entstanden ist: \u201eEin fossiler Brennstoff ist eigentlich ein \u00d6kosystem in einer Urne.\u201c\u00a0Wir setzen frei, was eingelagert bleiben sollte.<\/p>\n<p>Das Buch<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-factBox-paragraph\"><strong>Ferris Jabr:<\/strong> Das Erwachen der Erde. A. d. Engl. von Sebastian Vogel. Verlag Antje Kunstmann, M\u00fcnchen 2025. 344 S., 28 Euro. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Man mag sich vielleicht wundern, dass es in \u201eDas Erwachen der Erde\u201c gleich im zweiten Kapitel um die \u201eMammutsteppe\u201c geht, darum, wie gro\u00dfe grasende (Huf-)Tiere einst die Erde mitgeformt haben.  Und wie sie immer noch dazu in der Lage w\u00e4ren, den Boden nennenswert abzuk\u00fchlen, wenn es sie \u2013 zum Beispiel Bisons \u2013 in gro\u00dfer Zahl g\u00e4be. Jabr berichtet von der bereits in den 1960er Jahren ver\u00f6ffentlichten These, \u201edass der Mensch die Megafauna des Pleistoz\u00e4ns durch Jagd ausgerottet hat\u201c. Das d\u00fcrften diejenigen nicht gern zur Kenntnis nehmen, die der \u00dcberzeugung sind, Homo sapiens habe einst mit der Natur in gro\u00dfer Harmonie gelebt. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Das Faszinierendste an Ferris Jabrs Buch sind die Schilderungen der in Winzorganismen ablaufenden chemischen Prozesse, die weiteres Leben erst erm\u00f6glichten \u2013 \u201edas Leben schuf die Luft, die wir heute atmen\u201c \u2013, sowie von den Mengen an gro\u00dfteils noch ganz unbekannten Mikroorganismen, die einfach \u00fcberall sind. Auch in rauen Mengen in der Luft, als unsichtbare und dank des Windes oft \u201eunfreiwillige Luftfahrer\u201c. Vieles deutet darauf hin, dass diese Organismen an der Entstehung von Regen und auch an der von Schnee und Hagel beteiligt sein k\u00f6nnten, denn es gibt ein Bakterienprotein, das Wasser gefrieren lassen kann.\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Das Erschreckendste an diesem Band mit seinen vielen Details und erstaunlichen Zahlen ist, dass man den Elefanten im Raum nicht vergessen kann: das CO\u2082, f\u00fcr dessen rasantes Anwachsen in der Luft wir verantwortlich sind \u2013 Betonung auf rasant. Die Erde hat es (vor Homo sapiens) geschafft, Kohlenstoff quasi einzufangen und abzulegen, hat sich dadurch abgek\u00fchlt, doch das dauert (siehe oben). Wir sind damit die erste Spezies, erkl\u00e4rt Jabr, die das Gleichgewicht, die Hom\u00f6ostase so schnell st\u00f6rt, dass der Autor uns \u2013 sicher zu Recht \u2013 \u201eeine schrecklich unangenehme Zukunft\u201c prophezeit.\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">\u201eNetzwerke von Arten, die dazu beitragen, das System als Ganzes am Leben zu erhalten, werden beg\u00fcnstigt, und solche, die das System bis hin zum Zusammenbruch untergraben, vernichten sich letztlich selbst, selbst wenn sie auf kurze Sicht profitieren.\u201c Das meint uns, Homo sapiens. Ferris Jabrs \u201eDas Erwachen der Erde\u201c ist eine wissenschaftlich unterf\u00fctterte Mahnung, die in der Lage ist, uns liebgewordene Illusionen zu rauben. Auch die gro\u00dft\u00f6nerische Idee, wir k\u00f6nnten uns irgendwo einen anderen Planeten, eine andere Gaia organisieren \u2013 obwohl der n\u00e4chste Planet mit erd\u00e4hnlichen Bedingungen so viele Lichtjahre weg ist, dass wir ihn wohl nie erreichen werden. Jedenfalls nicht, ehe wir uns ausgerottet haben. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Es w\u00e4re weit einfacher, diese Erde jetzt zu bewahren, mit aller Kraft und allem Einsatz, die uns m\u00f6glich sind.\u00a0<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"id-RatioPlaceholder-element wv_story_el_image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/38013059-ein-kalifornischer-seeloewe-zwischen-riesentang-RxBG.jpg\" loading=\"lazy\"   height=\"733\" width=\"1100\" alt=\"Ein kalifornischer Seel&#xF6;we zwischen Riesentang.  \"\/>Seel\u00f6we zwischen Riesentang.  \u00a9\u00a0Imago  Images<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Startseite Kultur Literatur Stand: 08.05.2025, 16:02 Uhr Von: Sylvia Staude DruckenTeilen \u201eWie das Leben unseren Planeten formt\u201c, tr\u00e4gt&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":94538,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,215],"class_list":{"0":"post-94537","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114472825977942442","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/94537","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=94537"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/94537\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/94538"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=94537"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=94537"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=94537"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}