{"id":94613,"date":"2025-05-08T15:43:09","date_gmt":"2025-05-08T15:43:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/94613\/"},"modified":"2025-05-08T15:43:09","modified_gmt":"2025-05-08T15:43:09","slug":"heard-und-mcdonald-inseln-trumps-zoelle-und-die-geschaefte-der-pinguine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/94613\/","title":{"rendered":"Heard- und McDonald-Inseln &#8211; Trumps Z\u00f6lle und die Gesch\u00e4fte der Pinguine"},"content":{"rendered":"<p>                    <strong>exklusiv<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 08.05.2025 17:00 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Vor einigen Wochen verh\u00e4ngte US-Pr\u00e4sident Trump f\u00fcr Inseln am Rand der Antarktis Z\u00f6lle &#8211; und erntete Spott. Recherchen von WDR, NDR und SZ liefern jetzt Hinweise, dass die Inseln f\u00fcr fragw\u00fcrdige Gesch\u00e4fte genutzt worden sein k\u00f6nnten.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Petra Blum, WDR, und Catharina Felke, NDR\n                        <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAls Donald Trump Anfang April einen pauschalen Zoll von zehn Prozent auf Importe aus den meisten L\u00e4ndern der Welt sowie noch h\u00f6here aus einzelnen L\u00e4ndern verh\u00e4ngte, ernteten die Vereinigten Staaten viel Emp\u00f6rung.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUnter den Emp\u00f6rten befand sich Australien, denn: Die Z\u00f6lle treffen selbst entlegene australische Inseln, die\u00a0in der Sub-Antarktis liegen und auf denen kein Mensch wohnt &#8211; nur Pinguine, V\u00f6gel und Robben.<\/p>\n<p>    &#8222;Pinguine gegen Z\u00f6lle&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer Fall der australischen Heard- und McDonald-Inseln schien besonders absurd. Trumps Zollpolitik, die auch diese Inseln einschloss, sorgte f\u00fcr Hohn und Spott. Die Inseln, die offenbar nur nach etwa zweiw\u00f6chiger Bootsfahrt erreichbar sind, erlangten nach der Zollank\u00fcndigung daher vor allem im Internet Ber\u00fchmtheit: Dort waren Pinguine zu sehen, die gegen die Z\u00f6lle demonstrieren &#8211;\u00a0oder Shirts mit dem Aufdruck &#8222;penguins against tariffs&#8220;, also &#8222;Pinguine gegen Z\u00f6lle&#8220;.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch der australische Handelsminister Don Farrell reagierte prompt auf Trumps Ank\u00fcndigung: Dem Sender ABC sagte er, die Z\u00f6lle seien wohl ein Fehler gewesen. &#8222;Arme Pinguine. Ich wei\u00df nicht, was sie Trump getan haben, aber schauen Sie, ich glaube, das ist ein Zeichen, um ehrlich zu sein, dass der Ablauf ein bisschen \u00fcberst\u00fcrzt war.&#8220; Das Ganze also nur ein Fehler?<\/p>\n<p>    Import\/Export-Gesch\u00e4ft?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nRecherchen von WDR, NDR und S\u00fcddeutscher Zeitung zeigen jetzt, dass mehr dahinter stecken k\u00f6nnte. Denn laut der Handelsstatistik der Weltbank betreiben die Heard- and McDonalds-Inseln tats\u00e4chlich ein Import\/Export-Gesch\u00e4ft, und zwar unter anderem mit den Vereinigten Staaten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSeit mindestens 15 Jahren, so weisen es die Handelsdaten aus, sollen von dort etwa Metalle und Maschinen in die USA exportiert und andererseits verschiedene G\u00fcter importiert werden, darunter sogar Tiere.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n2022 etwa exportierten die Inseln der Statistik zufolge &#8222;Maschinen und Elektrik&#8220; f\u00fcr mehr als eine Million Dollar in die USA. Diese letzte Handelsstatistik hat die Trump-Regierung wohl Berichten zufolge herangezogen, um zu entscheiden, f\u00fcr welche L\u00e4nder die Zehn-Prozent-Z\u00f6lle erhoben werden sollten, um vermeintliche Handelsungleichgewichte zu beenden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDoch wie kann Handel auf Inseln stattfinden, die eigentlich komplett unbewohnt sind, auf denen es weder Geb\u00e4ude noch Stra\u00dfen und H\u00e4fen gibt?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Weltbank antwortete auf Anfrage, dass sie keine Erkl\u00e4rung f\u00fcr diese Export-Daten habe.\u00a0Sowohl das australische Handelsministerium als auch die australische Beh\u00f6rde f\u00fcr die Antarktis lie\u00dfen eine Anfrage unbeantwortet.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nZahlreiche Offshore-Leaks allerdings, etwa die Panama Papers oder Pandora Papers, geben hingegen Hinweise, dass es doch nicht v\u00f6llig absurd war, die Inseln in die Zollpolitik einzuschlie\u00dfen. Die Daten liefern einen einzigartigen Einblick in die Welt von Steueroasen. SZ, WDR und NDR haben sie vielfach mit internationalen Partnern ausgewertet, und auch in der Frage nach der Sinnhaftigkeit von Trumps Zollpolitik k\u00f6nnen sie nun weiterhelfen.<\/p>\n<p>    Teil der Offshore-Welt<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Leaks unterst\u00fctzen den Eindruck, dass die Heard- and McDonalds-Islands noch mehr sind als ein Naturreservat, das als UNESCO-Weltnaturerbe rangiert. In den Leaks finden sich beispielsweise Steuerabkommen, die Australien in den Jahren 2008 bis 2011 mit bekannten Steueroasen abgeschlossen hat &#8211; darunter die Cayman Islands, die britischen Jungferninseln oder Mauritius. Darin vereinbaren die L\u00e4nder gegenseitigen Informationsaustausch und andere steuerrechtliche Angelegenheiten, was nicht ungew\u00f6hnlich ist.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nExplizit mit aufgenommen sind \u00a0die unbewohnten Heard- and McDonalds-Inseln. Das blieb nicht ohne Folgen f\u00fcr sie. Die vom Menschen nahezu unber\u00fchrten Inseln wurden nun absichtlich oder unabsichtlich Teil der Offshore-Welt, in der entlegene Orte manchmal ganz erstaunliche Rollen spielen k\u00f6nnen. Daf\u00fcr geben die ausgewerteten Datens\u00e4tze Anhaltspunkte.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSchon 2012, kurz nach Abschluss des Abkommens, stiegen die Heard- and McDonalds-Inseln zumindest auf dem Papier ins Import\/Export-Gesch\u00e4ft ein. 2012 und 2013 sollen sie Transport-G\u00fcter nach Sub-Sahara-Afrika bef\u00f6rdert haben, insgesamt im Wert von fast einer halben Milliarde US Dollar. 2017 sollen der Statistik zufolge weitere Exporte derselben Kategorie wiederum nach Sub-Sahara Afrika erfolgt, im nahezu identischen Umfang.<\/p>\n<p>    Beliebt als angeblicher Wohnort<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch als angeblicher Wohnort wurden die Inseln beliebt: Wie Recherchen von WDR, NDR und SZ zeigen, begannen mindestens ab 2011 Menschen, die eigentlich in China oder Hongkong registriert waren, die Heard- and McDonalds- Inseln als Wohnadresse anzugeben. In einem Fall trat eine Person einen Direktorenposten in einer Firma ohne erkennbares Business auf den britischen Jungferninseln an und gab einen seiner Wohnsitze auf den Inseln der Pinguine an.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn Anleitungen zum Ausf\u00fcllen von Zollpapieren in Hongkong finden sich die Inseln ebenfalls wieder &#8211; sie hatten ein L\u00e4nderk\u00fcrzel und waren offenbar anerkannt als Herkunftsort oder Zielort f\u00fcr Warensendungen im Zusammenhang mit China und Hongkong.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch in der Bankenwelt blieben die Inseln nicht unbemerkt. Bei der Cayman National Bank, einer Bank, die haupts\u00e4chlich im Offshore-Gesch\u00e4ft zu Hause ist, finden sich immer wieder Meldungen \u00fcber \u00dcberweisungen von oder an Konten, die auf den Heard- und McDonalds-Inseln gemeldet sind. Allein im September 2018 waren es mehr als 300 solcher \u00dcberweisungen bei nur einer einzigen Bank. Die Cayman National Bank reagierte nicht auf eine Anfrage von WDR, NDR und SZ.<\/p>\n<p>    Wohnort ohne Stra\u00dfen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch gro\u00dfe Gesch\u00e4ftsbanken nahmen die Inseln in ihre L\u00e4nderlisten mit auf und wiesen australische Dollar als W\u00e4hrung zu. Kunden konnten offenbar ein Konto er\u00f6ffnen und die unbewohnten Inseln als Wohnort angeben &#8211; obwohl es nicht einmal Stra\u00dfen oder H\u00e4fen dort gibt. Bei einer der Banken finden sich die Inseln zur Auswahl auf Formularen f\u00fcr \u00dcberweisungsauftr\u00e4ge nach Hongkong.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas alles erscheint umso fragw\u00fcrdiger, wenn man in die Handelsstatistik schaut: Offiziell haben die Heard- und McDonalds-Inseln keinerlei Handelsbeziehungen nach Hongkong oder China. Dennoch weisen die Offshore-Leaks auf gesch\u00e4ftliche Aktivit\u00e4ten zwischen den L\u00e4ndern hin. Das Handelsministerium in Hongkong konnte auf Anfrage nicht erkl\u00e4ren, wie diese Handelsbeziehungen dennoch zustande gekommen sind.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch Daten der australischen Regierung deuten darauf hin, dass die M\u00f6glichkeit, die nur von Pinguinen bewohnten Inseln als Wohnadresse anzugeben, tats\u00e4chlich genutzt wurden. Welchen Vorteil sich diejenigen davon erhofften, ist unklar.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n2019<strong> <\/strong>etwa meldete die australische Regierung gem\u00e4\u00df den Richtlinien der OECD, dass fast eine Million australische Dollar auf Konten lagen, deren Besitzer die Heard- and McDonalds-Inseln als Wohnort angegeben hatten. 2018 waren es rund 150.000 australische Dollar, die f\u00fcr die Inseln gemeldet wurden.<\/p>\n<p>    Aktiv nach einem Schlupfloch gesucht?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAlles nur Zufall oder alles nur ein Versehen? Experten bewerten die Befunde kritisch. &#8222;Ich sehe ein hohes Risiko, dass das Gesch\u00e4fte sind, die nur zum Schein \u00fcber die Heard- and McDonalds-Inseln abgewickelt werden. Bei solchen au\u00dfergew\u00f6hnlichen Orten, die noch dazu unbewohnbar sind, ist es ziemlich wahrscheinlich, dass jemand aktiv nach einem Schlupfloch gesucht und es auf diesen Inseln gefunden hat&#8220;, sagt Christoph Trautvetter vom Netzwerk Steuergerechtigkeit.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEr nennt auch m\u00f6gliche Gr\u00fcnde, dies zu tun. &#8222;M\u00f6glicherweise kann mit den Inseln der Geldw\u00e4sche-Filter der Banken umgangen werden, weil sie auf keiner schwarzen Liste auftauchen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nTrautvetter sieht auch die Banken in der Pflicht, die bei einer Kontoer\u00f6ffnung die unbewohnten Inseln als Adresse akzeptierten: &#8222;Man muss von einer guten Bank erwarten k\u00f6nnen, dass sie Adressen mit Adressdatenbanken verifiziert und herausfindet, dass diese Inseln unbewohnt sind. Wenn eine Bank dennoch zul\u00e4sst, dass Kontoinhaber diese Inseln als Wohnort angeben, kann man das nicht als seri\u00f6s bezeichnen. Ich sehe das absolut als Red Flag (Warnsignal).&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUnd die Regierung von Donald Trump? Auf Anfrage antworteten die US-Regierung und auch die Zollbeh\u00f6rde nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"exklusiv Stand: 08.05.2025 17:00 Uhr Vor einigen Wochen verh\u00e4ngte US-Pr\u00e4sident Trump f\u00fcr Inseln am Rand der Antarktis Z\u00f6lle&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":14387,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[331,332,3364,29,30,13,14,15,38588,12,113,1492],"class_list":{"0":"post-94613","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nachrichten","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-germany","13":"tag-headlines","14":"tag-nachrichten","15":"tag-news","16":"tag-pinguine","17":"tag-schlagzeilen","18":"tag-trump","19":"tag-us-zoelle"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114472983330287704","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/94613","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=94613"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/94613\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/14387"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=94613"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=94613"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=94613"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}