{"id":948178,"date":"2026-04-15T17:45:20","date_gmt":"2026-04-15T17:45:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/948178\/"},"modified":"2026-04-15T17:45:20","modified_gmt":"2026-04-15T17:45:20","slug":"mietenbewegung-13-jahre-zwangsraeumung-verhindern-der-vorreiter-im-hintergrund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/948178\/","title":{"rendered":"Mietenbewegung \u2013 13 Jahre \u00bbZwangsr\u00e4umung verhindern\u00ab: Der Vorreiter im Hintergrund"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img320677\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/320677.jpeg\" alt=\"Es gibt sie noch immer, auch wenn sie medial weniger beachtet werden: Versuche, Zwangsr\u00e4umungen in Berlin zu verhindern.\"\/><\/p>\n<p>Es gibt sie noch immer, auch wenn sie medial weniger beachtet werden: Versuche, Zwangsr\u00e4umungen in Berlin zu verhindern.<\/p>\n<p>Foto: dpa\/Paul Zinken<\/p>\n<p>\u00bbOb Nuryie und Kalle \u2013 wir bleiben alle!\u00ab So lautete die Parole rebellischer Mieter*innen, die <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1198485.prenzlauer-berg-berlin-mieter-sehen-verdraengung-durch-moebliertes-wohnen.html\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1198485.prenzlauer-berg-berlin-mieter-sehen-verdraengung-durch-moebliertes-wohnen.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">nicht ohne Widerstand ihre Wohnungen<\/a> r\u00e4umen lassen wollten. Im Jahr 2013 blockierten Hunderte Menschen eine Gerichtsvollzieherin, die die Familie G\u00fclbol in Berlin-Kreuzberg aus ihrer Wohnung werfen wollte. Die Gerichtsvollzieherin musste unverrichteter Dinge umkehren. Wenige Wochen sp\u00e4ter konnte sie die R\u00e4umung mit einem gro\u00dfen Polizeiaufgebot dann doch noch durchsetzen. Der Stadtteil war \u00fcber Stunden von der Staatsmacht abgeriegelt, Hubschauer kreisten \u00fcber dem Kiez. Wieder waren <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1198988.mietenwahnsinn-konferenz-der-rebellen.html\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1198988.mietenwahnsinn-konferenz-der-rebellen.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">viele solidarische Menschen<\/a> auf den Stra\u00dfen. Mit dieser Aktion wurde das Berliner B\u00fcndnis \u00bbZwangsr\u00e4umung verhindern\u00ab zu einem Vorbild f\u00fcr Mieter*innenwiderstand \u00fcber die Grenzen Berlins hinaus.\u00a0<\/p>\n<p>13 Jahre sp\u00e4ter scheint es um das B\u00fcndnis still geworden zu sein. Dabei trifft man sich noch immer einmal im Monat in einem Stadtteilzentrum in Kreuzberg. An einem Abend, den \u00bbnd\u00ab begleitet, sitzt dort ein Dutzend Menschen um einen gro\u00dfen Tisch versammelt. Die meisten wollen nicht mit vollem Namen in der Zeitung stehen.<\/p>\n<p>\u00bbDie Zeit der spektakul\u00e4ren Berichte ist vorbei. Das Thema hat an Neuigkeitswert verloren\u00ab, sagt Matthias, der schon vor 13\u2005Jahren aktiv war. \u00bbDoch auch die Wohnungseigent\u00fcmer lassen sich kaum mehr beeindrucken, wenn wir Proteste ank\u00fcndigen\u00ab, lautet seine Feststellung. Das sei vor \u00fcber einem Jahrzehnt anders gewesen.<\/p>\n<p>Nach den anf\u00e4nglichen Medienberichten \u00fcber blockierte R\u00e4umungen h\u00e4tten sich viele Wohnungsbesitzer*innen, um schlechte Presse zu vermeiden, darauf eingelassen, schon bei Protestank\u00fcndigung von der R\u00e4umung abzusehen, sagt Matthias.<\/p>\n<blockquote>\n<p>\u00bbDie Wohnungseigent\u00fcmer lassen sich kaum mehr beeindrucken, wenn wir Proteste ank\u00fcndigen.\u00ab<\/p>\n<p>Matthias\u2003Aktivist beim B\u00fcndnis \u00bbZwangsr\u00e4umung verhindern\u00ab<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00bbHeute scheinen ihnen die Profite wichtiger als die Schlagzeilen, vermutet Michael. Thomas bezweifelt zudem, dass heute noch so viele Menschen wie vor 13\u2005Jahren mobilisiert werden k\u00f6nnen. \u00bbDamals gab es in vielen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern Krisenproteste. Die Menschen waren w\u00fctend und gingen auf die Stra\u00dfe\u00ab, erinnert der Mietrebell an die Vorgeschichte der Zwangsr\u00e4umungsproteste. Damals organisierten sich in Spanien, vor allem <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1187001.mietenkaempfe-international-mietergewerkschaft-den-europaeischen-mietstreik-vor-augen.html?\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1187001.mietenkaempfe-international-mietergewerkschaft-den-europaeischen-mietstreik-vor-augen.html?\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">in Barcelona<\/a>, Tausende von R\u00e4umung bedrohte Eigenheimbesitzer*innen. Das war eine Inspiration f\u00fcr Mieter*innen auch in Berlin.<\/p>\n<p>Viele der Mieter*innen, die sich wehrten, betonten, dass sie sich nicht mehr f\u00fcr eine drohende R\u00e4umung sch\u00e4mten. \u00bbNicht ich bin schuld, sondern ein System, das Wohnraum zur Ware macht\u00ab war das Credo \u2013 und zugleich die Voraussetzung f\u00fcr Widerstand, der bis zu den Blockaden 2013 in Kreuzberg reichte.<\/p>\n<p>\u00bbAuch heute melden sich noch Mieter*innen, vor allem um sich Rat bei drohender R\u00e4umung zu suchen\u00ab, erkl\u00e4rt Thomas mit Verweis auf das Notruftelefon, das das Zwangsr\u00e4umungsb\u00fcndnis geschaltet hat. Dort k\u00f6nnen Betroffene den ersten Kontakt aufnehmen. Doch meistens bleibe es dabei. \u00bbViele melden sich danach nicht mehr und kommen auch nicht zu den monatlichen Treffen. Proteste gegen eine R\u00e4umung vor ihrer Wohnung lehnen sie ab\u00ab, sagt Thomas.<\/p>\n<p>Das bedeutet aber nicht, dass sie sich mit ihrer R\u00e4umung abgefunden haben. Schlie\u00dflich gibt es anders als vor einem Jahrzehnt verschiedene weitere Initiativen, die Mieter*innen bei drohender K\u00fcndigung unterst\u00fctzen. Dazu geh\u00f6rt die Gruppe \u00bbEigenbedarf kennt keine K\u00fcndigung\u00ab, die Betroffene von Eigenbedarfsk\u00fcndigungen unterst\u00fctzt, etwa durch die Begleitung von Gerichtsprozessen.<\/p>\n<p>Die Gruppe hat damit offenbar Erfolg. Vor einigen Jahren war die Zahl der Prozesse gegen Eigenbedarfsk\u00fcndigungen, die von Mieter*innen gewonnen wurden, sehr klein. Das hat sich ge\u00e4ndert. K\u00fcndigungen lassen sich vor allem dann abwenden, wenn die Mieter*innen neben solidarischen Prozessbegleiter*innen auch engagierte Anw\u00e4lt*innen an ihrer Seite haben.<\/p>\n<p>Auch Hans, der selbst vor zehn Jahren kurz vor einer Zwangsr\u00e4umung stand, betont, dass sich der Widerstand der Mieter*innen mittlerweile dezentralisiert hat. \u00bbEs gibt Anlaufpunkte in verschiedenen Stadtteilen\u00ab, sagt Georg. \u00bbDort wenden sich Mieter*innen hin, wenn sie Unterst\u00fctzung brauchen.\u00ab Er sieht es durchaus positiv, weil damit die Aktivist*innen vom berlinweiten Zwangsr\u00e4umungsb\u00fcndnis entlastet w\u00fcrden.<\/p>\n<p>\u00bbZwangsr\u00e4umung verhindern\u00ab ist nicht \u00fcberfl\u00fcssig. Martin vermutet, dass mit der Versch\u00e4rfung von B\u00fcrgergeldbestimmungen auch die Zahl der Zwangsr\u00e4umungen wieder steigen wird. Darauf m\u00fcsse das B\u00fcndnis vorbereitet sein.<\/p>\n<p>Die Aufgaben gehen auch heute schon nicht aus. So sucht beim letzten Treffen ein Mieter Unterst\u00fctzung in einem Konflikt mit dem Vermieter. Dabei spricht er ein Problem an, vor dem B\u00fcndnis steht, seit es nicht mehr so oft in den Medien ist: Viel weniger Mieter*innen haben es noch auf dem Zettel. \u00bbIch bin so froh, dass ich bei der Beratung bei der Linken in Neuk\u00f6lln auf euch aufmerksam gemacht wurde. Sonst h\u00e4tte ich euch gar nicht gefunden\u00ab, sagt der Mieter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es gibt sie noch immer, auch wenn sie medial weniger beachtet werden: Versuche, Zwangsr\u00e4umungen in Berlin zu verhindern.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":948179,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,29,30,7134,1463,66637],"class_list":{"0":"post-948178","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-mieten","12":"tag-wohnen","13":"tag-zwangsraeumung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116409974383673406","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/948178","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=948178"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/948178\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/948179"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=948178"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=948178"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=948178"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}