{"id":95,"date":"2025-03-31T03:39:18","date_gmt":"2025-03-31T03:39:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/95\/"},"modified":"2025-03-31T03:39:18","modified_gmt":"2025-03-31T03:39:18","slug":"probleme-im-gesundheitssystem-deutschland-schafft-es-aus-ueberfluss-einen-mangel-zu-organisieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/95\/","title":{"rendered":"Probleme im Gesundheitssystem: \u201eDeutschland schafft es, aus \u00dcberfluss einen Mangel zu organisieren\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Kaum jemand zahlt so viel f\u00fcr Gesundheit wie die Deutschen. Trotzdem m\u00fcssen sie sich in den kommenden Jahren auf eine drastische Unterversorgung einstellen, warnt eine Gruppe von Gesundheitsexperten in einer aktuellen Analyse. Sie beschreiben das Gesundheitswesen als Fass ohne Boden, das Geld komme \u00fcberall an, nur nicht beim Patienten.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Obwohl das deutsche Gesundheitssystem zu den teuersten der Welt geh\u00f6rt, m\u00fcssen sich die Deutschen in den kommenden Jahren auf eine drastische Unterversorgung einstellen. So lautet das Fazit einer Gruppe von Gesundheitsexperten, Gesundheits\u00f6konomen, Klinikdirektoren sowie des vormaligen Chefs des Institutes f\u00fcr Qualit\u00e4t und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, J\u00fcrgen Windeler. Der wohl wichtigste Punkt in dem 47-seitigen Analysepapier: Die Zahl der \u00c4rzte habe sich seit 1990 zwar fast verdoppelt, von 238.000 auf 429.000. Aber was wie eine gute Nachricht klingt, komme tats\u00e4chlich mit einer <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/plus255671278\/Gesundheitssystem-Muessen-der-Bevoelkerung-ehrlich-sagen-dass-das-System-so-nicht-mehr-funktioniert.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;\/politik\/deutschland\/plus255671278\/Gesundheitssystem-Muessen-der-Bevoelkerung-ehrlich-sagen-dass-das-System-so-nicht-mehr-funktioniert.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">unsch\u00f6nen Einschr\u00e4nkung<\/a> daher. Trotz der vielen Mediziner habe sich beim Bestand der Haus\u00e4rzte wenig getan. Er liege kaum h\u00f6her als vor 30 Jahren. Auch seien die Aussichten tr\u00fcb, ein Drittel der selbstst\u00e4ndigen Allgemeinmediziner gehe binnen zehn Jahren in Rente.<\/p>\n<p>Krasser Mangel bei gleichzeitigem \u00dcberfluss \u2013 das trifft offenbar auf ziemlich alle Bereiche der deutschen Gesundheitsversorgung zu. In ihrem <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.monitor-versorgungsforschung.de\/abstract\/unterversorgung-im-deutschen-gesundheitswesen-das-unterschaetzte-problem\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.monitor-versorgungsforschung.de\/abstract\/unterversorgung-im-deutschen-gesundheitswesen-das-unterschaetzte-problem\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201eShort Paper\u201c<\/a> errechnen die acht Autoren um den ehemaligen Stellvertretenden Vorsitzenden des Sachverst\u00e4ndigenrats Gesundheit, Matthias Schrappe, eine fatale Gesamtbilanz des Gesundheitssystems. \u201eDeutschland schafft es, aus einem systemischen \u00dcberfluss, was die Zahl von \u00c4rzten und Pflegekr\u00e4ften pro Einwohner betrifft, einen nahezu fl\u00e4chendeckend sp\u00fcrbaren Mangel zu organisieren\u201c, fasst Mitautor Franz Knieps gegen\u00fcber WELT zusammen. Knieps ist Chef des BKK-Dachverbandes der Betriebskrankenkassen (BKK). F\u00fcr ihn ist offensichtlich, wie das Gesundheitssystem vor die Wand fahren konnte. \u201eDas deutsche Gesundheitsrecht sch\u00fctzt prim\u00e4r Institutionen und ber\u00fccksichtigt wenig die N\u00f6te der Betroffenen\u201c, so Knieps. Obendrein sei das System inzwischen so komplex, dass es niemand mehr richtig verstehe.<\/p>\n<p>Vor allem aber ist es kostspielig. Trotz der massiven Beitragss\u00e4tze f\u00fcr die Krankenkassen sei die Versorgung vieler Patienten gef\u00e4hrdet, so Autor Matthias Schrappe, \u201ebesonders in l\u00e4ndlichen Regionen, bei Pflegebed\u00fcrftigen und chronisch Kranken.\u201c<\/p>\n<p>In dem Papier der Experten wird es konkret: 77 Prozent der Bev\u00f6lkerung berichteten von langen Wartezeiten, 43 Prozent f\u00e4nden kaum einen Arzt, der sie aufnimmt.Bislang sei das Problem der Unterversorgung nur in Teilbereichen in der \u00f6ffentlichen Diskussion aufgetaucht, etwa bei fehlenden Fieberz\u00e4pfchen f\u00fcr Kinder, sagt Schrappe, \u201eaber in unserer Analyse wird klar, es handelt sich um ein umfassendes Problem des gesamten Gesundheitssystems\u201c.<\/p>\n<p>Am finstersten sieht es f\u00fcr die acht Experten <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/plus255722954\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;\/plus255722954&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">bei der Pflege<\/a> aus. Derzeit versorgen 1,7 Millionen Pflegekr\u00e4fte 3,1 Millionen Bed\u00fcrftige, unterst\u00fctzt von 7,5 Millionen Angeh\u00f6rigen. F\u00fcr knapp 20 Prozent der Pflegestellen sind keine Bewerber zu finden. Nach den Zahlen im \u201eShort-Paper\u201c ist 2049 mit 2,15 Millionen Pflegebed\u00fcrftigen zu rechnen. Dann mit einem Pflegedefizit von 45 Prozent.<\/p>\n<p>Besonders bemerkbar macht sich der Notstand in Ostdeutschland. Dort sind um die 16 Prozent der Versicherten pflegebed\u00fcrftig. In M\u00fcnchen sieht man mit 3,5 Prozent die Lage vergleichsweise entspannt.<\/p>\n<p>Seit Mitte vergangenen Jahres sind im Schnitt 2.350 Euro f\u00fcr einen Pflegeheimplatz f\u00e4llig. Dennoch k\u00fcmmert die Branche antriebslos vor sich hin \u2013 aus finanziellen Gr\u00fcnden? Knapp 1100 Anbieter sind seit 2023 ausgestiegen. Das bekamen indirekt auch die Krankenh\u00e4user zu sp\u00fcren, als Ausweichquartiere und Notl\u00f6sung f\u00fcr Pflegebed\u00fcrftige. Ein Vorgang, der die j\u00fcngst in Gang gesetzte Krankenhausreform in einem anderen Licht erscheinen l\u00e4sst. Sollte laut Reformplan ein guter Teil der Krankenh\u00e4user dichtmachen, w\u00fcrde das nicht nur f\u00fcr Pflegefall-Angeh\u00f6rige Anfahrtszeiten von 30 bis 40 Minuten bedeuten. Es werde auch mehr und mehr zu einer \u201eRisikoselektion\u201c kommen, bef\u00fcrchten die Experten: Die Entscheidung dar\u00fcber, ob Kranke oder Verletzte im eigenen Bett bleiben m\u00fcssen, wenn es eng wird im Krankenhaus. Es sei absehbar, schreiben die Experten, dass dies vor allem multimorbide und chronische Patienten tr\u00e4fe. Die Krankenh\u00e4user s\u00e4hen in ihnen ein finanzielles Risiko.<\/p>\n<p>Viel Geld, wenig Leistung<\/p>\n<p>Viel Geld, wenig Leistung, so in etwa lautet das Res\u00fcmee der Analysten zu deutschen Krankenh\u00e4usern. In einer aktuellen internationalen Qualit\u00e4tsstudie landete das deutsche Krankenhaussystem im mittleren bis unteren Bereich. Das gleiche gilt f\u00fcr die pharmazeutische Versorgung. Kein anderes Land in der EU gibt so viel Geld f\u00fcr Arzneimittel aus, knapp 50 Milliarden Euro j\u00e4hrlich zulasten des Gesundheitssystems, mit enormer Beschleunigung. Treiber sind vor allem teure Krebsarzneien mit oft fragw\u00fcrdigem Zusatznutzen. Aber auch Spezial-Medikamente f\u00fcr immer kleinere Patientengruppen machen sich bemerkbar. Die Folge: Rund 0,1 Prozent der Rezepte verursachen knapp 13 Prozent der Kosten.<\/p>\n<p>Die Autoren machen strukturelle Probleme verantwortlich: Das duale System aus gesetzlicher und privater Krankenversicherung beg\u00fcnstige Privatpatienten und schaffe Ungleichheit. Praxen seien \u00fcberlastet, die Zusammenarbeit zwischen Haus\u00e4rzten, Fach\u00e4rzten und Pflegekr\u00e4ften funktioniere nicht mehr. Die Experten fordern Reformen: Die Vernetzung aller Beteiligten, eine st\u00e4rkere Rolle der Haus\u00e4rzte, mehr Pr\u00e4vention und sie halten eine politisch heikle Idee in die H\u00f6he: das gesetzlich\/private Versicherungssystem durch eine Einheits-B\u00fcrgerversicherung zu ersetzen.<\/p>\n<p>\u201eGeld ist insgesamt genug im System, wir haben einen Mangel an Effizienz\u201c, bilanziert Mitautor Thomas Voshaar, Chef des Verbandes Pneumologischer Kliniken, gegen\u00fcber WELT. Abgesehen davon sieht Voshaar auch eine \u201easymmetrische Entwicklung im Verh\u00e4ltnis von Technik und Zuwendung\u201c. Das f\u00fchre zu einer \u201ebedeutsamen Unterversorgung in allen Kategorien der Menschlichkeit\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Kaum jemand zahlt so viel f\u00fcr Gesundheit wie die Deutschen. Trotzdem m\u00fcssen sie sich in den kommenden Jahren&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":96,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[161,162,29,30,165,13,163,167,166,14,15,164,12,45,10,8,9,11],"class_list":{"0":"post-95","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-deutschland","8":"tag-bodderas-elke","9":"tag-coronavirus","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-gesundheitssysteme","13":"tag-headlines","14":"tag-intensivstationen","15":"tag-investigation","16":"tag-krankenkassen","17":"tag-nachrichten","18":"tag-news","19":"tag-pandemien","20":"tag-schlagzeilen","21":"tag-texttospeech","22":"tag-top-news","23":"tag-top-meldungen","24":"tag-topmeldungen","25":"tag-topnews"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/95","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=95"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/95\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/96"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=95"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=95"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=95"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}