{"id":952687,"date":"2026-04-17T12:26:21","date_gmt":"2026-04-17T12:26:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/952687\/"},"modified":"2026-04-17T12:26:21","modified_gmt":"2026-04-17T12:26:21","slug":"der-schwierige-umbau-des-ungarischen-mediensystems","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/952687\/","title":{"rendered":"Der schwierige Umbau des ungarischen Mediensystems"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/peter-magyar-umgeben-von-kameras-102.jpg\" alt=\"Peter Magyar umgeben von Kameras und Mikrofonen.\" title=\"Peter Magyar umgeben von Kameras und Mikrofonen. | EPA\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 17.04.2026 \u2022 13:57 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Mehr als 15 Jahre lang regierte Ministerpr\u00e4sident Orban Ungarn und brachte die Medien unter seine Kontrolle. Nach dem Wahlsieg Magyars soll der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk wieder unabh\u00e4ngig werden. Wie kann das gelingen?<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                    <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/oliver-soos-105.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                        <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Oliver Soos\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/oliver-soos-103.jpg\"\/><br \/>\n                                    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Es war eine ziemlich skurrile Situation: Peter Magyar gibt dem ungarischen \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk ein Interview. Er sitzt im Studio des Fernsehsenders M1, der f\u00fcr Nachrichten zust\u00e4ndig ist. Allerdings arbeitet der ungarische \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk schon lange nicht mehr nach journalistischen Standards. Die Orban-Regierung hat ihn in den vergangenen 16 Jahren systematisch umgebaut, zu einem Propagandaapparat, der die Opposition ausgrenzt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dementsprechend muss Peter Magyar zu Beginn seines Interviews schmunzeln &#8211; und er provoziert die Moderatorin. Magyar sagt: &#8222;Guten Morgen, Frau Chefredakteurin. Ich sehe mich hier um &#8211; und es ist ein gutes Gef\u00fchl, wieder hier zu sein, anderthalb Jahre nachdem ich das letzte Mal hier war, als man mir, als dem Vorsitzenden der gr\u00f6\u00dften Partei, noch den Zutritt erlaubte.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Redakteurin wehrt sich: &#8222;Entschuldigung &#8211; wir haben Sie mehrfach eingeladen. Das kann unsere Redaktion beweisen, die E-Mails existieren.&#8220; Magyar erwidert: &#8222;Frau Redakteurin, Sie haben uns bis Januar 2026 nicht eingeladen. Es gab hier vor Ihrem Haus eine Demonstration. Aber kein Problem, ich empfinde keinen pers\u00f6nlichen Groll, obwohl Sie hier morgens, mittags und abends mich, meine Familie und meine Nahestehenden verunglimpft haben.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Es ist eine interessante Konstellation. Peter Magyar und die Redakteurin waren noch vor ein paar Jahren zusammen im Team Orban. Sie als Fidesz-Propagandistin, Magyar als hochrangiger Fidesz-Beamter. Jetzt legt sich der Fidesz-Aussteiger und k\u00fcnftige Regierungschef mit seiner ehemaligen Mitstreiterin an, und das f\u00fchrt so weit, dass Magyar ihr und dem \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk droht.<\/p>\n<p>    Drastischer Vergleich<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ein Bestandteil des Programms seiner neuen Tisza-Regierung sei, dass &#8222;diese L\u00fcgenfabrik hier ein Ende haben wird&#8220;, sagt der k\u00fcnftige Ministerp\u00e4sident. Die falsche Nachrichtenberichterstattung m\u00fcsse sofort ausgesetzt werden. Gemeinsam mit den anderen Parlamentsparteien und mit Fachorganisationen werde seine Regierung f\u00fcr eine unabh\u00e4ngige, unparteiische und objektive Berichterstattung sorgen.<\/p>\n<blockquote class=\"zitat\">\n<p>                    Denn was hier seit Orbans Machtantritt 2010 passiert ist, danach h\u00e4tten sich selbst Goebbels und die nordkoreanischen Diktatoren die Finger geleckt.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Moderatorin versucht, ruhig zu bleiben und fragt nach, wie sich das Magyar vorstelle. &#8222;Wenn die Nachrichtenberichterstattung ausgesetzt werden soll, dann muss doch zuerst das Mediengesetz ver\u00e4ndert werden, damit das Ganze rechtm\u00e4\u00dfig ist&#8220;, sagt sie. &#8222;Werden Sie das Mediengesetz ver\u00e4ndern? Und wer wird in Zukunft Einfluss nehmen auf den \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk, Sie etwa?&#8220; Magyar erwidert: &#8222;Ich mit Sicherheit nicht, ich ganz sicher nicht.&#8220;<\/p>\n<p>    Experte ist skeptisch<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ein \u00f6ffentlich-rechtlicher Rundfunk ohne Nachrichtensendungen, bis sichergestellt ist, dass hier professioneller Journalismus betrieben wird &#8211; aus Sicht des unabh\u00e4ngigen Budapester Medienwissenschaftlers und Universit\u00e4tsprofessors, Gabor Polyak, erscheint das rechtlich schwierig.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Das klingt ein bisschen komisch und das stand so auch im Programm der Tisza-Partei &#8211; nur die Nachrichtenprogramme sollen ausgesetzt werden&#8220;, sagt Polyak. &#8222;Ich kann mir das nicht in einem Gesetz vorstellen, dass die \u00f6ffentlich-rechtlichen Veranstalter keine Nachrichten senden d\u00fcrfen. Das klingt ein bisschen komisch.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der Medienwissenschaftler geht davon aus, dass man beim \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk ganz von null anfangen muss &#8211; schlie\u00dfen und neu aufbauen.<\/p>\n<p>    Lehren aus Polen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Polen stand im Oktober 2023 vor einer \u00e4hnlichen Situation, als die rechtspopulistische PiS-Partei abgew\u00e4hlt wurde. Auch da wollte die neue Regierung von Donald Tusk den zur Propagandamaschinerie verkommenen <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/tusk-ein-jahr-im-amt-100.html\" title=\"Polen: Warum Tusk sein Reformversprechen noch nicht eingel\u00f6st hat\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">polnischen \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk wieder umbauen<\/a>.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Wie das passiert ist, hat der ehemalige Polen-Korrespondent der ARD, Martin Adam, beschrieben, in seinem Buch &#8222;Eksperyment. Was wir aus Polens Kampf gegen den Rechtspopulismus lernen k\u00f6nnen.&#8220; Der Umbau des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks in Polen lief ziemlich turbulent ab, erz\u00e4hlt Martin Adam, mit Sitzblockaden durch PiS-Politiker in der Senderzentrale von TVP in Warschau.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Eine polnische Journalistenkollegin sagte uns damals, wir m\u00fcssten uns vorstellen, dass eine deutsche Partei das ARD-Hauptstadtstudio besetzt h\u00e4lt&#8220;, sagt Adam. In Polen wurde der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk dann von der Donald-Tusk-Regierung komplett abgewickelt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Der Kniff, mit dem man sich beholfen hat, war, dass nach polnischem Recht die Sender in Staatsbesitz sind. Weil man nicht medienrechtlich die Sender neu besetzen konnte, hat man die Sender \u00fcber ein paar Umwege in die Liquidierung \u00fcberf\u00fchrt&#8220;, sagt der Journalist. Man habe eine Art Zwangsverwalter eingesetzt. &#8222;Das hat dazu gef\u00fchrt, dass es neue Senderf\u00fchrungen gab, und heute berichten die Sender wieder halbwegs frei und unvoreingenommen.&#8220;<\/p>\n<p>    Zweidrittelmehrheit hilfreich<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In Ungarn k\u00f6nnte das Ganze ein bisschen leichter werden. So sieht es zumindest der Budapester Medienwissenschaftler Gabor Polyak. Denn Peter Magyar habe mit seiner verfassungsgebenden Zweidrittelmehrheit im Parlament eine viel gr\u00f6\u00dfere Machtf\u00fclle als Donald Tusk in Polen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Mit der Zweidrittelmehrheit hat man die Erm\u00e4chtigung, beim \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk von null anzufangen. Es geht aber auch um die privaten Medien&#8220;, sagt Polyak. &#8222;Wir haben einen verzerrten Medienmarkt und brauchen eine neue Medienbeh\u00f6rde, und wir brauchen neue Bedingungen f\u00fcr den Werbemarkt.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Bei seinem Streitgespr\u00e4ch im \u00f6ffentlich-rechtlichen Fernsehsender M1 versprach Peter Magyar, dass er auf jeden Fall rechtskonform handeln werde, mit einem neuen sauberen Mediengesetz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 17.04.2026 \u2022 13:57 Uhr Mehr als 15 Jahre lang regierte Ministerpr\u00e4sident Orban Ungarn und brachte die Medien&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":952688,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1773],"tags":[29,214,30,196204,62,471,1780,501,215],"class_list":["post-952687","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-serien","tag-deutschland","tag-entertainment","tag-germany","tag-magyar","tag-medien","tag-serien","tag-series","tag-ungarn","tag-unterhaltung"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116420044041250606","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/952687","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=952687"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/952687\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/952688"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=952687"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=952687"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=952687"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}