{"id":952704,"date":"2026-04-17T12:35:21","date_gmt":"2026-04-17T12:35:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/952704\/"},"modified":"2026-04-17T12:35:21","modified_gmt":"2026-04-17T12:35:21","slug":"debatte-ueber-atom-wiedereinstieg-es-waere-ein-kompletter-neueinstieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/952704\/","title":{"rendered":"Debatte \u00fcber Atom-Wiedereinstieg: &#8222;Es w\u00e4re ein kompletter Neueinstieg&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/atomausstieg-untersuchungsausschuss-104.jpg\" alt=\"Das Kernkraftwerk Isar 2.\" title=\"Das Kernkraftwerk Isar 2. | dpa\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 17.04.2026 \u2022 13:20 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Unionsfraktionschef Spahn fordert eine gesellschaftliche Debatte \u00fcber die R\u00fcckkehr zur Atomkraft. Alte Meiler wieder ans Netz zu nehmen, sei vergleichsweise g\u00fcnstig, so Spahn. Wissenschaftler sind skeptisch. <\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                    <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/schreiber-jaina-100.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                        <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Janina Schreiber\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/schreiber-114.jpg\"\/><br \/>\n                                    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Atomkraft ist in Deutschland eigentlich seit drei Jahren Geschichte, so beschlossen 2011 von der damaligen schwarz-gelben Bundesregierung. <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/eu-frankreich-atomkraft-von-der-leyen-100.html\" title=\"Von der Leyen h\u00e4lt Atomkraft-Abkehr f\u00fcr &quot;strategischen Fehler&quot;\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Und doch rei\u00dft die Debatte \u00fcber eine R\u00fcckkehr zur Atomenergie in Deutschland nicht ab<\/a> &#8211; <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/innenpolitik\/spahn-wiedereinstieg-atomkraft-100.html\" title=\"Spahn will \u00fcber Reaktivierung von Atomkraftwerken reden\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">angesto\u00dfen auch von Unionspolitikern wie derzeit Jens Spahn<\/a> und befeuert von der aktuellen Energiekrise.<\/p>\n<p>    Wiedereinstieg k\u00e4me eher Neueinstieg gleich<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Sinnvoll sei das nicht, sagt<a href=\"https:\/\/www.iwkoeln.de\/presse\/interviews\/malte-kueper-rueckkehr-zur-atomkraft-waere-nicht-sinnvoll.html\" title=\"IW Malte K\u00fcper\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\"> Malte K\u00fcper, der zu Energiepolitik am Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in K\u00f6ln forscht:<\/a> &#8222;Die Debatte um die Wiederinbetriebnahme von Atomkraftwerken in Deutschland wird uns bei den Energie- und Strompreisen jetzt nicht helfen.&#8220; Denn ein Revival der Atomkraft sei mit gro\u00dfer Unsicherheit verbunden: &#8222;Die Anlagen stehen ja jetzt nicht einfach rum und warten darauf, dass man sie wieder einschaltet.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Viele Anlagen seien schon im R\u00fcckbau oder dieser sei zumindest genehmigt &#8211; all das sei ein langfristiger Prozess. Der kommt auf gut 15 bis 20 Jahre, wie Stilllegungsbereichsleiter Matthias Dewald von der Gesellschaft f\u00fcr Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) gegen\u00fcber dem <a href=\"https:\/\/222270.seu2.cleverreach.com\/m\/17024120\/672870-f6bf500f08c9e53fa7ad9ec811d53e8db6515be311068a5e319ddd2338ea0eb31c32340cd0b6b01b2d6748b211cbee4f\" title=\"ARD-Klima-Update\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">ARD-Klima-Update<\/a> angibt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Alte Atommeiler wieder zu aktivieren sei deshalb kein Wiedereinstieg, sagt K\u00fcper: &#8222;Es w\u00e4re ein kompletter Neueinstieg.&#8220; Es br\u00e4uchte neue Genehmigungen, die Anlagen seien technisch nicht mehr in dem Zustand, dass sie einfach wieder hochgefahren werden k\u00f6nnen. &#8222;Das ist was, was sehr, sehr lange und sehr, sehr teuer werden w\u00fcrde&#8220;, betont K\u00fcper.<\/p>\n<p>    Kosten schwer abzusch\u00e4tzen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><a href=\"https:\/\/ie3.etit.tu-dortmund.de\/institute\/team\/prof-dr-ing-christian-rehtanz\/\" title=\"TU Dortmund Christian Rehtanz\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Christian Rehtanz<\/a> ist Professor f\u00fcr Energiesysteme und -wirtschaft an der TU Dortmund und erkl\u00e4rt in der Sendung <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=7RSmaHZtUJE\" title=\"KlimaZeit auf YouTube\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">KlimaZeit auf tagesschau24<\/a>: &#8222;Alle Kernkraftwerke, die wir jetzt nicht mehr haben, bekommen wir auch nicht mehr ans Netz.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/innenpolitik\/spahn-wiedereinstieg-atomkraft-100.html\" title=\"Spahn will \u00fcber Reaktivierung von Atomkraftwerken reden\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Spahn hatte am Rande eines Forschungskongresses daf\u00fcr pl\u00e4diert, die Reaktivierung deutscher Kraftwerke zu pr\u00fcfen<\/a> &#8211; das sei billiger als neu zu bauen. Auf Nachfrage des SWR gibt die Unionsfraktion an, der CDU-Politiker beziehe sich konkret auf eine <a href=\"https:\/\/nuklearia.de\/2024\/12\/05\/studie-neun-deutsche-kernkraftwerke-reaktivierbar\/\" title=\"Nuklearia-Studie Atomkraftwerke\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Studie<\/a> des amerikanischen Thinktanks Radiant Energy Group aus dem Jahr 2024. Doch ganz generell, sagt IW-Experte K\u00fcper, k\u00f6nnten wegen vieler schwer absch\u00e4tzbarer Faktoren kaum verl\u00e4ssliche Aussagen \u00fcber Kosten getroffen werden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch der <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/resource\/blob\/877586\/4e4dce913c3d883a81adcf2697313c7d\/WD-5-090-21-pdf-data.pdf\" title=\"Wissenschaftlicher Dienst zu Kernkraftwerken\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">wissenschaftliche Dienst der Bundesregierung beschrieb diese Unsicherheit schon 2021<\/a>: &#8222;Vor allem die Baukosten von Kernkraftwerken sowie die Endlagerung bereiten bei der Kostenabsch\u00e4tzung von Kernenergie gro\u00dfe Probleme.&#8220;<\/p>\n<p>    Energiekonzerne selbst schlie\u00dfen Reaktivierung aus<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ohnehin: Die f\u00fcr den R\u00fcckbau der Kraftwerke verantwortlichen Energiekonzerne schlie\u00dfen eine Reaktivierung aus. Eine Sprecherin der E.ON-Tochtergesellschaft PreussenElektra, die sich um den R\u00fcckbau von Isar 2 und Brokdorf k\u00fcmmern, \u00e4u\u00dferte sich gegen\u00fcber der dpa: &#8222;Eine Wiederinbetriebnahme dieser Kraftwerke ist f\u00fcr uns schon lange kein Thema mehr.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Man arbeite mit Hochdruck an der sicheren und effizienten Demontage. Gro\u00dfe Komponenten seien demontiert und eine Vielzahl an Systemen stillgesetzt: &#8222;Wir bleiben dabei: Aus unserer Sicht sind die Anlagen nicht mehr reaktivierbar. Daher besch\u00e4ftigen wir uns auch nicht mit weiterf\u00fchrenden Betrachtungen in diesem Zusammenhang.&#8220;<\/p>\n<p>    Frankreich zeigt: Neue Kraftwerke oft teurer als geplant<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der Vergleich mit dem Europ\u00e4ische Ausland sei vor dem Hintergrund der unsicheren Kosten tr\u00fcgerisch, sagt Wissenschaftler Rehtanz. Denn es stimmt, der Bau von Frankreichs Flamanville hatte <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2024-09\/kernkraftwerk-flamanville-frankreich-atomkraft-energieversorgung\" title=\"Zeit-Artikel: Das Scheitern eines Vorzeige-Reaktors\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Schlagzeilen gemacht mit einer Vervierfachung der Kosten<\/a>, von urspr\u00fcnglich drei Milliarden auf letztlich mehr als zw\u00f6lf Milliarden Euro. Doch ob sich Atomenergie lohnt, sei auch eine politische Frage.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Und unterm Strich bleibe das Argument: <a href=\"https:\/\/op.europa.eu\/en\/publication-detail\/-\/publication\/33559c7c-1843-11f1-8870-01aa75ed71a1\/language-en\" title=\"EU-Studie Energie\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">&#8222;Kernenergie muss stark subventioniert werden.<\/a> Es ist auch eine teure L\u00f6sung.&#8220; Frankreich habe die entsprechende Industrie, setzt deshalb weiterhin drauf. Deutschland habe diese Industrie nicht mehr, von daher sei die Reaktivierung auch keine g\u00fcnstige Alternative.<\/p>\n<p>    Sp\u00e4terer Ausstieg w\u00e4re f\u00fcr das Klima sinnvoll gewesen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Zumindest in Hinblick auf das Erreichen der Klimaneutralit\u00e4t 2045 w\u00e4re es f\u00fcr Deutschland tats\u00e4chlich besser gewesen, sp\u00e4ter aus der Kernkraft auszusteigen, sagt Malte K\u00fcper vom IW: &#8222;Man kann durchaus in Frage stellen, ob es die richtige Entscheidung war, in Deutschland erst aus der Atomkraft und dann aus der Kohleverstromung auszusteigen. F\u00fcr das Klima w\u00e4re es andersrum sicherlich besser gewesen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Denn mit bestehenden Atomkraftwerken w\u00fcrden sich g\u00fcnstig gro\u00dfe Mengen CO2-freien Stroms erzeugen lassen. Die Betonung liege dabei auf &#8222;bestehenden&#8220;. Und mit einem Wiedereinstieg in die Kernkraft die Klimaziele erreichen? Nach Angaben von Rehtanz ist es jetzt sowieso zu sp\u00e4t: &#8222;Genehmigungszeiten, Bauzeiten von Kernkraftwerken, so wie wir es in anderen L\u00e4ndern gesehen haben, k\u00f6nnen wir davon ausgehen, das sind 20 Jahre.&#8220; Rein rechnerisch helfe das beim Erreichen der Klimaneutralit\u00e4t bis 2045 nicht.<\/p>\n<p>    Fokus verschieben: Erneuerbare und Back-up-Kraftwerke<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Beide Forscher sind sich einig: Statt eine gesellschaftliche Debatte dar\u00fcber zu f\u00fchren, ob deutsche Meiler wieder aufgebaut und ans Netz gehen k\u00f6nnten, sollte der Fokus auf anderen Themen liegen. Denn Deutschland m\u00fcsse effizienter darin werden, den g\u00fcnstigen, erneuerbaren Wind- und Sonnenstrom zu speichern &#8211; daf\u00fcr gebe es aber bessere Hebel als ein Revival der Atomenergie, sagt K\u00fcper: &#8222;Das gelingt durch einen besseren Netzausbau, durch einen besseren Speicherausbau, aber auch durch entsprechende Preisanreize, den Strom dann zu nutzen, wenn er wirklich da ist.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/energie\/experte-atomenergie-eu-100.html\" title=\"Experte Quaschning \u00fcber die Kehrtwende der EU bei der Atomenergie\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Andere Fachleute<\/a> und Verb\u00e4nde wie der Bundesverband Erneuerbare Energien appellieren zudem an die Bundesregierung, die Digitalisierung des Stromnetzes voranzutreiben und Energie etwa aus Geothermie, Biomasse und Wasserkraft mehr in den Blick zu nehmen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">CDU-Bundeskanzler Friedrich Merz betonte in Bezug auf die aktuelle Debatte, die Entscheidung aus der Atomenergie auszusteigen, sei zwar falsch gewesen. Sie zu korrigieren, werde aber keines der gegenw\u00e4rtigen Energieversorgungsprobleme Deutschlands l\u00f6sen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 17.04.2026 \u2022 13:20 Uhr Unionsfraktionschef Spahn fordert eine gesellschaftliche Debatte \u00fcber die R\u00fcckkehr zur Atomkraft. 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