{"id":953957,"date":"2026-04-18T01:23:15","date_gmt":"2026-04-18T01:23:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/953957\/"},"modified":"2026-04-18T01:23:15","modified_gmt":"2026-04-18T01:23:15","slug":"lesung-mit-deutsch-israelischer-autorin-sarah-levy-am-4-mai-kein-anderes-land","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/953957\/","title":{"rendered":"Lesung mit deutsch-israelischer Autorin Sarah Levy am 4. Mai: \u201eKein anderes Land\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Die deutsch-israelische Autorin und Journalistin Sarah Levy liest am Montag, 4. Mai, 19 Uhr, in der\u00a0Karl Rahner Akademie,\u00a0Jabachstra\u00dfe 4-8, K\u00f6ln, aus ihrem Buch \u201eKein anderes Land, Aufzeichnungen aus Israel\u201c. Sarah Levy schildert, wie der Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023 ihr Leben als junge Mutter in Tel Aviv ver\u00e4nderte und wie Radikalisierung und Polarisierung ein ganzes Land pr\u00e4gen.<\/p>\n<p id=\"message\">Ist das noch mein Land? Diese Frage stellt sich Sarah Levy, seit sie erlebt, wie Israels rechtsnationale Regierung die israelische Gesellschaft spaltet. Dann attackiert die Hamas das Land am 7. Oktober 2023. Auf brutale Weise \u00e4ndert der Krieg das Leben, das die junge Mutter in Tel Aviv f\u00fchrt. Sie flieht mit Partner und Kind in ihre Heimat Frankfurt und muss dort erkennen, dass Deutschland nicht mehr ihr Land ist. Doch das Israel, in das sie zur\u00fcckkehrt, k\u00e4mpft um seine Seele. Freunde tragen pl\u00f6tzlich Waffen, Verwandte w\u00fcnschen Pal\u00e4stinensern die Ausl\u00f6schung, Nachbarn unterstellen ihr, die Soldaten zu verraten. Der Kriegsalltag zwischen Schutzbunker und allgegenw\u00e4rtigem Verlust f\u00fchrt Levy an ihre Grenzen \u2013 als Mutter und als Partnerin, aber auch als Deutsche, die jetzt verstehen muss, dass das Land, das sie zum Leben gew\u00e4hlt hat, die Hoffnung auf eine friedliche Zukunft mit den Pal\u00e4stinensern schon lange verloren hat. Wer wird mein Sohn, fragt sie sich, wenn er hier aufw\u00e4chst? Sarah Levy beschreibt mit kritischem Mitgef\u00fchl, wie Radikalisierung und Polarisierung ein Land ver\u00e4ndern \u2013 und letztlich auch sie selbst.<\/p>\n<p>Ein Interview mit Sarah Levy:<\/p>\n<p>Frau Levy, Sie beschreiben in Ihrem Buch, wie Sie zwischen zwei L\u00e4ndern \u2013 Israel und Deutschland \u2013 das Gef\u00fchl der Heimat verloren haben. Was braucht ein Mensch, um irgendwo wirklich anzukommen?<\/p>\n<p class=\"s5\"><strong>Sarah Levy:<\/strong> Heimat ist f\u00fcr mich kein Ort, an dem ich ankomme, sondern wo ich herkomme \u2013 das wird immer Deutschland sein. Dort bin ich aufgewachsen, dort bin ich gro\u00df geworden. Heute lebe ich in Israel, aber Zuhause wird immer der Ort sein, wo mein Kind ist, wo mein Partner ist \u2013 und wo wir gemeinsam entscheiden zu leben. Momentan ist das Israel, aber wer wei\u00df, was die Zukunft bringt.<\/p>\n<p>Sie stellen sich die Frage, wer Ihr Sohn wird, wenn er in diesem von Krieg und Radikalisierung gepr\u00e4gten Israel aufw\u00e4chst. Was w\u00fcnschen Sie sich f\u00fcr die n\u00e4chste Generation \u2013 sowohl in Israel als auch in Deutschland \u2013 und welche Rolle kann Bildung dabei spielen, Polarisierung entgegenzuwirken?<\/p>\n<p class=\"s5\"><strong>Sarah Levy: <\/strong>Ich w\u00fcnsche mir f\u00fcr meinen Sohn, dass er sich nicht von der Angst leiten l\u00e4sst. Dass er stets den Menschen sieht, und kein Volk, keine Gruppe als Ganzes f\u00fcr schlecht oder b\u00f6se h\u00e4lt, oder ausschlie\u00dflich gut. Wie weit ich das in der Hand habe, daran zweifle und verzweifle ich jeden Tag ein bisschen mehr. Die israelische Gesellschaft in diesen Tagen ist durchdrungen von Trauma und Gewalt: Ultraorthodoxe gehen auf Soldatinnen los, gewaltt\u00e4tige Siedler auf arabisch-israelische Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, rechte Aktivisten bedrohen Holocaust\u00fcberlebende, Demonstrierende und Journalisten, zum Teil an deren Haust\u00fcr. Die Politik befeuert die gesellschaftliche Spaltung. Das einzige, was dagegen anhilft, sind Begegnungen mit Menschen, die nicht so sind wie ich, nicht so aussehen, nicht so leben, nicht so beten, oder nicht so sprechen wie ich. Wir m\u00fcssen Unterschiede aushalten, solange wir gemeinsame Werte teilen. So etwas kann Bildung f\u00f6rdern, ein St\u00fcck weit. Aber gerade Eltern m\u00fcssen ihre eigenen Vorurteile, rassistische Gedanken und eigene Traumata hinterfragen und erkennen, um sie nicht an ihre Kinder weiterzugeben. <\/p>\n<p>Sie beschreiben in Ihrem Buch sehr offen Ihre Zerrissenheit zwischen Deutschland und Israel. Gab es einen Moment, in dem Sie gemerkt haben: Diese innere Frage \u201eIst das noch mein Land?\u201c ver\u00e4ndert nicht nur meinen Blick auf Politik, sondern auch mein Selbstverst\u00e4ndnis als Mutter und als Deutsche?<\/p>\n<p class=\"s8\"><strong>Sarah Levy: <\/strong>Mutter eines Sohnes zu sein in Israel bedeutet h\u00f6chstwahrscheinlich, einen zuk\u00fcnftigen Soldaten gro\u00dfzuziehen. Bleiben wir in Israel, wird er zur Armee gehen m\u00fcssen. Diese Gewissheit allein wiegt schwer. Ich selbst stelle mir jeden Tag die Frage, was f\u00fcr ein Israeli will ich sein? Mein israelischer Schwager hat mich als \u201eVerr\u00e4terin\u201c bezeichnet, weil ich ein Video geteilt habe, in dem Demonstrierende in Tel Aviv Poster von get\u00f6teten Kindern in Gaza hochgehalten haben. Er meinte: \u201eDies ist nicht mal dein Land, du bist hergekommen um zu st\u00f6ren.\u201c Mein Schwager glaubt, wie so viele hier, sein Land zu lieben, bedeute unrechte Taten der Armee, der Politik\u00a0nicht anzuprangern. Ich glaube, als Deutsche mit einer j\u00fcdischen und einer nicht-j\u00fcdischen Familie ist es f\u00fcr mich leichter, Komplexit\u00e4t auszuhalten. Zu akzeptieren, dass eine Armee mich sch\u00fctzen kann und gleichzeitig Kriegsverbrechen begehen. Wird mein Sohn diese Komplexit\u00e4t aushalten k\u00f6nnen, wenn er hier aufw\u00e4chst, mit all dem Militarismus, dem Trauma, der Angst und dem Rassismus, die uns als Gesellschaft hier derzeit durchdringen? Mein Partner und ich haben entschieden, dass wir im Oktober, wenn die n\u00e4chsten Knessetwahlen anstehen, noch einmal w\u00e4hlen gehen m\u00fcssen \u2013 und uns nach dem Wahlergebnis entscheiden: Ist das noch das Land, in dem wir leben wollen? Lautet die Antwort nein, m\u00fcssen wir uns leider eine weitere Frage stellen: Ist Deutschland noch das Land, in dem Juden frei leben k\u00f6nnen?<\/p>\n<p class=\"s8\">Eine <a href=\"https:\/\/www.kirche-koeln.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/flyer-KG-Lesung_Sarah_Levy-202601-screen-1.pdf\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kooperationsveranstaltung<\/a> der K\u00f6lnischen Gesellschaft f\u00fcr Christlich-J\u00fcdische Zusammenarbeit e.V. mit der Melanchthon-Akademie K\u00f6ln und der Karl Rahner Akademie K\u00f6ln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die deutsch-israelische Autorin und Journalistin Sarah Levy liest am Montag, 4. 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