{"id":954748,"date":"2026-04-18T09:11:15","date_gmt":"2026-04-18T09:11:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/954748\/"},"modified":"2026-04-18T09:11:15","modified_gmt":"2026-04-18T09:11:15","slug":"wolf-biermann-bekommt-else-lasker-schueler-preis-in-wuppertal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/954748\/","title":{"rendered":"Wolf Biermann bekommt Else-Lasker-Sch\u00fcler-Preis in Wuppertal"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Etliche Minuten bevor es offiziell losgeht, sitzt der Preistr\u00e4ger schon auf seiner B\u00fchne. Mehr am Rand wie am Katzentisch, ein paar Bl\u00e4tter sortierend und dies und das flugs notierend, die Gitarre zu seinen F\u00fc\u00dfen. <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/wolf-biermann\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wolf Biermann<\/a> in der schnieken Glashalle der Wuppertaler Sparkasse, in der ihm gleich wieder eine Ehrung zuteilwird. Eigentlich hat er ja schon fast alle, jene im Namen Heines und B\u00fcchners und Fontanes. Nun folgt noch der Else-Lasker-Sch\u00fcler Lyrikpreis der gleichnamigen Gesellschaft, mit dem vor ihm schon Ber\u00fchmte bedacht worden sind: Thomas Kling, Friederike Mayr\u00f6cker, Nora Gomringer.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Keine Frage, Biermann liebt die B\u00fchne, liebt es, all die gro\u00dfen und kleinen Geschichten aus seinem reichen Leben kr\u00e4ftig pointiert vor Publikum zu erz\u00e4hlen, seine Balladen zur Gitarre zu singen und mit dem, was er so sagt und denkt, unberechenbar zu sein. Biermann ist Biermann, ist geniales poetisches Gro\u00dfmaul, laut und leise, frech und verzagt. Doch bis zu seiner Ehrung und seinem Auftritt ist erst einmal der Nachwuchs an der Reihe mit der 1995 in Oberhausen geborenen Lyrikerin Sirka Elspa\u00df. F\u00fcr ihren Gedichtband \u201ehungern beten heulen schwimmen\u201c wird ihr der F\u00f6rderpreis verliehen, und ihre kurze, aber intensive Lesung l\u00e4sst ahnen, dass man von ihr auch weiterhin h\u00f6ren und lesen wird.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Dann aber Biermann, der schon ein wenig kribbelig geworden schien und jetzt seiner Zuh\u00f6rerschaft das pr\u00e4sentiert, was er auf einem \u201eSpickzettel\u201c ank\u00fcndigt. Den hatte er abends zuvor zusammengeschustert, kopieren und ins Programmheft legen lassen. Drei Lieder und ein paar Texte stehen darauf. Sie aber sind nur das grobe Konzept eines Abends, der zum Biermann-Konzert werden sollte. Die \u201eBallade vom preu\u00dfischen Ikarus\u201c ist dabei sowie \u201eUnd als wir ans Ufer kamen\u201c \u2013 beide von 1976, das nicht nur f\u00fcr ihn ein bedeutsames Jahr wurde. Denn Biermann, der in der DDR schon als Drei\u00dfigj\u00e4hriger mit Berufsverbot bedacht wurde, darf 76 pl\u00f6tzlich f\u00fcr Konzerte in den Westen reisen. Aber schon einen Tag nach seinem Konzert in K\u00f6ln wird er offiziell ausgeb\u00fcrgert, nach Liedern wie \u201eDie hab\u00b4ich satt\u201c.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Doch das Regime untersch\u00e4tzt die enorme Solidarit\u00e4t unter den Intellektuellen. Joan Baez und Louis Aragon protestieren; auch Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre, vor allem sind es aber die Kunstschaffenden der DDR wie Jurek Becker, Sarah Kirsch und G\u00fcnter Kunert, etwas sp\u00e4ter <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/manfred-krug\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Manfred Krug<\/a> und Amin M\u00fcller-Stahl. Mit der Ausb\u00fcrgerung Biermanns beginnt der Exodus der DDR-Intellektuellen, es ist ein Anfang vom sp\u00e4teren Ende des Arbeiter- und Bauernstaates.<\/p>\n<p>Biermanns Leben als Kinofilm      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Biermann plaudert viel in <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/wuppertal\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wuppertal<\/a>, vermutet weithin verbreitete literarische Unkenntnis im Publikum, mokiert sich halb spa\u00dfend \u00fcber Wuppertals Oberb\u00fcrgermeisterin Miriam Scherff, weil die in unbesonnener Ehrlichkeit dem Preistr\u00e4ger gestand, dessen ber\u00fchmtestes Lied \u201eErmutigung\u201c nicht zu kennen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Biermann wird dieses Jahr 90 Jahre alt, und Ende Oktober wird sein Leben in einem <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/kinofilm\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kinofilm<\/a> dokumentiert. Da haben sich viele Legenden angesammelt. Eine war der Laudatio vom ber\u00fchmten Schlagzeuger G\u00fcnter Baby <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/sommer\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sommer<\/a> zu entnehmen, der erkrankt war, seinen Text aber verlesen lie\u00df. Darin ging es auch um die Aufnahme der \u201eBilanzballade im 30. Jahr\u201c in Biermanns ber\u00fchmter Ostberliner Wohnung an der \u201eChausseestra\u00dfe 131\u201c, die sogar einem Album seinen Namen gab. Biermann n\u00f6rgelte damals permanent \u00fcbers Trommelspiel, bis f\u00fcr den gew\u00fcnschten Effekt eine Blechkiste voller Matchbox-Autos seines Sohnes auf den Boden gepfeffert wurde. Mit diesem Scheppern war Biermann dann zufrieden.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ein Ende wollte das alles nicht nehmen. Und w\u00e4hrend schon die Essensger\u00fcche des Buffets immer aufdringlicher wurden, kam es mit rigoroser Hilfe von Moderatorin Birte Fritsch doch noch zum Ausklang. Fast so lang wie das legend\u00e4re, vierst\u00fcndige K\u00f6ln-Konzert 1976 sei das gewesen. Nein, verbessert er uns sofort, das waren viereinhalb Stunden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Etliche Minuten bevor es offiziell losgeht, sitzt der Preistr\u00e4ger schon auf seiner B\u00fchne. 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