{"id":956626,"date":"2026-04-19T04:23:18","date_gmt":"2026-04-19T04:23:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/956626\/"},"modified":"2026-04-19T04:23:18","modified_gmt":"2026-04-19T04:23:18","slug":"von-fischach-der-ns-herrschaft-nach-palaestina-entfliehen-so-lief-die-vorbereitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/956626\/","title":{"rendered":"Von Fischach der NS-Herrschaft nach Pal\u00e4stina entfliehen: So lief die Vorbereitung"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    <strong class=\"font-bold\">Herr Weidner, in Fischach gab es eine sogenannte Hachscharah? Was ist damit gemeint?<\/strong><\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Hachscharah ist das hebr\u00e4ische Wort f\u00fcr Vorbereitung. Im Rahmen der zionistischen Bewegung bezeichnete es Ausbildungsprogramme, die junge j\u00fcdische Erwachsene auf das Leben im damaligen britischen Mandatsgebiet Pal\u00e4stina vorbereiteten. Vor allem Landwirtschaft, Handwerk, j\u00fcdische Kultur und die hebr\u00e4ische Sprache wurden den Auswanderungswilligen vermittelt.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    <strong class=\"font-bold\">Die meisten europ\u00e4ischen Juden lehnten eine Auswanderung nach Pal\u00e4stina ab. Wieso?<\/strong><\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Ganz so pauschal ist es nicht unbedingt. Der Verbreitungsgrad des Zionismus muss immer in Abh\u00e4ngigkeit zum vorherrschenden Antisemitismus verstanden werden. Im Osteuropa der Zwischenkriegszeit, wo die Qualit\u00e4t und Quantit\u00e4t antisemitischer Gewalt zun\u00e4chst deutlich gravierender war, fand er deshalb weit mehr Anschluss als im deutschsprachigen Raum. In Deutschland gewinnt die Bewegung erst unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgung an zahlenm\u00e4\u00dfiger Bedeutung.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    <strong class=\"font-bold\">Warum entschieden sich doch einige, nach Pal\u00e4stina zu gehen?<\/strong><\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die Gr\u00fcnde waren vielschichtig und reichten von tiefer Verbundenheit zum Land bis hin zu reinem Pragmatismus. Einzig die Flucht vor dem grassierenden Antisemitismus eint nahezu alle j\u00fcdischen Pionierinnen und Pioniere. Oftmals bot die Region Pal\u00e4stina die einzige M\u00f6glichkeit der Verfolgung zu entfliehen, da das Vereinigte K\u00f6nigreich anfangs weniger restriktiv mit der Visa-Vergabe war als die Schweiz oder USA.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    <strong class=\"font-bold\">Wo kamen die Menschen her, die in Fischach ausgebildet wurden, und wie kamen sie w\u00e4hrend der Ausbildung unter?<\/strong><\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Das NS-Regime gestattete es nicht, dass die lokale j\u00fcdische Bev\u00f6lkerung an der \u00f6rtlichen zionistischen Auswanderungspraxis teilnahm. Deshalb kamen die j\u00fcdischen Pionierinnen und Pioniere aus dem gesamten Reich nach Fischach. Der Ort war mit seiner langen landj\u00fcdischen Tradition ideal. Untergebracht waren sie in zwei H\u00e4usern, die im Besitz ortsans\u00e4ssiger j\u00fcdischer Familien waren. Die Fischacher Hachscharah war ab 1936 gemeinsam mit dem Augsburger Kibbuz Teil der zionistischen Organisation Hechaluz (= Pionier).\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    <strong class=\"font-bold\">Wie sah diese Ausbildung aus?<\/strong><\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    W\u00e4hrend im Kibbuz Augsburg der Fokus auf der handwerklichen und kulturellen Ausbildung lag, sollte in Fischach parallel dazu die landwirtschaftliche Vorbereitung stattfinden; durch die Repressionen des NS-Regimes fand sie jedoch h\u00e4ufig nur auf dem Papier statt. Ab Juni 1936 durften J\u00fcdinnen und Juden nicht mehr bei sogenannten \u201edeutschbl\u00fctigen\u201c Bauern arbeiten, deshalb wurde im Garten der israelitischen Schule ein kleiner G\u00e4rtnereibetrieb eingerichtet. Vor allem auf die Vermittlung der hebr\u00e4ischen Sprache wurde ein gro\u00dfes Augenmerk gelegt. Hierf\u00fcr kam eigens ein Lehrer aus M\u00fcnchen.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    <strong class=\"font-bold\">Wie reagierte die Bev\u00f6lkerung auf die Ankommenden?<\/strong><\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die j\u00fcdische Gemeinde Fischach sammelte Sachspenden f\u00fcr allt\u00e4gliche Dinge und stiftete sie an das Haus. Als die m\u00e4nnlichen Pioniere nach der Pogromnacht 1938 in Dachau \u201einterniert\u201c wurden und das Auswanderungshaus vor\u00fcbergehend geschlossen war, kamen die Pionierinnen zeitweise auch bei der christlichen Bev\u00f6lkerung unter.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    <strong class=\"font-bold\">Wie viele wanderten so von Fischach aus? Gab es auch Fischacher Familien, die diesen Auswanderungsweg nutzten?<\/strong><\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Mir ist nur ein Junge bekannt, der direkt und ohne Umwege von Fischach aus ins heutige Israel auswanderte. Die Fischacher Hachscharah wurde im Nachgang der Novemberpogrome 1938 durch das Regime aufgel\u00f6st. Die verbliebenen 25 Pionierinnen und Pioniere gingen teilweise in ihre Heimatst\u00e4dte zur\u00fcck, manche wurden dort Opfer der Shoah. Einige schlossen sich auch den Augsburger und N\u00fcrnberger Abteilungen an und migrierten zun\u00e4chst \u00fcber D\u00e4nemark nach Schweden. Erst nach der Staatsgr\u00fcndung Israels 1948 schafften sie es, ihre neue Heimat zu erreichen.\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/bildphilip-weidner.jpg\" alt=\"Historiker Philip Weidner promoviert an der Uni Augsburg in Neuester Geschichte.\" title=\"Historiker Philip Weidner promoviert an der Uni Augsburg in Neuester Geschichte.\" loading=\"lazy\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Historiker Philip Weidner promoviert an der Uni Augsburg in Neuester Geschichte.<br \/>\n    Foto: privat<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Historiker Philip Weidner promoviert an der Uni Augsburg in Neuester Geschichte.<br \/>\n    Foto: privat<\/p>\n<p>            Vortrag am 20. April in Fischach<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    <strong class=\"font-bold\">Info:<\/strong> Philipp Weidner ist Doktorand im Fach Neueste Geschichte an der <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/organisationen\/aa-universitaet-augsburg\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Universit\u00e4t Augsburg<\/a>. Seine Promotion soll den Titel tragen: \u201eHandlungsfelder und soziale Praxis deutschsprachiger Zionismen, ca. 1890\u20131955\u201c. Zudem ist er wissenschaftliche Hilfskraft der Direktion am Institut f\u00fcr Zeitgeschichte M\u00fcnchen-Berlin. Er berichtet bei einem Vortrag im Pfarrheim Adoph Kolping in <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg-land\/ort\/fischach\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Fischach<\/a> am Montag, 20. April, von 19 bis 20.30 Uhr, \u00fcber die Zionistische Bewegung in Fischach 1936 bis 1939. Kooperationspartner sind der Heimatverein f\u00fcr den Landkreis Augsburg und dem Kulturkreis Fischach Kern.\n  <\/p>\n<ul data-module-id=\"DragDropModule\" class=\"flex flex-wrap justify-start group-[.no-bookmarks]:hidden\">\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Ruth Seyboth-Kurth<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    86850 Fischach<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Sprungbrett<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Herr Weidner, in Fischach gab es eine sogenannte Hachscharah? Was ist damit gemeint? 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