{"id":958296,"date":"2026-04-19T22:26:17","date_gmt":"2026-04-19T22:26:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/958296\/"},"modified":"2026-04-19T22:26:17","modified_gmt":"2026-04-19T22:26:17","slug":"schulter-an-schulter-verleihung-der-buber-rosenzweig-medaille-zeichen-fuer-christlich-juedischen-dialog","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/958296\/","title":{"rendered":"\u201eSchulter an Schulter\u201c \u2013 Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille: Zeichen f\u00fcr christlich-j\u00fcdischen Dialog"},"content":{"rendered":"<p>Judentum und Christentum \u201eSchulter an Schulter\u201c \u2013 dieser Vorstellung widmete sich ein \u00f6kumenischer Gottesdienst in der evangelischen AntoniterCityKirche mit Stadtsuperintendent Bernhard Seiger. Anlass war die Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille. Im Festsaal des G\u00fcrzenichs ehrte der Deutsche Koordinierungsrat der Gesellschaften f\u00fcr Christlich-J\u00fcdische Zusammenarbeit Pater Prof. Dr. Christian M. Rutishauser SJ. Ausgezeichnet wurde der Schweizer Jesuit und Judaistik-Professor f\u00fcr sein vielf\u00e4ltiges jahrzehntelanges Engagement f\u00fcr den christlich-j\u00fcdischen Dialog.<\/p>\n<p>In der Antoniterkirche wurde neben Rutishauser mit Rafi Rothenberg auch ein j\u00fcdischer Gast namentlich willkommen gehei\u00dfen. Der Vorsitzende der J\u00fcdischen Liberalen Gemeinde K\u00f6ln \u201eGescher LaMassoret e.V.\u201c rezitierte eingangs Psalm 1 auf Hebr\u00e4isch und sprach vor dem Friedensgru\u00df ein hebr\u00e4isches Friedensgebet.<\/p>\n<p><strong>Diakon Freiwald mit Impuls \u201eJuden und Christen in K\u00f6ln\u201c<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-69506\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC_0039Antoniterkirche.-GD-anlaesslich-der-Verleihung-der-Buber-Rosenzweig-Medaille-2026.-8-.-Maerz.jpeg\" alt=\"Am Gottesdienst wirkten mit: Norbert Bauer (Leiter Karl Rahner-Akademie, v. l.), Pfarrer Prof. em. Dr. Hanspeter Heinz, Stadtsuperintendent Bernhard Seiger, Barbara Schulz (Lektorin Antoniterkirche), Diakon Jens Freiwald, Pfarrer Dr. Martin Bock (Leiter der Melanchthon-Akademie),\u00a0 Citykirchenpfarrer Markus Herzberg und Thomas Gruner (Katholisches Stadtdekanat K\u00f6ln).\" width=\"300\" height=\"169\"  \/>Am Gottesdienst wirkten mit: Norbert Bauer (Leiter Karl Rahner-Akademie, v. l.), Pfarrer Prof. em. Dr. Hanspeter Heinz, Stadtsuperintendent Bernhard Seiger, Barbara Schulz (Lektorin Antoniterkirche), Diakon Jens Freiwald, Pfarrer Dr. Martin Bock (Leiter der Melanchthon-Akademie),\u00a0 Citykirchenpfarrer Markus Herzberg und Thomas Gruner (Katholisches Stadtdekanat K\u00f6ln).<\/p>\n<p>Der katholische Diakon Jens Freiwald ging mit einem Impuls auf \u201e1700 Jahre (und mehr) Juden und Christen in K\u00f6ln\u201c ein. Der Vorsitzende des Theologischen Ausschusses der K\u00f6lnischen Gesellschaft f\u00fcr Christlich-J\u00fcdische Zusammenarbeit sprach von der Vision, dass beide Seiten in K\u00f6ln gemeinsam die Barmherzigkeit Gottes bezeugten. \u201eDass diese Vision Wirklichkeit werde, sichtbar und heilsam f\u00fcr diese Welt, daf\u00fcr haben wir gerade gebetet.\u201c Nur sieben Jahre l\u00e4gen zwischen der Erw\u00e4hnung des ersten K\u00f6lner Bischofs Maternus 314 und der fr\u00fchesten Nennung einer j\u00fcdischen Gemeinde in K\u00f6ln in einem Dekret von Kaiser Konstantin 321.<\/p>\n<p>\u201eDiese bis heute 1700 Jahre waren weniger von einem Schulter an Schulter, als von einer mehr oder minder misstrauischen Koexistenz bis hin zu manifestem Antijudaismus und Pogromen an der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung gepr\u00e4gt\u201c, fasste der Diakon zusammen. Im christlichen Antijudaismus habe auch der m\u00f6rderische Antisemitismus der Nazis gewurzelt \u2013 und dieser seinen grausamen H\u00f6hepunkt im Menschheitsverbrechen der Shoah erreicht. Wir d\u00fcrften dankbar sein, dass trotz all des Leides, das K\u00f6lnerinnen und K\u00f6lner ihren j\u00fcdischen Mitb\u00fcrgern zugef\u00fcgt h\u00e4tten, nach der Nazidiktatur hier erneut j\u00fcdisches Leben entstanden sei und sich entwickelt habe.<\/p>\n<p><strong>Rutishauser auch in der Jury des \u201eInternationalen Kunstwettbewerbs K\u00f6lner Dom\u201c engagiert<\/strong><\/p>\n<p>Zu Rutishausers zahlreichen Verdiensten um den christlich-j\u00fcdischen Dialog z\u00e4hle sein Engagement in der Jury des \u201eInternationalen Kunstwettbewerbs K\u00f6lner Dom zum christlich-j\u00fcdischen Verh\u00e4ltnis heute\u201c, so Freiwald. Dieser Wettbewerb stelle einen H\u00f6hepunkt der seit Beginn dieses Jahrhunderts stattfindenden Auseinandersetzung mit antij\u00fcdischen Artefakten im K\u00f6lner Dom dar.<\/p>\n<p><strong>Dr. Martin Bock \u00fcber Zefanja und Martin Buber<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-69505\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC_0088.-Antoniterkirche.-Dr.-Martin-Bock-predigt-im-GD-anlaesslich-der-Verleihung-der-Bubel-Rosenz.jpeg\" alt=\"Pfarrer und MAK-Leiter Dr. Martin Bock predigt.\" width=\"300\" height=\"200\"  \/>Pfarrer und MAK-Leiter Dr. Martin Bock predigt.<\/p>\n<p>In der ersten von zwei Predigten widmete sich der evangelische Pfarrer Dr. Martin Bock einem Text aus dem Buch des Propheten Zefanja (3,9-13) in der Hebr\u00e4ischen Bibel. Eingangs rief der Leiter der Melanchthon-Akademie eine eindr\u00fcckliche Rede des Religionsphilosophen Martin Buber in Erinnerung \u2013 gehalten in einem Religionsgespr\u00e4ch mit dem Bonner evangelischen Neutestamentler Karl Ludwig Schmidt Anfang 1933. Bock sprach von den Zeugnissen der Jahrhunderte langen \u201eVergegnung\u201c (eine Wortsch\u00f6pfung Bubers) von Juden und Christen. Das Fehlen ihrer wirklichen Begegnung habe sich weltweit, ebenso in Worms und im K\u00f6lner Dom in Kunstwerken festgeschrieben und dann auch im rassischen Antisemitismus.<\/p>\n<p>Mit ihrem Austausch h\u00e4tten der Jude und der Christ dem Rassismus der Nazis etwas Biblisches entgegensetzen wollen, so Bock. Jedoch sei Schmidt wie die Kirchen der Auffassung gewesen, \u201edass in der Tat die Kirchen den Bund Gottes auf sich \u00fcbertragen bekommen haben und Israel seine Bestimmung verloren habe\u201c, sagte der Theologe. Von einer solchen Sicht von \u201eVergegnungen\u201c bis in die Tiefe seien Juden und Christen heute weit entfernt. \u201eDaf\u00fcr bedurfte es einer gro\u00dfen Anstrengung der \u00d6kumene und eines gro\u00dfen, gro\u00dfen Schreckens, zu sehen, dass genau diese tats\u00e4chlich unbiblische Theologie und die fehlende Solidarit\u00e4t und der Hochmut dazu gef\u00fchrt haben\u201c, dass das Judentum auch im Holocaust weitgehend alleine geblieben sei. \u201eDass es dem Rassismus und Antisemitismus ausgeliefert wurde und zwar deshalb, weil die Kirche ihn innerlich mitgetragen hat.\u201c<\/p>\n<p>Der Prophet Zefanja habe ungef\u00e4hr im 7. Jahrhundert vor Christus in einer Zukunftsvision davon gesprochen, dass alle einm\u00fctig den Namen des Herrn anrufen und ihm \u201eSchulter an Schulter miteinander\u201c \u2013 auf Hebr\u00e4isch \u201emit einer Schulter\u201c \u2013 dienen w\u00fcrden, so Bock. Dass wir radikal anders sprechen und handeln, einander gew\u00e4hren lassen und voneinander lernen w\u00fcrden. \u201eIch brauche nicht zu sagen, wie weit unsere Welt von diesem Bild entfernt ist\u201c, sprang Bock in die Gegenwart.<\/p>\n<p><strong>Markus Herzberg \u00fcber<\/strong><strong>\u00a0\u201eEcclesia und Synagoga\u201c<\/strong><\/p>\n<p>In der zweiten Predigt sprach Citykirchenpfarrer\u00a0 Markus Herzberg \u00fcber einen neutestamentlichen Text aus dem Matth\u00e4us-Evangelium (5,17-20; Jesus und die Tora).Der Theologe erinnerte sich an seine Studienzeit in Bochum und die dortige Probsteikirche. Dabei habe sich ihm in einem mittelalterlichen Seitenaltar ein\u00a0 abscheuliches Bild geboten \u2013 die \u201eBegegnung\u201c der sch\u00f6nen, stolzen, bekr\u00f6nten Ecclesia mit der Synagoga, dargestellt mit Augenbinde, gebrochener Lanze und verlorener Krone: \u201eZwei allegorische weibliche Figuren, die in der Ikonografie des Mittelalters personifiziert das Christentum und das Judentum symbolisieren.\u201c<\/p>\n<p>Dieses Altarbild zeige deutlich, welche verachtende Feindlichkeit und welchen ungeheuren Antisemitismus die Kirchen mit geschaffen h\u00e4tten, konstatierte Herzberg. Der Matth\u00e4us-Text klinge geradezu wie eine Antwort des j\u00fcdischen Rabbis Jeschua von Nazareth darauf: \u201eDenkt nicht, ich sei gekommen um die Tora oder die Propheten au\u00dfer Kraft zu setzen.\u201c Jesu Anspruch sei es, die ganze Tora und die Propheten zu erf\u00fcllen. Gottes Wort warte darauf, die Realit\u00e4t zu gestalten und zu ver\u00e4ndern. \u201eDer Gegensatz zur Aufl\u00f6sung der Tora und der Propheten ist nicht die Einhaltung, sondern die Realisation und Gestaltwerdung ihrer Worte auf dieser Erde und im Leben der Menschen\u201c, legte der Theologe aus.<\/p>\n<p>Wer Jesu Worte h\u00f6re, k\u00f6nne Synagoga und Ecclesia einzig und allein als zwei aneinander interessierte, sich auf Augenh\u00f6he begegnende Frauen Schulter an Schulter darstellen, betonte der Pfarrer. Laut Herzberg geht es Jesus darum, dass in allen Geboten der Tora das Liebesgebot geh\u00f6rt und beachtet wird. Jedes der Gebote fordere \u00fcber seinen Wortlaut hinausgehend zur bedingungslosen N\u00e4chstenliebe auf: \u201eWenn wir es so h\u00f6ren und leben, dann, nur dann stehen Judentum und Christentum Schulter an Schulter im Glauben, im Hoffen (\u2026) auf das die Gerechtigkeit \u00fcberflie\u00dfend sei.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#\" rel=\"nofollow\" onclick=\"window.print(); return false;\" title=\"Printer Friendly, PDF &amp; Email\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/printfriendly-icon-lg.png\" alt=\"Print Friendly, PDF &amp; Email\" class=\"pf-button-img\" style=\"width: 25px;height: 25px;\"\/>Drucken<\/a><\/p>\n<p>Text: Engelbert Broich <br \/>Foto(s): Engelbert Broich <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Judentum und Christentum \u201eSchulter an Schulter\u201c \u2013 dieser Vorstellung widmete sich ein \u00f6kumenischer Gottesdienst in der evangelischen AntoniterCityKirche&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":958297,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1828],"tags":[208399,208400,208401,208402,208403,29,208404,10479,30,208405,208406,59048,208407,208408,208409,208410,208411,208412,208413,1420,208414,208415,7684,1209,49167,95525,208416,208417,208418,72495],"class_list":["post-958296","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-koeln","tag-antisemitismus-kirche-geschichte","tag-antonitercitykirche-koeln","tag-bibel-auslegung-zefanja","tag-buber-rosenzweig-medaille-2026","tag-christlich-juedischer-dialog","tag-deutschland","tag-ecclesia-und-synagoga-darstellung","tag-evangelische-kirche-koeln","tag-germany","tag-gescher-lamassoret-koeln","tag-guerzenich-koeln-veranstaltung","tag-interreligioeser-dialog","tag-jens-freiwald-koeln","tag-jesus-und-die-tora","tag-judentum-und-christentum","tag-juedisches-leben-koeln","tag-karl-rahner-akademie-koeln","tag-katholisch-juedischer-dialog","tag-kirche-koeln-schildergasse","tag-koeln","tag-markus-herzberg-predigt","tag-martin-bock-predigt","tag-melanchthon-akademie-koeln","tag-nordrhein-westfalen","tag-oekumene-koeln","tag-oekumenischer-gottesdienst-koeln","tag-rafi-rothenberg-koeln","tag-religion-koeln-veranstaltung","tag-shoah-erinnerung-kirche","tag-stadtsuperintendent-bernhard-seiger"],"share_on_mastodon":{"url":"","error":"Validation failed: Text character limit of 500 exceeded"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/958296","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=958296"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/958296\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/958297"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=958296"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=958296"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=958296"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}