{"id":959140,"date":"2026-04-20T06:50:14","date_gmt":"2026-04-20T06:50:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/959140\/"},"modified":"2026-04-20T06:50:14","modified_gmt":"2026-04-20T06:50:14","slug":"interview-mit-adrian-sonder-wir-muessen-beim-tempo-des-waldumbaus-zulegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/959140\/","title":{"rendered":"Interview mit Adrian Sonder: \u201eWir m\u00fcssen beim Tempo des Waldumbaus zulegen\u201c"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Borkenk%C3%A4fer\" title=\"Borkenk\u00e4fer\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Borkenk\u00e4fer<\/a>, Trockenheit und St\u00fcrme setzen dem <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Wald\" title=\"Wald\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wald<\/a> im S\u00fcdwesten zu. Adrian Sonder, OB in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Freudenstadt\" title=\"Freudenstadt\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Freudenstadt<\/a> und neuer Pr\u00e4sident der Forstkammer <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Baden-W%C3%BCrttemberg\" title=\"Baden-W\u00fcrttemberg\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Baden-W\u00fcrttemberg<\/a>, sieht das Land grunds\u00e4tzlich auf dem richtigen Weg \u2013 aber es gehe zu langsam, und es fehlten die Mittel.<\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Im Harz sind riesige Waldfl\u00e4chen mit Fichten abgestorben \u2013 droht das in Baden-W\u00fcrttemberg auch?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\"> <b>Adrian Sonder<\/b>: Der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Klimawandel\" title=\"Klimawandel\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Klimawandel<\/a> wird gr\u00f6\u00dfere Hitze, mehr D\u00fcrren und mehr St\u00fcrme bringen \u2013 es besteht f\u00fcr manche Orte nat\u00fcrlich die Angst, dass wir Zust\u00e4nde wie im Harz bekommen k\u00f6nnten. In den Trockenjahren ab 2018 hat es alle extrem getroffen, vor allem an der S\u00fcdabdachung des Schwarzwaldes sind wirklich gro\u00dfe Kahlfl\u00e4chen entstanden. Gerade deshalb ist es wichtig, dass wir den Waldumbau forcieren.<\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Hei\u00dft das, es geht zu langsam?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Wir m\u00fcssen beim Tempo zulegen. Hier im n\u00f6rdlichen Schwarzwald, wo es noch mehr regnet und wo es nicht ganz so hei\u00df ist, haben wir ein wenig mehr Zeit. Aber unten im Rheintal, da sterben manche W\u00e4lder komplett weg. Dort herrscht teilweise R\u00e4tselraten, was man \u00fcberhaupt noch tun kann, um die W\u00e4lder zu erhalten. <\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/media.media.ec8a74b7-dafc-4962-942e-fcc7c99f4c16.original1024.media.jpeg\"\/>     Adrian Sonder, der OB von Freudenstadt, ist seit Ende M\u00e4rz neuer Pr\u00e4sident der Forstkammer.    Foto: Kati G\u00fcnther    <\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Was tun Sie in Freudenstadt konkret, um schneller zu werden?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Wir hatten zum Beispiel vor, in den n\u00e4chsten zehn Jahren sechs Hektar Wald neu anzupflanzen. Aber mir ist es ein ganz gro\u00dfes Anliegen, dass wir einen Schritt nach vorne machen, und der Gemeinderat ist meinem Vorschlag dankenswerterweise gefolgt. Jetzt planen wir mit 27 Hektar. Das ist mit erheblichen Kosten verbunden, aber f\u00fcr mich ist der Wald unser Kapital, unser Lebensraum, unsere Zukunft. <\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Jetzt k\u00f6nnte man def\u00e4tistisch sagen, selbst 27 Hektar sind bei 3300 Hektar Waldfl\u00e4che in Freudenstadt vernachl\u00e4ssigenswert. <\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Es ist fast eine Verf\u00fcnffachung der Fl\u00e4che und des finanziellen Aufwands. In diesen schwierigen Haushaltszeiten ist das schon ein Ausrufezeichen. <\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Wie weit sind Sie insgesamt bei diesem Waldumbau?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">In Freudenstadt, wie in vielen Regionen Baden-W\u00fcrttembergs, hat der Waldumbau schon vor Jahrzehnten begonnen. Wir hatten Anfang der 1980er Jahre noch einen Anteil der Fichten von 72 Prozent. Heute sind es 51 Prozent, und wir wollen den Bestand weiter bis auf 29 Prozent senken. Tannen und Buchen sollen dagegen stark zunehmen. Man sieht, der Waldumbau ist kein Kurzstreckenlauf. Aber die D\u00fcrrejahre haben gezeigt, wie stark der Klimawandel zuschlagen kann. <\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Was bedeutet Waldumbau noch?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Es geht vor allem um eine gute Durchmischung im Wald. In unserem Plenterwald am Kienberg haben wir jetzt oft auf kleinen Fl\u00e4chen sechs oder sieben Baumarten: Buche, Fichte, Tanne und Bergahorn sind von selbst gekommen, Douglasie und Vogelkirsche haben wir angepflanzt. Wir setzen darauf, m\u00f6glichst divers zu werden, m\u00f6glichst viele Baumarten und klimaresistente Baumarten zu bekommen. <\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Lohnt sich in Zeiten des Klimawandels die Forstwirtschaft f\u00fcr private und kommunale Waldbesitzer noch?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Es h\u00e4ngt nat\u00fcrlich viel von der Gr\u00f6\u00dfe des Betriebs und der Struktur des Waldes ab, aber bei uns in Freudenstadt ist der Betrieb noch ausk\u00f6mmlich. Und in den letzten Jahren haben sich die Einnahmen wieder eher positiv entwickelt, denn die letzten beiden Jahre waren feuchter und k\u00fchler. Aber wir brauchen die Einnahmen, um den Waldumbau finanziell stemmen zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Wie d\u00fcrfte der wirtschaftliche Betrieb bei zunehmendem Klimawandel aussehen?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Die ganze Nutzung, das ganze \u00d6kosystem Wald, ist dann gef\u00e4hrdet. Das steht au\u00dfer Zweifel. <\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Erwarten Sie also auch mehr Unterst\u00fctzung von staatlicher Seite?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Der Waldumbau ist eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft, die Waldbesitzer k\u00f6nnen das auf Dauer nicht alleine stemmen. Wir sind deshalb tats\u00e4chlich mit der derzeitigen F\u00f6rdersituation nicht ganz zufrieden und haben dazu zwei Hauptforderungen an die neue Landesregierung. <\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Welche sind das?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Erstens muss die finanzielle Unterst\u00fctzung beim Borkenk\u00e4fermanagement verstetigt werden, und sie muss sich an den realen Bedarfen orientieren. Wenn es immer hei\u00dfer wird, nehmen die Probleme mit dem Borkenk\u00e4fer zu. Wir m\u00fcssen deshalb dieses Management intensivieren. Und zweitens m\u00fcssen wir bei der Jungbestandspflege unterst\u00fctzt werden \u2013 sie ist zentral f\u00fcr das Gelingen des Waldumbaus. Bisher erhalten aber nur Betriebe mit weniger als 200 Hektar Wald eine F\u00f6rderung, und Kommunen bekommen gar nichts.<\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Wie sieht die derzeitige F\u00f6rderung aus?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Die Suche nach befallenen Borkenk\u00e4ferb\u00e4umen wird derzeit mit zw\u00f6lf bis 15 EUR pro Jahr und Hektar unterst\u00fctzt. Die Beihilfe f\u00fcr die Aufarbeitung der K\u00e4ferb\u00e4ume wurde wegen Geldmangels eingestellt. Kleinwaldbesitzer k\u00f6nnen bei der Jungbestandspflege einen Teil der Kosten erstattet bekommen, maximal jedoch 50 Prozent.<\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Von wie viel Geld sprechen wir jetzt zus\u00e4tzlich?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Mir ist nat\u00fcrlich die finanzielle Lage des Landes bewusst, deshalb will ich keinen Zehn-Punkte-Plan mit unrealistischen Forderungen ins Spiel bringen. Nat\u00fcrlich gibt es noch weitere wichtige Themen wie die Fortf\u00fchrung der Holzbau-Offensive, den Schutz vor Waldbr\u00e4nden, den B\u00fcrokratieabbau oder die Finanzierung von Naturschutzma\u00dfnahmen. Aber die beiden genannten Schwerpunkte w\u00e4ren angesichts des Klimawandels wirklich sehr sinnvoll. Zuletzt hat sich etwa der Bund aus der Co-Finanzierung des Borkenk\u00e4fermanagements zur\u00fcckgezogen. Das war eine klare Fehlentscheidung.<\/p>\n<p>Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte Thomas Faltin.<\/p>\n<p> Neuer Pr\u00e4sident der Forstkammer <\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Adrian Sonder<\/strong><br \/>Seit knapp zwei Jahren hat der 36-j\u00e4hrige Adrian Sonder das Amt des Oberb\u00fcrgermeisters in Freudenstadt inne. Er trat als unabh\u00e4ngiger Kandidat an, ist aber CDU-Mitglied. Sonder ist in Baden-Baden aufgewachsen , hat in Frankreich, Irland und Schweden studiert und hat in der Bundes- sowie der Landespolitik gearbeitet. Vor Kurzem wurde Adrian Sonder zum Pr\u00e4sidenten der Forstkammer Baden-W\u00fcrttemberg gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Forstkammer <\/strong><br \/>Die Forstkammer vertritt die Interessen der 260.000 privaten und kommunalen Waldbesitzer im S\u00fcdwesten \u2013 deren Anteil an der Waldfl\u00e4che liegt bei 76 Prozent. Der Rest ist Staatswald im Besitz des Landes. In Baden-W\u00fcrttemberg sind fast 40 Prozent der Landesfl\u00e4che bewaldet, das entspricht 1,37 Millionen Hektar. fal<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Borkenk\u00e4fer, Trockenheit und St\u00fcrme setzen dem Wald im S\u00fcdwesten zu. 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