{"id":960163,"date":"2026-04-20T16:56:36","date_gmt":"2026-04-20T16:56:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/960163\/"},"modified":"2026-04-20T16:56:36","modified_gmt":"2026-04-20T16:56:36","slug":"konzert-von-boko-yout-in-koeln-hardcore-und-seine-axiome","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/960163\/","title":{"rendered":"Konzert von Boko Yout in K\u00f6ln: Hardcore und seine Axiome"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">\u201eDer ist ja gar nicht blau\u201c, blafft eine Zuschauerin ihre Begleitung an, als Paul Adamah von Boko Yout die B\u00fchne am sp\u00e4ten Sonntagabend in K\u00f6ln betritt. Die Aufregung legt sich jedoch schnell, da sich der charismatische Frontmann zwar nicht \u2013 so insinuieren es die viral gegangenen Videos der Band \u2013 als blau-h\u00e4utiges Alien herausstellt, aber doch als Kraftb\u00fcndel extraterrestrischer Qualit\u00e4t.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Zu Feier des Tages tr\u00e4gt die vierk\u00f6pfige Band Pfadfinderuniformen. Ganz passend zu Adamahs Bewegungsradius w\u00e4hrend des Konzerts, der sich nicht auf die B\u00fchne begrenzt, sondern deren imagin\u00e4ren W\u00e4nde von Sekunde eins durchbricht, den Wandervogel mimt, das Publikum umarmt und zwischendurch sogar die Stra\u00dfe vor der Venue Bumann &amp; Sohn besucht.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Das Publikum bedankt sich f\u00fcr solche Sperenzchen und die Performance \u2013 dazu sofort mehr \u2013 mit einer Elektrisiertheit, die ihresgleichen sucht. Wer h\u00e4tte das gedacht? Eigentlich standen die Sterne nicht gut f\u00fcr das Konzert. Das gro\u00dfe Showcase-Festival c\/o pop hat die Stadt eine Woche lang mit Konzerten und Podcasts (\u00fcber-)versorgt und das notorisch etwas zu bequeme K\u00f6lner Publikum h\u00e4tte gleich etliche Gr\u00fcnde gehabt, am Sonntagabend einfach mal die F\u00fc\u00dfe hochzulegen. Doch die \u00dcbers\u00e4uerung f\u00e4hrt erst in die Knochen, als sich die wohltemperierte Menschenmasse vom Marionettenspieler Paul Adamah zu linkischen, aber unverf\u00e4lscht-authentischen Tanzman\u00f6vern hinrei\u00dfen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>      Sauber produzierter Rocksound<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-6\" pos=\"5\">Warum die Menschen hier sind, h\u00e4tte man jeden einzelnen fragen m\u00fcssen, denn Boko Yout, 2022 als Soloprojekt von Adamah gestartet, gibt es in zwei Ausf\u00fchrungen. Da ist jene, die mit einigen Singles, EPs, den bereits erw\u00e4hnten Videos und zuletzt Ende 2025 mit dem Deb\u00fctalbum \u201eGUSTO\u201c viel Wind aufgewirbelt hat. Sehr sauber produzierter, sogar radiotauglicher Rocksound, der ein emotionales Zuhause zwischen den groovigeren Tracks von Bloc Party, <a href=\"https:\/\/taz.de\/Blood-Orange-Album-Essex-Honey\/!6123977\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Blood Orange<\/a> und sogar <a href=\"https:\/\/taz.de\/Tame-Impala-Album-Deadbeat\/!6123220\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Tame Impala<\/a> findet. Innovative Genrebezeichnungen erleben da naturgem\u00e4\u00df Wildwuchs: \u201eOff-Kilter-New-Alternative\u201c trifft auf \u201eCerebral-Funk-Punk\u201c \u2013 vielen merkt man an, wie sie eher projizieren als analysieren.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-7\" pos=\"6\">Adamah selbst pr\u00e4feriert die Bezeichnung <a href=\"https:\/\/taz.de\/!473476\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Afro-Grunge<\/a>. Ein wahrscheinlich gut kalkulierter Etikettenschwindel, denn auf der Platte sucht man Grunge und \u201eafro\u201c vergeblich, selbst wenn Adamah als Schwarzer Sohn von Einwanderern aus Togo und Mozambik gute Argumente hat. Logisch wird das erst, wenn man Boko Yout live sieht. Afro benennt dann zun\u00e4chst die Einstellung der selbsternannten \u201eBlackest Band Swedens\u201c.<\/p>\n<p>Das Konzert<\/p>\n<p class=\"bodytext first paragraph\">\n              <strong>Boko Yout<\/strong>\n            <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last\">20. April, Betty, Hamburg21. April, Urban Spree, Berlin<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-9\" pos=\"7\">Adamahs Performance, sein Wille mitzurei\u00dfen, hat vielleicht dann doch etwas <a href=\"https:\/\/taz.de\/Voodoo-im-westafrikanischen-Benin\/!5906493\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">mit Voodoo<\/a> und anderen Austreibungsritualen gemein \u2013 so will es der K\u00fcnstler zumindest, dessen Gesichtsz\u00fcge sehr pr\u00e4zise und ge\u00fcbt entgleisen und schamanisch wirken sollen. Dieses hochenergetische Beseelen kennt man gleichwohl auch aus hiesiger Musikhistorie: Live gleicht das Ganze also einer gro\u00dfartigen (Post-)Hardcore-Performance. Inklusive Pulsbass, heftig verzerrten Gitarren und einem umwerfenden Schlagzeugspiel. Eigentlich k\u00f6nnte hier jederzeit der Moshpit losgehen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-11\" pos=\"8\">Boko Youts Konzert ist eine willkommene Erinnerung daran, dass Hardcore und seine Axiome (Druckkochtopfwut, Dissidenz, stilisierte Verausgabung und\/oder Selbstkasteiung und \u00c4hnliches) auch nach 50 Jahren noch fucking Waffen in den richtigen H\u00e4nden sind. Hier sind sie afrop\u00e4isch, an Grenzziehungen uninteressiert, haben Performancekunst studiert und wollen nicht, dass es so weiter geht wie bisher. Das ausverkaufte K\u00f6lner Haus w\u00e4re an diesem Sonntag mit Adamah auf die Stra\u00dfe gegangen und h\u00e4tte die Revolution gefordert. Vorneweg: ein Alien unter Aliens!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eDer ist ja gar nicht blau\u201c, blafft eine Zuschauerin ihre Begleitung an, als Paul Adamah von Boko Yout&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":960164,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1828],"tags":[29,30,1420,1209],"class_list":{"0":"post-960163","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-koeln","8":"tag-deutschland","9":"tag-germany","10":"tag-koeln","11":"tag-nordrhein-westfalen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116438092195213571","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/960163","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=960163"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/960163\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/960164"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=960163"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=960163"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=960163"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}