{"id":962195,"date":"2026-04-21T13:23:18","date_gmt":"2026-04-21T13:23:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/962195\/"},"modified":"2026-04-21T13:23:18","modified_gmt":"2026-04-21T13:23:18","slug":"wissenschaft-berlin-taeter-auf-dem-lehrstuhl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/962195\/","title":{"rendered":"Wissenschaft \u2013 Berlin: T\u00e4ter auf dem Lehrstuhl"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img320847\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/320847.jpeg\" alt=\"\u00dcbergriffsvorw\u00fcrfe ersch\u00fctterten 2024 die Humboldt-Universit\u00e4t.\"\/><\/p>\n<p>\u00dcbergriffsvorw\u00fcrfe ersch\u00fctterten 2024 die Humboldt-Universit\u00e4t.<\/p>\n<p>Foto: dpa\/J\u00f6rg Carstensen<\/p>\n<p>Wenn der Chef f\u00fcr das berufliche Vorankommen k\u00f6rperliche Gefallen verlangt: Auch an Unis kommt es immer wieder zu F\u00e4llen von Machtmissbrauch. In die Aufmerksamkeit der \u00d6ffentlichkeit gelangte das Thema zuletzt vor allem, als zwei Vorf\u00e4lle an der Humboldt-Universit\u00e4t bekannt wurden. In einem Fall soll ein Dozent immer wieder Studierende in seiner Sprechstunde bedr\u00e4ngt haben. In einem Vergleich einigte er sich mit der Hochschule darauf, <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1179113.wissenschaft-hu-berlin-gerechtigkeit-mit-einschraenkungen.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">dass er seine Stelle aufgibt<\/a>. In einem anderen soll ein Professor eine wissenschaftliche Mitarbeiterin unsittlich ber\u00fchrt haben \u2013 er klagte erfolgreich gegen eine Freistellung.<\/p>\n<p>Machtmissbrauch kommt auch in der Privatwirtschaft vor. An den Hochschulen findet er aber einen besonders guten N\u00e4hrboden. Denn dort sind die Entscheidungsstrukturen ausgesprochen hierarchisch gepr\u00e4gt. Als Lehrstuhlinhaber tragen Professoren f\u00fcr ihr Personal und die Studierenden eine im Kern ungeteilte Verantwortung \u2013 ein Einfallstor f\u00fcr Missbrauch. \u00bbDie Professoren entscheiden weitgehend alleine\u00ab, sagte Cornelia Schweppe am Montag vor dem Wissenschaftsausschuss des Abgeordnetenhauses. Die Mainzer Erziehungswissenschaftlerin hat einen Sammelband zu dem Themenkomplex herausgegeben.<\/p>\n<p>Die \u00dcberlagerung verschiedener Verantwortungen setze vor allem Mitarbeiter auf Qualifikationsstellen unter Druck, also wissenschaftliche Besch\u00e4ftigte, die neben ihrer T\u00e4tigkeit an der Uni eine Dissertation oder eine Habilitation verfassen. \u00bbDa ist der Professor dann gleichzeitig Vorgesetzter, Betreuer und Gutachter\u00ab, sagte Schweppe. Wer seine Karriere nicht gef\u00e4hrden wolle, \u00fcberlege sich zweimal, <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1183435.humboldt-universitaet-ein-jahr-nach-vorwuerfen-hu-dozent-suspendiert.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">ob er einen Vorfall melde<\/a>. \u00bbManche verlassen das Wissenschaftssystem auch ganz\u00ab, so Schweppe. Damit gingen den Hochschulen wichtige Talente verloren.<\/p>\n<p>Bei Machtmissbrauch gehe es dabei nicht nur um sexuelle \u00dcbergriffe \u2013 auch wenn diese einen gro\u00dfen Teil des Vorfallaufkommens ausmachen. Betroffene berichteten auch \u00fcber Mobbing, Dem\u00fctigung und Schikane, so Schweppe. So w\u00fcrden Professoren etwa Wissenschaftlern verweigern, trotz eines Beitrags zu einem Forschungsprojekt in Aufs\u00e4tzen als Autor erw\u00e4hnt zu werden. Betroffen seien nicht nur wissenschaftliche Mitarbeiter, sondern alle Statusgruppen. Auch Studierende erlebten demnach Machtmissbrauch, etwa bei der Bewertung von Abschlussarbeiten.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<blockquote><p>&#13;<\/p>\n<p>\u00bbKollegen denken, dass es einfach dazugeh\u00f6rt, das zu ertragen.\u00ab<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\nFelicia Kompio\u2003GEW<\/p><\/blockquote>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Gemeldet wird nur eine Minderheit solcher Vorf\u00e4lle. \u00bbKollegen denken, dass es einfach dazugeh\u00f6rt, das zu ertragen\u00ab, sagte Felicia Kompio, Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW. Bei vielen Besch\u00e4ftigten fehle das Wissen dar\u00fcber, welches Verhalten einen Machtmissbrauch darstelle. Andere f\u00fcrchteten sich, dass eine formale Beschwerde zu Nachteilen auf ihrem Karriereweg f\u00fchren k\u00f6nnte. Denn die T\u00e4ter \u00fcbten etwa in universit\u00e4ren Gremien Einfluss aus oder entschieden \u00fcber die Verteilung von Drittmitteln.<\/p>\n<p>Es gebe zwar Anlaufstellen an den Hochschulen, sagt Corinna Tomberger, Frauenbeauftragte an der Freien Universit\u00e4t. \u00bbAber Personen sind unsicher, an wen sie sich wenden sollen.\u00ab Je nachdem wo und wie der Machtmissbrauch stattfinde, seien Personalr\u00e4te, Frauenbeauftragte, Pr\u00fcfungsaussch\u00fcsse oder andere Stellen zust\u00e4ndig. F\u00fcr Ratsuchende sei diese Vielfalt oft verwirrend.<\/p>\n<p>Sch\u00e4tzungen gehen davon aus, dass nur etwa zehn Prozent der F\u00e4lle von Machtmissbrauch auch gemeldet werden. F\u00fcr Ali Mehrens, Studierendenvertreter an der Humboldt-Universit\u00e4t, liegt das auch daran, dass die Verfahren oft im Sande verlaufen. \u00bbMan beobachtet, dass es keine Folgen hat, wenn man sich beschwert\u00ab, sagte er.<\/p>\n<p>Corinna Tomberger sieht eine weitere H\u00fcrde: \u00bbViele Betroffene wollen anonym bleiben.\u00ab In formalen Beschwerdeverfahren m\u00fcssten sie jedoch ihren Namen offenlegen. Sie w\u00fcnscht sich, dass neue Beschwerdestellen geschaffen werden, die auch anonymen Hinweisen nachgehen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>F\u00fcr Cornelia Schweppe ist entscheidend, dass es eine zentrale Anlaufstelle f\u00fcr Beschwerden \u00fcber Machtmissbrauch gebe. \u00bbDer Umgang mit Machtmissbrauch erfordert komplexes Wissen\u00ab, sagte sie. Diese Expertise m\u00fcsse geb\u00fcndelt werden \u2013 nach Meinung der Erziehungswissenschaftlerin am besten auf Landesebene. So werde auch sichergestellt, dass die Anlaufstelle unabh\u00e4ngig von den Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnissen an den Hochschulen sei.<\/p>\n<p>Auch strukturell m\u00fcssten sich die Hochschulen ver\u00e4ndern. Das Lehrstuhlsystem m\u00fcsse durch sogenannte \u00bbDepartments\u00ab ersetzt werden. Personalressourcen w\u00fcrden dann nicht mehr an einzelnen Professoren h\u00e4ngen, sondern von der gesamten Fakult\u00e4t gemeinsam verwaltet. \u00bbEs geht um einen Abbau von Machtakkumulation\u00ab, so Schweppe.<\/p>\n<p>Beschwerdestrukturen seien wichtig, jedoch verhinderten sie keinen Machtmissbrauch, gab Studierendenvertreter Ali Mehrens zu bedenken. \u00bbDas Einzige, was fundamental etwas \u00e4ndern w\u00fcrde, sind bessere Arbeitsbedingungen\u00ab, sagte er. Prek\u00e4re Besch\u00e4ftigungsbedingungen erm\u00f6glichten es erst, dass Vorgesetzte ihre Macht missbrauchen k\u00f6nnten, etwa weil befristet Besch\u00e4ftigte vom Wohlwollen ihres Chefs abhingen. Unter besseren Arbeitsbedingungen w\u00fcrde diese Drohkulisse wegfallen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u00dcbergriffsvorw\u00fcrfe ersch\u00fctterten 2024 die Humboldt-Universit\u00e4t. 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