{"id":962713,"date":"2026-04-21T18:45:17","date_gmt":"2026-04-21T18:45:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/962713\/"},"modified":"2026-04-21T18:45:17","modified_gmt":"2026-04-21T18:45:17","slug":"strasse-von-hormus-die-aktuelle-blockade-hat-einen-aeusserst-lukrativen-nebeneffekt-fuer-die-usa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/962713\/","title":{"rendered":"Stra\u00dfe von Hormus: Die aktuelle Blockade hat einen \u00e4u\u00dferst lukrativen Nebeneffekt f\u00fcr die USA"},"content":{"rendered":"<p>Nach kurzer Entspannung schie\u00dft der \u00d6lpreis wieder nach oben. Experten rechnen mit anhaltend hohen Preisen f\u00fcr 2026, selbst bei einer \u00d6ffnung der Stra\u00dfe von Hormus. Im Wei\u00dfen Haus indes feiert man sich selbst f\u00fcr die \u201eentschlossene Seeblockade\u201c.<\/p>\n<p data-external=\"Article.FirstParagraph\">\u201eMitten in den Maschinenraum\u201c sei der Torpedo eingedrungen. US-Pr\u00e4sident Donald Trump verk\u00fcndete die Nachricht als gro\u00dfen Erfolg: Die amerikanische Marine habe ein unter iranischer Flagge fahrendes Frachtschiff beschlagnahmt, nachdem sie ein Loch in dessen Maschinenraum gesprengt hatte, als es versuchte, die Blockade der Meerenge von Hormus zu durchbrechen. Der Zerst\u00f6rer USS Spruance hat den iranischen Tanker \u201eTouska\u201c im Golf von Oman abgefangen und das Schiff in Gewahrsam genommen, nachdem es sich geweigert hatte, den Aufforderungen zum Anhalten nachzukommen, so der Pr\u00e4sident am Sonntagabend auf \u201eTruth Social\u201c. <\/p>\n<p>Die erneute Eskalation in der Stra\u00dfe von Hormus zeigt, wie br\u00fcchig die vereinbarte Waffenruhe im Iran-Krieg ist \u2013 und wie volatil weiterhin die M\u00e4rkte sind. Der \u00d6lpreis in den USA schnellte am Montag auf 96 Dollar pro Barrel nach oben, nachdem die Nachricht des Beschusses die Runde machte. Erst Tage davor deutete sich eine zeitweise Entspannung an. <\/p>\n<p>Egal, ob und wie der Krieg nun weitergeht: Eine Erholung des Angebots werde bis Mitte 2026 wahrscheinlich nur langsam, unvollst\u00e4ndig und ungleichm\u00e4\u00dfig verlaufen, so die Prognose der Australia and New Zealand Banking Group (ANZ). Je l\u00e4nger sich der Konflikt hinzieht, desto mehr verfestigen sich die hohen Preise, schreiben die ANZ-Analysten Daniel Hynes und Soni Kumari. K\u00fcrzlich hob die Bank ihre Roh\u00f6lprognose. Sie rechnet nun damit, dass der \u00d6lpreis f\u00fcr den Rest des Jahres \u00fcber 90 US-Dollar pro Barrel bleiben wird.<\/p>\n<p>\u201eDer Iran hat seine Macht erkannt und wird sie weiter ausspielen\u201c, sagt Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt bei der Hamburg Commercial Bank (HCOB) gegen\u00fcber WELT. Selbst wenn in absehbarer Zeit ein \u201ehalbgares Abkommen\u201c erreicht w\u00fcrde, sei eher eine \u201eTeil-\u00d6ffnung\u201c der Stra\u00dfe von Hormus zu erwarten\u00a0\u2013 nicht aber der Handelsverkehr auf Vorkrisenniveau. \u201eDenn auch viele Anlagen und Raffinerien sind besch\u00e4digt und zerst\u00f6rt worden\u201c, so de la Rubia. <\/p>\n<p>Die Reparaturarbeiten k\u00f6nnten Monate oder Jahre dauern. \u201eDas Preisniveau von 65 Dollar pro Barrel von vor dem Krieg werden wir nicht so schnell wiedersehen\u201c, sagt der \u00d6konom. Er gehe davon aus, dass der \u00d6lpreis in den kommenden Monaten nicht unter 80 Dollar pro Barrel falle. Am Mittwoch endet die zweiw\u00f6chige Waffenruhe vorerst. Bisherige diplomatische Vorst\u00f6\u00dfe zu einem Friedensdeal beider Seiten blieben erfolglos. <\/p>\n<p>Im Wei\u00dfen Haus indes feiert man sich selbst f\u00fcr die \u201eentschlossene Seeblockade der USA\u201c. Damit sei US-Pr\u00e4sident Trump \u201eein Meisterst\u00fcck amerikanischer F\u00fchrungsst\u00e4rke\u201c gelungen. Er habe ein \u201eMa\u00df an Macht und St\u00e4rke demonstriert, wie es die Welt noch nie zuvor gesehen hat\u201c, hei\u00dft es in einer offiziellen Pressemitteilung. <\/p>\n<p>Tanker drehen in Richtung USA ab <\/p>\n<p>Wer der Profiteur der amerikanischen Blockade ist, macht das Wei\u00dfe Haus ebenfalls klar. \u201eDank Pr\u00e4sident Trumps Agenda zur amerikanischen Energiedominanz stehen die USA als weltweit f\u00fchrender Energieproduzent und -exporteur da \u2013 bereit, Nationen, die vom Roh\u00f6l aus dem Nahen Osten abgeschnitten sind, zuverl\u00e4ssig und reichlich mit Energie zu versorgen\u201c, so die Mitteilung aus dem Oval Office. Der Haken: Wegen der Verlagerung bei den Lieferungen wird der \u00d6lpreis eher weiter ansteigen als zu sinken.<\/p>\n<p>Denn rund um die Handelswege im Golf von Oman deutet sich keine Entspannung an. Tats\u00e4chlich suchen sich viele Tankerschiffe nun alternative Routen, um \u00d6l zu transportieren \u2013 gro\u00dfer Profiteur dabei sind die USA selbst. Die Menge des Roh\u00f6ls, das die Amerikaner nach Europa und Co. liefern, d\u00fcrfte in den kommenden Wochen deutlich steigen. Da aber die Seewege l\u00e4nger und der Abnahmepreis \u00fcber dem der Golf-Region liegt, d\u00fcrften die Auswirkungen auch hierzulande nicht lange auf sich warten lassen: weiter steigende Preise an der Zapfs\u00e4ule.<\/p>\n<p>Konkret hei\u00dft es in der Mitteilung des Wei\u00dfen Hauses: \u201eBis gestern hatten 167 Roh\u00f6ltanker Ziele in den USA angegeben, darunter 103 leere Schiffe, die auf dem Weg zu amerikanischen H\u00e4fen waren, um dort US-Roh\u00f6l zu laden.\u201c Knapp die H\u00e4lfte davon kann bis etwa zwei Millionen Barrel transportieren. \u201eViele hatten k\u00fcrzlich anderswo entladen und steuern nun den Golf von Amerika an \u2013 darunter 20 leere Tanker unter europ\u00e4ischer Flagge und 20 unter asiatischer Flagge\u201c, schreibt das Wei\u00dfe Haus. <\/p>\n<p>Und die Abnahme im gro\u00dfen Stil scheint auf lange Sicht gesichert. Aktuell erreicht die Roh\u00f6lproduktion mit 13,6 Millionen Barrel pro Tag einen neuen H\u00f6chststand. Auch beim Erdgas l\u00e4uft es rund f\u00fcr die Amerikaner. Von einem Rekordwert von 118,5 Milliarden Kubikfu\u00df pro Tag spricht die Trump-Regierung. <\/p>\n<p>Auch 2027 w\u00fcrden neue Rekordh\u00f6chstst\u00e4nde erreicht, was kein Wunder ist angesichts der tatkr\u00e4ftigen Umsetzung des Mottos von Trump, der zu Beginn seiner Amtszeit \u201eDrill Baby, Drill\u201c ausgerufen hat. Fast 6000 neue Bohrgenehmigungen f\u00fcr die \u00d6l-, Gas- und Kohlef\u00f6rderung wurden 2025 erteilt \u2013 ein Anstieg um 55 Prozent gegen\u00fcber dem letzten Amtsjahr von Joe Biden. <\/p>\n<p>\u201eHeute produzieren die Vereinigten Staaten mehr \u00d6l als Saudi-Arabien und Russland zusammen und mehr Erdgas als Russland, Iran und China zusammen\u201c, so die Jubelmeldung aus Washington. Die Rolle \u201eals unangefochtener globaler Energief\u00fchrer\u201c werde damit weiter zementiert. <\/p>\n<p><b>Dieser Artikel wurde f\u00fcr das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und \u201eBusiness Insider Deutschland\u201c erstellt.<\/b><\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/jan-klauth\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/jan-klauth\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><b>Jan Klauth<\/b><\/a><b> ist US-Korrespondent mit Sitz in New York.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nach kurzer Entspannung schie\u00dft der \u00d6lpreis wieder nach oben. 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