{"id":962981,"date":"2026-04-21T21:20:18","date_gmt":"2026-04-21T21:20:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/962981\/"},"modified":"2026-04-21T21:20:18","modified_gmt":"2026-04-21T21:20:18","slug":"faszinierende-ausstellung-in-der-kunsthalle-augsburg-malerei-die-ihre-zwei-seiten-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/962981\/","title":{"rendered":"Faszinierende Ausstellung in der Kunsthalle Augsburg: Malerei, die ihre zwei Seiten hat"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Bilder-R\u00fcckseiten waren schon wiederholt Thema von Malerei-Ausstellungen. Der Brasilianer Vic Muniz etwa lie\u00df die Rahmen ber\u00fchmter Gem\u00e4lde von Leonardo (\u201eMona Lisa\u201c), van Gogh (\u201eSternennacht\u201c), Klimt (\u201eDer Kuss\u201c) und Vermeer (\u201eDas M\u00e4dchen mit dem Perlenohrring\u201c) nachbauen, um exakt dann die R\u00fcckseiten mit allen Kuratoren-Notizen und Ausleih-Aufklebern zu pr\u00e4sentieren. Doch die gezielte Absicht, Front und R\u00fcckfront einer im Prinzip nichttransparenten Malerei gleicherma\u00dfen ins Bild zu setzen, dies darf wohl Singularit\u00e4t beanspruchen. Da fragt sich ein jeder, der das noch nicht gesehen hat: Wie funktioniert denn dies?\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Wer es sehen will, hat sich jetzt in die Kunsthalle des Augsburger Glaspalasts zu begeben. \u201eNeue Wege der Abstraktion\u201c oder \u2013 weil es wohl mehr her macht \u2013 \u201eShift of vision\u201c (\u201ePerspektivenwechsel\u201c) lautet dort der Titel der neuen Schau der Kunstsammlungen <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Augsburg<\/a>. Integriert ist eine Pr\u00e4sentation \u00fcberwiegend kleinformatiger Arbeiten von Manuel Frattini, die ihren eigenen Weg des Abstrahierens beschreiten. Somit wird den Bildern von insgesamt vier Kunstschaffenden Raum gegeben, die \u2013 mit den Worten des <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/kultur\/augsburg-der-direktor-packt-selbst-mit-an-102987232\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Kurators Jan T. Wilms<\/a> \u2013 ein \u201eSpannungsfeld und Koordinatensystem der Gegenwartsmalerei\u201c erstellen, dabei jedoch mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten aufweisen. Also: keine gemeinsame Handschrift, keine Angeh\u00f6rigkeit zu einer gemeinsamen Schule.\u00a0\n  <\/p>\n<p>            Vorder- und R\u00fcckseite sind gleichzeitig zu betrachten<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Nicht aufgrund von Etikette ist der Frau unter den vier K\u00fcnstlern der Vorrang einzur\u00e4umen, sondern weil sie hinsichtlich eines origin\u00e4ren, eigenst\u00e4ndigen, kraftvollen und \u2013 dies bleibt entscheidend \u2013 \u00e4sthetisch wirkungsvollen Schaffens das beste Argument bietet, diese Schau eingehend zu studieren. In Jutta Haeckels Gro\u00dfformaten auf Stoff passiert eben genau das, was seinesgleichen sucht: dass Vor- und R\u00fcckseite eines Bildes gleicherma\u00dfen zu beachten sind. Wie geht nun das?\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Jutta Haeckels Gem\u00e4lde sind in einem gewissem Sinne fadenscheinig. Aus dem Jute-Gewebe entfernt sie passagenweise F\u00e4den, was den Malgrund halb durchl\u00e4ssig macht und auch Teile des Rahmens hinter dem Jute-Stoff freilegt. Dann malt sie, wobei ihr als Vorlage computerbearbeitete Aufnahmen von u. a. organischen oder architektonischen Strukturen dienen. Und sie malt auf beiden Seiten der Jute, nicht unbedingt schon wissend, was sie beim abgeschlossenen Malprozess zur Vorder- und R\u00fcckseite erkl\u00e4ren wird, und worin sie oben und unten, rechts und links sieht. H\u00e4ngt aber dann das Bild und quillt die Farbe von hinten nach vorne durch, kommt zur Malgrund-Membran noch die (oftmals wei\u00dfe) Wand dahinter als optisch Beteiligte hinzu \u2013 sowohl in Form von Tiefe wie in Form von Farblichtreflexion der Bildr\u00fcckwand.\n  <\/p>\n<p>            Jutta Haeckel w\u00fcnscht sich die Sch\u00e4rfung der Wahrnehmung<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Das alles ist raffiniert und klar des Berichtens wert. Doch nat\u00fcrlich sind Idee und Technik allein noch keine Garanten f\u00fcr gesuchte k\u00fcnstlerische Qualit\u00e4t. Dass aber auch diese beeindruckt in ihren abstrakten Kompositionen mit sanft schimmernden mineralischen Farben, mit Ruhepassagen und malerischen Verdichtungen, das darf man schon als ein Ereignis, als eine Erscheinung bezeichnen. Solche Arbeiten entstehen in der Regel nicht ohne Studium, ohne Meisterklasse. Jutta Haeckel war unter anderem Sch\u00fclerin von Katharina Grosse und Meistersch\u00fclerin von Karin Kneffel. Das Ergebnis heute: dass sich in ihren Arbeiten Malerei mehrfach bricht \u2013 und das exakt tut dieser gut. Was sie sich w\u00fcnscht vom Publikum? \u201eSch\u00e4rfung des Wahrnehmungsprozesses.\u201c\u00a0\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Ist der Wahrnehmungsprozess gesch\u00e4rft, n\u00fctzt er auch beim Betrachten der Gem\u00e4lde von Moritz Neuhoff. Von ihm werden Gro\u00dfformate gezeigt, die den Pinselstrich an sich \u2013 oder die gespr\u00fchte Leuchtfarblinie \u2013 zum Motiv haben. Zu seiner Kunst geh\u00f6rt es, den Strichen und Linien einerseits reliefhafte Plastizit\u00e4t zu verleihen, sie andererseits aber auch als digitales Abbild erscheinen zu lassen. Dies f\u00fchrt zu paradoxen Wirkungen, etwa dass Schatten imstande zu sein scheint, Licht zu werfen. Wer das Illusionistische liebt, dazu Wirkung und Effekt, findet bei Moritz Neuhoff reiches Anschauungsmaterial.\n  <\/p>\n<p>            Zu Manuel Frattini gibt es einen Katalog<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Seitensprung in die drei Kabinette zu den komponierten Bilderw\u00e4nden von Manuel Frattini unter dem Titel \u201eDie Landschaft der Malerei\u201c. Durchbrochen werden die in unterschiedlicher H\u00f6he, unterschiedlichem Rhythmus geh\u00e4ngten Zeichnungen, Malereien, Aquarelle immer wieder von eigenen Stillleben-Fotos, deren Motiv-Strukturen der K\u00fcnstler aufgreift f\u00fcr seine Kunst \u2013 ebenso wie er die Senkrechte und Waagerechte des Bilderrahmens immer wieder aufgreift zu dann mit freier Hand entwickelten Raster-, Gitter- und Netzstrukturen. Dass die Betrachter \u201eandocken\u201c m\u00f6gen und Assoziationen entwickeln beim Schauen, dies w\u00fcnscht Frattini sich. Seinen Arbeiten ist ein 126-seitiger Katalog der Augsburger Kunstsammlungen mit einem Vorwort von Jan T. Wilms gewidmet.\u00a0\u00a0\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Ein Sonderfall schlie\u00dflich ist Peter Krauskopf. Er hat sich einen Namen durch pr\u00e4zise Nachahmungen der farbspr\u00fchenden Rakel-Abstraktionen <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/kultur\/neues-museum-nuernberg-mit-noch-mehr-gerhard-richter-id69548751.html\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Gerhard Richters<\/a> gemacht. Auf mancher Kunstmesse war bereits zu staunen \u00fcber solch riskant kopierenden Mutwillen. Nun ist Krauskopf mit Bildern zu sehen, deren Motiv aufragt wie ein Monolith \u2013 oder wie eine stark geometrisierte Schulter-\/Kopfansicht. Aber auch jetzt ist Richter mit starken Schultern noch pr\u00e4sent im Raum \u2013 anhand von chromatischen \u201eHimmels\u201c-Hintergr\u00fcnden und intensiven Farbbahnen, \u00fcberrakelt von leuchtenden Farbfetzen. Das ist ein Hingucker, wenn auch kein rein origin\u00e4rer. Peter Krauskopf sagt: \u201eAn Richter kommt keiner richtig vorbei.\u201c Aber der Maler beginnt sich freizuschwimmen. Jutta Haeckel indessen hat genau das schon hinter sich.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    <strong class=\"font-bold\">Shift of Vision\/Manuel Frattini.<\/strong> In der Kunsthalle Augsburg\u00a0(Glaspalast) bis 11. Oktober, ge\u00f6ffnet Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr.\n  <\/p>\n<ul data-module-id=\"DragDropModule\" class=\"flex flex-wrap justify-start group-[.no-bookmarks]:hidden\">\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    R\u00fcdiger Heinze<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Kunsthalle<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Augsburg<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Bilder-R\u00fcckseiten waren schon wiederholt Thema von Malerei-Ausstellungen. 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