{"id":963897,"date":"2026-04-22T06:05:30","date_gmt":"2026-04-22T06:05:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/963897\/"},"modified":"2026-04-22T06:05:30","modified_gmt":"2026-04-22T06:05:30","slug":"ein-praesident-ein-versprechen-obama-in-hannover","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/963897\/","title":{"rendered":"Ein Pr\u00e4sident, ein Versprechen: Obama in Hannover"},"content":{"rendered":"<p>\n                Stand: 22.04.2026 06:46 Uhr<\/p>\n<p class=\"preface\">Im April 2016 wurde Hannover zur B\u00fchne der Weltpolitik. Barack Obama kam zur Hannover Messe &#8211; und hinterlie\u00df Bilder, die bis heute nachwirken. Es war ein Moment, in dem sich gro\u00dfe Erwartungen b\u00fcndelten.<\/p>\n<p class=\"textauthor\">von Jule Lampe<\/p>\n<p class=\"\">Zehn Jahre ist es her, dass Barack Obama gemeinsam mit Angela Merkel durch Hannover schritt. Der Besuch des m\u00e4chtigsten Mannes der Welt: ein politisches Signal. Die USA nutzte die B\u00fchne, um sich als Freund Deutschlands zu zeigen &#8211; immer wieder wurden gemeinsame Werte betont. Die Zusammenarbeit wollten beide Seiten vorantrieben &#8211; besonders die Wirtschaft sollte profitieren. Deutschland w\u00e4hlte die USA auch deshalb als Partnerland der Hannover Messe. Die gemeinsamen Auftritte wurden zu Momenten transatlantischer Freundschaft und mittendrin war eine Stadt, die f\u00fcr einen kurzen Moment ins Zentrum globaler Aufmerksamkeit r\u00fcckte.<\/p>\n<p>    Mittendrin zwischen Politik und Protokoll<\/p>\n<p class=\"\">Mitten im Geschehen: der damalige Ministerpr\u00e4sident Stephan Weil (SPD). Er erlebte den Besuch aus n\u00e4chster N\u00e4he &#8211; beginnend mit der Begr\u00fc\u00dfung auf dem Rollfeld. &#8222;Es war ein eisig kalter Wind&#8220;, sagt Weil \u00fcber das Warten auf Obamas Ankunft. Seine Rolle sei klar gewesen: Gastgeber, nicht politischer Hauptakteur. &#8222;Bevor die Kolonne dann losgefahren ist, hat es lange gedauert und in der Zeit musste ich da warten auf dem Rollfeld&#8220;, erz\u00e4hlt Weil heute lachend. Wegen der Live-\u00dcbertragung habe er trotz der K\u00e4lte stehen bleiben m\u00fcssen. &#8222;Ich konnte nicht sagen, jetzt reicht es mir und ich gehe jetzt&#8220;.<\/p>\n<p>    Zwischen Gartenkulisse und Weltpolitik<\/p>\n<p class=\"\">Unvergessen bleibt der Auftritt in den Herrenh\u00e4user G\u00e4rten. Vor barocker Kulisse sprachen Obama und Merkel \u00fcber Demokratie, Verantwortung und die Rolle Europas in einer unsicheren Welt. Die Inszenierung: bewusst nahbar und zugleich staatsm\u00e4nnisch. Es war ein Dialog, der Vertrauen signalisieren sollte. F\u00fcr die Politikwissenschaftlerin Cornelia Woll ist der damalige Auftritt ein Zeichen der Zeit. &#8222;Die Freundschaft zwischen Deutschland und Amerika war auch eine Freundschaft zwischen Angela Merkel und Barack Obama&#8220;, sagt sie. &#8222;Das hat nat\u00fcrlich die deutschamerikanische Freundschaft gest\u00fctzt, wenn der Wille war, auch nochmal extra lange \u00fcber bestimmte Themen nachzudenken&#8220;.<\/p>\n<p>    TTIP und die Idee vom Wandel durch Handel<\/p>\n<p class=\"\">Eines der Themen damals: TTIP. Das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und Amerika war Ausdruck einer damals dominierenden Vorstellung: wirtschaftliche Verflechtung als stabilisierende Kraft. Handel sollte<br \/>eine &#8222;zivilisierende Leistung&#8220; entfalten und politische Spannungen in den Hintergrund dr\u00e4ngen. &#8222;Doch die Idee, dass das funktioniert, ist gestorben&#8220;, erkl\u00e4rt Professorin Woll.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/leyen-322.webp\" alt=\"Ursula von der Leyen\" title=\"Ursula von der Leyen | Michael Kappeler\/dpa\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>W\u00e4hrend juristischer Pr\u00fcfung<\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Union wird das Handelsabkommen mit den s\u00fcdamerikanischen Mercosur-Staaten noch w\u00e4hrend einer laufenden juristischen Pr\u00fcfung anwenden. Das k\u00fcndigte EU-Kommissionspr\u00e4sidentin von der Leyen an.<\/p>\n<p>    Warum TTIP scheiterte &#8211; und was sich ver\u00e4ndert hat<\/p>\n<p class=\"\">Die Idee &#8211; Handel k\u00f6nnte Konflikte l\u00f6sen, ist &#8211; laut Woll &#8211; \u00fcberholt. Stattdessen habe sich eine neue Logik durchgesetzt: Wirtschaftliche Beziehungen werden gezielt als politisches Druckmittel eingesetzt. Doch daran allein sei das Abkommen nicht gescheitert. Hinzu kamen schon damals politische Widerst\u00e4nde: Freihandelsabkommen w\u00fcrden Gewinner und Verlierer schaffen &#8211; erkl\u00e4rt Woll &#8211; und gerade diejenigen, die Nachteile bef\u00fcrchten, mobilisieren besonders stark gegen solche Projekte.<\/p>\n<blockquote><p>\n        Der Moment, wo wir von einer Zeitenwende gesprochen haben, als Olaf Scholz das benutzt hat nach dem Angriff oder dem \u00dcbergriff auf die Ukraine durch Russland, wurde klar, der Handel hat nicht die Kraft, wirklich gro\u00dfe Konflikte und Kriege einzud\u00e4mmen.<\/p>\n<p>                Cornelia Woll, Professor of International Political Economy<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>    Ein Besuch aus einer anderen Zeit<\/p>\n<p class=\"\">Heute, zehn Jahre sp\u00e4ter, erscheint der Besuch wie ein Blick in eine andere Zeit.<br \/>Der Besuch von Obama stand damals f\u00fcr Hoffnung auf Kooperation und offene M\u00e4rkte. Was damals selbstverst\u00e4ndlich schien, wirkt heute fragiler. Vertrauen in die transatlantische Partnerschaft sei br\u00fcchiger geworden, sagt Woll. Auch Weil sieht das so: &#8222;Wir sind heute um einige Illusionen \u00e4rmer.&#8220; Die Unterschiede zwischen Barack Obama und Donald Trump k\u00f6nnten &#8222;unterschiedlicher nicht sein&#8220;. Gerade deshalb lohne sich der R\u00fcckblick &#8211; als Erinnerung an einen Moment, in dem die Welt noch enger verbunden schien.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/messe-206.webp\" alt=\"Bundeskanzler Merz und Brasiliens Pr\u00e4sident Lula da Silva auf der Hannover Messe.\" title=\"Bundeskanzler Merz und Brasiliens Pr\u00e4sident Lula da Silva auf der Hannover Messe. | Michael Kappeler\/dpa\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Vor der Bekanntgabe hatte der Messe-Auftritt der Regierungschefs Merz und Lula Irritationen ausgel\u00f6st: Sie waren getrennt unterwegs.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/leibinger-102.webp\" alt=\"Peter Leibinger, Pr\u00e4sident des BDI, spricht bei der Hannover Messe.\" title=\"Peter Leibinger, Pr\u00e4sident des BDI, spricht bei der Hannover Messe. | Michael Matthey\/dpa\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Iran-Krieg, B\u00fcrokratie und Steuern l\u00f6sen Unzufriedenheit aus. Eine Forderung der Industrie: Deutschland m\u00fcsse handeln &#8211; jetzt.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/messe-124.webp.webp\" alt=\"Eine Fahne zur Hannover Messe weht im Licht der Sonne auf dem Messegel\u00e4nde.\" title=\"Eine Fahne zur Hannover Messe weht im Licht der Sonne auf dem Messegel\u00e4nde. | dpa, Moritz Frankenberg\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Am Sonntag er\u00f6ffnet die wichtigste Industriemesse der Welt. Erwartet werden \u00fcber 100.000 G\u00e4ste, darunter auch politische Prominenz.<\/p>\n<p>        Schlagw\u00f6rter zu diesem Artikel<\/p>\n<p>            <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/niedersachsen\/hannover_weser-leinegebiet\/Hannover-Aktuelle-News-und-Nachrichten,hannover18518.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hannover<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 22.04.2026 06:46 Uhr Im April 2016 wurde Hannover zur B\u00fchne der Weltpolitik. 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