{"id":965081,"date":"2026-04-22T17:33:21","date_gmt":"2026-04-22T17:33:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/965081\/"},"modified":"2026-04-22T17:33:21","modified_gmt":"2026-04-22T17:33:21","slug":"bodenrichtwert-bei-grundsteuer-steht-in-muenchen-auf-dem-pruefstand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/965081\/","title":{"rendered":"Bodenrichtwert bei Grundsteuer steht in M\u00fcnchen auf dem Pr\u00fcfstand\u00a0"},"content":{"rendered":"<p><strong>M\u00fcnchen.<\/strong> Das Stuttgarter Finanzgericht hatte die Klagen 2024 zwar abgewiesen. Dennoch wollen die Eigent\u00fcmer zweier Grundst\u00fccke in Karlsruhe und Stuttgart die Verfassungswidrigkeit des einschl\u00e4gigen Grundsteuergesetzes \u00fcberpr\u00fcfen lassen. Dieses nimmt den Bodenrichtwert als wesentliche Grundlage.<\/p>\n<p>Im Karlsruher Fall handelt es sich um ein Grundst\u00fcck schmal wie ein Handtuch, das der Gutachterausschuss als teilweise unbebaubar einstuft. Dieser Teil erhielt beim Bodenrichtwert einen Abschlag, was das Finanzamt aber bei der Grundsteuerberechnung nicht ber\u00fccksichtigt hat. Die Beh\u00f6rde hat sich am typischen Grundst\u00fcck in der Bodenrichtwertzone orientiert \u2013 die Eigent\u00fcmer m\u00fcssen eine hohe Grundsteuer bezahlen und klagten dagegen.<\/p>\n<p>Grobes Raster f\u00fcr Handtuchgrundst\u00fcck<\/p>\n<p>Im anderen Fall, einem Grundst\u00fcck in Stuttgart mit einem gro\u00dfen Gartenanteil, ging es um die Spreizung der Bodenrichtwerte, die doch den Aufwand der kommunalen Infrastruktur widerspiegeln sollen. Warum also so gro\u00dfe Unterschiede in einer Kommune, lautete die Frage. Ziel, so formulierte es der Anwalt Karlheinz Autenrieth, sei es, dass die M\u00fcnchener Richter das Landesgrundsteuergesetz dem Bundes- oder dem Landesverfassungsgericht vorlegen, damit diese es auf Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit abklopfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der Zweifel daran ist gro\u00df auf der Kl\u00e4gerseite. So sei das Bodenwertmodell viel zu grob gerastert, um gerechte L\u00f6sungen zu produzieren. Das Recht ignoriere die wertbestimmende Bebauung und nehme stattdessen das Wertpotenzial als Ma\u00dfstab und das noch typisiert in einem Zonenbodenrichtwert.<\/p>\n<p>Keine einheitliche Arbeit der Gutachteraussch\u00fcsse<\/p>\n<p>Gutachteraussch\u00fcsse seien zwar unabh\u00e4ngig, aber ihre Arbeit sei damit untereinander kaum vergleichbar, was Grundlage f\u00fcr die gerechte Besteuerung w\u00e4re. Durch die zul\u00e4ssigen 30 Prozent Wertabweichung, die um der Verwaltungsvereinfachung willen toleriert werden, seien zu viele Steuerpflichtige von der Ungleichheit betroffen. Das sei alles nicht hinnehmbar, argumentierte der Augsburger Hochschullehrer Gregor Kirchhof.<\/p>\n<p>Auch die M\u00f6glichkeit des Steuerpflichtigen, mit einem Gutachten den Bodenrichtwert korrigieren zu lassen, \u00fcberzeugt den Juristen nicht: Von unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigen Beweiskosten und von der Pflicht des Staates und nicht des Steuerb\u00fcrgers war da zu h\u00f6ren, f\u00fcr Steuergerechtigkeit zu sorgen. Gerade die Gutachtenoption priesen die Finanzamtsvertreter aus Baden-W\u00fcrttemberg\u00a0dagegen als wichtiges Regulativ.<\/p>\n<p>Ihnen ging es um die Typisierung eines Massengesch\u00e4fts. 4,7 Millionen Einheiten muss die Finanzverwaltung des Landes bew\u00e4ltigen, da seien einfache Bewertungsma\u00dfst\u00e4be wie der Bodenrichtwert gefragt sowie ein einfaches Verfahren. Eine Mikrobetrachtung schlie\u00dfe jede allgemeine Besteuerung aus, so Patrick Kalina vom Finanzministerium. Die Steuerspreizung komme auch durch andere Indikatoren als die Infrastruktur zustande, etwa das Baurecht, erkl\u00e4rte der Bochumer Juraprofessor Roman Seer.<\/p>\n<p>Gericht verk\u00fcndet das Urteil Ende Mai<\/p>\n<p>Ob die Klagen auch in M\u00fcnchen abgewiesen werden oder es vielleicht sogar weiter bis nach Karlsruhe geht, verk\u00fcndet das Gericht am 20. Mai. Sicher wird damit aber nicht die Unzufriedenheit mit dem l\u00e4nderzersplitterten Grundsteuerrecht beseitigt, von der die Vorsitzende Richterin Franceska Werth berichtete.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"M\u00fcnchen. Das Stuttgarter Finanzgericht hatte die Klagen 2024 zwar abgewiesen. 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