{"id":96525,"date":"2025-05-09T09:01:17","date_gmt":"2025-05-09T09:01:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/96525\/"},"modified":"2025-05-09T09:01:17","modified_gmt":"2025-05-09T09:01:17","slug":"kommentar-microsofts-milliardengeschenk-ist-ein-trojanisches-pferd-fuer-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/96525\/","title":{"rendered":"Kommentar: Microsofts Milliardengeschenk ist ein Trojanisches Pferd f\u00fcr Europa"},"content":{"rendered":"<ol class=\"a-toc__list\">\n<li class=\"a-toc__item&#10;          &#10;            a-toc__item--counter&#10;          &#10;            a-toc__item--current\">\n<p>              Kommentar: Microsofts Milliardengeschenk ist ein Trojanisches Pferd f\u00fcr Europa<\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p>&#8222;Mehr Cybersicherheit, Datenschutz und digitale Souver\u00e4nit\u00e4t f\u00fcr Europa \u2013 und das alles frei Haus&#8220;: Nichts weniger als das hat in der vergangenen Woche Brad Smith, Vice Chair and President von Microsoft versprochen. Und es sind alles valide, richtige und wichtige Punkte, die er in den <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Wegen-Trump-Microsoft-expandiert-in-Europa-und-verspricht-mehr-Resilienz-10368956.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Versprechen seines Unternehmens<\/a> nennt.<\/p>\n<p>    <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" height=\"1178\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg xmlns='http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg' width='696px' height='391px' viewBox='0 0 696 391'%3E%3Crect x='0' y='0' width='696' height='391' fill='%23f2f2f2'%3E%3C\/rect%3E%3C\/svg%3E\" style=\"aspect-ratio: 1115 \/ 1178; object-fit: cover;\" width=\"1115\"\/><\/p>\n<p class=\"a-inline-textbox__synopsis\">\n          Dennis-Kenji Kipker ist wissenschaftlicher Direktor des cyberintelligence.institute in Frankfurt am Main und Professor f\u00fcr IT-Sicherheitsrecht.\n        <\/p>\n<p>So ben\u00f6tigt Europa in Zeiten geopolitischer Volatilit\u00e4t mehr digitale Resilienz als je zuvor, der Datenschutz muss auch im transatlantischen Verh\u00e4ltnis ernst genommen werden. Ebenso ist es sinnvoll, wenn einer der gr\u00f6\u00dften Cloud-Hyperscaler uns in der Europ\u00e4ischen Union (EU) dabei aktiv unterst\u00fctzt, unsere Daten sicher zu speichern und zu verarbeiten.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens an dieser Stelle jedoch glaubt man, sich angesichts der Monopolstellung des Konzerns aus Redmond verh\u00f6rt zu haben: Warum sollte die EU bei Entscheidungen \u00fcber ihre digitale Souver\u00e4nit\u00e4t auf ein Unternehmen h\u00f6ren, das bis heute wettbewerbssch\u00e4digende Lizenz- und B\u00fcndelungspraktiken nutzt, um europ\u00e4ische Nutzer an sich zu binden? Vor diesem Hintergrund wirken die neuesten Ank\u00fcndigungen des US-Konzerns nicht nur befremdlich, sondern gar anma\u00dfend.<\/p>\n<p>Knebelvertr\u00e4ge statt offener Wettbewerb<\/p>\n<p>Und damit nicht genug: Im letzten Punkt seiner neuesten Zusicherungen argumentiert Smith, dass Microsoft Europas wirtschaftliche Wettbewerbsf\u00e4higkeit st\u00e4rken will. Wenn ein US-amerikanischer Konzern auf diese Art und Weise europ\u00e4ische Wirtschaftspolitik betreibt, sollten bei uns eigentlich alle Alarmglocken schrillen. Denn Microsoft als Unternehmen steht weder f\u00fcr offenen Wettbewerb noch f\u00fcr origin\u00e4re europ\u00e4ische Technologiesouver\u00e4nit\u00e4t, sondern vielmehr f\u00fcr Abh\u00e4ngigkeit und die Ausl\u00f6schung des fairen Wettbewerbs \u2013 <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/meinung\/Teams-Entbuendelung-Wettbewerbswidrigkeit-hat-bei-Microsoft-Tradition-9675318.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">und das mit System bereits seit Jahrzehnten<\/a>.<\/p>\n<p>Und wenn Microsoft jetzt aktuell Milliardeninvestitionen zur Realisierung eines angeblichen Souver\u00e4nit\u00e4tsprogramms hier in der EU ank\u00fcndigt, handelt es sich letztlich genauso wenig um ein Geschenk wie das Trojanische Pferd. Das wurde zun\u00e4chst als pr\u00e4chtiges Dankopfer angeboten, brachte am Ende aber nur den Untergang der belagerten Stadt Troja.<\/p>\n<p>Keine konkreten und belastbaren Zusicherungen<\/p>\n<p>Grund genug also, allein schon das Ansinnen einer europ\u00e4ischen Charme-Offensive mehr als nur kritisch zu betrachten. Doch auch die Form der konkreten Darstellung l\u00e4sst aufhorchen: Wie bitte sollte der Blogbeitrag eines Unternehmensvertreters von Microsoft dazu in der Lage sein, den notwendigen rechtlichen Schutz vor einem mehr und mehr v\u00f6llig erratisch und zu seinem eigenen Vorteil handelnden US-Pr\u00e4sidenten bieten? Konkrete und rechtlich belastbare Zusicherungen \u00fcber einen genau festgelegten Zeitraum sind damit n\u00e4mlich nicht verbunden.<\/p>\n<p>Wenn sich Smith zugleich auf die <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Digitale-Souveraenitaet-Microsoft-stellt-EU-Datengrenze-fuer-Cloud-Dienste-fertig-10298046.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;EU-Datengrenze&#8220; als wesentlichen Schutzmechanismus der Microsoft\u2019schen Datenpolitik<\/a> beruft, d\u00fcrfte klar sein, dass die wohlklingenden Zusicherungen auf Sand gebaut sind. Genau jene Datengrenze ist nach ausf\u00fchrlicher Analyse <a href=\"https:\/\/www.it-daily.net\/it-sicherheit\/datenschutz-grc\/microsoft-datengrenze\" rel=\"external noopener\" target=\"_blank\">nicht viel mehr als Augenwischerei<\/a>. Eigentlich sollte man annehmen d\u00fcrfen, dass der Cloud-Kunde bei seiner eigenen Grenze dar\u00fcber entscheidet, wann diese ge\u00f6ffnet wird und wann nicht \u2013 das genaue Gegenteil ist aber der Fall.<\/p>\n<p>Schweizer K\u00e4se<\/p>\n<p>Auch die weiteren Versprechen klingen trotz angek\u00fcndigter Milliardeninvestition eher wie ein Marketing-Coup: Was es konkret bringen soll, dass der Sourcecode von Microsoft-Anwendungen als Notfallkopie in der Schweiz gespeichert wird, erschlie\u00dft sich wohl nur dem US-Unternehmen selbst. Ohne die dahinterstehenden Entwickler und Kapazit\u00e4ten hilft eine statische Quellcode-Kopie nicht viel, wenn sie nicht aktiv und regelm\u00e4\u00dfig an aktuelle Bedrohungen und festgestellte Sicherheitsl\u00fccken angepasst wird. Dasselbe Problem stellte sich im vergangenen Jahr schon f\u00fcr die teilsouver\u00e4ne Delos-Cloud und wurde daher <a href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2024\/delos-cloud-mit-microsoft-in-die-digitale-abhaengigkeit\/\" rel=\"external noopener\" target=\"_blank\">von IT-Sicherheitsexperten massiv angeprangert<\/a>.<\/p>\n<p>Aber nicht nur das: Was Microsoft in seinem angeblichen europ\u00e4ischen Souver\u00e4nit\u00e4tsversprechen geschickt au\u00dfen vor l\u00e4sst, ist die nach wie vor bestehende Bedrohung f\u00fcr die EU-Datensouver\u00e4nit\u00e4t durch die US-amerikanische \u00dcberwachungsgesetzgebung wie den Patriot Act und <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/select\/ix\/2018\/7\/1530927567503187\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">den CLOUD Act.<\/a> Die erlauben weitgehende Zugriffsbefugnisse von US-Nachrichtendiensten und Sicherheitsbeh\u00f6rden auf sensible Daten \u2013 auch unabh\u00e4ngig vom konkreten Ort ihrer Speicherung. Im Angesicht dieser akuten Bedrohungslage f\u00fcr Cybersicherheit und Schutz europ\u00e4ischer Daten diese Tatsache wohlweislich zu verschweigen, ist nicht nur fahrl\u00e4ssig, sondern gar bewusste Irref\u00fchrung der Kundschaft.<\/p>\n<p>Zu sch\u00f6n, um wahr zu sein<\/p>\n<p>Im Fazit also sind die neuen &#8222;digitalen Commitments&#8220; von Microsoft nicht mehr als ein notgedrungenes Ablenkungsman\u00f6ver der PR-Abteilung eines internationalen Gro\u00dfkonzerns. Auch in Zeiten eines zunehmend von Unsicherheit gepr\u00e4gten transatlantischen Verh\u00e4ltnisses m\u00f6chte Microsoft gern mit weitestgehend inhaltsleeren Versprechungen seine Marktdominanz ohne R\u00fccksicht auf Verluste weiter ausbauen. Profitieren wird davon bis auf das Unternehmen selbst niemand wirklich.<\/p>\n<p>Die ohnehin schon prek\u00e4re Situation auf dem EU-Cloud-Markt d\u00fcrfte sich bei Annahme des Geschenks nur noch weiter verschlimmern, indem europ\u00e4ische Start-ups und Konkurrenten gezielt aus dem Markt gedr\u00e4ngt und <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Bund-Lizenzkosten-fuer-Microsoft-auf-hohem-Niveau-insgesamt-neuer-Rekord-9744319.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kunden mit immer restriktiveren Lizenzbedingungen und fehlender Kostenkontrolle<\/a> geknebelt werden. Klingt ein Angebot zu sch\u00f6n, um wahr zu sein, dann ist es das meistens auch.<\/p>\n<p>(<a class=\"redakteurskuerzel__link\" href=\"https:\/\/www.heise.de\/meinung\/mailto:axk@heise.de\" title=\"Axel Kannenberg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">axk<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Kommentar: Microsofts Milliardengeschenk ist ein Trojanisches Pferd f\u00fcr Europa &#8222;Mehr Cybersicherheit, Datenschutz und digitale Souver\u00e4nit\u00e4t f\u00fcr Europa \u2013&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":96526,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[39123,16887,331,332,39124,9230,1743,32257,548,663,158,3934,3935,13,196,4693,199,14,15,12,64],"class_list":{"0":"post-96525","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-saukontrovers","9":"tag-abhaengigkeit","10":"tag-aktuelle-nachrichten","11":"tag-aktuelle-news","12":"tag-brad-smith","13":"tag-cloud-computing","14":"tag-datenschutz","15":"tag-digitale-souveraenitaet","16":"tag-eu","17":"tag-europa","18":"tag-europaeische-union","19":"tag-europe","20":"tag-european-union","21":"tag-headlines","22":"tag-it","23":"tag-kommentar","24":"tag-microsoft","25":"tag-nachrichten","26":"tag-news","27":"tag-schlagzeilen","28":"tag-usa"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114477064821922277","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/96525","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=96525"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/96525\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/96526"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=96525"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=96525"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=96525"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}