{"id":967655,"date":"2026-04-23T19:00:23","date_gmt":"2026-04-23T19:00:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/967655\/"},"modified":"2026-04-23T19:00:23","modified_gmt":"2026-04-23T19:00:23","slug":"rauchverbot-fuer-ganze-jahrgaenge-grossbritanniens-radikaler-kurs-und-seine-rechtlichen-grenzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/967655\/","title":{"rendered":"Rauchverbot f\u00fcr ganze Jahrg\u00e4nge: Gro\u00dfbritanniens radikaler Kurs und seine rechtlichen Grenzen"},"content":{"rendered":"<p class=\"text-black text-lg font-normal font-roboto\">\n            W\u00e4hrend die EU \u00fcber Einschr\u00e4nkungen sozialer Medien f\u00fcr Kinder und Jugendliche diskutiert und in Deutschland \u00fcber die Wehrpflicht debattiert wird, nimmt in <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/category\/grossbritannien\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gro\u00dfbritannien<\/a> ein weitreichendes Gesetz zum Umgang mit Rauchen Gestalt an.<\/p>\n<p>Das sogenannte Tabak- und Vaping-Gesetz wurde am Dienstag in <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/category\/london\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">London<\/a> verabschiedet und verbietet Personen, die ab dem 1. Januar 2009 geboren wurden, dauerhaft den Erwerb von Tabakprodukten sowie E-Zigaretten. Ab dem ersten Januar 2027 tritt das Gesetz in Kraft und soll mit jedem weiteren Jahr auf weitere Jahrg\u00e4nge \u00fcbergreifen.\n          <\/p>\n<p class=\"text-black text-lg font-normal font-roboto\">\n            Ziel soll es sein, eine sogenannte rauchfreie Generation zu bewirken. Beide Kammern des britischen Parlaments haben dem Gesetz zugestimmt, mit dem Argument, dadurch eine Entlastung des staatlichen Gesundheitssystems zu bewirken. Rauchen ist laut ADAC in Gro\u00dfbritannien mit etwa 80.000 Toten im Jahr die h\u00e4ufigste \u201evermeidbare\u201c Todesursache, die die britische Wirtschaft zudem etwa 17 bis 18 Milliarden Pfund durch Arbeitsausf\u00e4lle und Behandlungskosten kostet. Dar\u00fcber hinaus wird das Rauchverbot auf Au\u00dfenbereiche wie Spielpl\u00e4tze sowie Au\u00dfenfl\u00e4chen von Schulen und Krankenh\u00e4usern ausgeweitet.\n          <\/p>\n<p>          \u201eDie Industrie wird nicht schlafen\u201c<\/p>\n<p class=\"text-black text-lg font-normal font-roboto\">\n            W\u00e4hrend London den Vorsto\u00df feiert, blicken deutsche Experten skeptisch auf das Projekt. Die Pr\u00e4ventionswissenschaftlerin und Vorstandsvorsitzende des Aktionsb\u00fcndnisses Nichtrauchen e.\u00a0V., Sabina Ulbricht, betont gegen\u00fcber der Berliner Zeitung die Wichtigkeit eines Ma\u00dfnahmenb\u00fcndels zur Senkung der Raucherraten, sieht im neuen britischen Gesetz jedoch einen \u201eIrrweg\u201c. Sie verweist auf die lange Zeit, die es braucht, um damit  gesundheitliche Verbesserungen zu erreichen. In <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/category\/neuseeland\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Neuseeland<\/a> wurde ein identisches Gesetz beschlossen und nur ein Jahr sp\u00e4ter, nach einem Regierungswechsel, sofort wieder zur\u00fcckgenommen. Mit Blick auf die Alkoholverbote in den <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/category\/usa\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">USA<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/category\/russland\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Russland<\/a> sagt Ulbricht: \u201eSolche Ans\u00e4tze waren nie erfolgreich\u201c.\n          <\/p>\n<p class=\"text-black text-lg font-normal font-roboto\">\n            Neben dem b\u00fcrokratischen Aufwand f\u00fcr die Kontrolle eines solchen Gesetzes d\u00fcrfe man die Tabak- und Nikotinindustrie nicht untersch\u00e4tzen. \u201eDiese Industrie wird nicht schlafen und den Markt mit Produkten fluten, die nicht unter diese Gesetzlichkeit fallen\u201c, warnt die Expertin. Die Problematik w\u00fcrde sich lediglich verschieben: Die Industrie f\u00e4nde Umwege\u00a0\u2013 und der Schwarzmarkt w\u00fcrde die Nachfrage \u00fcber Landesgrenzen hinweg bedienen. Was aus ihrer Sicht wirklich n\u00f6tig ist, um schnelle Erfolge bei der Senkung der Raucherrate zu erzielen, w\u00e4ren Ma\u00dfnahmen wie regelm\u00e4\u00dfige und vor allem deutliche Steuererh\u00f6hungen, Werbeverbote f\u00fcr alle Tabak- und Nikotinprodukte in sozialen Medien sowie standardisierte Einheitsverpackungen. L\u00e4nder wie die <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/category\/niederlande\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Niederlande<\/a> waren damit sehr erfolgreich, \u201eund zwar bei Erwachsenen, unabh\u00e4ngig von der Bildung\u00a0\u2013 das haben wir in Deutschland bislang noch nicht erreicht\u201c, erkl\u00e4rt Ulbricht.\n          <\/p>\n<p>          Ein \u201eEingriff in die Freiheit\u201c<\/p>\n<p class=\"text-black text-lg font-normal font-roboto\">\n            Neben der Kritik an der mangelnden Praxistauglichkeit und der Sorge, dass das Gesetz an den Realit\u00e4ten des Marktes vorbeigeht, sorgt vor allem der rechtliche Aspekt f\u00fcr Aufruhr. Im Zentrum steht dabei die Frage nach individueller Selbstbestimmung und den Grenzen staatlicher Eingriffe. Die Strafrechtlerin und Rechtsphilosophin Frauke Rostalski\u00a0 sieht aus deutscher Sicht im britischen Ansatz einen Bruch mit Prinzipien des freiheitlichen Rechtsstaats.\n          <\/p>\n<p class=\"text-black text-lg font-normal font-roboto\">\n            \u201eEingriffe in die Freiheit mit dem Schutz des Einzelnen vor sich selbst zu begr\u00fcnden, sei im deutschen Recht nur in engen Ausnahmef\u00e4llen vorgesehen\u201c, sagt Rostalski \u2013 etwa bei Kindern und Jugendlichen, denen noch nicht die volle F\u00e4higkeit zur eigenverantwortlichen Entscheidung zugeschrieben wird, oder im Umgang mit besonders gef\u00e4hrlichen Drogen, bei denen ein hohes Abh\u00e4ngigkeitspotenzial und schwer kalkulierbare Risiken bestehen. Beim Tabakkonsum sei diese Schwelle jedoch nicht erreicht: \u201eEs ist Sache des Einzelnen zu entscheiden, welchen Risiken er sich aussetzt\u201c, so Rostalski. Auch unvern\u00fcnftige Entscheidungen seien durch die Grundrechte gedeckt.\n          <\/p>\n<p class=\"text-black text-lg font-normal font-roboto\">\n            \u201eWenn man beim Tabak anf\u00e4ngt, stellt sich die Frage, was als N\u00e4chstes kommt \u2013 etwa Alkohol oder Zucker.\u201c Die Grenze staatlicher Regulierung k\u00f6nnte sich so schrittweise verschieben. Abschlie\u00dfend beobachtet sie eine grundlegende Ver\u00e4nderung im Verh\u00e4ltnis zwischen Staat und individueller Verantwortung. Immer h\u00e4ufiger werde von der Politik erwartet, dass Eingriffe und Risiken minimiert werden, die fr\u00fcher als Teil pers\u00f6nlicher Lebensf\u00fchrung galten. \u201eImmer wenn der Staat etwas f\u00fcr uns regelt, bedeutet das auch einen Eingriff in unsere Freiheit\u201c, warnt sie. Das britische Gesetz sei daher nicht nur eine gesundheitspolitische Ma\u00dfnahme, sondern Ausdruck eines breiteren Wandels im Verh\u00e4ltnis zwischen Staat und B\u00fcrger.\n          <\/p>\n<p>                <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/images\/blz\/send-mail.svg\" alt=\"Send feedback\"\/><\/p>\n<p>Lesen Sie mehr zum Thema<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"W\u00e4hrend die EU \u00fcber Einschr\u00e4nkungen sozialer Medien f\u00fcr Kinder und Jugendliche diskutiert und in Deutschland \u00fcber die Wehrpflicht&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":967656,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3976],"tags":[331,332,13,14,15,12,3992,3993,3994,3995,3996,3997],"class_list":{"0":"post-967655","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-vereinigtes-koenigreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-schlagzeilen","14":"tag-uk","15":"tag-united-kingdom","16":"tag-united-kingdom-of-great-britain-and-northern-ireland","17":"tag-vereinigtes-koenigreich","18":"tag-vereinigtes-koenigreich-grossbritannien-und-nordirland","19":"tag-vereinigtes-koenigreich-von-grossbritannien-und-nordirland"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116455566701797317","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/967655","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=967655"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/967655\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/967656"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=967655"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=967655"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=967655"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}