{"id":968862,"date":"2026-04-24T07:28:18","date_gmt":"2026-04-24T07:28:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/968862\/"},"modified":"2026-04-24T07:28:18","modified_gmt":"2026-04-24T07:28:18","slug":"oper-koeln-die-frau-zwischen-drei-maennern-verdis-ernani-konzertant-das-opernmagazin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/968862\/","title":{"rendered":"Oper K\u00f6ln: Die Frau zwischen drei M\u00e4nnern \u2013 Verdis &#8222;Ernani&#8220; (Konzertant) \u2013 DAS OPERNMAGAZIN"},"content":{"rendered":"<p>\t\t<a href=\"https:\/\/opernmagazin.de\/oper-koeln-die-frau-zwischen-drei-maennern-verdis-ernani\/ernani_0172_matthias_jung_kopie\/\" rel=\"attachment wp-att-33123 nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-33123\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/ernani_0172_matthias_jung_kopie-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\"  \/><\/a>Oper K\u00f6ln\/ERNANI\/Marta Torbidoni, Young Woo Kim, G\u00fcrzenich-Orchester K\u00f6ln\/Foto \u00a9 Matthias Jung<\/p>\n<p><b>Vier Harfen aus der abgespielten \u201eWalk\u00fcre\u201c standen noch abgedeckt am Rand des Orchesterbereichs, auf der B\u00fchne sa\u00df der Chor, und Dirigent Giuliano Carella entfachte mit dem G\u00fcrzenich-Orchester und einem Ensemble aus Rollendebutant:innen einen gro\u00dfartigen Verdi-Abend. Es wurde zur Leistungsschau einer Oper, die drei Jahre in einem Zelt und von 2015 bis 2026 in einer Ersatzspielst\u00e4tte spielen musste, die nicht mehr ist als ein paar Messehallen mit improvisierten B\u00fchnen und Zuschauertrib\u00fcnen. Viele Zuschauer waren gekommen, um Young Woo Kim in einer weiteren Paraderolle mit seiner Mischung aus ber\u00fcckenden lyrischen T\u00f6nen und durchschlagender dramatischer Kraft zu sehen. Die Magie des haarstr\u00e4ubenden Melodrams stellte sich unmittelbar ein. (Rezension der Premiere v. 22. April 2026)<\/b><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u201eErnani\u201c, uraufgef\u00fchrt am 9. M\u00e4rz 1844 im Teatro La Fenice, Venedig, gilt nach den Erfolgen von \u201eNabucco\u201c und \u201eI Lombardi\u201c als Verdis erstes Meisterwerk, in dem er erstmalig mit dem Librettisten Francesco Maria Piave zusammenarbeitete. Verdi und Piave haben Victor Hugos zu Grunde liegendes romantisches Drama\u00a0\u201eHernani ou l\u00b4honneur Castillan\u201c\u00a0auf die handlungsrelevanten dramatischen Schl\u00fcsselszenen eingedampft, und so entsteht ein Feuerwerk von Emotionen, die in einer musikalischen Affektsprache umgesetzt sind, die Verdis Werk unverwechselbar macht. Sp\u00e4ter hat Verdi sehr viel komplexere Musik geschrieben, doch ist hier seine Meisterschaft, psychische Signale wie Leidenschaft, Hass, Liebe, Eifersucht, Rachsucht, Gerechtigkeitsfanatismus und Starrsinn zu komponieren, bereits ausgepr\u00e4gt. Genial der Einfall, das dreimalige Hornsignal als Todesfanal Ernanis einzusetzen. \u201eVielfach herrscht noch der plakative Formenstil, vor allem in den oft arg stereotyp ausgefallenen Begleitfiguren und der mechanisch ausgef\u00fchrten Instrumentation,\u201c schreibt Uwe Schweikert im Verdi-Handbuch.<\/p>\n<p>Die S\u00e4nger*innen des <strong>Chors der Oper K\u00f6ln<\/strong> agierten als Banditen, als Hofgesellschaft Silvas, als Liga der Verschw\u00f6rer gegen Carlo, als Gesellschaft Don Carlos, des Kaisers, und als Gesellschaft Don Juan de Aragons (Ernanis) und wurden von <b>Rustam Samedov<\/b> perfekt einstudiert. Mit den \u00fcberwiegend einstimmig gef\u00fchrten Ch\u00f6ren erzielte man starke mitrei\u00dfende Effekte. Der Chor der Verschw\u00f6rer \u201eAd Augusta\u201c im 3. Akt war eine der z\u00fcndenden Melodien des Risorgimento, mehr noch als \u201eVa pensiereo\u201c. Mit den vor dem Orchester platzierten Solist:innen lud der Aufbau dazu ein, das Augenmerk auf die Rollengestaltung und den Gesang zu lenken.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/opernmagazin.de\/oper-koeln-die-frau-zwischen-drei-maennern-verdis-ernani\/ernani_0026_matthias_jung_kopie\/\" rel=\"attachment wp-att-33124 nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-33124\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/ernani_0026_matthias_jung_kopie-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\"  \/><\/a>Oper K\u00f6ln\/ERNANI\/G\u00fcrzenich-Orchester K\u00f6ln, Marta Torbidoni, Insik Choi\/Foto \u00a9 Matthias Jung<\/p>\n<p>Einzige Requisiten waren ein blitzendes Horn und drei Blumenstr\u00e4u\u00dfe: ein Feldblumenstrau\u00df von Ernani, ein Lilienstrau\u00df von de Silva und ein Strau\u00df rote Rosen von Don Carlo. Umworben von drei M\u00e4nnern, die einander von Herzen hassen, ist Primadonna <b>Marta Torbidoni<\/b> als Elvira, die von ihrem alten Vormund Ruy G\u00f3mez de Silva gefangen gehalten wird und von ihm und von Don Carlo begehrt wird, die junge Adelige, deren Liebe Ernani geh\u00f6rt. Ihr klarer angenehm timbrierter hochdramatischer Sopran \u00fcberstrahlte Orchester und Ch\u00f6re scheinbar m\u00fchelos. Sie war in K\u00f6ln bereits Gast bei \u201eNabucco\u201c.<\/p>\n<p>Der koreanische Tenor\u00a0<b>Young Woo Kim<\/b>,\u00a0von 2016 bis 2018 Mitglied des K\u00f6lner Opernstudios, seit 2018 Ensemblemitglied, triumphierte als Ernani. Mit feinf\u00fchliger Durchdringung der Emotionen des feurigen Verliebten und des vom Kaiser Karl V. begnadigten Outlaws und mit ber\u00fcckender heldischer Strahlkraft, aber auch mit subtilen Piano-Phrasen, \u00fcberzeugte er auf der ganzen Linie. Der tragische Ausgang seines Schicksals machte betroffen. Seine Gestaltungen des Don Jos\u00e9 in \u201eCarmen\u201c, des des Grieux in Puccinis \u201eManon\u201c und der Titelpartie in Gounods \u201eFaust\u201c sind noch in bester Erinnerung.<\/p>\n<p>Den rachs\u00fcchtigen Don Ruy Gomez de Silva\u00a0verk\u00f6rperte<b> Adrian S<\/b><b>\u00e2<\/b><b>mpetrean<\/b>, der den alten Vormund Elviras als wahren Giftzwerg zeichnete. Schauspielerisch zog er alle Register des b\u00f6sen verbitterten Greises, der scharf auf seine junge Nichte ist, um sich noch einmal zu verj\u00fcngen. Die K\u00f6lner kennen S\u00e2mpetrean bereits als Leporello.<\/p>\n<p>Die komplexeste Figur des Dramas ist Don Carlo, der spanische K\u00f6nig, der 1519 in Aachen zum Kaiser Karl V. gew\u00e4hlt wurde. Seine gro\u00dfe Arie im 3. Akt \u201eE questo loco\u201c, bei der die tiefen Bl\u00e4ser des G\u00fcrzenich-Orchesters gl\u00e4nzen konnten, ist einer der H\u00f6hepunkte der Oper. Chois fein schattierter Bariton verf\u00fcgt \u00fcber unfassbar viele Farben, mit denen er eine gro\u00dfe Bandbreite von Gef\u00fchlen wie Verliebtheit, Begehren, Rachsucht, Verunsicherung und Verzeihung ausdr\u00fcckte. <b>Insik Choi<\/b> machte die charakterliche Entwicklung, die dieser Herrscher durchmacht, indem er nach seinem Insistieren auf der Hochzeit mit Elvira seine Regierungszeit als Kaiser mit einer Amnestie beginnen l\u00e4sst und zu Gunsten Ernanis auf Elviras Hand verzichtet, mit nobler W\u00fcrde deutlich.<\/p>\n<p>Die \u00fcbrigen Rollen waren aus dem Ensemble exquisit besetzt. Nennen m\u00f6chte ich\u00a0<b>Alina K\u00f6nig Rannenberg <\/b>als Giovanna,\u00a0<b>Ferhat Baday<\/b>\u00a0aus dem Opernstudio als Jago und\u00a0<b>John Heuzenroeder <\/b>mit einem pr\u00e4gnanten Charaktertenor als Don Ricardo.\u00a0 Der Italiener und Verdi-Experte\u00a0<b>Giuliano Carella<\/b>\u00a0dirigierte mit gemessenen Tempi das bestens aufgestellte\u00a0<b>G\u00fcrzenich-Orchester<\/b>, das typischen Verdi-Sound lieferte. Die Banda spielte, dirigiert von <b>Rainer M\u00fchlbach<\/b>, hinter der Zuschauertrib\u00fcne, was einen interessanten Effekt ergab, aber nicht immer in der Koordination funktionierte.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/opernmagazin.de\/oper-koeln-die-frau-zwischen-drei-maennern-verdis-ernani\/ernani_0135_matthias_jung_kopie\/\" rel=\"attachment wp-att-33125 nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-33125\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/ernani_0135_matthias_jung_kopie-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\"  \/><\/a>Oper K\u00f6ln\/ERNANI\/Adrian S\u00e2mpetrean, Young Woo Kim, G\u00fcrzenich-Orchester K\u00f6ln\/Foto \u00a9 Matthias Jung<\/p>\n<p>Verdis \u201eErnani\u201c ist, mit Blick auf die komplexeste Figur, Don Carlos, eine Reflektion \u00fcber politische Herrschaft und war durchaus als Drama des Risorgimento gedacht. Der spanische K\u00f6nig Carlos, an dessen H\u00e4nden Blut klebt, nimmt seine \u00fcberraschende Wahl zum Kaiser Karl V., in dessen Reich die Sonne nicht untergeht, zum Anlass, eine Generalamnestie zu erlassen, und nimmt damit seinen Widersachern, die eine Verschw\u00f6rung mit Mordkomplott gegen ihn geplant haben, den Wind aus den Segeln \u2013 ein sehr kluger Schachzug! Dagegen ist Ernani der ewige Outlaw, dem seine sittenwidrige Absprache mit dem rachs\u00fcchtigen Ruy G\u00f3mez de Silva trotz der Amnestie zum Verh\u00e4ngnis wird.<\/p>\n<p>Die Oper K\u00f6ln kann auch nach 16 Jahren Exil in Ersatzspielst\u00e4tten stolz auf ihr Ensemble sein, das, wie Young Woo Kim und Insik Choi zu gro\u00dfen Teilen aus dem Internationalen Opernstudio der K\u00f6lner Oper hervorgegangen ist. Hier betreut Dramaturg Rainer M\u00fchlbach junge S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger, die als Ensemble der Kinderoper fungieren und in anderen Produktionen kleinere Rollen \u00fcbernehmen. Dabei achtet M\u00fchlbach darauf, dass die S\u00e4nger:innen nicht zu viel und zu fr\u00fch singen und ihre k\u00fcnstlerische Entwicklung sorgf\u00e4ltig aufbauen. Ber\u00fchmte ehemalige Mitglieder sind zum Beispiel Camilla Nylund und Michael Volle, die internationale Karrieren gemacht haben.<\/p>\n<p>Mit dieser konzertanten Auff\u00fchrung des fr\u00fchen Verdi-Werks konzentriert die K\u00f6lner Oper sich voll auf ihre St\u00e4rken. Es ist v\u00f6llig legitim, ein Werk, das in zwei verschiedenen Pal\u00e4sten und im Aachener Dom spielt, konzertant aufzuf\u00fchren, denn es geht in erster Linie um die Emotionen der Protagonisten, wobei die Frau nicht gefragt wird, die ihr Schicksal mit dem des romantischen Helden verbindet. Ein lohnender Abend, der zeigt, dass Verdi bereits mit Anfang Drei\u00dfig ein genialer Theaterpraktiker war.<\/p>\n<p>Weitere Vorstellungen am 24. und 26. April 2026.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Rezension von Ursula Hartlapp-Lindemeyer \/ Red. DAS OPERNMAGAZIN<\/strong><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.oper.koeln\/de\/produktionen\/ernani\/1150\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Oper K\u00f6ln \/ St\u00fcckeseite<\/a><\/li>\n<li>Titelfoto: Oper K\u00f6ln\/ERNANI\/Chor der Oper K\u00f6ln, G\u00fcrzenich-Orchester K\u00f6ln, Ferhat Baday, Adrian S\u00e2mpetrean, Young Woo Kim, Giuliano Carella, Marta Torbidoni, Insik Choi, John Heuzenroeder, Alina K\u00f6nig Rannenberg\/ Foto: \u00a9 Matthias Jung<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Oper K\u00f6ln\/ERNANI\/Marta Torbidoni, Young Woo Kim, G\u00fcrzenich-Orchester K\u00f6ln\/Foto \u00a9 Matthias Jung Vier Harfen aus der abgespielten \u201eWalk\u00fcre\u201c standen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":968863,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1828],"tags":[210403,210404,210405,29,210406,210407,177176,30,210408,41848,210409,210410,1420,210411,1209,2861,210412,210413],"class_list":["post-968862","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-koeln","tag-adrian-sampetran","tag-alina-koenig-rannenberg","tag-das-opernmagazin-koeln","tag-deutschland","tag-ernani","tag-ferhat-baday","tag-frau-ursula-hartlapp-lindemeyer-das-opernmagazin","tag-germany","tag-giuliano-carella","tag-giuseppe-verdi","tag-guerzenich-orchester-koeln","tag-insik-choi","tag-koeln","tag-marta-torbidoni","tag-nordrhein-westfalen","tag-oper-koeln","tag-rustam-samedov","tag-young-woo-kim"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116458508266047297","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/968862","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=968862"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/968862\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/968863"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=968862"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=968862"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=968862"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}