{"id":969909,"date":"2026-04-24T17:12:19","date_gmt":"2026-04-24T17:12:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/969909\/"},"modified":"2026-04-24T17:12:19","modified_gmt":"2026-04-24T17:12:19","slug":"wie-die-beatles-sich-fast-fuer-3-000-dollar-wiedervereinigt-haetten-rolling-stone","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/969909\/","title":{"rendered":"Wie die Beatles sich fast f\u00fcr 3.000 Dollar wiedervereinigt h\u00e4tten \u2014 Rolling Stone"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/c5b6d430b24340f99dd703dcc58d069c.gif\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\"\/>An New Yorks Upper West Side, mit Blick \u00fcber den Central Park, leben die Stars. In feudalen Apartmenth\u00e4usern, die glamour\u00f6se Namen tragen wie San Remo, El Dorado, Majestic, Century, Langham, Dakota oder Beresford. Regelrechte Trutzburgen, in die man kaum hineinkommt, wenn man den T\u00fcrstehern nicht als Mieter bekannt ist. Ein Mann schafft es trotz seines Akzents, der ihn als Arbeiterklassekind aus dem Norden Englands ausweist, allerdings immer wieder ohne M\u00fche, am Wachpersonal vorbei ins oberste Stockwerk des Dakota vorzudringen. Vielleicht liegt es an seinem nat\u00fcrlichen Charme, vielleicht aber auch daran, dass der Name dieses Mannes mit dem eines ber\u00fchmten Mieters des Hauses an der 72. Stra\u00dfe West verbunden ist wie das Yin mit dem Yang, und jeder Sicherheitsmann, genauso wie der Rest der Menschheit, sich w\u00fcnscht, die beiden w\u00fcrden wieder zusammenfinden, nachdem sie sich jahrelang in Liedern und vor Gericht miteinander angelegt haben.<\/p>\n<p>An einem Samstag im April 1976 ist der britische Besucher besonders gut gelaunt, denn an diesem Tag hat sein Album \u201eWings at the Speed of Sound\u201c den 1. Platz der amerikanischen Charts erklommen, und in wenigen Tagen wird er mit seiner Band auch die B\u00fchnen des Landes erobern. Er hat seine Frau Linda im Schlepptau, die in seiner neuen Band Wings Keyboards spielt, als er gegen Abend im Dakota aufkreuzt und an der Rezeption erkl\u00e4rt, er wolle zu seinem Freund John. Seit sie sich zwei Jahre zuvor nach einer l\u00e4ngeren Eiszeit in Los Angeles getroffen und sogar wieder gemeinsam musiziert haben, hofft er darauf, sie k\u00f6nnten ihre alte Partnerschaft wiederaufleben lassen.<\/p>\n<p>Wiedersehen in Kalifornien<\/p>\n<p>Unter der kalifornischen Sonne war John fast ganz der alte gewesen \u2013 witzig, aufbrausend, herausfordernd. Ein bisschen verloren hatte er allerdings gewirkt, und er schien sich sehr zu freuen, seinen alten Kumpel Paul McCartney aus Allerton, Liverpool, endlich wiederzusehen. Und seine Freundin May Pang, eine junge Amerikanerin mit chinesischen Wurzeln und Assistentin seiner Frau Yoko Ono, von der er in Trennung lebte, war regelrecht begeistert von der Vers\u00f6hnung der beiden M\u00e4nner. Sie bewunderte John Lennon sehr und wusste zugleich, dass sie ihn nicht w\u00fcrde halten k\u00f6nnen, dass er sich schnell langweilte ohne einen Partner, der ihn forderte. Sie war daf\u00fcr zu jung, zu sch\u00fcchtern, zu sehr Fan, zu unbedeutend. Er trank viel, kokste, um sein Ego aufzublasen und telefonierte t\u00e4glich mit Yoko, die in New York lebte.<\/p>\n<p>Irgendwann kehrte er zur\u00fcck, erst nach New York, dann zu seiner Frau. Sie sahen sich Ende November 1974 nach einem Konzert von Elton John im Madison Square Garden hinter der B\u00fchne wieder und konnten die Augen nicht voneinander lassen. Er musste dort eine Wettschuld einl\u00f6sen. Weil sein Song \u201eWhatever Gets You Thru The Night\u201c, auf dem Elton John mitspielte, es auf Platz 1 der US-Singles-Charts geschafft hatte, musste er ihn nun mit dem Pianisten live vor einem riesigen Publikum spielen. Er war nerv\u00f6s und \u00fcbergab sich vor dem Konzert hinter der B\u00fchne. Sie spielten drei Songs, ihren Hit, dann die <a href=\"https:\/\/www.rollingstone.de\/themen\/beatles\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Beatles<\/a>-Songs \u201eLucy In The Sky With Diamonds\u201c und \u201eI Saw Her Standing There\u201c. Der letzte Song, den er auf einer gro\u00dfen B\u00fchne spielte, war ein Song von Paul.<\/p>\n<p>Hausmann John<\/p>\n<p>Im April 1975 war er nochmal aufgetreten. Vor einem ausgew\u00e4hlten Publikum in New Yorks Waldorf Astoria. Wieder um eine Schuld einzul\u00f6sen. Er hatte gegen den britischen Filmproduzenten und Gesch\u00e4ftsmann Lew Grade, der die Rechte an (fast) allen Lennon\/McCartney-Songs besa\u00df, einen Rechtsstreit verloren und musste daher bei einem Konzert zu dessen Ehren auftreten. Dann war erst mal Schluss mit Musik, oder wie er unter seinem Pseudonym Winston O\u2019Boogie auf der Plattenh\u00fclle seiner Singles-Sammlung \u201eShaved Fish\u201c, die im Oktober 1975 erschien, geschrieben hatte: \u201eA conspiracy of silence speaks louder than words\u201c. Da war er schon seit zwei Wochen Vater. Und seit der Geburt seines Sohnes Sean an seinem 35. Geburtstag ging er kaum noch vor die T\u00fcr. Auch Besuch empfing er selten.<\/p>\n<p>Er ist immer noch extrem launisch und unausgeglichen. Es gibt Tage, da geht er ganz in der Vaterrolle auf, schnallt sich seinen kleinen Jungen auf den R\u00fccken und spaziert durch den Central Park oder backt Brot f\u00fcr die kleine Familie. Aber meistens sitzt John in seinem abgedunkelten Schlafzimmer im siebten Stock mit ungenutztem Blick auf den Central Park, kifft, liest Zeitschriften und schaute fern.<\/p>\n<p>Manchmal setzt er sich an die Schreibmaschine und versucht, in Liedtexten und Prosa seine Geschichte aufzuschreiben. Sich klar dar\u00fcber zu werden, was in den vergangenen zwanzig Jahren mit ihm passiert ist. Vielleicht kann man daraus ein Musical machen. So k\u00f6nnte er weiter Musik machen, ohne an die \u00d6ffentlichkeit treten oder gar auf Tour gehen zu m\u00fcssen. Eigentlich ist das eine Paul-Idee. Der hat immer ein Komponistenduo wie Rodgers und Hammerstein oder Leiber und Stoller aus ihnen machen wollen.<\/p>\n<p>Samtagabend vorm Fernseher<\/p>\n<p>Wenn sein Ex-Songwriting-Partner wieder einmal unangemeldet vor seiner Wohnungst\u00fcr aufkreuzt, was in letzter Zeit \u00f6fter vorkommt, freut er sich zwar meist irgendwie, aber zugleich ist er immer ein bisschen irritiert, denn irgendwie scheint jeweils nur Platz f\u00fcr einen Lebensmenschen zu sein \u2013 entweder f\u00fcr Paul oder f\u00fcr Yoko. Und das Dakota ist eindeutig Yokos Reich. Aber telefonieren mit Paul f\u00fchlt sich gut an, auch wenn sie fast nur Nichtigkeiten austauschen. Oder es ist gerade das, was gut daran ist. Es ist so normal. K\u00fcrzlich haben sie sogar schon Brotrezepte ausgetauscht. Und sie reden dar\u00fcber, wie es ist, Vater zu sein \u2013 Paul hat zwei T\u00f6chter und eine Stieftochter \u2013, auch wenn er seine Rolle ein wenig anders interpretiert: auf einer Farm mit Schafen und Hunden und trotzdem jedes Jahr ein Album und gro\u00dfe Tourneen, auf die er die Kinder einfach mitnimmt. F\u00fcr ihn scheint das alles ganz nat\u00fcrlich. Aber er hatte sich schon zu Beatles-Zeiten besser mit seinem Sohn Julian verstanden als er selbst.<\/p>\n<p>An diesem Samstagabend sitzt John wieder mal vor den Fernseher. Eigentlich l\u00e4uft samstags immer \u201eEmergency!\u201c, aber das Staffelfinale war schon Anfang M\u00e4rz, jetzt ist Pause bis Herbst. Aber um neun kommt die Comedy Show <a href=\"https:\/\/www.nbc.com\/saturday-night-live\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201eNBC\u2019s Saturday Night\u201c<\/a>, in der die Schauspielerin Raquel Welch, mit der Ringo Starr Ende der 1960er-Jahre mal einen Film gemacht hat, zu Gast ist. Auch der S\u00e4nger der Band The Lovin\u2019 Spoonful, John Sebastian, und die Songwriterin Phoebe Snow, deren Hit \u201ePoetry Man\u201c er sehr mag, sind dieses Mal dabei. Das verspricht ein guter Abend zu werden.<\/p>\n<p>Auftritt Popstar Paul<\/p>\n<p>\u201eBesuch f\u00fcr Sie, Mister Lennon!\u201c<\/p>\n<p>Rosaura. Das Dienstm\u00e4dchen. Sie ist erst seit kurzem da, aber sie hat ihm schon das Brotbacken beigebracht und die Kaffeemaschine gel\u00f6scht, als John mal versucht hat, sich selbst einen zu machen, aber nicht wusste, dass man da Wasser reinf\u00fcllen musste.<\/p>\n<p>\u201eWer ist es denn?\u201c<\/p>\n<p>\u201ePol\u201c, sagt sie mit ihrem spanischen Akzent. Pol?<\/p>\n<p>War irgendwie klar, dass der am Tag seines gro\u00dfen Chart-Triumphes aufkreuzen w\u00fcrde. John hat ihm schon \u00f6fter vorgeworfen, dass er nur noch banale Liebeslieder schreibe, seit die Beatles Geschichte waren \u2013 und nun singt die ganze Welt seinen Hit \u201eSilly Love Songs\u201c, und man kann das Radio nicht mehr einschalten, ohne den alten Freund zu h\u00f6ren, wie er scheinbar naiv und knopf\u00e4ugig singt:<\/p>\n<p>You\u2019d think that people would have had enough of silly love songs<\/p>\n<p>I look around me and I see it isn\u2019t so<\/p>\n<p>Some people want to fill the world with silly love songs<\/p>\n<p>And what\u2019s wrong with that?<\/p>\n<p>I\u2019d like to know <\/p>\n<p>\u2019Cause here I go agaaaaaaaaain<\/p>\n<p>In Wirklichkeit, so denkt John, macht der alte Paul sich zwischen den Zeilen \u00fcber mich lustig. Klingen die Bl\u00e4ser in dem Lied nicht genauso wie damals in meinem \u201eAll You Need Is Love\u201c?<\/p>\n<p>Unertr\u00e4glich gute Laune<\/p>\n<p>Er kann sich \u00fcber Pauls Erfolg nicht freuen, wie er sich beispielsweise \u00fcber die Hits von Ringo freuen konnte, von dem er wei\u00df, dass er ihm unterlegen ist. Andererseits f\u00fchlt es sich manchmal ganz gut an, die alte Konkurrenz zu sp\u00fcren \u2013 und so lange Paul Musik macht und Hits hat, hat er irgendwie noch das Gef\u00fchl, relevant und nicht ganz aus dem Spiel zu sein.<\/p>\n<p>Paul hat nat\u00fcrlich unertr\u00e4glich gute Laune, und auch Linda giggelt die ganze Zeit. Sie haben wohl schon einige Rauchwaren durchgezogen zur Feier des Tages. Seit den Tagen der Beatlemania hat Paul mit dem Kiffen nicht mehr aufgeh\u00f6rt, denkt John. Dabei hat er sich anfangs so geziert, war der letzte Beatle, der sich getraut hat, als Bob Dylan ihnen im Sommer 1964 einen Joint angeboten hat. Paul war immer vorsichtig, hatte Angst vor dem Kontrollverlust. Er, John, hingegen, war immer froh, wenn er sich befreien konnte von dunklen Gedanken, Selbstzweifeln und jeder Form von Verantwortung. Er hat alles ausprobiert \u2013 von Amphetaminen bis Heroin. Am liebsten war ihm aber immer noch der Alkohol, weil der einen nicht mit dem eigenen Unterbewussten konfrontierte, sondern einfach ausknipste. Aber seit Sean auf der Welt ist, hat er kein Glas mehr anger\u00fchrt.<\/p>\n<p>Belushi gibt Cocker<\/p>\n<p>W\u00e4hrend er all das denkt, haben sie sich schon umarmt. \u201eWie geht\u2019s? Was machste?\u201c, fragt Paul jovial. John verdreht die Augen, l\u00e4dt die beiden G\u00e4ste dann aber doch auf seine Couch ein und zieht am Joint, den Paul ihm r\u00fcberreicht. Der Komiker Chevy Chase vergibt gerade einen Preis in der Kategorie \u201eBest Performance by an Actor in a Political Campaign\u201c und kann die Punchline seiner Rede nicht finden, Linda geht gelangweilt zu Yoko ins Nebenzimmer, Raquel Welch tr\u00e4gt einen atemberaubenden wei\u00dfen Hosenanzug und singt den Carpenters-Song \u201eSuperstar\u201c:<\/p>\n<p>Long ago, and, oh, so far away<\/p>\n<p>I fell in love with you before the second show<\/p>\n<p>Your guitar, it sounds so sweet and clear<\/p>\n<p>But you\u2019re not really here, it\u2019s just the radio<\/p>\n<p>John Belushi kommt auf die B\u00fchne und gibt mit spastischen Bewegungen eine Parodie von Joe Cocker. Er hat sich ein Batik-T-Shirt \u00fcber die Plauze gezogen, wie der S\u00e4nger aus Sheffield es bei seinem legend\u00e4ren Auftritt in Woodstock trug, als er Pauls \u201eWith A Little Help From My Friends\u201c herausschrie, zu dem John das Couplet: \u201eWhat do you see when you turn out the light?\/ I can\u2019t tell you, but I know it\u2019s mine\u201c beigesteuert hatte. Epileptisch zuckend und auf dem Boden liegend, w\u00e4hrend Raquel Welch sich \u00fcber ihn beugt, presst Belushi am Ende des Liedes ein \u201eShe came in through the bathroom window\u201c hervor. Noch ein McCartney-Song.<\/p>\n<p>Die Stimme aus dem Fernseher<\/p>\n<p>Paul zeigt hysterisch lachend auf den Bildschirm, John z\u00fcndet sich einen neuen Joint an. Chevy Chase macht als Rattenf\u00e4nger Werbung f\u00fcr Sch\u00e4dlingsfutter, Dan Akroyd versucht, das metrische System auf das Alphabet anzuwenden und entwickelt das Decabet, Jim Hensons Muppets flirten recht offensiv mit Welch, w\u00e4hrend Chase versucht, sie zu \u00fcberreden, ihr T-Shirt auszuziehen. Die Angesprochene sagt aber lieber die n\u00e4chste Musiknummer an: \u201eA genius of modern music\u201c \u2013 Phoebe Snow.<\/p>\n<p>Nach einer Werbepause, Paul erz\u00e4hlt gerade irgendwas aus der Beatles-Steinzeit, an das John, dessen Lider schwer geworden sind, sich nicht mehr erinnern kann, erscheint \u201eNBC\u2019s Saturday Night\u201c-Produzent Lorne Michaels auf dem Bildschirm: \u201eIn diesem Moment werden wir von sch\u00e4tzungsweise 22 Millionen Zuschauern gesehen\u201c, erkl\u00e4rt er. \u201eAber erlauben Sie mir, mich nun an vier spezielle Menschen zu wenden. John, Paul, George und Ringo: The Beatles.\u201c<\/p>\n<p>Paul knufft John in die Seite. \u201eHm? Was?\u201c<\/p>\n<p>Paul zeigt auf den Schirm. \u201eH\u00f6r mal, es geht um uns.\u201c<\/p>\n<p>3000 Dollar f\u00fcr eine Reunion<\/p>\n<p>\u201eIn letzter Zeit\u201c, f\u00e4hrt Michaels fort, \u201egab es eine Menge Ger\u00fcchte, die vier k\u00f6nnten wieder zusammenkommen, und das w\u00e4re gro\u00dfartig. F\u00fcr mich sind die Beatles das Beste, was der Musik je passiert ist. Und noch mehr, ihr seid nicht nur eine Musikgruppe, ihr seid ein Teil von uns. Wir sind mit euch aufgewachsen. Aus diesem Grund lade ich euch hiermit ein, in unsere Show zu kommen. Wir haben viel \u00fcber die pers\u00f6nlichen und rechtlichen Streitigkeiten geh\u00f6rt, die euch davon abhalten, euch wieder zusammenzutun, aber das ist nicht meine Sache. Das m\u00fcsst ihr schon untereinander kl\u00e4ren. Aber es wird auch gesagt, dass bisher einfach noch niemand mit der richtigen Geldsumme um die Ecke gekommen ist, die euch zufriedenstellen w\u00fcrde. Also, wenn es um\u2019s Geld geht, sehe ich kein Problem. Die National Broadcasting Company hat mich autorisiert, euch einen Scheck \u00fcber 3.000 Dollar anzubieten.\u201c<\/p>\n<p>John lacht hysterisch, Paul hat sich verschluckt und hustet. Michaels h\u00e4lt den Scheck in die H\u00f6he. \u201eKann ich ein Close-Up davon haben?\u201c Die Kamera zeigt den Scheck bildschirmf\u00fcllend. \u201eWie ihr sehen k\u00f6nnt, ein auf euch, The Beatles, ausgestellter Scheck \u00fcber 3.000 Dollar. Ihr m\u00fcsst daf\u00fcr einfach nur drei Beatles-Lieder singen. ,She loves you, yeah yeah yeah\u2019, und 1.000 Dollar geh\u00f6ren euch. Ihr kennt den Text \u2013 alles ganz einfach. Wie ich schon sagte, der Scheck ist auf die Beatles ausgestellt. Ihr k\u00f6nnt ihn aufteilen, wie ihr wollt: Wenn ihr Ringo weniger geben wollt, ist das eure Sache. Da m\u00f6chte ich mich lieber nicht einmischen. Ich bin ganz ehrlich, was das angeht. Wenn es euch hilft, eine Entscheidung zu treffen, euch wieder zusammenzutun, ist das ein gutes Investment. Ihr habt Agenten, ihr wisst, wo man mich erreichen kann. Ich glaube, das ist alles. Okay? Danke.\u201c<\/p>\n<p>Verpasste Gelegenheit<\/p>\n<p>John springt auf. \u201eLos geht\u2019s!\u201c<\/p>\n<p>\u201eMeinst du echt?\u201c, fragt Paul ungl\u00e4ubig.<\/p>\n<p>\u201eJa, warum denn nicht? Dieser Moment ist so gut wie jeder andere. Und mit dem Taxi sind wir in ein paar Minuten da.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber \u2026 wir haben doch schon ewig nicht mehr \u2026 Was ist, wenn wir schei\u00dfe sind? Wenn wir uns l\u00e4cherlich machen?\u201c<\/p>\n<p>Der gute alte Paul, denkt John.<\/p>\n<p>\u201eJa, vielleicht hast du recht\u201c, sagt er und setzt sich wieder aufs Sofa. \u201eIch bin auch viel zu m\u00fcde eigentlich.\u201c<\/p>\n<p>Wenig sp\u00e4ter verlassen die McCartneys das Dakota, und John und Yoko schauen George Pals Verfilmung von H. G. Wells\u2019 Roman The Time Machine. Fast, so denkt John, w\u00e4ren wir an diesem Abend selbst durch die Zeit gereist \u2013 allerdings nicht in die dunkle Zukunft, sondern in die helle Vergangenheit.<\/p>\n<p>Der Mythos<\/p>\n<p>Dieses, nach allem, was man wei\u00df, vorletzte Treffen von Lennon und McCartney ist in die Beatles-Mythologie eingegangen. John Lennon erz\u00e4hlte dem Journalisten David Sheff im Interview f\u00fcr den Playboy im September 1980 davon (das Gespr\u00e4ch wurde nach seinem Tod in der Januar-Ausgabe 1981 ver\u00f6ffentlicht). \u201ePaul und ich haben die Sendung zusammen gesehen\u201c, so Lennon. \u201eEr besuchte uns im Dakota. Wir haben uns das angeschaut und w\u00e4ren fast ins Studio gefahren, nur so zum Spa\u00df. Wir w\u00e4ren tats\u00e4chlich fast in ein Taxi gestiegen, aber wir waren einfach zu m\u00fcde.\u201c<\/p>\n<p>Der Regisseur Michael Lindsay-Hogg, der 1966 mit den Beatles die Videoclips zu ihren Songs \u201ePaperback Writer\u201c und \u201eRain\u201c und 1969 den Film \u201eLet it Be\u201c gedreht hatte (der 1970 erschien), lie\u00df sich von dieser Aussage zu seinem Fernsehfilm \u201eTwo Of Us\u201c inspirieren. McCartney erinnerte sich sp\u00e4ter ein wenig anders an das Treffen. \u201eIch war bei John, und es lief gerade Saturday Night Live, und John sagte zu mir: ,Hast du das gesehen?\u2018\u201c, erinnerte er sich 2011 im britischen Sunday Express ein wenig anders an das Treffen. \u201eIch hatte es nicht gesehen, ich lebte ja in England, er lebte in Amerika. Warum sagt er das? Er hat es doch gesehen? Er sagte: ,Sie bieten uns Geld an, um wieder zusammenzukommen \u2013 Lorne Michaels hat das letzte Woche auf Sendung gesagt.\u2018 Und er sagte: ,Wir sollten runtergehen, nur du und ich. Wir werden einfach auftauchen. Wir sind nur zu zweit, wir nehmen die H\u00e4lfte des Geldes.\u2018 F\u00fcr eine Sekunde \u00fcberlegten wir: ,Sollen wir es tun?\u2018 Ich wei\u00df nicht, was uns aufgehalten hat. Es w\u00e4re Arbeit gewesen, und wir hatten einen freien Abend, also haben wir beschlossen, nicht zur Arbeit zu gehen. Es war eine sch\u00f6ne Idee. Wir h\u00e4tten es fast gemacht.\u201c<\/p>\n<p>Unzuverl\u00e4ssige Erz\u00e4hler<\/p>\n<p>Danach zu rechnen war McCartney also eine Woche sp\u00e4ter, am 1. Mai 1976, im Dakota zu Besuch. Allerdings gab es an diesem Abend gar keine Ausgabe von NBC\u2019s Saturday Night, die n\u00e4chste Sendung (in der die von Franz Oz gespielte lebende Statue The Mighty Favog, die in der Ausgabe zuvor von Chevy Chase gefeuert worden war, verspricht, die Beatles wieder zusammenzubringen, wenn er bleiben darf) lief erst am 8. Mai. Da befand McCartney sich allerdings in Detroit, wo er mit den Wings im Olympia ein Konzert spielte.<\/p>\n<p>Als ich Yoko Ono 2010 bei einem Interview in einer abgedunkelten Suite des Berliner Kempinski am Kurf\u00fcrstendamm auf diesen Abend ansprach, best\u00e4tigte sie, dass \u201ethe guys\u201c die Sendung gemeinsam gesehen h\u00e4tten, gab allerdings zu, dass sie selbst nicht im Raum gewesen sei, da sie sich in einem der anderem Dakota-Gem\u00e4cher mit Linda McCartney unterhalten habe.<\/p>\n<p>Kann nat\u00fcrlich auch sein, dass Lennon die Sendung auf Videokassette aufgezeichnet hat, um sie seinem alten Freund vorzuspielen und dazu zu bewegen, wieder gemeinsam aufzutreten. Das w\u00fcrde die Geschichte fast noch besser machen. Andererseits kann man sich nicht vorstellen, dass Lennon wusste, wie man einen Videorekorder bedient, wenn er schon \u2013 siehe weiter oben \u2013 solche Probleme mit einer Kaffeemaschine hatte. Gut, er hatte sicher technisch versierte Assistent:innen. Wenn man \u00fcber die Beatles schreibt, muss man sich immer im Klaren sein, dass es keine zuverl\u00e4ssigen Erz\u00e4hler gibt. Erinnerungen verschwimmen, jeder baut das Geschehene, so wie es ihm passt, in seine eigene Geschichte ein, und was korrekte Datierungen von Ereignissen angeht, sind Lennon, McCartney, Harrison und Starr jeweils eine Katastrophe. \u201eIch bin sehr schlecht mit Daten\u201c, gestand McCartney 2020 dem britischen Komiker Adam Buxton in dessen Podcast. \u201eIch wei\u00df, dass ,Sgt. Pepper\u2019s\u2018 1967 erschienen ist, aber dann h\u00f6rt\u2019s auch schon auf.\u201c<\/p>\n<p>Dieser Text ist ein Auszug aus Maik Br\u00fcggemeyers Buch<a href=\"https:\/\/www.verlag-reiffer.de\/produkt\/brueggemeyer_beatles\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> \u201eSch\u00f6ner kann es gar nicht sein. The Beatles 1956 bis 1970\u201c<\/a>, das 2021 im Reiffer Verlag erschienen ist.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"An New Yorks Upper West Side, mit Blick \u00fcber den Central Park, leben die Stars. 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