{"id":971592,"date":"2026-04-25T09:16:32","date_gmt":"2026-04-25T09:16:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/971592\/"},"modified":"2026-04-25T09:16:32","modified_gmt":"2026-04-25T09:16:32","slug":"sprachfoerderung-in-bremen-braucht-mehr-echte-verbindlichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/971592\/","title":{"rendered":"Sprachf\u00f6rderung in Bremen braucht mehr echte Verbindlichkeit!"},"content":{"rendered":"<p class=\"article-toplinewrapper\">\nKommentar<\/p>\n<p>Standdatum: 25. April 2026.<\/p>\n<p>Autorinnen und Autoren:<br \/>\nFrank Schulte<\/p>\n<p>Video<\/p>\n<p>Jedes zweite Bremer Kita-Kind im Vorschulalter spricht nicht gut Deutsch.<\/p>\n<p>Bild: Radio Bremen<\/p>\n<p>Video-Ende<\/p>\n<p class=\"article-intro\">Viele Kinder starten ohne ausreichende Deutschkenntnisse in die Schule. Solange fr\u00fche Sprachf\u00f6rderung vor allem ein Angebot bleibt und keine Pflicht, wird sich daran wenig \u00e4ndern, meint unser Regionalchef Frank Schulte.<\/p>\n<p>Die bremische Bildungspolitik kennt ein Ritual bei schlechten Nachrichten: Betroffenheit zeigen, auf &#8222;soziale Lage&#8220; und &#8222;besondere Herausforderungen&#8220; verweisen, neue Programme und Projekte ank\u00fcndigen und die Verantwortung in die Zukunft schieben. Nach dem Motto: &#8222;Die Effekte werden wir in einigen Jahren sehen.&#8220;<\/p>\n<p>Es gibt also immer etwas &#8222;in Arbeit&#8220;, immer neue Ans\u00e4tze. Nur: Die aktuelle Studie des Bremer Instituts f\u00fcr Qualit\u00e4tsentwicklung zeigt das Gegenteil. Von einer Verbesserung kann keine Rede sein \u2013 in zentralen Bereichen verschlechtert sich die Lage sogar: Rund die H\u00e4lfte der Kinder im letzten Kita-Jahr spricht nicht richtig Deutsch \u2013 der schlechteste Wert seit zehn Jahren. Zwei Drittel der Drittkl\u00e4ssler haben erhebliche Probleme in Deutsch. Ein Drittel verfehlt im Lesen die Mindeststandards, ein weiteres Drittel gilt als Risikogruppe.<\/p>\n<p>Bremen hat einen der h\u00f6chsten Migrationsanteile in Deutschland. Das ist kein Problem an sich, aber eine klare Aufgabe: In einer solchen Stadt m\u00fcsste Sprachbildung absolute Priorit\u00e4t haben. Wenn viele Kinder in Familien aufwachsen, in denen offenbar kaum Deutsch gesprochen wird oder die gerade erst nach Deutschland gekommen sind, ist es Aufgabe des Staates, fr\u00fch und verbindlich gegenzusteuern. Geschieht das nicht, nimmt die Politik in Kauf, dass Schulversagen zur Massenerscheinung wird.<\/p>\n<p>Genau hier liegt das strukturelle Problem: Bremen hat Programme, Projekte, Konzepte \u2013 aber zu wenig echte Verbindlichkeit. Ja, es gibt alltagsintegrierte Sprachbildung in Kitas und zus\u00e4tzliche F\u00f6rderangebote, besonders im letzten Jahr vor der Einschulung. Auf dem Papier wirkt das beeindruckend. In der Praxis ist vieles davon an den Kita-Besuch gekoppelt \u2013 Kinder, die selten oder gar nicht kommen, entziehen sich leicht der F\u00f6rderung, p\u00e4dagogisch gut gemeint, aber nicht mit harten Rechten und Pflichten unterlegt, so organisiert, dass Sprachf\u00f6rderung &#8222;stattfinden soll&#8220;, ohne dass garantiert ist: Jedes Kind mit Defiziten durchl\u00e4uft auch wirklich ein intensives, strukturiertes Programm.<\/p>\n<p>Verbindliche Sprachf\u00f6rderung als Schutzrecht der Kinder<\/p>\n<p>Mit Bj\u00f6rn Rackles (SPD) steht ein neuer Bildungssenator an der Spitze. Er spricht von besserem Management, effizienteren Strukturen, einer dienstleistungsorientierten Beh\u00f6rde. Rackles benennt auch Sprachf\u00f6rderung als Schwerpunkt. Aber er bricht nicht mit der Logik des Freiwilligen und halb Verbindlichen. Was in Bremen n\u00f6tig w\u00e4re, ist unbequem \u2013 und deshalb seit Jahren politisch unterblieben.<\/p>\n<p>Es braucht eine Verbindlichkeit f\u00fcr fr\u00fche Sprachf\u00f6rderung: Sprachstandstests, F\u00f6rderprogramme und Vorschulangebote d\u00fcrfen nicht l\u00e4nger prim\u00e4r &#8222;gute Angebote&#8220; sein. Sie m\u00fcssen zur Pflicht werden \u2013 rechtlich abgesichert, kontrolliert, mit Konsequenzen bei Nichtteilnahme. Nicht als Strafe f\u00fcr Eltern, sondern als Schutzrecht der Kinder.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem m\u00fcssen klare Mindeststandards verbindlich gelten. Wer die Mindeststandards verfehlt, braucht nicht weichere Noten, sondern intensivere F\u00f6rderung, Wiederholung von Lernschritten \u2013 auch dann, wenn das kurzfristig unpopul\u00e4r ist. Und schlie\u00dflich braucht es eine radikale Schwerpunktsetzung: Die besten Kr\u00e4fte, die meiste Zeit, das meiste Geld geh\u00f6ren in Kitas und Grundschulen in Stadtteilen mit besonders gro\u00dfen Herausforderungen. Wenn man hier scheut, hart zu priorisieren, braucht man \u00fcber &#8222;Chancengleichheit&#8220; nicht mehr zu reden.<\/p>\n<p>Die unbequeme Wahrheit lautet: Wer Kinder mit deutlich zu schwachen Deutschkenntnissen in die erste Klasse einschulen l\u00e4sst, entscheidet oft \u00fcber eine Bildungsbiografie, die nur schwer zu retten ist. Genau das passiert in Bremen \u2013 trotz jahrelanger Warnsignale. Solange Bremen sich mit wohlmeinenden Angeboten statt klaren Pflichten zufrieden gibt \u2013 und dem vertrauten Ritual aus Emp\u00f6rung, Ank\u00fcndigungen und Aussitzen folgt \u2013 bleibt alles im Kern beim Alten. Und eine Generation von Kindern bezahlt den Preis daf\u00fcr, dass aus &#8222;Es wird besser&#8220; nie ein &#8222;Es ist besser geworden&#8220; wird.<\/p>\n<p>Mehr zu Bildung in Bremen:<\/p>\n<p class=\"article-legal-broadcast-reference\"><strong>Dieses Thema im Programm:<\/strong><br \/>\nbuten un binnen, 23. April 2026, 19:30 Uhr<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Kommentar Standdatum: 25. April 2026. 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