{"id":971901,"date":"2026-04-25T12:10:39","date_gmt":"2026-04-25T12:10:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/971901\/"},"modified":"2026-04-25T12:10:39","modified_gmt":"2026-04-25T12:10:39","slug":"unterwegs-mit-der-hueterin-aller-schrecklicher-geheimnisse-in-der-leipziger-innenstadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/971901\/","title":{"rendered":"Unterwegs mit der H\u00fcterin aller schrecklicher Geheimnisse in der Leipziger Innenstadt"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\nEin letzter Blick \u00fcber den Augustusplatz, dann wird es still. Die Gruppe r\u00fcckt enger zusammen, als die Nacht sich \u00fcber die Leipziger Innenstadt legt. Clarissa tritt nach vorne. Schwarzes Kleid, ernster Blick und eine Warnung, die halb Spiel, halb Ernst ist: Nicht alle w\u00fcrden diese Tour unbeschadet \u00fcberstehen. &#8222;Ich bin Clarissa, die H\u00fcterin aller schrecklicher Geheimnisse&#8220;. Was folgt, ist keine gew\u00f6hnliche Stadtf\u00fchrung.\n<\/p>\n<p>Eine Stadt voller dunkler Geschichten<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">2013 habe ich meine erste Tour gestartet, weil ich Gruselgeschichten und dunkle, wahre Begebenheiten einfach liebe. <\/p>\n<p>Clarissa Herzog<br \/>\nStadtf\u00fchrerin<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\nUnd diese m\u00fcssen ihrer Ansicht nach erz\u00e4hlt werden. Was als pers\u00f6nliche Leidenschaft begann, ist heute ein eigenst\u00e4ndiges Unternehmen, das mittlerweile auch in G\u00f6rlitz und Berlin aktiv ist.\n<\/p>\n<p>Zwischen Fakten und Furcht<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie Geschichten, die Clarissa Herzog erz\u00e4hlt, sind mehr als blo\u00dfe Schauerm\u00e4rchen. Ihr Anspruch: m\u00f6glichst nah an der Realit\u00e4t bleiben. Sie habe bewusst darauf geachtet, &#8222;dass es wirklich wahre, schaurige Begebenheiten sind, die wir den G\u00e4sten beibringen und auch mitgeben, damit die wissen, was hier wirklich alles passiert ist&#8220;. So zum Geschichten rund um die \u00e4lteste Apotheke Leipzigs.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie Recherche daf\u00fcr begann, als sie 2012 f\u00fcr ein Studium nach Leipzig zog. &#8222;Wenn man Interesse daran hat, dann w\u00fchlt man sich einfach durch die dunkle Vergangenheit und findet immer mehr&#8220;, sagt sie. Und so ist ein Stopp auf der Tour die Nikolaikirche. Denn dort wurden 2024 Gr\u00e4ber mit mehreren hunderten Skeletten gefunden, die nach Sch\u00e4tzungen mindestens 500 Jahre alt sein sollen.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie Tour dauert in etwa 90 Minuten, doch Clarissa Herzog erz\u00e4hlt, dass sie auch f\u00fcnf Stunden \u00fcber Leipzigs dunkle Vergangenheit referieren k\u00f6nnte.\n<\/p>\n<p>Eine Rolle zwischen Licht und Schatten<\/p>\n<p class=\"text\">\nClarissa Herzog will nicht einfach nur Stadtf\u00fchrerin sein. <a name=\"Figur\">Sie bringt sich als Figur ins Spiel mit eigener Geschichte<\/a>. &#8222;Ich bin tats\u00e4chlich schon 668 Jahre alt. Ich lebe in den Katakomben von Leipzig auf der dunklen Seite und muss dem Teufel dienen, die dunklen Geheimnisse zu h\u00fcten&#8220;. Doch ihre Figur wolle raus aus dieser Welt: &#8222;Ich will endlich von der schwarzen Seite auf die wei\u00dfe Seite&#8220;. Sobald es dunkel wird, verschwimmen Realit\u00e4t und Rolle.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Sobald es Nacht ist, \u00e4ndert sich meine Stimmung.<\/p>\n<p>Clarissa Herzog<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Grusel aus Sicht der G\u00e4ste<\/p>\n<p class=\"text\">\nMit dabei an diesem Abend: Therese und Marie aus Leipzig. F\u00fcr sie ist es nicht nur ein Ausflug, sondern auch ein Geschenk. Denn beide, so erz\u00e4hlen sie von sich, m\u00f6gen es gerne gruselig. Ihr Wunsch: ein besonderer Abend mit neuen Einblicken in die eigene Stadt. &#8222;Ich hatte die Erwartung, einen sch\u00f6nen Abend zu haben und neue Sachen zu erfahren&#8220;, erz\u00e4hlt Marie. Und die sei erf\u00fcllt worden.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Da war ab und zu etwas erschreckend, teilweise auch etwas witzig, aber wirklich viele interessante Sachen.<\/p>\n<p>Marie<br \/>\nLeipzigerin<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\nBesonders eindr\u00fccklich war ihrer Meinung nach die Erkenntnis, <a name=\"Geschichte\">wie viel Geschichte direkt unter den eigenen F\u00fc\u00dfen liegt<\/a>. &#8222;Ein paar Massengr\u00e4ber mehr, die ich jetzt kenne, hier, auf denen wir rumlaufen jeden Tag&#8220;, sagt Therese. Auch bekannte Orte erscheinen ihnen pl\u00f6tzlich in neuem Licht. Zwar sei etwa die Hinrichtung von Woyzeck auf dem Marktplatz bekannt gewesen, &#8222;aber die anderen Sachen alle nicht&#8220;, so die Beiden.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nGerade das hat f\u00fcr die beiden an diesem Abend den Reiz ausgemacht: Geschichte, die im Alltag unsichtbar bleiben, zu erleben.\n<\/p>\n<p>Zwischen Schauer und Humor<\/p>\n<p class=\"text\">\nTrotz aller d\u00fcsteren Themen bleibt die Tour unterhaltsam. Auch Clarissa selbst lockert die Stimmung immer wieder auf. &#8222;Ich habe fast nur gute G\u00e4ste und bisher ist auch fast niemand gestorben&#8220;, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Am Ende des Abends \u00fcberwiegt bei den G\u00e4sten die Begeisterung und vielleicht ein leicht mulmiges Gef\u00fchl. &#8222;Ich wei\u00df auch nicht, ob ich die Nacht gut schlafen kann&#8220;, berichtet Therese.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nF\u00fcr Clarissa, das merkt man, ist die Gruseltour mehr als nur ein Job. &#8222;Das ist mein Traumberuf. Ich will einfach die n\u00e4chsten 600 Jahre weiter so machen&#8220;. Bis dahin f\u00fchrt sie weiter durch Leipzigs N\u00e4chte, auf der Suche nach neugierigen G\u00e4sten. Und verabschiedet sich, wie sie es immer tut: &#8222;Vielen Dank, dass heute alle \u00fcberlebt haben&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein letzter Blick \u00fcber den Augustusplatz, dann wird es still. 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