{"id":972734,"date":"2026-04-25T20:26:19","date_gmt":"2026-04-25T20:26:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/972734\/"},"modified":"2026-04-25T20:26:19","modified_gmt":"2026-04-25T20:26:19","slug":"ukrainekrieg-wo-drohnen-alles-beherrschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/972734\/","title":{"rendered":"Ukrainekrieg: Wo Drohnen alles beherrschen"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">\u201eCoach\u201c ist Hauptmann bei der Brigade \u201eChartija\u201c, und die letzte Nacht war schwer. Es hatte Nebel gegeben, und Nebel hei\u00dft: Die Drohnen, die sonst jede Maus sehen, sehen heute nichts. Und sie k\u00f6nnen niemanden t\u00f6ten. Also k\u00f6nnen die Russen angreifen und die Ukrainer auch. Und sie k\u00f6nnen Verletzte bergen, f\u00fcr die es sonst keine Rettung gibt, weil Sanit\u00e4ter nicht durchkommen. Au\u00dfer eben, wenn Nebel ist.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">\u201eCoach\u201c erz\u00e4hlt: Zwei waren da drau\u00dfen. Seit zwei Wochen, einer mit gebrochenem Bein, einer blind nach einer Verletzung im Gesicht. Die Brigade schickte zwei Landdrohnen los. Das sind unbemannte Fahrzeuge mit einer Plattform oben. Wenn ein Verletzter es da hoch schafft, kann die Drohne ihn retten. Diesmal aber blieb sie unterwegs stecken.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Es war immer noch neblig, also ein neuer Versuch. Diesmal mit einem Soldaten auf einem Quad. Weit kam er nicht. Das Quad fuhr auf eine Mine, der Soldat wurde verletzt, kehrte um. Noch ein zweiter fuhr auf eine Mine, auch er kehrte um. <\/p>\n<p>Die Panzer liegen in Gruben unter Tarnnetzen<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Am Ende versuchten es vier Mann zu Fu\u00df. Sie fanden die Verletzten, wollten schon zur\u00fcck, da hob sich der Nebel. Es gab kein Zur\u00fcck. Sie bedeckten die Drohne mit \u00c4sten und schleppten die Verletzten in ein verlassenes Haus zwischen den Linien. \u201eJetzt haben wir sechs da drau\u00dfen\u201c, sagt \u201eCoach\u201c. \u201eVier Gesunde, zwei Verletzte. Die warten jetzt auf schlechtes Wetter.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Die F.A.Z. hat mit zehn ukrainischen Infanteristen und Panzersoldaten gesprochen, die zuletzt um Charkiw im Norden sowie Tschassiw Jar und Kostjantyniwka im Donbass k\u00e4mpften. Sie entwarfen das Bild eines Gefechtsfelds, in dem die Drohne alles beherrscht. Drohnen \u00fcberwachen das Gefechtsfeld so, dass kein Soldat, kein weggeworfener M\u00fcllsack unbemerkt bleibt. Als Angriffswaffe werfen sie entweder Granaten ab, oder sie st\u00fcrzen sich als t\u00f6dliche \u201eKamikaze\u201c-Drohnen direkt ins Ziel. Gr\u00f6\u00dfere Drohnen k\u00f6nnen sogar Panzer zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Weil die Drohne in der viele Kilometer breiten \u201eTodeszone\u201c zwischen den beiden Armeen alles t\u00f6tet, was sich bewegt, bewegt sich fast nichts mehr. Autos oder Panzer w\u00fcrden ja sofort vernichtet. Ein Panzeroffizier mit dem Kampfnamen \u201eMagister\u201c berichtet, dass er im letzten Jahr nur ein einziges Mal ein klassisches Panzergefecht gef\u00fchrt habe, also Kampf in offener Fahrt mit direktem Schuss auf den Feind. Und auch dieses eine Mal habe nichts gebracht, denn als sein Panzer das Ziel erreicht habe, h\u00e4tten die Drohnen den Feind schon l\u00e4ngst erledigt.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Einen Panzer seines Zuges h\u00e4tte eine russische Drohne schon zerst\u00f6rt, und so werden seine \u201eT-64\u201c also nur noch als eine Art schlechte Artillerie eingesetzt. Sie liegen in Gruben unter Tarnnetzen, und wenn eine Aufkl\u00e4rungsdrohne ein Ziel meldet, rattern sie eilig ins Freie, feuern hoch \u00fcber Felder und W\u00e4lder und huschen gleich wieder ins Loch. Sehr genau sind solche Langstreckensch\u00fcsse nicht, denn f\u00fcr so etwas sind Panzer nicht gemacht.<\/p>\n<p>\u201eFleischwellen\u201c haben heute keine Chance mehr<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Weil Fahrzeuge in der Todeszone nie lange \u00fcberleben, bewegen Russen und Ukrainer sich fast nur noch zu Fu\u00df, auf Motorr\u00e4dern oder Quads. Sie sind nur noch in kleinen Gruppen unterwegs, meist zu zweit und immer mit zehn Metern Abstand voneinander. <\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Die Angriffe der Russen sind dadurch anders geworden. In den ersten Kriegsjahren, der Zeit vor der Drohne, gab es noch Massenangriffe. Solche \u201eFleischwellen\u201c wie es im Milit\u00e4rjargon hei\u00dft, haben heute keine Chance mehr. Die n\u00f6tigen Soldaten k\u00f6nnen weder in gen\u00fcgender Zahl zusammengef\u00fchrt noch \u00fcber l\u00e4ngere Strecken bewegt werden. Deshalb ist die \u201eInfiltration\u201c, das Einsickern, die bevorzugte Angriffstaktik beider Seiten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Freiwillig in der Armee: Der Soldat \u201eCoach\u201c im M\u00e4rz in Charkiw\" height=\"4672\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/freiwillig-in-der-armee-der.webp\" width=\"7008\" class=\"sm:w-content-sm w-full\" tabindex=\"0\"\/>Freiwillig in der Armee: Der Soldat \u201eCoach\u201c im M\u00e4rz in CharkiwOleksandr Techynskyi<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Die Front ist lang und d\u00fcnn besetzt. Ein Ukrainer sagt, die Russen k\u00f6nnten in seinem Abschnitt h\u00f6chstens 20 bis 25 Mann pro Kilometer aufbringen. Es gibt immer L\u00fccken, und Angriff hei\u00dft, zu zweit oder zu dritt durch Gr\u00e4ben, Geb\u00fcsch oder leere Gasleitungsrohre zu schleichen, um dann, wenn genug Soldaten durchgekommen sind, ein Dorf oder auch nur ein Haus zu besetzen. Die Russen tun das \u00f6fter als die Ukrainer, und westliche Fachleute sagen der F.A.Z., dass bei solchen Angriffen oft schon unterwegs neun von zehn Soldaten ausfallen. Das hei\u00dft, wenn sie ein Dorf besetzen wollen, schicken sie 200 los. 180 sterben oder werden verletzt, 20 kommen durch.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Die Ukrainer greifen weniger an. Sie m\u00fcssen sich deshalb weniger \u00fcber offenes Gel\u00e4nde bewegen, und weniger von ihnen sterben. Ihre Infanterie soll vor allem Angriffe abwehren oder verz\u00f6gern, deshalb k\u00e4mpft sie anders. Das T\u00f6ten erledigen meist die Drohnen, f\u00fcr die Fu\u00dfsoldaten vorne gibt es nur noch erg\u00e4nzende Funktionen. Eine der wichtigsten: sehen und h\u00f6ren, was den Drohnen entgeht. Wenn die bei Wind oder Nebel ausfallen, ist der Posten in seinem Sch\u00fctzenloch wieder gefragt. Und weil Drohnen nichts h\u00f6ren, muss er immer auf Ger\u00e4usche achten: Sch\u00fcsse, Stimmen, Motoren.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Was er wahrnimmt, geht per Funk an den Gefechtsstand, und dann kommt die Drohne. Infanteriegefechte Mann gegen Mann gibt es fast nur noch dann, wenn keine Drohnen fliegen k\u00f6nnen. Oder wenn die eigenen Drohnen in einer feindlichen Stellung nicht alle t\u00f6ten konnten. Dann hei\u00dft es: Hingehen und sie fertigmachen. Sonst aber gilt eine Regel, die ein Leutnant in drei Gebote fasste: \u201eStillhalten, melden, am Leben bleiben\u201c.<\/p>\n<p>Kaum noch offene Sch\u00fctzengr\u00e4ben<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Weil Stillhalten so wichtig ist, sind die Abl\u00f6sungen schwer. Man kann nicht abl\u00f6sen, ohne sich zu bewegen. Der Neue muss vor zur Stellung, oft kilometerweit unter den Augen der feindlichen Kameras, von Geb\u00fcsch zu Graben, von Graben zu Keller. Wenn oben die Drohne surrt, h\u00e4lt man ein St\u00fcck Dachpappe \u00fcber den Kopf. Das kann Tage dauern, und oft bewegt man sich nur in der D\u00e4mmerung, weil Drohnen dann schlecht sehen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Weil die Abl\u00f6sung so gef\u00e4hrlich ist, wird manchmal \u00fcber Monate nicht abgel\u00f6st. Einer der Soldaten, mit denen die F.A.Z. sprach, war zuletzt 49 Tage in seinem Unterstand, zwei andere, Kampfnamen \u201eB\u00e4r\u201c und \u201eUkraine\u201c, 137 Tage lang. <\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Ein Unterstand in der Todeszone ist mit zwei oder drei Soldaten besetzt. Zu dritt ist es einfacher, vor allem, falls einer krank wird. Andererseits sind dann auch immer gleich drei tot, wenn eine Drohne das Loch entdeckt. <\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Damit das nicht geschieht, gibt es vorne kaum noch offene Sch\u00fctzengr\u00e4ben. Die Soldaten graben sich unter die Erde, und wenn sie ihre Handyvideos zeigen, sieht man Bilder, die an die Hamas-Tunnel im Gazastreifen erinnern: schmale G\u00e4nge, gestapelte Munition. Manche Stellungen, vor allem solche in den Kellern zerbombter H\u00e4user, sind ger\u00e4umig und trocken, andere sind schlammige Liegeh\u00f6hlen, gerade breit genug f\u00fcr zwei. Wenn unten das Wasser steigt, sitzen die Soldaten auf Kisten.<\/p>\n<p>\u201eTut nichts, wir k\u00fcmmern uns\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Wenn die Stellung ger\u00e4umig ist, k\u00f6nnen die Soldaten auf Campingkochern Essen machen und m\u00fcssen nur noch auf die M\u00e4use achten. M\u00e4use gibt es \u00fcberall, ein Soldat spricht von einem \u201eMeer von M\u00e4usen\u201c. Zugleich gibt es aber \u00fcberall auch herrenlose Katzen, und \u00fcber die sind die Meinungen geteilt. Manche Soldaten nehmen sie auf, weil sie M\u00e4use fangen, andere jagen sie fort, weil sie Drohnen anlocken. Dann bitten sie lieber per Funk um Rattengift. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Ukrainische Soldaten feuern am 25. Februar auf eine russische FPV-Drohne an der Frontlinie in Druschkiwka\" height=\"4608\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/ukrainische-soldaten-feuern-am.webp\" width=\"6144\" class=\"sm:w-content-sm w-full\" tabindex=\"0\"\/>Ukrainische Soldaten feuern am 25. Februar auf eine russische FPV-Drohne an der Frontlinie in Druschkiwkadpa<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Das kommt dann nachts per Drohne, so wie alles per Drohne kommt: Essen, Batterien, Medikamente, Wasser. Wasser ist am knappsten. Oft ist so wenig da, dass H\u00e4ndewaschen zum Luxus wird. So schickt man den Soldaten feuchte Hygienet\u00fccher, denn das wiegt weniger. Als Toiletten dienen Plastikt\u00fcten und Flaschen. Im Winter ist das einfach, denn bei Frost gefrieren die und k\u00f6nnen gestapelt werden, ohne dass jemand raus muss, um sie fortzuschaffen. Bei W\u00e4rme aber sind die T\u00fcten ein Problem. Sie m\u00fcssen nicht nur raus, sondern sie m\u00fcssen drau\u00dfen auch gut versteckt werden, denn der Feind sieht alles.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Schmutz, N\u00e4sse und Bewegungsmangel zehren an der Gesundheit. Vom Hocken und Sitzen schwellen die F\u00fc\u00dfe an, und am Ende sind die Soldaten oft so geschw\u00e4cht, dass sie kaum noch den R\u00fcckmarsch schaffen, wenn die Abl\u00f6sung kommt. Bis dahin geschieht oft lange gar nichts. \u201eB\u00e4r\u201c und \u201eUkraine\u201c haben in den 137 Tagen ihres letzten Einsatzes nur einmal russische Soldaten gesehen. Sie sahen sie aus ihrem Versteck, hielten still und machten Meldung. Antwort per Funk: \u201eTut nichts, wir k\u00fcmmern uns.\u201c Gemeint war: Wir schicken eine Drohne.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">So vergehen Wochen. Internet gibt es nicht, also verbringt man die Zeit mit Reparieren, Abdichten und Kreuzwortr\u00e4tseln. Kontakt zur Familie ist unm\u00f6glich, aber manchmal zeichnen die Kameraden im Gefechtsstand die Funkspr\u00fcche der M\u00e4nner in den L\u00f6chern auf und leiten sie an deren Frauen weiter.<\/p>\n<p>Eine Killerdrohne an den Fersen<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Und dann, selten, das Gefecht. Ein russischer Trupp versucht einzusickern, oft an den Nahtstellen zwischen zwei ukrainischen Einheiten. \u201eCoach\u201c berichtet, wie so eine Gruppe reagiert, wenn sie entdeckt wird und die Drohnen kommen: \u201eChaos bricht aus. Sie verlieren die Kontrolle. Manche versuchen, ihren Verletzten zu helfen. So entstehen Gruppen, und die greifen wir an. Wenn sie dann fliehen, haben sie keine Deckung, und wir machen sie fertig. Es kommt auch vor, dass sie vor Angst in unsere Stellungen springen. Dann werden sie dort get\u00f6tet.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Ein anderer Soldat, Vorname Oleh, war selbst einmal der Gejagte: Ein paar Kameraden zogen an seiner Stellung vorbei, um einen anderen Trupp abzul\u00f6sen. Eine russische Aufkl\u00e4rungsdrohne entdeckte die M\u00e4nner. Sie suchten Deckung in Olehs Stellung, aber jetzt war auch er verraten. Kurz darauf kamen russische Artillerieeinschl\u00e4ge, dann surrten die ersten Kamikazedrohnen auf. Also raus aus der verratenen Stellung, jeder in eine andere Richtung. Eine Killerdrohne heftete sich im Tiefflug an Olehs Fersen. Am Ende rettete er sich in den Keller einer Ruine.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Oleh und seine Kameraden hatten Gl\u00fcck. Zwar wurden alle durch Splitter und Druckwellen verletzt, aber keiner starb. Am Ende kam sogar ein Radpanzer durch, um den mit den schwersten Wunden zu bergen. Oleh leidet bis heute an Symptomen des Explosionstraumas von damals. Es ist die Epidemie der ukrainischen Armee, und bei Oleh \u00e4u\u00dfert sie sich in schlechtem Schlaf und einem bleibenden Summen in den Ohren. In schweren F\u00e4llen kommen Zittern, Zornanf\u00e4lle und Sprachverlust hinzu. Pillen k\u00f6nnen helfen. <\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Immer wieder gelingt es, Gefangene zu machen. Gefangene sind wertvoll, denn f\u00fcr jeden kann vielleicht ein Ukrainer ausgetauscht werden. Auch beim Gefangene-Machen dreht sich alles um die Drohne. Wenn n\u00e4mlich einer in der Todeszone dieses Summen \u00fcber sich h\u00f6rt, wei\u00df er, dass er keine Chance hat. Dann kommt es vor, dass er die H\u00e4nde hebt, sich ergibt. Die Ukrainer sehen das auf ihren Monitoren, und \u201eCoach\u201c erz\u00e4hlt, was dann geschieht: Man schickt eine weitere Drohne los, mit einer Flasche, und darin einem Zettel: Folge mir. Dann fliegt die Drohne langsam voraus, der Gefangene folgt ihr mit erhobenen H\u00e4nden bis zur Stellung der Ukrainer.<\/p>\n<p>Aufgegriffen von den Patrouillen, die nach M\u00e4nnern suchen<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Ein anderer ukrainischer Soldat, Kampfname \u201eAugust\u201c, erz\u00e4hlt, was dann folgt: Der Russe wird in den Unterstand geholt und gefesselt. Dann warten alle gemeinsam auf den Nebel oder den Wind, ohne den niemand zur\u00fcck ins Hinterland kann. Manchmal tagelang, und bis dahin bringt die Nachschubdrohne f\u00fcr den neuen Esser eine Portion mehr.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Nach der Abl\u00f6sung gibt es Urlaub zu Hause oder in einem Sanatorium, und danach geht es wieder hinaus in die Stellung. Jeder nimmt das auf seine Weise. Einige der Soldaten, mit denen die F.A.Z. sprach, wirkten motiviert, andere m\u00fcde. \u201eCoach\u201c zum Beispiel hatte sich schon zu Beginn des Krieges freiwillig gemeldet, andere sind nur dem Einberufungsbefehl gefolgt. Oleh, \u201eB\u00e4r\u201c und \u201eUkrainer\u201c berichteten, sie seien am helllichten Tag ohne Vorwarnung von einer der vielen Patrouillen aufgegriffen worden, die heute auf Stra\u00dfen, in Einkaufszentren und U-Bahnh\u00f6fen nach M\u00e4nnern suchen, die sich der Wehrpflicht entziehen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Alle drei sagten, der Rekrutierungstrupp habe sie direkt von der Stra\u00dfe mitgenommen, ohne Gep\u00e4ck, ohne Zahnb\u00fcrste, ohne Abschied von der Familie. \u201eUkraine\u201c musste sein Motorrad am Stra\u00dfenrand stehen lassen. Trotzdem wirken sie nicht emp\u00f6rt. \u201eIch war nicht w\u00fctend\u201c, sagt \u201eB\u00e4r\u201c. Vorher hatte er in einer Fleischfabrik R\u00e4ucherwurst gemacht, und so recht hatte ihm das nie gefallen. \u201eIch wollte sowieso etwas anderes\u201c, sagt er \u2013 \u201eund jetzt bin ich schon Obergefreiter.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Und wie ist es, zu k\u00e4mpfen, wenn man gar nicht k\u00e4mpfen will? \u201eGanz einfach\u201c, antwortet \u201eB\u00e4r\u201c. \u201eDu t\u00f6test den Feind, oder der Feind t\u00f6tet dich.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eCoach\u201c ist Hauptmann bei der Brigade \u201eChartija\u201c, und die letzte Nacht war schwer. 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