{"id":972834,"date":"2026-04-25T21:22:17","date_gmt":"2026-04-25T21:22:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/972834\/"},"modified":"2026-04-25T21:22:17","modified_gmt":"2026-04-25T21:22:17","slug":"chemie-chef-rechnet-mit-merz-regierung-ab-wir-hatten-uns-deutlich-mehr-erhofft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/972834\/","title":{"rendered":"Chemie-Chef rechnet mit Merz-Regierung ab: \u201eWir hatten uns deutlich mehr erhofft\u201c"},"content":{"rendered":"<p class=\"text-black text-lg font-normal font-roboto\">\n            Viele Chemieunternehmen arbeiten derzeit unterhalb ihrer Kapazit\u00e4ten. Auftr\u00e4ge fehlen, w\u00e4hrend die Kosten weiter steigen. F\u00fcr einige geht es l\u00e4ngst nicht mehr um Wachstum, sondern darum, Produktion \u00fcberhaupt noch rentabel zu halten. Tausende Jobs sind <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/article\/iran-krise-erschuettert-ostdeutsche-chemie-jetzt-drohen-schliessungen-und-jobverluste-10024764\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">akut gef\u00e4hrdet<\/a>.<\/p>\n<p>Die Erwartungen an die Regierung von <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/category\/friedrich-merz\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Friedrich Merz<\/a> (<a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/category\/cdu\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">CDU<\/a>) waren in der Branche hoch. Wolfgang Gro\u00dfe Entrup, der Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des\u00a0<a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/category\/verband-der-chemischen-industrie\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Verbands der Chemischen Industrie<\/a> (VCI), zieht nun eine ern\u00fcchternde Bilanz \u2013 und erkl\u00e4rt, warum er vor einem \u201everlorenen Jahrzehnt\u201c warnt.\n          <\/p>\n<p>          \u201eDie Gefahr eines verlorenen Jahrzehnts ist real\u201c<\/p>\n<p class=\"text-black text-lg font-normal font-roboto\">\n            Herr Gro\u00dfe Entrup, wie bewerten Sie die derzeitige Lage der deutschen Wirtschaft \u2013 auch vor dem Hintergrund der gesenkten Wachstumsprognose der Bundesregierung?\n          <\/p>\n<p class=\"text-black text-lg font-normal font-roboto\">\n            Deutschland befindet sich in einer Strukturkrise, die nach wie vor politisch nicht gel\u00f6st ist. Nach Jahren der Rezession wartet die Wirtschaft dringend auf Reformen. Konjunkturell bestand die Hoffnung auf einen leichten Aufschwung als Folge der <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/article\/milliarden-als-schein-investitionen-oekonomen-werfen-der-merz-regierung-taeuschung-vor-10005449\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sonderverm\u00f6gen<\/a> f\u00fcr Infrastruktur und Klimaneutralit\u00e4t sowie f\u00fcr Verteidigungsausgaben.\n          <\/p>\n<p class=\"text-black text-lg font-normal font-roboto\">\n            Der <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/category\/iran\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Iran<\/a>-Krieg hat jetzt f\u00fcr einen deutlichen Wachstumsd\u00e4mpfer gesorgt. F\u00fcr die deutsche und europ\u00e4ische Chemie bedeutet dies, dass sich der Auftragsmangel fortsetzt und die Anlagen weiterhin nicht rentabel ausgelastet werden k\u00f6nnen. Als Folge ist mit weiteren Produktionsstilllegungen und Stellenabbau zu rechnen.\n          <\/p>\n<p>                  <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/543ee1b3-a2b2-4d01-932e-c6606e3b6c68.jpg\" alt=\"Zur Person\" class=\"w-[160px] h-[160px] object-cover aspect-square\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>\n                    Thomas Lohnes\/VCI\n                  <\/p>\n<p>                  Zur Person<\/p>\n<p>\n                    Wolfgang Gro\u00dfe Entrup ist seit mehr als sechs Jahren Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Verbands der Chemischen Industrie (VCI). Zwischen 2002 und 2019 war der diplomierte Agraringenieur in verschiedenen Positionen beim Chemie- und Pharmakonzern Bayer in Leverkusen t\u00e4tig, zuletzt als leitender Vizepr\u00e4sident und Leiter f\u00fcr Corporate Sustainability &amp; Business Stewardship.\n                  <\/p>\n<p class=\"text-black text-lg font-normal font-roboto\">\n            Reuters spricht in einem aktuellen Bericht von \u201epermanenter Stagnation\u201c in Deutschland bis 2030 und dar\u00fcber hinaus. Halten Sie das f\u00fcr eine \u00fcbertriebene Einsch\u00e4tzung oder sehen Sie tats\u00e4chlich eine Gefahr, dass Deutschland dauerhaft in eine Art \u201eWachstumslosigkeit\u201c abgleitet?\n          <\/p>\n<p class=\"text-black text-lg font-normal font-roboto\">\n            Die Gefahr eines verlorenen Jahrzehnts der Stagnation ist real. Der Sachverst\u00e4ndigenrat sch\u00e4tzt das Wachstumspotenzial Deutschlands lediglich auf 0,4 Prozent pro Jahr. Wenn wirtschaftspolitisch nicht gegengesteuert wird, wird es ungem\u00fctlich. Denn hinzu kommen geopolitische Schocks. Weltweit leidet die Wirtschaft unter der gro\u00dfen Unsicherheit, das ist Gift f\u00fcr Unternehmen. Viele deutsche Unternehmen fahren angesichts des Iran-Krieges, aber auch wegen der US-Zollpolitik und der aggressiven chinesischen Industriepolitik zunehmend auf Sicht.\n          <\/p>\n<p class=\"text-black text-lg font-normal font-roboto\">\n            Unsere Unternehmen k\u00f6nnen Krise, aber schon vor dem Iran-Krieg gab es keine Aufbruchsstimmung. Gegenw\u00e4rtig wei\u00df niemand, wie lange der Konflikt im Nahen Osten anh\u00e4lt. Klar ist, krisenbedingte Mehrausgaben k\u00f6nnen \u00fcber Staatskredite finanziert werden \u2013 das war beispielsweise in der Pandemie richtig. Die aktuelle Lage pr\u00e4sentiert sich anders: Der Iran-Krieg hat zu einem Angebotsschock gef\u00fchrt. Hier helfen schuldenfinanzierte Nachfrageprogramme nicht weiter. Sie versch\u00e4rfen im Zweifel die Probleme.\n          <\/p>\n<p>          \u201eDieser Reformstau bremst die Wirtschaft massiv aus\u201c<\/p>\n<p class=\"text-black text-lg font-normal font-roboto\">\n            Ein Kernproblem laut Reuters: schrumpfende Erwerbsbev\u00f6lkerung, niedrige Arbeitszeiten, schwache Produktivit\u00e4t. Sind diese strukturellen Schw\u00e4chen aus Ihrer Sicht der wahre Bremsklotz \u2013 und was m\u00fcsste sofort passieren, um dem entgegenzuwirken?\n          <\/p>\n<p class=\"text-black text-lg font-normal font-roboto\">\n            Die schwache Produktivit\u00e4tsentwicklung ist ein gro\u00dfes Problem, zumal die Erwerbspersonenzahl schrumpft. Mehr Produktivit\u00e4t erreichen wir nur durch weniger <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/category\/buerokratie\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">B\u00fcrokratie<\/a>, durch Innovationen und technologischen Fortschritt sowie investitionsfreundliche Rahmenbedingungen. Die deutsche Industrie ben\u00f6tigt Entlastung. Chemie und Pharma warten weiter dringend auf die versprochenen Reformen. Dieser Reformstau bremst die Wirtschaft massiv aus.\n          <\/p>\n<p>                  <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/7e2e69ac-5794-4f3b-8cff-82e01540490f.jpg\"   alt=\"Krisenmodus: Laut dem VCI-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Wolfgang Gro\u00dfe Entrup drohen\u00a0der deutschen Chemiebranche weitere Produktionsstilllegungen und Stellenabbau.\" class=\"w-full h-full object-cover cursor-pointer\" loading=\"lazy\" data-original-url=\"\" data-caption=\"Krisenmodus: Laut dem VCI-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Wolfgang Gro\u00dfe Entrup drohen\u00a0der deutschen Chemiebranche weitere Produktionsstilllegungen und Stellenabbau.\" data-source=\"Thomas Lohnes\/VCI\"\/><\/p>\n<p class=\"font-roboto text-sm leading-[22px] font-normal not-italic text-gray-800 text-left flex-[3]\">Krisenmodus: Laut dem VCI-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Wolfgang Gro\u00dfe Entrup drohen\u00a0der deutschen Chemiebranche weitere Produktionsstilllegungen und Stellenabbau.<\/p>\n<p class=\"text-left md:text-right font-roboto text-xs leading-[18px] font-normal not-italic text-gray-700 flex-1 mt-1 md:mt-0\">\u00a9 Thomas Lohnes\/VCI<\/p>\n<p class=\"text-black text-lg font-normal font-roboto\">\n            Wachstum muss zum Ma\u00dfstab jeder wirtschaftspolitischen Entscheidung werden. Nicht als Schlagwort in Sonntagsreden, sondern als Leitlinie f\u00fcr konkrete Politik. Tausende Jobs sind in Gefahr. Es muss jetzt hei\u00dfen: Wirtschaft first! Wir m\u00fcssen am Standort Deutschland runter mit den Energiepreisen, runter mit den <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/category\/steuer\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Steuern<\/a>, runter mit B\u00fcrokratie und Regulierung. Wenn es der Wirtschaft gut geht, profitiert jeder in Deutschland.\n          <\/p>\n<p class=\"text-black text-lg font-normal font-roboto\">\n            Es hei\u00dft, Deutschland investiere zu wenig \u2013 privat wie \u00f6ffentlich. Glauben Sie, dass das 500 Milliarden Euro schwere Sonderverm\u00f6gen der Regierung \u00fcberhaupt greift, oder ist das am Ende nur ein Tropfen auf den hei\u00dfen Stein?\n          <\/p>\n<p class=\"text-black text-lg font-normal font-roboto\">\n            Aus unserer Sicht hat der Staat kein Einnahmenproblem, sondern ein Priorit\u00e4tenproblem. F\u00fcr die dringend notwendigen Investitionen und Verteidigungsausgaben ist ausreichend Geld da\u00a0\u2013 durch das Sonderverm\u00f6gen und die Aussetzung der Schuldenregel. Bei den Staatsausgaben muss jedoch st\u00e4rker priorisiert und gespart sowie die <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/article\/sondervermoegen-fuer-infrastruktur-bundesregierung-zweckentfremdet-gelder-fast-komplett-10025012\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Zweckentfremdung des Sonderverm\u00f6gens<\/a> r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden. Vor diesem Hintergrund sprechen wir uns klar gegen weitere Belastungen \u00fcber h\u00f6here Steuern oder Abgaben aus. Im Gegenteil: Steuern m\u00fcssen runter. Deutschland geh\u00f6rt schon heute zu den Hochsteuerl\u00e4ndern.\n          <\/p>\n<p>          Chemie-Chef \u00fcber Merz-Regierung: \u201eSchneckentempo\u201c<\/p>\n<p class=\"text-black text-lg font-normal font-roboto\">\n            Laut dem j\u00fcngsten ARD-Deutschlandtrend zweifeln 70 Prozent der Deutschen an der Reformf\u00e4higkeit der Merz-Regierung. Wirkt die Regierung auf Sie handlungsf\u00e4hig genug, um den Weg aus dieser Stagnation zu finden \u2013 oder droht politische L\u00e4hmung?\n          <\/p>\n<p class=\"text-black text-lg font-normal font-roboto\">\n            Wir hatten uns vom Regierungswechsel deutlich mehr erhofft. Das Problem ist nicht fehlender politischer Wille. Das Problem ist die Geschwindigkeit. Wir haben den Standstreifen verlassen, wir bewegen uns aber weiterhin im Schneckentempo. Die Entlastungen der Bundesregierung sind bislang kein Gamechanger. Beispielsweise ist die Strompreiskompensation lange angek\u00fcndigt, aber noch immer nicht umgesetzt. An den Werkstoren kommt nichts an.\n          <\/p>\n<p class=\"text-black text-lg font-normal font-roboto\">\n            Was jetzt z\u00e4hlt, sind strukturelle Reformen und eine klare Fokussierung der Ausgaben. Hier muss die Bundesregierung endlich liefern. Der Handlungsdruck, die strukturellen Nachteile des Standorts Deutschland durch Entlastungen und tiefgreifende Reformen zu verringern, hat sich erh\u00f6ht. Das fordern wir gegen\u00fcber der Politik ein.\n          <\/p>\n<p class=\"text-black text-lg font-normal font-roboto\">\n            Ist das deutsche Wirtschaftsmodell \u2013 Exportst\u00e4rke, Industrie, g\u00fcnstige Energie \u2013 an seine Grenzen gekommen?\n          <\/p>\n<p class=\"text-black text-lg font-normal font-roboto\">\n            Deutschland hat weiterhin alle Karten in der Hand, um die Wachstumsschw\u00e4che zu \u00fcberwinden. Aber der Druck durch hausgemachte Standortprobleme und Krisen von au\u00dfen wird immer gr\u00f6\u00dfer. Die Bundesregierung hat bisher nur mit Einzelma\u00dfnahmen reagiert. Das reicht nicht.\n          <\/p>\n<p class=\"text-black text-lg font-normal font-roboto\">\n            Bis zum Sommer muss ein Paket auf den Tisch, das die Ursachen unserer Wachstumsschw\u00e4che rigoros bek\u00e4mpft. Wir m\u00fcssen gemeinsam als Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bereit sein, Zumutungen zu ertragen. Es wird nicht ohne Einschnitte gehen. Dann k\u00f6nnen wir auch geopolitischen St\u00fcrmen besser trotzen.<\/p>\n<p>                <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/images\/blz\/send-mail.svg\" alt=\"Send feedback\"\/><\/p>\n<p>Lesen Sie mehr zum Thema<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Viele Chemieunternehmen arbeiten derzeit unterhalb ihrer Kapazit\u00e4ten. Auftr\u00e4ge fehlen, w\u00e4hrend die Kosten weiter steigen. 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