{"id":974907,"date":"2026-04-26T18:22:18","date_gmt":"2026-04-26T18:22:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/974907\/"},"modified":"2026-04-26T18:22:18","modified_gmt":"2026-04-26T18:22:18","slug":"vom-wall-bis-nach-farge-8-orte-der-gestapo-gewalt-in-bremen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/974907\/","title":{"rendered":"Vom Wall bis nach Farge: 8 Orte der Gestapo-Gewalt in Bremen"},"content":{"rendered":"<p>Video<\/p>\n<p>Der Lloyd-Bahnhof in Bremen: Von der Gestapo wurde er zur Deportation von Juden genutzt, heute beherbergt er ein Hotel.<\/p>\n<p>Bild: Quarz\/Wikipedia<\/p>\n<p>Video-Ende<\/p>\n<p class=\"article-intro\">Ein neues Buch beleuchtet die Geschichte der Gestapo in Bremen. Wir zeigen jene Orte, an denen die Geheime Staatspolizei Menschen verfolgte, folterte und ermordete.<\/p>\n<p>Wo sa\u00dfen die Schreibtischt\u00e4ter? Wo wurden politische Gefangene gefoltert? Und von welchem Bahnhof aus deportierte die Bremer Gestapo j\u00fcdische Bremerinnen und Bremer in den Tod? Einige der Orte, an denen die Geheime Staatspolizei zwischen 1933 und 1945 in Bremen und Bremerhaven ihren Terror aus\u00fcbte, sind bis heute im Stadtbild sichtbar.<\/p>\n<p>Information zum Thema<br \/>\nNeues Buch zur Gestapo in Bremen<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/buchvorstellung-anna-leinen-100~_v-320x180_c-1776858437174.jpg\" data-gallery-entry-for=\"gestapo-bremen-geschichte-100\" data-size=\"2560x1440\" class=\"text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image -image-with-fallback -image-rounded  lazyload\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhEAAJAIAAAP\/\/\/\/\/\/\/yH5BAEKAAEALAAAAAAQAAkAAAIKjI+py+0Po5yUFQA7\"   alt=\"Anna Leinen w\u00e4hrend ihrer Buchvorstellung im Staatsarchiv Bremen, im Vordergrund das Buchcover: Verfolgen und verfolgt werden-Die Gestapo in Bremen 1933-1945\" title=\"Bild: Radio Bremen\" data-image-owner=\"Radio Bremen\" data-image-title=\"Anna Leinen w\u00e4hrend ihrer Buchvorstellung im Staatsarchiv Bremen, im Vordergrund das Buchcover: Verfolgen und verfolgt werden-Die Gestapo in Bremen 1933-1945\" data-image-src=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/buchvorstellung-anna-leinen-100~_v-320x180_c-1776858437174.jpg\" data-image-rights-src=\"\/bilder\/buchvorstellung-anna-leinen-100~_v-640x360_c-1776858437174.jpg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Anna Leinen bei der Vorstellung ihres Buchs.<\/p>\n<p>Bild: Radio Bremen<\/p>\n<p>In ihrem neuen Buch &#8222;Verfolgen und verfolgt werden \u2013 Die Gestapo in Bremen 1933\u20131945&#8220; (Edition Falkenberg, 2026) beleuchtet Historikerin Anna Leinen erstmals umfassend sowohl die T\u00e4ter als auch die Verfolgten der Bremer Gestapo. Das Buch erscheint als Band 76 der Ver\u00f6ffentlichungen aus dem Staatsarchiv der Freien Hansestadt Bremen.<\/p>\n<p>Ende der Information zum Thema<\/p>\n<p>Wir erinnern an die von der Gestapo genutzten Orte des Terrors in Bremen.<\/p>\n<p>1 Polizeihaus Bremen: Hier begann die Bremer Gestapo<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/buchvorstellung-anna-leinen-106~_v-512x288_c-1776858340871.jpg\" data-gallery-entry-for=\"gestapo-bremen-geschichte-100\" data-size=\"2560x1440\" class=\"text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image -image-with-fallback -image-rounded  lazyload\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhEAAJAIAAAP\/\/\/\/\/\/\/yH5BAEKAAEALAAAAAAQAAkAAAIKjI+py+0Po5yUFQA7\"   alt=\"Buchausschnitt von Anna Leinen &quot;Verfolgen und verfolgt werden&quot;\" title=\"Bild: Radio Bremen\" data-image-owner=\"Radio Bremen\" data-image-title=\"Buchausschnitt von Anna Leinen &quot;Verfolgen und verfolgt werden&quot;\" data-image-src=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/buchvorstellung-anna-leinen-106~_v-512x288_c-1776858340871.jpg\" data-image-rights-src=\"\/bilder\/buchvorstellung-anna-leinen-106~_v-640x360_c-1776858340871.jpg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Auszug aus dem Buch &#8222;Verfolgen und verfolgt werden \u2013 Die Gestapo in Bremen 1933\u20131945&#8220; mit einem Bild der ehemaligen Bremer Gestapo-Zentrale, heute Sitz der Stadtbibliothek.<\/p>\n<p>Bild: Radio Bremen<\/p>\n<p>Der erste Sitz der von den Nazis neu gegr\u00fcndeten Geheimen Staatspolizei befand sich 1933 noch im Polizeihaus \u2013 im sogenannten &#8222;Zimmer 450&#8220;. Von diesem Zimmer aus wurde die politische Verfolgung in Bremen neu organisiert und abgewickelt.<\/p>\n<p>1934 zog die Gestapo dann in gr\u00f6\u00dfere R\u00e4ume um. In direkter Nachbarschaft im Geb\u00e4ude Am Wall 199 richtete sie ihre Bremer Zentrale ein. Von hier aus koordinierte sie unter anderem die \u00dcberwachung j\u00fcdischer Bremerinnen und Bremer und die Kontrolle von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/stab-gestapo-bremen-110~_v-512x288_c-1776862750626.jpg\" data-gallery-entry-for=\"gestapo-bremen-geschichte-100\" data-size=\"2560x1440\" class=\"text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image -image-with-fallback -image-rounded  lazyload\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhEAAJAIAAAP\/\/\/\/\/\/\/yH5BAEKAAEALAAAAAAQAAkAAAIKjI+py+0Po5yUFQA7\"   alt=\"Heinrich Himmler bei seinem Besuch in Bremen am 7. April 1934, links das Polizeihaus.\" title=\"Bild: Staatsarchiv Bremen\" data-image-owner=\"Staatsarchiv Bremen\" data-image-title=\"Heinrich Himmler bei seinem Besuch in Bremen am 7. April 1934, links das Polizeihaus.\" data-image-src=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/stab-gestapo-bremen-110~_v-512x288_c-1776862750626.jpg\" data-image-rights-src=\"\/bilder\/stab-gestapo-bremen-110~_v-640x360_c-1776862750626.jpg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Heinrich Himmler, er leitete f\u00fcr die Nationalsozialisten die Sturmabteilung (SA) und Schutzstaffel (SS), bei einem Besuch in Bremen. Am Wall besuchte er die neue Gestapo-Zentrale.<\/p>\n<p>Bild: Staatsarchiv Bremen<\/p>\n<p>&#8222;Mit ihrer Zentrale Am Wall 199, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Polizeihaus, war die Geheime Staatspolizei im Herzen Bremens ans\u00e4ssig&#8220;, schreibt Historikerin Anna Leinen in ihrem Buch &#8222;Verfolgen und verfolgt werden \u2013 Die Gestapo in Bremen 1933\u20131945&#8220;. Von hier aus seien es nur wenige Gehminuten zum Gefangenenhaus Ostertorwache gewesen, in dem die Gestapo ihre &#8222;Schutzh\u00e4ftlinge&#8220; inhaftiert hielt und hier auch Einfluss auf deren Haftbedingungen und Vernehmungen vornahm.<\/p>\n<p>2 Gefangenenhaus Ostertorwache: Das zentrale Gestapo-Gef\u00e4ngnis<\/p>\n<p>Die Ostertorwache war in der NS-Zeit und bis in den Zweiten Weltkrieg der wichtigste Haftort f\u00fcr Gestapo-&#8222;Schutzh\u00e4ftlinge&#8220; in Bremen. Die Geheime Staatspolizei hielt dort Gefangene fest und nahm Einfluss auf Haftbedingungen und Vernehmungen. Nach einem Luftangriff auf das Gefangenenhaus 1944 nutzte sie zus\u00e4tzlich eine Gef\u00e4ngnisbaracke am Osterdeich.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/stab-gestapo-bremen-106~_v-512x288_c-1776862892559.jpg\" data-gallery-entry-for=\"gestapo-bremen-geschichte-100\" data-size=\"2560x1440\" class=\"text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image -image-with-fallback -image-rounded  lazyload\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhEAAJAIAAAP\/\/\/\/\/\/\/yH5BAEKAAEALAAAAAAQAAkAAAIKjI+py+0Po5yUFQA7\"   alt=\"Die Ostertorwache um 1940\" title=\"Bild: Staatsarchiv Bremen\" data-image-owner=\"Staatsarchiv Bremen\" data-image-title=\"Die Ostertorwache um 1940\" data-image-src=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/stab-gestapo-bremen-106~_v-512x288_c-1776862892559.jpg\" data-image-rights-src=\"\/bilder\/stab-gestapo-bremen-106~_v-640x360_c-1776862892559.jpg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Die Ostertorwache, heute das Wilhelm-Wagenfeld-Haus, war in den 1930er Jahren das Hauptgef\u00e4ngnis der Gestapo.<\/p>\n<p>Bild: Staatsarchiv Bremen<\/p>\n<p>Wie es in dem Gef\u00e4ngnis seit 1933 zuging, ist heute nur noch schwer zu ermitteln, weil die Gestapo am Ende des Zweiten Weltkriegs den Gro\u00dfteil der Akten \u00fcber ihre Taten vernichtete. Historikerin Leinen versucht diese L\u00fccken zu schlie\u00dfen, zum Beispiel durch Zitate von Zeitzeugen. So berichtete der ehemalige Oberverwalter des Polizeigef\u00e4ngnisses, dass in einem Fall weibliche H\u00e4ftlinge misshandelt worden seien. Und weiter: Er &#8222;gebe die M\u00f6glichkeit zu, dass auch in anderen F\u00e4llen leichte Misshandlungen durch Gestapobeamte bei Vernehmungen vorgekommen sein&#8220; k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Ein ehemaliger Gestapo-Beamter gab nach dem Krieg zu Protokoll, &#8222;dass H\u00e4ftlinge in seiner Gegenwart von anderen Gestapo-Beamten mit Boxhieben und Fusstritten misshandelt wurden, um sie zum Reden zu zwingen&#8220;.<\/p>\n<p>Die massive Verfolgung politischer Gegnerinnen und Gegner f\u00fchrte wiederholt zu \u00dcberbelegungen und schlechten Haftbedingungen. Weshalb die H\u00e4ftlinge auch auf weitere von der Bremer Gestapo in der Hansestadt genutzte Haftorte verteilt wurden, zum Beispiel das Konzentrationslager Mi\u00dfler in Findorff.<\/p>\n<p>3 KZ Mi\u00dfler in Findorff: Bremens erstes Konzentrationslager<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/stab-gestapo-bremen-108~_v-512x288_c-1776950474942.jpg\" data-gallery-entry-for=\"gestapo-bremen-geschichte-100\" data-size=\"2560x1440\" class=\"text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image -image-with-fallback -image-rounded  lazyload\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhEAAJAIAAAP\/\/\/\/\/\/\/yH5BAEKAAEALAAAAAAQAAkAAAIKjI+py+0Po5yUFQA7\"   alt=\"Das KZ Mi\u00dfler mit Gefangenen und Aufsehern 1933\" title=\"Bild: Staatsarchiv Bremen\" data-image-owner=\"Staatsarchiv Bremen\" data-image-title=\"Das KZ Mi\u00dfler mit Gefangenen und Aufsehern 1933\" data-image-src=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/stab-gestapo-bremen-108~_v-512x288_c-1776950474942.jpg\" data-image-rights-src=\"\/bilder\/stab-gestapo-bremen-108~_v-640x360_c-1776950474942.jpg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Gefangene und Aufseher im ersten Bremer Konzentrationslager, dem KZ Mi\u00dfler in Findorff.<\/p>\n<p>Bild: Staatsarchiv Bremen<\/p>\n<p>Ende M\u00e4rz 1933, nur wenige Wochen nach der Macht\u00fcbernahme der Nationalsozialisten, wurde in den ehemaligen Auswandererhallen der Agentur Friedrich Mi\u00dfler zwischen Walsroder Stra\u00dfe und Hemmstra\u00dfe im Stadtteil Findorff eines der ersten Konzentrationslager im Deutschen Reich eingerichtet \u2013 \u00fcberwacht von 40 Hilfspolizeibeamten. Unter der Leitung von SS-Hauptsturmf\u00fchrer Otto L\u00f6blich wurden hier anfangs 148, sp\u00e4ter bis zu 300 H\u00e4ftlinge festgehalten \u2013 vor allem Kommunisten und Sozialdemokraten.<\/p>\n<p>Ein Bericht der Exilzeitung &#8222;Deutsche Freiheit&#8220; aus dem Jahr 1933, den Anna Leinen in ihrem Buch zitiert, gibt einen drastischen Einblick in die \u00fcbliche Verh\u00f6rpraxis dieser Zeit:<\/p>\n<blockquote class=\"citation -citation-type-simple\">\n<p class=\"citation-text\">Die Festgenommenen werden also [&#8230;] zur eingehenden Vernehmung, das hei\u00dft zur Folterung, ausgeliefert, um dann mit dem Ermittlungsergebnis \u2013 zerbrochenen Knochen und blutigen Striemen \u2013 ins Konzentrationslager oder ins Krankenhaus \u00fcberf\u00fchrt zu werden.<\/p>\n<p>Deutsche Freiheit, 1933, zitiert in: Anna Leinen, &#8222;Verfolgen und verfolgt werden&#8220;, S. 26<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die Konzentrationslager dienten als Erweiterung f\u00fcr die durch zahlreiche &#8222;Schutzh\u00e4ftlinge&#8220; \u00fcberf\u00fcllten Gef\u00e4ngnisse der Stadt \u2013 und sie stellten f\u00fcr die Gestapo ein bedeutendes Instrument dar, um mithilfe von Repression und Gewalt Druck auf politisch Andersdenkende auszu\u00fcben, schreibt Leinen. Insgesamt gerieten in Bremen ab 1933 etwa 1.305 H\u00e4ftlinge in &#8222;Schutzhaft&#8220; und wurden auf verschiedene Lager verteilt.<\/p>\n<p>Das KZ Mi\u00dfler wurde als eines von ihnen bereits im September 1933 wieder geschlossen \u2013 allerdings nicht aus humanit\u00e4ren Gr\u00fcnden. Der Grund war, dass die Nachbarschaft die Misshandlungen der Gefangenen mitbekommen hatte.<\/p>\n<p>4 Ochtumsand: KZ-Schleppkahn<\/p>\n<p>Nachdem das KZ Mi\u00dfler im September 1933 geschlossen wurde, verlegte man die verbliebenen H\u00e4ftlinge unter anderem auf den ehemaligen Schleppkahn &#8222;Ochtumsand&#8220; in der Ochtumsm\u00fcndung. Das Schiff diente als schwimmendes Konzentrationslager \u2013 eine im Deutschen Reich ungew\u00f6hnliche Form der Inhaftierung.<\/p>\n<p>Anna Leinen beschreibt in ihrem Buch die desolaten Bedingungen an Bord. &#8222;Im KZ Ochtumsand wurden die H\u00e4ftlinge unter Deck in unbeheizten Lader\u00e4umen festgehalten&#8220;, schreibt sie.<\/p>\n<p>5 Langl\u00fctjen II: KZ-Insel<\/p>\n<p>Auch das auf einer ehemaligen Festungsinsel in der Weserm\u00fcndung gelegene KZ Langl\u00fctjen II war eine Nachfolgeeinrichtung des aufgel\u00f6sten KZ Mi\u00dfler. Dort wurden die Festungsgew\u00f6lbe, die Kasematten, zu Zellen umfunktioniert \u2013 f\u00fcr die Insassen eine Tortur.<\/p>\n<blockquote class=\"citation -citation-type-simple\">\n<p class=\"citation-text\">Bei Flut standen in Langl\u00fctjen Teile der als Zellen genutzten Kasematten unter Wasser.<\/p>\n<p>Anna Leinen, &#8222;Verfolgen und verfolgt werden&#8220;, S. 27<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die Isolation auf dem Wasser machte eine Flucht faktisch unm\u00f6glich und erschwerte auch jede Kontrolle von au\u00dfen. Die Inhaftierten waren ihren Bewachern ausgeliefert.<\/p>\n<p>An Weihnachten 1933 wurden einige der Gefangenen im Zuge einer &#8222;allgemeinen Weihnachtsgnadenaktion&#8220; aus den Konzentrationslagern Ochtumsand und Langl\u00fctjen entlassen. Die so Entlassenen wurden aufgefordert, ihre &#8222;staatsfeindlichen T\u00e4tigkeiten&#8220; zu beenden und sich stattdessen &#8222;zu ihrem eigenen Besten&#8220; mit dem Nationalsozialismus auseinanderzusetzen \u2013 so sei dieser, &#8222;den sie jahrelang verfolgt h\u00e4tten, nicht mehr ihr Feind&#8220;. Gleichwohl gab Bremens Gestapo-Chef Erwin Schulz ihnen noch mit auf den Weg, ein &#8222;R\u00fcckfall w\u00fcrde zu einer \u00e4u\u00dferst scharfen Strafe f\u00fchren&#8220;.<\/p>\n<p>6 Gossel-Haus am Buntentorsteinweg: Folterort der fr\u00fchen NS-Zeit<\/p>\n<p>Ab Mitte April 1933 diente ein Geb\u00e4ude am Buntentorsteinweg \u2013 das sogenannte &#8222;Gossel-Haus&#8220; \u2013 der SA als Folterst\u00e4tte. Es war zuvor ein Geb\u00e4ude der KPD gewesen und auch als &#8222;Rotes Haus&#8220; bekannt, bevor es von den Nationalsozialisten beschlagnahmt worden war. Hier nahm die SA, also die paramilit\u00e4rische Kampforganisation der NSDAP, der Gestapo ab 1933 &#8222;die schmutzige Arbeit der Folterung der H\u00e4ftlinge ab&#8220;, schreibt Anna Leinen in ihrem Buch &#8222;Verfolgen und verfolgt werden&#8220;.<\/p>\n<p>Das &#8222;Gossel-Haus&#8220; habe sich dabei auch zu einem Druckmittel bei Verh\u00f6ren entwickelt: Gestapo-Beamte nutzten den ber\u00fcchtigten Ort als Drohung gegen\u00fcber H\u00e4ftlingen. Wer bei Verh\u00f6ren im Polizeihaus nicht kooperierte, dem wurde mit einer \u00dcberstellung in das &#8222;Gossel-Haus&#8220; gedroht, schreibt die Historikerin.<\/p>\n<p>7 Arbeitserziehungslager Farge: Zwangsarbeit und Terror<\/p>\n<p>Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nutzte die Bremer Gestapo ab Mai 1940 bis zum Kriegsende das &#8222;Arbeitserziehungslager&#8220; (AEL) Farge als zentralen Haft- und Terrorort gegen Zwangsarbeiter und andere als angeblich &#8222;arbeitsunwillig&#8220; verfolgte Menschen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/stab-gestapo-bremen-100~_v-512x288_c-1776863072265.jpg\" data-gallery-entry-for=\"gestapo-bremen-geschichte-100\" data-size=\"1280x720\" class=\"text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image -image-with-fallback -image-rounded  lazyload\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhEAAJAIAAAP\/\/\/\/\/\/\/yH5BAEKAAEALAAAAAAQAAkAAAIKjI+py+0Po5yUFQA7\"   alt=\"Holzbaracke im Lager &quot;Tesch&quot; um 1940 (Arbeitserziehungslager der Bremer Gestapo)\" title=\"Bild: Staatsarchiv Bremen\" data-image-owner=\"Staatsarchiv Bremen\" data-image-title=\"Holzbaracke im Lager &quot;Tesch&quot; um 1940 (Arbeitserziehungslager der Bremer Gestapo)\" data-image-src=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/stab-gestapo-bremen-100~_v-512x288_c-1776863072265.jpg\" data-image-rights-src=\"\/bilder\/stab-gestapo-bremen-100~_v-640x360_c-1776863072265.jpg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Holzbaracke im Lager &#8222;Tesch&#8220; um 1940. Es war Teil des &#8222;Arbeitserziehungslagers&#8220; der Bremer Gestapo in Farge.<\/p>\n<p>Bild: Staatsarchiv Bremen<\/p>\n<p>Die Haftbedingungen waren von mangelhafter Verpflegung sowie der Brutalit\u00e4t des Wachpersonals und der Lagerf\u00fchrung gekennzeichnet, die der Gestapo angeh\u00f6rte. Anna Leinen dokumentiert in ihrem Buch mindestens 163 Todesf\u00e4lle im AEL Farge.<\/p>\n<p>Das Lager lag in der N\u00e4he des Bunkers &#8222;Valentin&#8220; \u2013 heute eine Gedenkst\u00e4tte. Dort leisteten zwischen 1943 und 1945 \u00fcber 10.000 Zwangsarbeiter unter unmenschlichen Bedingungen Schwerstarbeit. Mehr als 1.600 von ihnen kamen dabei ums Leben.<\/p>\n<p>8 Lloyd-Bahnhof: Abfahrt in den Tod<\/p>\n<p>In Bremen war es das &#8222;Judenreferat&#8220; der Gestapo, das unter anderem die Liste f\u00fcr die Deportation von j\u00fcdischen Menschen in das Ghetto Minsk am 18. November 1941 zusammenstellte. Auf der Liste standen 497 Erwachsene und 63 Kinder von h\u00f6chstens 13 Jahren.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/stab-gestapo-bremen-102~_v-512x288_c-1776863118643.jpg\" data-gallery-entry-for=\"gestapo-bremen-geschichte-100\" data-size=\"2560x1440\" class=\"text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image -image-with-fallback -image-rounded  lazyload\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhEAAJAIAAAP\/\/\/\/\/\/\/yH5BAEKAAEALAAAAAAQAAkAAAIKjI+py+0Po5yUFQA7\"   alt=\"Der Lloydbahnhof um 1925\" title=\"Bild: Staatsarchiv Bremen | Stickelmann\" data-image-owner=\"Staatsarchiv Bremen | Stickelmann\" data-image-title=\"Der Lloydbahnhof um 1925\" data-image-src=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/stab-gestapo-bremen-102~_v-512x288_c-1776863118643.jpg\" data-image-rights-src=\"\/bilder\/stab-gestapo-bremen-102~_v-640x360_c-1776863118643.jpg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Der Lloydbahnhof in unmittelbarer Nachbarschaft des Bremer Hauptbahnhofs wurde von der Gestapo zur Deportation j\u00fcdischer Menschen genutzt.<\/p>\n<p>Bild: Staatsarchiv Bremen | Stickelmann<\/p>\n<p>Vor der Deportation der Bremerinnen und Bremer vom Lloydbahnhof kontrollierte und beschlagnahmte die Gestapo die zwangsweise zur\u00fcckgelassenen Verm\u00f6genswerte, gab Wohnungsschl\u00fcssel an das Oberfinanzpr\u00e4sidium Weser-Ems weiter und koordinierte sp\u00e4ter auch die Versteigerung von M\u00f6beln.<\/p>\n<p>Die meisten Deportierten wurden dort im Ghetto Minsk oder in der Vernichtungsst\u00e4tte Trostenez bei Minsk ermordet.<\/p>\n<p>Auch die Deportationen am 23. Juli 1942 von 163 und am 13. Februar 1945 von 55 j\u00fcdischen Bremerinnen und Bremern nach Theresienstadt wurden von der Gestapo organisiert.<\/p>\n<p>Insgesamt war die Gestapo somit an der Deportation von mindestens 658 Bremerinnen und Bremer in den drei gro\u00dfen dokumentierten Transporten aus der Hansestadt beteiligt.<\/p>\n<p>Mehr zum Thema:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Video Der Lloyd-Bahnhof in Bremen: Von der Gestapo wurde er zur Deportation von Juden genutzt, heute beherbergt er&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":974908,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1824],"tags":[2420,3364,29,30,25614],"class_list":["post-974907","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-bremen","tag-bremen","tag-de","tag-deutschland","tag-germany","tag-gestapo"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116472404314694171","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/974907","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=974907"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/974907\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/974908"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=974907"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=974907"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=974907"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}