{"id":975957,"date":"2026-04-27T05:14:18","date_gmt":"2026-04-27T05:14:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/975957\/"},"modified":"2026-04-27T05:14:18","modified_gmt":"2026-04-27T05:14:18","slug":"wie-bp-und-total-den-ausbau-der-offshore-windkraft-ausbremsen-wollen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/975957\/","title":{"rendered":"Wie BP und Total den Ausbau der Offshore-Windkraft ausbremsen wollen"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/windpark-144.jpg\" alt=\"Offshore Windpark\" title=\"Offshore Windpark | picture alliance \/ Zoonar\"\/><\/p>\n<p>                    <strong>exklusiv<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 27.04.2026 \u2022 06:05 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Die Energiekonzerne BP und Total Energies haben Milliarden in Offshore-Windparks investiert. Ein neuer Vorsto\u00df der Unternehmen k\u00f6nnte den Ausbau der Anlagen um Jahre verz\u00f6gern &#8211; und deutlich weniger Strom bringen. Das zeigen NDR-Recherchen.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Verena von Ondarza, NDR\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Als im Juli 2023 die Ergebnisse der Ausschreibungen f\u00fcr gro\u00dfe Windparkfl\u00e4chen bekannt wurden, rieben sich viele in der Branche die Augen. Ganze 12,6 Milliarden Euro wollten die gro\u00dfen \u00d6lkonzerne BP und Total f\u00fcr jeweils zwei Fl\u00e4chen in der Nordsee zahlen. Mit dem Zuschlag bekamen sie das Recht, dort gro\u00dfe Offshore-Windparks zu errichten &#8211; zusammen mit einer Kapazit\u00e4t von sieben Gigawatt. Ein Jahr sp\u00e4ter legten sie noch einmal nach und ersteigerten weitere Fl\u00e4chen f\u00fcr drei Milliarden Euro.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dass sich die Windparks bei diesem hohen Einsatz wirtschaftlich betreiben lassen, bezweifelten damals viele. Das Unternehmen RWE, das 2024 urspr\u00fcnglich gemeinsam mit Total geboten hatte, zog sich aus dem Konsortium zur\u00fcck. Inzwischen hat BP das Offshore-Gesch\u00e4ft ausgegliedert in das Joint Venture Jera Nex BP.<\/p>\n<p>    Neuer Plan k\u00f6nnten Offshore-Ausbau bremsen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nun versuchen Jera Nex BP und Total offenbar gemeinsam die Rahmenbedingungen f\u00fcr den Betrieb ihrer Parks nachtr\u00e4glich zu \u00e4ndern. Sie fordern, dass ein Gro\u00dfteil der noch offenen Fl\u00e4chen deutlich sp\u00e4ter ausgeschrieben werden als urspr\u00fcnglich geplant. Also eine Bremse des Offshore-Windkraftausbaus.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Daf\u00fcr haben die Unternehmen ein Szenario aufgestellt, mit dem sie den derzeitigen Fl\u00e4chenentwicklungsplan in Frage stellen. Ihr Plan nennt sich &#8222;Re-Order&#8220; und sieht vor, dass die Kapazit\u00e4t von 70 Gigawatt erst im Jahr 2057 erreicht wird. Der derzeitige Fl\u00e4chenentwicklungsplan (FEP) geht davon aus, dass schon im Jahr 2041 Windr\u00e4der mit einer Kapazit\u00e4t von 70 Gigawatt in der deutschen Nordsee stehen sollen. Die Vorstellung der Unternehmen w\u00fcrde dies also um 16 Jahre verschieben.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ihren Plan haben sich die Unternehmen eigens mit einer Studie beim Fraunhofer Institut f\u00fcr Windenergiesysteme (IWES) durchrechnen lassen. Nach Informationen des NDR haben die Unternehmen diese Berechnungen bereits bei der Beh\u00f6rde, die f\u00fcr die Fl\u00e4chenplanung zust\u00e4ndig ist, vorgestellt.<\/p>\n<p>    Expertin: Plan widerspricht gesetzlicher Grundlage<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Lea Haefke leitet beim Bundesamt f\u00fcr Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH) das Referat Fl\u00e4chenentwicklungsplan. Im Gespr\u00e4ch mit dem NDR sagt sie, die Berechnungen seien \u00f6konomisch nachvollziehbar, dennoch habe sie der Vorsto\u00df der Unternehmen \u00fcberrascht. Denn er widerspreche der gesetzlichen Grundlage. Denn das Ausbauziel ist nicht einfach ein Plan, der angestrebt wird. Es ist im Windenergie-auf-See-Gesetz festgeschrieben &#8211; und zwar f\u00fcr das Jahr 2045 und damit mit einem kleinen Puffer im Vergleich zum FEP.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Jera Nex BP \u00e4u\u00dferte sich dazu auf Anfrage nicht. Total verwies darauf, dass die Ausbauziele aufgrund der massiven Verz\u00f6gerungen im Netzausbau schon jetzt in Frage st\u00fcnden. Ihr Vorschlag w\u00fcrde den Ausbau deshalb deutlich weniger verz\u00f6gern.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Unternehmen begr\u00fcnden ihren Vorsto\u00df mit sogenannten Abschattungseffekten. Wenn vor einem Windpark eine weitere Anlage errichtet wird, sinken die Ertr\u00e4ge der dahinter stehenden Anlagen. Sie stehen buchst\u00e4blich im Windschatten. Deshalb k\u00f6nne man, so die Argumentation, mit einem verz\u00f6gerten Ausbau die bestehende oder schon geplante Infrastruktur effizienter betreiben.<\/p>\n<p>    Fraunhofer Institut: &#8222;Einbruch&#8220; der Windenergieertr\u00e4ge<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Studie geht von 2 bis 10 Prozent h\u00f6heren Ertr\u00e4gen in den sogenannten Fokusfl\u00e4chen aus. Dazu z\u00e4hlen auch die Fl\u00e4chen, die BP und Total erworben haben. Dies wird direkt in der Kurzzusammenfassung der Studie betont. Eine andere Zahl findet sich deutlich weiter hinten in der Studie. Der Plan der Unternehmen w\u00fcrde dazu f\u00fchren, dass insgesamt deutlich weniger Windstrom produziert wird. Zeitweise w\u00fcrden die Ertr\u00e4ge um ein Drittel sinken.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Der Re-Order-Plan f\u00fchrt nat\u00fcrlich zu einem deutlichen Einbruch der Offshore-Windenergieertr\u00e4ge in der deutschen Nordsee insgesamt&#8220;, sagt Bernhard Stoevesandt, der am Fraunhofer IWES als Chief Political Officer an der Studie mitgearbeitet hat. &#8222;Das ist eine Abw\u00e4gung zwischen: Wie sehr soll sich das f\u00fcr die Firmen lohnen und wie viel Strom soll der Offshore-Wind der Gesellschaft bringen?&#8220;, sagt er.<\/p>\n<p>    BP und Total lobbyieren im Wirtschaftsministerium<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Total Energies erkl\u00e4rte dazu, die Studie sei ein proaktiver Vorschlag, die Windenergie auf See effizienter und damit g\u00fcnstiger f\u00fcr die Stromkunden zu machen. Die Vorschl\u00e4ge k\u00e4men &#8222;bereits gebauten, bereits bezuschlagten, aber auch zuk\u00fcnftigen Fl\u00e4chen zugute.&#8220; M\u00f6gliche Minderertr\u00e4ge in der Stromerzeugung, die sich im Zeitverlauf ergeben k\u00f6nnten, k\u00f6nnten \u00fcber einen h\u00f6heren Zubau in den Nachbarstaaten kompensiert werden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Abschattungseffekte seien bereits bekannt gewesen als die Unternehmen Milliarden f\u00fcr die Fl\u00e4chen in der Nordsee geboten haben, sagt Lea Haefke vom BSH. Dies h\u00e4lt die Unternehmen jedoch nicht davon ab, auch beim Wirtschaftsministerium mit der Fraunhofer-Studie anzuklopfen. Das best\u00e4tigte dem NDR, dass eine Gespr\u00e4chsanfrage von BP und Total zur Vorstellung der Studie vorliegt. Das Gespr\u00e4ch sei aber noch nicht terminiert.<\/p>\n<p>    Gr\u00fcnen-Abgeordneter: &#8222;Unternehmerisches Risiko&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nina Scheer, energiepolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, kritisiert den Vorsto\u00df der Unternehmen. Es sei zwar sinnvoll, Abschattungseffekte zu vermeiden. Das d\u00fcrfe aber &#8222;unterm Strich nicht zu einem Minus an Ertr\u00e4gen f\u00fchren oder die Ausbauziele in Menge und Zeit verfehlen lassen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der Gr\u00fcnen-Abgeordnete und Berichterstatter f\u00fcr den Bereich Offshore Alaa Alhamwi pocht auf das unternehmerische Risiko, dass die Konzerne mit ihren hohen Geboten eingegangen sind. &#8222;Wenn Offshore-Windprojekte weniger Strom liefern als geplant, entstehen L\u00fccken im System &#8211; und die k\u00f6nnten durch Gaskraftwerke gef\u00fcllt werden&#8220;, bef\u00fcrchtet er.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dass die Unternehmen ausgerechnet jetzt mit ihren Berechnungen auf Lobbytour gehen, h\u00e4lt Carla Geisen von der Deutschen Umwelthilfe f\u00fcr wenig \u00fcberraschend. Denn der Fl\u00e4chenentwicklungsplan f\u00fcr dieses Jahr ist bereits \u00fcberf\u00e4llig. Und auch das Windenergie-auf-See-Gesetz, in dem das Ausbauziel von mindestens 70 GW bis 2045 festgeschrieben ist, muss dieses Jahr novelliert werden. Und hier k\u00f6nnten die Unternehmen bei Wirtschaftsministerin Katherina Reiche offene T\u00fcren einrennen. Denn die hatte schon mehrfach einen langsameren Offshore-Ausbau gefordert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"exklusiv Stand: 27.04.2026 \u2022 06:05 Uhr Die Energiekonzerne BP und Total Energies haben Milliarden in Offshore-Windparks investiert. 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