{"id":976380,"date":"2026-04-27T09:22:19","date_gmt":"2026-04-27T09:22:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/976380\/"},"modified":"2026-04-27T09:22:19","modified_gmt":"2026-04-27T09:22:19","slug":"chelsea-hotel-ein-junger-deutscher-entdeckt-new-yorks-gegenkultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/976380\/","title":{"rendered":"&#8222;Chelsea Hotel&#8220;: Ein junger Deutscher entdeckt New Yorks Gegenkultur"},"content":{"rendered":"<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/coverscopin-102.webp\" alt=\"Cover: Scopin: &quot;Chelsea Hotel&quot;\" title=\"Cover: Scopin: &quot;Chelsea Hotel&quot; | Kerber Verlag\" class=\"responsive\"\/><\/p>\n<p>AUDIO: Bildsch\u00f6ne B\u00fccher: &#8222;Chelsea Hotel&#8220; von Albert Scopin (4 Min)<\/p>\n<p>\n                Stand: 27.04.2026 08:50 Uhr<\/p>\n<p class=\"preface\">New York, 1969. Ein junger Deutscher aus einem Dorf in S\u00fcddeutschland landet mitten in der Gegenkultur-Hauptstadt der Welt. Er fotografiert, was er sieht. Und zwar im sp\u00e4ter legend\u00e4r gewordenen &#8222;Chelsea Hotel&#8220;. Ein neuer Bildband erz\u00e4hlt diese Geschichte.<\/p>\n<p class=\"textauthor\">von <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/jonas-kuehlberg,kuehlberg100.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Jonas K\u00fchlberg<\/a><\/p>\n<p class=\"\">Das Chelsea Hotel in Manhattan war kein normales Hotel. Es war ein Biotop. Ein zw\u00f6lfst\u00f6ckiges Geb\u00e4ude im viktorianisch-gotischen Stil, in dem K\u00fcnstler, Schriftsteller, Musiker und Freigeister lebten &#8211; oft ohne Geld, aber mit vielen Ideen. Wer die Miete nicht zahlen konnte, zahlte mit Kunstwerken. Und wer gar nichts hatte, durfte trotzdem bleiben. So hielt es zumindest Hoteldirektor Stanley Bard, der \u00fcber vier Jahrzehnte das Herz dieser seltsamen Gemeinschaft war.<\/p>\n<p>    Realistisch, authentisch, dokumentarisch<\/p>\n<p class=\"\">Albert Scopin &#8211; mit b\u00fcrgerlichem Name: Albert Sch\u00f6pflin &#8211; kam im Sommer 1969 dorthin, einen Tag nach der Mondlandung, wie er selbst gern anmerkt. Er war 26, frisch ausgebildeter Fotograf, und er malte seine Kameras gelb an. Als Spielzeug sollten sie wirken &#8211; unsichtbar zwischen ihm und seinen Motiven.<\/p>\n<blockquote><p>\n        Mich interessierte der innere Mensch, seine Psyche, sein Denken, F\u00fchlen und W\u00fcnschen. Und ich war \u00fcberzeugt, dass man dies alles fotografieren kann.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"\">Was dabei entstand, zeigt ein Bildband mit dem schlichten Titel &#8222;Chelsea Hotel&#8220;. Es sind Fotos, die man nicht so schnell wieder vergisst &#8211; realistisch, authentisch, dokumentarisch. Manchmal anarchisch. Und immer nah dran.<\/p>\n<p>    Begegnungen mit Patti Smith und Robert Mapplethorpe<\/p>\n<p class=\"\">Besonders nah kam Scopin der jungen Patti Smith und Robert Mapplethorpe. Beide lebten damals in einer Dependance des Hotels &#8211; beide waren noch weitgehend unbekannt. Scopin beschreibt die Begegnung so pr\u00e4zise, dass man die Spannung zwischen den beiden fast k\u00f6rperlich sp\u00fcrt.<\/p>\n<blockquote><p>\n        Robert war gut aussehend, k\u00fchl, zynisch, distanziert. Patti: punkige Klamotten, ausdrucksstarkes Gesicht, direkt, voller Leben. Patti entfaltete w\u00e4hrend des Shootings eine ungeahnte Energie &#8211; es schien, als k\u00f6nne sie an W\u00e4nden und an der Decke laufen. Robert dagegen war v\u00f6llig unbewegt, das genaue Gegenteil.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"\">Scopins Fotografien von Patti Smith in ihrem Zimmer zeigen sie vor ihrem Ruhm. Hier regiert das kreative Chaos. An die W\u00e4nde hatte sie Worte geschrieben, Gedankenfetzen, Gedichte. Der Rest: ein Wust aus Kleidern, B\u00fcchern, Notizen und Kunstwerken.<\/p>\n<p>    Der erste CSD: Der Tag, an dem alles sichtbar wurde<\/p>\n<p class=\"\">Auch Rosa von Praunheim taucht in dem Buch auf, damals ein junger Filmemacher, der rund um die Uhr durch Manhattan zog.<\/p>\n<p class=\"\">Und dann ist da ist der 28. Juni 1970, der Christopher Street Liberation Day. Scopin war dabei, als in New York die erste gro\u00dfe Demonstration der Gay-Community durch die Stadt zog. Er hat die Bilder gemacht. Sein Begleittext l\u00e4sst erahnen, was dieser Tag f\u00fcr viele Menschen bedeutete:<\/p>\n<blockquote><p>\n        Diese Zusammenkunft war so riesig, so bunt, so heiter, so voller Lebensfreude &#8211; und es sorgte f\u00fcr Staunen, wie viele Menschen sich zur Homosexualit\u00e4t bekannten.<\/p>\n<p>                Leseprobe<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/wissenschaft113.webp.webp\" alt=\"Aufgeschlagene B\u00fccher\" title=\"Aufgeschlagene B\u00fccher | Vladimir Melnikov fotolia, Vladimir Melnikov\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Bildb\u00e4nde \u00fcber Architektur, Menschen oder Landschaften sind immer ein Genuss f\u00fcr die Augen. NDR Kultur stellt immer wieder herausragende Neuerscheinungen im Programm vor.<\/p>\n<p>    Drag-Partys, Warhol-Stars und der junge Wim Wenders<\/p>\n<p class=\"\">Das Chelsea Hotel war ein Ort, an dem unterschiedliche Identit\u00e4ten und Genderfluides selbstverst\u00e4ndlich waren &#8211; lange bevor sie gesellschaftlich akzeptiert wurden. Drag-Partys in den Fluren, Warhol-Superstars wie Holly Woodlawn oder Candy Darling, die hier lebten und auftraten. Scopin fotografierte sie alle &#8211; ohne Distanz, aber auch ohne voyeuristischen Blick. Doch in seinen Bildern schwingt auch Melancholie mit. Viele dieser Menschen wollten gesehen werden &#8211; doch man sah sie nicht:<\/p>\n<blockquote><p>\n        Sie sehnten sich so sehr nach der Anerkennung durch die Gesellschaft, nach Best\u00e4tigung &#8211; aber niemand hatte Interesse. Au\u00dfer Warhol in seinen Filmen.<\/p>\n<p>                Leseprobe<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"\">Auch <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/film\/wim-wenders-ein-ausnahme-regisseur-ohne-scheu-vor-eigenarten,wimwenders-102.html\" title=\"Wim Wenders: Ein Ausnahme-Regisseur ohne Scheu vor Eigenarten\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wim Wenders<\/a> ist im Buch zu sehen &#8211; mit 25 Jahren, Anfang der 70er-Jahre, als er das Chelsea besuchte und von einem Filmverleih tr\u00e4umte. Ein Jahr sp\u00e4ter wurde der Filmverlag der Autoren gegr\u00fcndet. Das Chelsea war eben auch das: ein Ort, an dem Ideen entstanden. Das sieht man Scopins Fotografien an.<\/p>\n<p>        <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/coverscopin-102.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/coverscopin-102.webp\" alt=\"Cover: Scopin: &quot;Chelsea Hotel&quot;\" title=\"Cover: Scopin: &quot;Chelsea Hotel&quot; | Kerber Verlag\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>        <\/a><\/p>\n<p>      Chelsea Hotel<\/p>\n<p>von Albert\u00a0Scopin<\/p>\n<dl>\n<dt class=\"dtHidden\">Seitenzahl:<\/dt>\n<dd>176 Seiten<\/dd>\n<dt class=\"dtHidden\">Genre:<\/dt>\n<dd>Bildband<\/dd>\n<dt>Verlag:<\/dt>\n<dd>Kerber<\/dd>\n<dt>ISBN:<\/dt>\n<dd>978-3-7356-1046-1<\/dd>\n<dt>Preis:<\/dt>\n<dd>38 \u20ac<\/dd>\n<\/dl>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"AUDIO: Bildsch\u00f6ne B\u00fccher: &#8222;Chelsea Hotel&#8220; von Albert Scopin (4 Min) Stand: 27.04.2026 08:50 Uhr New York, 1969. 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