{"id":977800,"date":"2026-04-27T22:29:23","date_gmt":"2026-04-27T22:29:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/977800\/"},"modified":"2026-04-27T22:29:23","modified_gmt":"2026-04-27T22:29:23","slug":"lost-places-in-stuttgart-noch-ein-tunnel-mit-gruselfaktor-direkt-neben-stuttgarts-innovativstem-quartier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/977800\/","title":{"rendered":"Lost Places in Stuttgart: Noch ein Tunnel mit Gruselfaktor direkt neben Stuttgarts innovativstem Quartier"},"content":{"rendered":"<p> Die Aufsiedelung des ehemaligen G\u00fcterbahnhof-Areals in Bad <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Stuttgart-Bad_Cannstatt\" title=\"Cannstatt\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Cannstatt<\/a> ist aktuell <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.bad-cannstatt-staedtebau-neues-wohnquartier-fuer-5000-menschen.42b12870-726f-4767-bcb7-a4fe8392ce45.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Stuttgarts gr\u00f6\u00dftes St\u00e4dtebauprojekt<\/a>. Neben den vielen Gewerbebauten sollen dort in den kommenden Jahren insgesamt gut 850 Wohneinheiten entstehen. Was dabei au\u00dfergew\u00f6hnlich ist: Die beiden Gr\u00fcnbereiche zur Naherholung der k\u00fcnftigen Bewohner sind bereits seit Jahren fertig. Der schmucke, rund 2,3 Millionen Euro teure Quartierspark wurde bereits 2017 eingeweiht; und auch die Biotopfl\u00e4che \u201eEmy-Gordon-Stra\u00dfe\u201c ist l\u00e4ngst fertig. Dabei handelt es sich um eine gut zwei Hektar gro\u00dfe Ausgleichsfl\u00e4che, die entlang des Bahndamms vom <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.lost-places-in-stuttgart-stuttgarts-gruseligster-tunnel-einziger-weg-in-modernen-vorzeige-stadtteil.46da0f1e-6bfc-4225-93c1-abfdf33c3687.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Spielplatz an der Morlockstra\u00dfe <\/a>bis ganz nach hinten in den letzten Zipfel des Neubaugebiets f\u00fchrt.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/media.media.e0f6f59c-9f01-42b0-8288-27588ae3c53a.original1024.media.jpeg\"\/>     Blick auf das Portal zu einem weiteren Gruseltunnel im   <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Neckarpark\" title=\"Neckarpark\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Neckarpark<\/a>.    Foto: Uli Nagel    <\/p>\n<p> Und genau dort findet man etwas, was man nahe eines Neubaugebiets so nicht vermutet. Ein Lost Place, der irgendwie an den nahe gelegenen Seelbergdurchlass erinnert, Stuttgarts gruseligsten Tunnel. Die verwinkelte, dunkle R\u00f6hre ist die einzige Anbindung des Neubaugebiets an den Seelberg f\u00fcr Passanten und Radfahrer. <\/p>\n<p>Zwei Millionen Euro f\u00fcr Eidechsenvergr\u00e4mung  <\/p>\n<p>Bereits vor mehr als zehn Jahren hat die Stadt angefangen, den gut zwei Hektar gro\u00dfen Gr\u00fcnzug einzurichten. Mit ausschlaggebend f\u00fcr die eilige Ma\u00dfnahme war damals, dass die Stadt die Tierarten, die auf dem ehemaligen G\u00fcterbahnhof ihr Zuhause hatten, umsiedeln musste. Allen voran <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.bezirksbeirat-in-bad-cannstatt-ein-neues-zuhause-fuer-eidechsen.c75e617e-5e29-4a88-ab8b-74e17800b5c0.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">die Mauer- und Zauneidechsen<\/a>, die sich zuvor auf der 22 Hektar gro\u00dfen G\u00fcterbahnhofs-Brache pudelwohl gef\u00fchlt hatten und in mehreren Etappen und mit gro\u00dfem Aufwand umgesiedelt wurden. Die Kosten f\u00fcr die Vergr\u00e4mung beliefen sich auf gut zwei Millionen Euro. <\/p>\n<p>Wer \u00fcber diesen sogenannten \u201egleisparallelen Gr\u00fcnzug\u201c, so der Arbeitstitel des Garten-, Friedhofs- und Forstamts, in Richtung Motorenwerk spaziert, der steht pl\u00f6tzlich vor dem Eingang zu einer finsteren R\u00f6hre: ein Lost Place, \u00fcber den es zwar in den Geschichtsb\u00fcchern und Archiven so gut wie gar nichts nachzulesen gibt, der optisch aber dennoch sehr eindrucksvoll ist. <\/p>\n<p>Stillgelegter Eisenbahntunnel ist 70 Meter lang <\/p>\n<p>Dabei handelt es sich um einen stillgelegten Eisenbahntunnel, \u00fcber den heute noch t\u00e4glich jede Menge Z\u00fcge donnern. Das Portal der etwa 70 Meter langen R\u00f6hre ist nur schwer als solches zu erkennen, erst wenn der Spazierg\u00e4nger rund 50 Meter davor steht. Schilder an dem Zaun mit der Aufschrift \u201eBetreten verboten\u201c oder \u201ePrivatgel\u00e4nde\u201c gibt es keine, zudem steht das Tor offen und l\u00e4dt neugierige Menschen geradezu ein zu einer Entdeckungstour. <\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/media.media.fb84d5f9-be36-4de8-b6fc-300389e26d2c.original1024.media.jpeg\"\/>     Im Tunnel hat sich die Sprayer-Szene austoben k\u00f6nnen.    Foto: Uli Nagel    <\/p>\n<p>Nach wenigen Metern wird einem beim Anblick von dem Prellbock und den Gleis\u00fcberresten klar: Hier war einst eine Zu- und Abfahrt zum G\u00fcterbahnhof, denn Ende des 19. Jahrhunderts war Cannstatt noch ein bedeutender Industriestandort. Doch erst zehn Jahre nach der \u201eZwangsehe\u201c mit <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stuttgart<\/a> am 1. April 1905 wurde im Jahr 1915 der \u201eOrtsg\u00fcterbahnhof Cannstatt\u201c eingeweiht. In den 1980er-Jahren hatte der Bahnhof ausgedient, und der Zugbetrieb wurde stillgelegt. Daraufhin siedelten sich Recycling-Unternehmen, wie etwa die Firma Degenkolbe, etliche Schrotth\u00e4ndler, Speditionen und Logistiker auf dem Areal an. Der Lastwagenverkehr war enorm, Zugverkehr \u00fcberfl\u00fcssig, und die Gleise wurden entfernt. <\/p>\n<p>Was den von einer gewissen Eisenbahn-Romantik gepackten Spazierg\u00e4nger durch die R\u00f6hre gar nicht verwundert: auf der Entdeckungstour sind Graffiti ein st\u00e4ndiger Begleiter. Angesichts der F\u00fclle m\u00fcssen die Sprayer das Tunnelmauerwerk als Untergrund f\u00fcr ihre Bilder und Schriftz\u00fcge nicht erst in den vergangenen Monaten entdeckt haben. Kein Wunder, die Stuttgarter Sprayer-Szene, die ihre <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.aktivisten-berichten-hip-hop-in-stuttgart-reiche-kultur-mit-wenig-mitteln.f127c181-1b11-46c3-98db-ed5339649c67.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Hochburg in der Hall-of-Fame unter der K\u00f6nig-Karls-Br\u00fccke<\/a> hat, geh\u00f6rt l\u00e4ngst zu Bad Cannstatt wie Wein und Mineralwasser. Beim n\u00e4heren Betrachten erweisen sich die Graffiti zum Teil als echte Kunstwerke, die viel Farbe in die finstere R\u00f6hre mit hohem Gruselfaktor bringt. <\/p>\n<p> Geh\u00f6rt das Gel\u00e4nde der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Deutsche_Bahn\" title=\"Bahn\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bahn<\/a>?  <\/p>\n<p>Am anderen Ende des Tunnels in Richtung Untert\u00fcrkheim steht ein weiterer Prellbock einsam in der Pampa, ebenfalls ein stummer Zeuge einer vergangenen Eisenbahnepoche. Allerdings deutet Baumaterial, das teilweise sauber gestapelt wurde, darauf hin, das hier immer noch gearbeitet wird. Auch hier sucht man vergeblich einen Hinweis, auf wessen Gel\u00e4nde man sich eigentlich befindet und ob man sich eventuell strafbar macht oder gar in Gefahr begibt. <\/p>\n<p>Die neben dem Tunnelportal in Richtung Motorenwerk abgestellten Waggons sind zumindest ein Indiz daf\u00fcr, dass der Spazierg\u00e4nger sich vielleicht auf Bahngel\u00e4nde befindet. Schon etwas eigenartig, denn ansonsten ist die Bahn sehr akribisch, wenn es darum geht, dass aus ihren Gleisanlagen kein Abenteuerspielplatz f\u00fcr Kinder und Jugendlichen wird. Doch genau das k\u00f6nnte passieren, wenn in den kommenden Jahren die nur in etwa 200 Meter Entfernung liegenden gut 850 Wohnungen fertig sein werden und der neue Stadtteil dann zu leben beginnt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Aufsiedelung des ehemaligen G\u00fcterbahnhof-Areals in Bad Cannstatt ist aktuell Stuttgarts gr\u00f6\u00dftes St\u00e4dtebauprojekt. 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