{"id":979790,"date":"2026-04-28T17:17:16","date_gmt":"2026-04-28T17:17:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/979790\/"},"modified":"2026-04-28T17:17:16","modified_gmt":"2026-04-28T17:17:16","slug":"ukraine-krieg-die-parallelen-zum-ersten-weltkrieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/979790\/","title":{"rendered":"Ukraine-Krieg: Die Parallelen zum Ersten Weltkrieg"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Junge M\u00e4nner, die sich in Sch\u00fctzengr\u00e4ben kauern oder einfach in Bombentrichter. Artillerie, die aus getarnten Stellungen einen unsichtbaren Feind beschie\u00dft. Infanterie, die \u00fcber offenes Feld hastet, um dem Feuer zu entgehen. St\u00e4dte, die nur noch \u00f6de Ruinenfelder sind. Die Bilder, die der russische Angriffskrieg in der <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/ukraine\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ukraine<\/a> produziert, kommen dem kulturellen Ged\u00e4chtnis Europas bekannt vor: Das sieht bisweilen aus wie der Erste Weltkrieg in Farbe. 1916, aber hochaufl\u00f6send.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ein zerm\u00fcrbender Stellungskrieg, dessen Front sich hundertmeterweise durchs Land frisst, wenn sie sich \u00fcberhaupt bewegt \u2013 das hat <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/europa\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Europa<\/a> vor 110 Jahren schon einmal erlebt, und nicht nur Laien f\u00fchlen sich daran erinnert. \u201eEine menschenverachtende Strategie\u201c sei das, sagte k\u00fcrzlich <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/geschichte\/ukraine-historikerin-beatrice-heuser-ueber-die-parallelen-zum-ersten-weltkrieg-a-d6d19c4c-2678-42ea-a511-0a593daa2fd2\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">im Interview mit dem \u201eSpiegel\u201c<\/a> die Milit\u00e4rhistorikerin Beatrice Heuser und zog explizit Parallelen zwischen dem deutschen Ziel, die Franzosen in Verdun \u201eausbluten\u201c zu lassen, und der russischen Ermattungsstrategie im Donbass.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Das ist das eine Gesicht dieses Krieges. Das andere ist das einer grundlegenden Ver\u00e4nderung. Drohnen haben das Geschehen an der Front v\u00f6llig ver\u00e4ndert, indem sie aus der schmalen Hauptkampflinie eine \u201eTodeszone von 30 bis 50 Kilometer Tiefe\u201c gemacht haben, \u201ein der kaum Bewegung m\u00f6glich ist\u201c. So dr\u00fcckte es j\u00fcngst <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/debatten\/historiker-neitzel-der-ukrainekrieg-ist-eine-zaesur-in-der-militaergeschichte-200670272.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">in der \u201eFrankfurter Allgemeinen\u201c<\/a> der Milit\u00e4rhistoriker S\u00f6nke Neitzel aus. Der Historiker und Direktor des Deutschen Panzermuseums, Ralf Raths, berichtete unl\u00e4ngst in einem Vortrag beim Zentrum f\u00fcr Milit\u00e4rgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr: Auf dem Schlachtfeld in der Ukraine k\u00e4mpfen bereits unbemannte Luft- gegen unbemannte Landfahrzeuge \u2013 <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/politik\/ausland\/krieg_ukraine\/ukraine-setzt-zunehmend-roboter-vehikel-fuer-gefaehrliche-aufgaben-ein_aid-135484215\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ans\u00e4tze eines Roboterkriegs<\/a>.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Raumgreifende Operationen sind unter diesen Bedingungen extrem schwierig. Das haben die Russen in den ersten Kriegswochen erfahren, als ihr Gro\u00dfangriff auf <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/kiew\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kiew<\/a> scheiterte. Neitzel fasst es so: \u201eDie Defensive scheint erstmals seit mehr als 100 Jahren der Offensive wieder \u00fcberlegen; wir sehen keinen Bewegungskrieg, keine gro\u00dfen Durchbruchsschlachten, die den Krieg schnell entscheiden.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Es ist ein gro\u00dfer Abnutzungskrieg, wie ihn Europa lange nicht gesehen hat \u2013 seit den beiden Weltkriegen nicht. Beide wurden am Ende durch zahlenm\u00e4\u00dfige \u00dcberlegenheit der Alliierten (Neitzel: an \u201eMasse und Feuerkraft\u201c) entschieden, auch wenn beide Male der nach der Papierform schw\u00e4chere Gegner, Deutschland mit seinen Verb\u00fcndeten, seinem Ziel ziemlich nahegekommen war.<\/p>\n<p>Die Gr\u00e4uel des Ersten Weltkriegs      <\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Abnutzungskriege gibt es in Europa, seit es etwas abzunutzen gibt. Das nationale Massenheer erfand die Franz\u00f6sische Revolution \u2013 es ersetzte die verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kleinen Formationen der Kabinettskriege des 18. Jahrhunderts. Und die Industrialisierung erm\u00f6glichte die Produktion von Material in allergr\u00f6\u00dftem Ma\u00dfstab. Ergebnis waren erst als glorreich wahrgenommene, relativ kurze Offensivfeldz\u00fcge wie der Deutsch-Franz\u00f6sische Krieg 1870\/71, dann, mit immer weiter steigender Feuerkraft und besserer Verteidigung, die Gr\u00e4uel des Ersten Weltkriegs, in dem erst ganz am Ende, nach entsetzlichen Verlusten, die panzergest\u00fctzte Offensive wieder die Oberhand gewann.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Zu besichtigen ist an der ukrainischen Front, rein milit\u00e4rtechnisch, die Koinzidenz von Altem und Neuem. Weitet man aber den Blick, dann zeigt dieser Krieg (ebenso wie der amerikanisch-israelische gegen den Iran) Konstanten menschlicher Unzul\u00e4nglichkeit. Eine \u201ehistorische Wiederholungsstruktur\u201c nannte neulich <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/politik\/analyse-und-meinung\/historiker-leonhard-zum-irankrieg-es-gibt-keinen-einfachen-weg-heraus_aid-146722131\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">im Interview der Historiker J\u00f6rn Leonhard<\/a> die Erwartung eines schnellen Sieges \u2013 und ebenso \u201edie Erfahrung, dass genau das nicht funktioniert\u201c. Raths identifiziert als sozusagen allgemeing\u00fcltigen Irrtum die Erwartung, \u201eder n\u00e4chste Konflikt werde wie der jetzige Konflikt sein\u201c. Zu erg\u00e4nzen w\u00e4re die Fehlannahme, der jetzige Konflikt werde wie der vorherige sein. Neitzel betont das langsame Lernen der Milit\u00e4rs in allen Kriegen und kritisiert die <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/bundeswehr\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bundeswehr<\/a> f\u00fcr mentale Tr\u00e4gheit im Drohnenzeitalter.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">All das steht im Grundsatz schon beim Altmeister der Milit\u00e4rstrategie, dem Preu\u00dfen Carl von Clausewitz (1780\u20131831). Der unterschied den \u201eabsoluten\u201c Krieg, \u201edas sogenannte Mathematische\u201c, vom \u201ewirklichen\u201c Krieg, dem \u201eSpiel von M\u00f6glichkeiten, Wahrscheinlichkeiten, Gl\u00fcck und Ungl\u00fcck\u201c. In Leonhards Worten: \u201edass sich jeder einmal ausgebrochene Krieg vom geplanten oder ausgebrochenen Krieg unterschied\u201c. Clausewitz nennt das den \u201eNebel einer mehr oder weniger gro\u00dfen Ungewissheit\u201c und stellt n\u00fcchtern fest: \u201eDie Mehrheit der F\u00e4lle wird den fehlenden Verstand immer an den Tag bringen.\u201c Bezahlt wird daf\u00fcr freilich nicht im Generalstab, sondern im Sch\u00fctzengraben.<\/p>\n<p>Je h\u00f6her die Kosten, desto schwieriger ein Kompromiss      <\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Im <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/nebel\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nebel<\/a> des Krieges kann sich auch eine v\u00f6llige Eskalation verbergen, erst recht mit zunehmender Dauer \u2013 je h\u00f6her die Kosten bereits sind, desto schwieriger wird ein Kompromiss; der Erste Weltkrieg ist das klassische Beispiel daf\u00fcr. W\u00e4hrend der Ukraine-Krieg in der Abnutzung festzustecken scheint, h\u00e4ngt der Irankrieg in dieser Schwebe zwischen (zumindest teilweiser) Befriedung und Ausweitung.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Mag der Krieg auch noch so oft sein Gesicht wandeln, mag er noch so oft alte Muster in neuen Variationen enth\u00fcllen \u2013 durch alle Zeiten und an allen Orten g\u00fcltig bleibt der Satz des Nordstaatengenerals William T. Sherman (1820\u20131891) aus dem Amerikanischen B\u00fcrgerkrieg: \u201eWar is hell.\u201c Krieg ist die H\u00f6lle. Egal ob in Verdun, Stalingrad oder Pokrowsk.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Junge M\u00e4nner, die sich in Sch\u00fctzengr\u00e4ben kauern oder einfach in Bombentrichter. 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