{"id":980875,"date":"2026-04-29T03:34:14","date_gmt":"2026-04-29T03:34:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/980875\/"},"modified":"2026-04-29T03:34:14","modified_gmt":"2026-04-29T03:34:14","slug":"verletzte-taube-gefunden-so-verhaelt-man-sich-richtig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/980875\/","title":{"rendered":"Verletzte Taube gefunden: So verh\u00e4lt man sich richtig"},"content":{"rendered":"<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\"> Es war einer dieser Momente, in denen man kurz inneh\u00e4lt \u2013 und dann doch handelt. An der Stadtbahnhaltestelle M\u00fcnsterstra\u00dfe in D\u00fcsseldorf-Derendorf liegt eine Taube zwischen den Gleisen. Sie flattert panisch, kommt aber nicht vorw\u00e4rts. Neben ihr steht eine \u00e4ltere Dame und stupst das Tier vorsichtig mit ihrem Gehstock an. Ob aus Unsicherheit oder dem Versuch zu helfen, l\u00e4sst sich schwer sagen. Klar ist nur: Die Taube muss hier weg.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ich hebe sie auf. Sie ist erstaunlich leicht, zittert, aber wehrt sich kaum. Was jetzt? Eine schnelle Recherche f\u00fchrt mich zum <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/tierheim\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Tierheim<\/a> D\u00fcsseldorf. Am Telefon bekomme ich eine klare Ansage: vorbeibringen.<\/p>\n<p>Improvisierter Transport quer durch die Stadt      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die n\u00e4chste Herausforderung: der Transport. Ohne lange zu \u00fcberlegen, frage ich eine Passantin, ebenfalls eine Seniorin, ob sie mir ihre Einkaufst\u00fcte \u00fcberlassen kann. Sie z\u00f6gert kurz, dann nickt sie. Ich setze die Taube hinein. Das Rascheln wird schnell weniger, das Tier beruhigt sich. Schon da habe ich das Gef\u00fchl: Mit dem rechten Bein stimmt etwas nicht.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Mit der Stra\u00dfenbahn fahre ich Richtung Rath. Es ist eine dieser Fahrten, bei denen man sich der Blicke bewusst ist. Einige Schulkinder kichern, zeigen auf die T\u00fcte, aus der es gelegentlich raschelt. \u201eWas ist da drin?\u201c, fragt eines. \u201eEine Taube\u201c, sage ich. Es folgt ungl\u00e4ubiges Staunen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Vom Ausstieg sind es nur noch ein paar Minuten zu Fu\u00df bis zur R\u00fcdigerstra\u00dfe. Im Tierheim nimmt mich Marius Kehren in Empfang, Tierpfleger und stellvertretender Leiter. Ein kurzer Blick gen\u00fcgt ihm. \u201eJa, bei der Guten ist das Bein gebrochen.\u201c Routiniert, fast beil\u00e4ufig \u2013 und doch nicht gleichg\u00fcltig. Ich f\u00fclle ein Online-Formular zum Fund der Taube aus, dann \u00fcberlasse ich ihm die Patientin.<\/p>\n<p>Ein Blick hinter die Kulissen      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Auch einige Tage sp\u00e4ter l\u00e4sst mich die Sache nicht los. Was ist aus Gudrun geworden, wie ich die Taube in dem Moment getauft hatte? Ich verabrede mich erneut mit Kehren. Er muss schmunzeln. \u201eGanz genau erinnern kann ich mich nicht. Daf\u00fcr sind es einfach zu viele Tauben.\u201c Tats\u00e4chlich werden im D\u00fcsseldorfer Tierheim jedes Jahr Hunderte verletzte oder geschw\u00e4chte V\u00f6gel abgegeben \u2013 allein Stadttauben machen einen erheblichen Teil aus. Doch als wir den Fall gemeinsam rekonstruieren, wird klar: Es geht ihr gut.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eEinen gew\u00f6hnlichen Bruch bekommen wir meistens in zwei bis drei Wochen ausgeheilt\u201c, erkl\u00e4rt Kehren. In der Quarant\u00e4nestation zeigt er mir andere F\u00e4lle. Eine Taube mit schweren Kopfverletzungen, vermutlich von Artgenossen attackiert. Andere sind stark abgemagert. \u201eDie Tiere finden oft nicht genug Futter\u201c, sagt er. Gerade in dicht bebauten Stadtteilen fehle es an geeigneten Nahrungsquellen, gleichzeitig erschweren Vergr\u00e4mungsma\u00dfnahmen das Leben der Tiere zus\u00e4tzlich.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Das Tierheim D\u00fcsseldorf ist f\u00fcr leidgeplagte Patienten gut ger\u00fcstet. Neben Hunden und Katzen werden hier regelm\u00e4\u00dfig auch Wildv\u00f6gel aufgep\u00e4ppelt \u2013 von Amseln \u00fcber Kr\u00e4hen bis hin zu Stadttauben. Viele Tiere kommen geschw\u00e4cht an, werden medizinisch versorgt, gef\u00fcttert und \u2013 wenn m\u00f6glich \u2013 wieder ausgewildert. Gerade w\u00e4hrend der Brutzeiten ist die Station oft am Limit.<\/p>\n<p>Mehr als ein \u201eStadtproblem\u201c      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ein wichtiger Teil der Arbeit ist zudem das sogenannte Stadttaubenmanagement. Das Tierheim betreibt mehrere betreute Taubenschl\u00e4ge. Dort finden die Tiere Futter und Nistm\u00f6glichkeiten, gleichzeitig werden gelegte Eier gegen Attrappen ausgetauscht, um die Population tierschutzgerecht zu regulieren. Ein Ansatz, der langfristig sowohl das Tierleid reduzieren als auch Konflikte in der Stadt entsch\u00e4rfen soll.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Denn das Image der Taube ist schlecht \u2013 oft zu Unrecht. \u201eTauben sind nicht die Ratten der L\u00fcfte\u201c, sagt Kehren deutlich. \u201eSie \u00fcbertragen kaum Krankheiten, die f\u00fcr Menschen gef\u00e4hrlich sind, und sind sehr soziale Tiere.\u201c Der Taubendreck, \u00fcber den man sich im Stadtbild schon mal aufregen kann, ist auch deswegen so eklig, weil die Tauben oft nur M\u00fcll essen. \u201eH\u00e4tten die Tauben gutes Futter, w\u00e4re das gar kein so gro\u00dfes Problem\u201c, sagt Tierpfleger und Vogelexperte Kehren. Tats\u00e4chlich stammen Stadttauben von gez\u00fcchteten Haustauben ab, die vom Menschen ausgesetzt oder zur\u00fcckgelassen wurden. Sie sind auf urbane Strukturen angewiesen \u2013 und damit indirekt auch auf uns.<\/p>\n<p>Wie verh\u00e4lt man sich bei der Vogelrettung richtig?      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Bleibt die Frage: Habe ich alles richtig gemacht? Kehren antwortet ehrlich: \u201eTeils, teils.\u201c Vor allem der Transport in einer Plastikt\u00fcte sei problematisch. \u201eDa bekommt die Taube zu wenig Sauerstoff.\u201c Besser seien Kartons mit Luftl\u00f6chern oder Stoffbeutel. Auch ein einfaches T-Shirt k\u00f6nne helfen: \u201eDie Taube darin einwickeln, sodass nur noch der Kopf rausschaut. Wichtig ist, dass sie sich nicht bewegen und entwischen kann.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Dass ich die Taube nicht gef\u00fcttert habe, sei indes kein Problem. \u201eDas ist f\u00fcr diese kurze Zeit kein Muss. Sollte man eine Taube mal f\u00fcr eine Nacht mit nach Hause nehmen m\u00fcssen, kann man etwas Mais, Erbsen und Hirse geben. Wasser aber immer nur in flachen Schalen bereitstellen\u201c, so Kehren. Letzterer Punkt sei wichtig, damit eine stark geschw\u00e4chte Taube in einem tiefen Gef\u00e4\u00df nicht ertrinken kann.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Gudrun wird also wieder gesund. Und ich nehme aus dieser Begegnung mehr mit als nur eine ungew\u00f6hnliche Stra\u00dfenbahnfahrt: den Eindruck, dass hinter jeder scheinbar allt\u00e4glichen Szene in der Stadt ein gr\u00f6\u00dferes Thema stehen kann. In diesem Fall eines, das oft \u00fcbersehen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es war einer dieser Momente, in denen man kurz inneh\u00e4lt \u2013 und dann doch handelt. 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