{"id":983807,"date":"2026-04-30T07:11:25","date_gmt":"2026-04-30T07:11:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/983807\/"},"modified":"2026-04-30T07:11:25","modified_gmt":"2026-04-30T07:11:25","slug":"100-jahre-rheinisches-bildarchiv-das-visuelle-gedaechtnis-der-stadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/983807\/","title":{"rendered":"100 Jahre Rheinisches Bildarchiv:\u00a0Das visuelle Ged\u00e4chtnis der Stadt"},"content":{"rendered":"<p class=\"dm-paragraph leading-[1.5em] mb-8 my-8 dm-article-content-width\" index=\"0\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-8f90ed31=\"\">Dreimal umgezogen, lautet eine alte Weisheit, ist wie einmal abgebrannt. Vielleicht hielt es das Rheinische Bildarchiv (RBA) deshalb so lange in einem verwohnten alten Gem\u00e4uer aus, das seiner Bedeutung spottete. Wer das K\u00f6lner Archiv, Heimat von mehr als f\u00fcnf Millionen Fotografien, vor dem Jahr 2021 besuchte, wunderte sich \u00fcber sch\u00e4bige Flure, triste R\u00e4ume und Handt\u00fccher, mit denen geplagte Mitarbeiter die T\u00fcrritzen zu den gek\u00fchlten Lagerst\u00e4tten verstopften. Offenbar musste man hier leidensf\u00e4hig sein. Aber wer das visuelle Ged\u00e4chtnis einer ganzen Region bewahrt, setzt seine Best\u00e4nde eben nicht ohne Not oder gewichtigen Anlass den Gefahren eines Ortswechsels aus.<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph leading-[1.5em] mb-8 my-8 dm-article-content-width\" index=\"1\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-8f90ed31=\"\">Im Jahr 2021 rettete sich das RBA dann ins Historische Archiv der Stadt K\u00f6ln \u2013 <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.stadt-koeln.de\/leben-in-koeln\/kultur\/historisches-archiv-mit-rheinischem-bildarchiv\/das-rheinisches-bildarchiv-feiert-100-jahre\" rel=\"nofollow noopener\">einen Neubau am Eifelwall, in dem das Bildarchiv nun sein 100-j\u00e4hriges Bestehen feiert.<\/a> Als es am 1. Mai 1926 auf Betreiben des damaligen Oberb\u00fcrgermeisters Konrad Adenauer gegr\u00fcndet wurde, war es vor allem ein Dienstleistungsbetrieb. Die Fotografen des RBA sollten die reichen Best\u00e4nde der K\u00f6lner Museen dokumentieren und ab den 1930er Jahren auch die historische Bausubstanz der Stadt. Das sollte sich noch als eminenter Gl\u00fccksfall erweisen, denn ohne die Fotografien des historischen Stadtbilds w\u00e4re es nach dem Zweiten Weltkrieg wohl nicht m\u00f6glich gewesen, die romanischen Kirchen und andere Baudenkm\u00e4ler wiederaufzubauen und so vortrefflich zu restaurieren.<\/p>\n<p>Am Anfang des Bildarchivs stand die Besetzung des Rheinlands<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph leading-[1.5em] mb-8 my-8 dm-article-content-width\" index=\"3\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-8f90ed31=\"\">Am Anfang des Bildarchivs stand ebenfalls eine einschneidende Kriegsfolge: die franz\u00f6sische Besetzung des Rheinlands und die K\u00f6lner \u201eJahrtausendausstellung\u201c, mit der das deutsch gesinnte B\u00fcrgertum im Jahr 1925 darauf reagierte. Es war eine gigantische Schau, die das Rheinland als Teil des Deutschen Reiches feierte und 1,4 Millionen Besucher in die neuen Deutzer Messehallen lockte; all dies wurde von sechs eigens daf\u00fcr angestellten Fotografen festgehalten. Ohne ihre Aufnahmen w\u00fcrde heute vermutlich niemand glauben, dass der Schrein der Heiligen Drei K\u00f6nige f\u00fcr die Jahrtausendschau tats\u00e4chlich auf die rechte Rheinseite gewechselt war. Damals brachten die Beweisfotos Adenauer auf die Idee, die Arbeit der Fotografen in einer kommunalen Institution fortzusetzen.<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph leading-[1.5em] mb-8 my-8 dm-article-content-width\" index=\"4\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-8f90ed31=\"\">Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Bildarchiv zeitweise im K\u00f6lnischen Stadtmuseum untergebracht, sp\u00e4ter teilte es sich in der Kattenbug ein Geb\u00e4ude mit der Kunst- und Museumsbibliothek. Den beklagenswerten baulichen Zustand dort konnte man auch als Kompliment verstehen: Das Archiv glich einem abgenutzten, weil unersetzlichen Buch, auf das man stets zur\u00fcckgreift und in das man immer wieder schaut. Und zwar in der ganzen Welt. Die vom RBA best\u00fcckte Internetseite \u201eKulturelles Erbe K\u00f6ln\u201c, zugleich Datenbank und Schaufenster der st\u00e4dtischen Museen, z\u00e4hlt rund 490 000 Eintr\u00e4ge und verzeichnete zuletzt mehr als eine halbe Million Zugriffe im Jahr. Zum Kernauftrag des Archivs geh\u00f6rt l\u00e4ngst auch, die Nachfrage nach hochwertigen Abz\u00fcgen aus dem fotografischen Bestand zu befriedigen. Meistens kommen diese aus Wissenschaft und Forschung. Aber auch jeder B\u00fcrger kann sich einen Wunsch erf\u00fcllen und f\u00fcr kleines Geld einen Handabzug auf Barytpapier bestellen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" width=\"1920\" height=\"1865\" alt=\"Menschen gehen in K\u00f6ln am Rheinufer spazieren.\" loading=\"lazy\" onerror=\"this.setAttribute('data-error', 1)\" class=\"current-image dm-figure__image  dm-figure__image-loading\" data-nuxt-pic=\"\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/6537aac9-afc2-4ffe-9658-8057d8af076b.jpeg\"  \/><\/p>\n<p class=\"text-flint dark:text-white italic text-base\" data-v-42fecd8d=\"\">August Kreyenkamp: \u201eBlick auf die Rheinfront von Deutz um 1930\u201c<\/p>\n<p class=\"dm-figure__copyright block text-darkgrey text-sm\" data-v-42fecd8d=\"\">Copyright: Historisches Archiv K\u00f6ln mit Rheinischem Bildarchiv<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph leading-[1.5em] mb-8 my-8 dm-article-content-width\" index=\"6\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-8f90ed31=\"\">Das RBA ist ein Diener der B\u00fcrger und der Stadt. Ungef\u00e4hr die H\u00e4lfte der Auftr\u00e4ge kommt von den st\u00e4dtischen Museen, mittlerweile k\u00fcmmert sich das Bildarchiv aber auch h\u00e4ufiger um Anfragen in Sachen Merchandising. Am besten verkaufen sich, wenig \u00fcberraschend, Aufnahmen des Doms und Abbildungen von Stefan Lochners mittelalterlichem Klassiker \u201eDie Madonna im Rosenhag\u201c. Nachgefragt werden aber auch die Nachl\u00e4sse bedeutender K\u00f6lner Fotografen im Bildarchiv\u00a0\u2013 allein von Chargesheimer liegen dort 40 000 Negative. Zu den weiteren \u201eStars\u201c im Haus geh\u00f6ren Karl Hugo Schm\u00f6lz und Peter H. F\u00fcrst.<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph leading-[1.5em] mb-8 my-8 dm-article-content-width\" index=\"7\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-8f90ed31=\"\">Ohne das RBA w\u00e4ren viele der historischen K\u00f6ln-Bildb\u00e4nde nur halb so sch\u00f6n. Zur kunsthistorischen Fundgrube ersten Ranges wird das Bildarchiv gerade durch seine zahlreichen \u201eanonymen\u201c Aufnahmen. Aus dem schier unersch\u00f6pflichen Reservoir unbekannter Amateur- und Berufsfotografen sch\u00f6pft das Bildarchiv auch im eigenen Auftrag mit kleinen Ausstellungen und gewichtigen B\u00fcchern \u2013 zuletzt etwa zur \u201efotografierenden Nonne\u201c Margarita Neiteler und ihren Aufnahmen aus dem zerst\u00f6rten Nachkriegs-K\u00f6ln.<\/p>\n<p>Das RBA ist eine kunsthistorische Fundgrube ersten Ranges<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph leading-[1.5em] mb-8 my-8 dm-article-content-width\" index=\"9\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-8f90ed31=\"\">Auch der Name Heinrich Pieroth steht in keinem Fotolexikon. Daf\u00fcr findet man Pieroths Werk, das nach dem Ersten Weltkrieg im Eifelst\u00e4dtchen Mayen entstand, im RBA. Hier sind die Portr\u00e4ts von Handwerkern und Bauern aufbewahrt und dazu Landschaftsaufnahmen, die nicht nur etwas \u00fcber die Menschen erz\u00e4hlen, die sie zeigen, sondern auch \u00fcber die Region, in der sie lebten, und schlie\u00dflich \u00fcber die Funktion, die der Fotografie damals in einem Landstrich wie der Eifel zufiel.<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph leading-[1.5em] mb-8 my-8 dm-article-content-width\" index=\"10\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-8f90ed31=\"\">Vermutlich h\u00e4tte man auch von Heinrich Ewertz ohne das RBA nie etwas geh\u00f6rt, geschweige denn gesehen. Ewertz, von Beruf Volksschullehrer, machte die von den Gebr\u00fcdern Lumi\u00e8re entwickelte Autochromie zu seinem Hobby und avancierte so zum k\u00f6lnischen Pionier der Farbfotografie. Bei der Autochromie werden die Glasnegative mit Silberbromid-Gelatine bestrichen, die wiederum orangerot, gr\u00fcn und violett eingef\u00e4rbte Kartoffelst\u00e4rkek\u00f6rnchen als Farbfilter enth\u00e4lt. Dabei entsteht eine fr\u00fche Form der Rasterfotografie \u2013 und bei Ewertz ein K\u00f6ln, das sich beinahe ausschlie\u00dflich aus G\u00e4rten, Blumenbeeten und rotberockten Frauen zusammensetzt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/mobil.ksta.de\/kultur-medien\/museum-ludwig-eine-schuldige-nation-gerettet-ins-klischee-1265592\" class=\"dm-imagefeat__imagecontainer dm-imagefeat relative\" aria-label=\"\" tabindex=\"-1\" data-v-07b82d12=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" width=\"3330\" height=\"2354\" alt=\"Ein maskiertes Paar schaut in die Kamera.\" loading=\"lazy\" onerror=\"this.setAttribute('data-error', 1)\" class=\"dm-imagefeat__image w-full aspect-square sm:aspect-auto aspect-video\" style=\"aspect-ratio:1;\" data-nuxt-pic=\"\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/32137a23-3f36-4522-a1f8-5feeb52c7367.jpeg\"  \/><\/a><\/p>\n<p class=\"dm-paragraph leading-[1.5em] mb-8 my-8 dm-article-content-width\" index=\"12\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-8f90ed31=\"\">Im Historischen Archiv am <a href=\"https:\/\/mobil.ksta.de\/themen\/eifelwall\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Eifelwall<\/a> ist all dies hoffentlich sicher aufbewahrt \u2013 auch wenn es zuletzt Unstimmigkeiten dar\u00fcber gab, dass das bis 2024 eigenst\u00e4ndige RBA zu einer Art Unterabteilung des Historischen Archivs \u201edegradiert\u201c wurde. Den Umzug aus dem Gem\u00e4uer an der Kattenbug konnte man getrost als Operation am Ged\u00e4chtnis der Stadt bezeichnen. Unter den rund 5,4 Millionen Bildern im RBA sind Tausende alte Glasnegative und etwa 323 000 Abz\u00fcge, die seit den 1920er Jahren von Hand auf Karton geklebt und anschlie\u00dfend in gut 4800 schwarze Archivk\u00e4sten gesteckt wurden. Alle Archivalien aus leicht entz\u00fcndlichen Materialien wie Zellulose oder Nitrat hatte man dagegen schon in einen Bunker vor den Stadttoren ausgelagert, dorthin, wo auch die Veranstalter gro\u00dfer Silvesterfeierlichkeiten ihre Raketen deponieren.<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph leading-[1.5em] mb-8 my-8 dm-article-content-width\" index=\"13\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-8f90ed31=\"\">Am Ende ist diese Herkulesaufgabe offenbar ohne nennenswerte Verluste gelungen. Auch das gilt es zum 100-j\u00e4hrigen Bestehen zu feiern.<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph leading-[1.5em] mb-8 my-8 dm-article-content-width\" index=\"15\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-8f90ed31=\"\">Zum Jubil\u00e4umsjahr des Rheinischen Bildarchivs gibt es von Mai 2026 bis Mai 2027 ein buntes Rahmenprogramm. <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.stadt-koeln.de\/leben-in-koeln\/kultur\/historisches-archiv-mit-rheinischem-bildarchiv\/das-rheinisches-bildarchiv-feiert-100-jahre\" rel=\"nofollow noopener\">Alle Infos auf www.stadt-koeln.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Dreimal umgezogen, lautet eine alte Weisheit, ist wie einmal abgebrannt. 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