{"id":985421,"date":"2026-04-30T23:51:25","date_gmt":"2026-04-30T23:51:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/985421\/"},"modified":"2026-04-30T23:51:25","modified_gmt":"2026-04-30T23:51:25","slug":"neue-spur-nach-toedlichem-brandanschlag-in-muenchen-maria-hilf-den-mordfall-zu-loesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/985421\/","title":{"rendered":"Neue Spur nach t\u00f6dlichem Brandanschlag in M\u00fcnchen: Maria, hilf den Mordfall zu l\u00f6sen"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Nur ein kleiner Splitter im Mantel der Madonna zeugt noch von einem der spektakul\u00e4rsten Kirchendiebst\u00e4hle der bayerischen Geschichte. Die R\u00e4uber waren rabiat. Ein St\u00fcck des rot bemalten, h\u00f6lzernen Mantelsaums brach ab, als sie die Heiligenfigur von ihrem Sockel rissen.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Wenn man genau hinsieht, erkennt man noch nach 55 Jahren den kleinen Bruch im Holz, das nachtr\u00e4glich wieder eingef\u00fcgte Teilchen. Johann Wittmann leuchtet mit seiner starken Taschenlampe auf die Stelle, wie ein Polizeischeinwerfer durchschneidet das Licht den d\u00fcsteren Innenraum der Schlosskapelle Blutenburg, die zum M\u00fcnchner Stadtteil Obermenzing geh\u00f6rt. Drau\u00dfen hat der Himmel alle Schleusen ge\u00f6ffnet.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201eDie Madonna ist erst durch den Diebstahl wirklich bekannt geworden\u201c, sagt Wittmann, der als ehrenamtlicher Mitarbeiter der zust\u00e4ndigen Pfarrei Leiden Christi regelm\u00e4\u00dfig Interessierte durch die Kapelle f\u00fchrt. Und jetzt, mehr als f\u00fcnf Jahrzehnte sp\u00e4ter, ist die Madonna allem Anschein nach der Schl\u00fcssel zur L\u00f6sung eines Falls, der zu den schwersten antisemitischen Verbrechen der Nachkriegszeit z\u00e4hlt.\n  <\/p>\n<p>            Z\u00fcndete der Dieb das j\u00fcdische Wohnheim in der Reichenbachstra\u00dfe an?<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Denn der Anf\u00fchrer der Ikonenr\u00e4uber k\u00f6nnte sieben Menschen auf dem Gewissen haben: Bernd V., damals Mitte 20, ein Zahnarztsohn aus <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/orte\/aa-muenchen\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">M\u00fcnchen<\/a>. <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/bayern\/56-jahre-nach-der-tat-verdaechtiger-im-fall-des-antisemitischen-brandanschlags-1970-in-muenchen-ermittelt-113312270\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Er gilt seit Kurzem auch als Tatverd\u00e4chtiger<\/a> im Fall eines Brandanschlags auf das fr\u00fchere j\u00fcdische Wohnheim in der M\u00fcnchner Reichenbachstra\u00dfe. Am 13. Februar 1970, knapp ein Jahr vor dem Madonnenraub, stand dort das ganze Haus in Flammen. Die Brandstiftung gilt bis heute als ungekl\u00e4rt. Das k\u00f6nnte sich jetzt \u00e4ndern.\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/pxl202603300910240273.jpg\" alt=\"Johann Wittmann f\u00fchrt Interessierte durch die Blutenburger Schlosskapelle. K\u00fcnstlerisch bedeutsamer als die gestohlene Madonna (links vom Hauptaltar) ist das Altarbild Jan Polacks, das die Kr\u00f6nung Mariens zeigt.\" title=\"Johann Wittmann f\u00fchrt Interessierte durch die Blutenburger Schlosskapelle. K\u00fcnstlerisch bedeutsamer als die gestohlene Madonna (links vom Hauptaltar) ist das Altarbild Jan Polacks, das die Kr\u00f6nung Mariens zeigt.\" loading=\"lazy\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Johann Wittmann f\u00fchrt Interessierte durch die Blutenburger Schlosskapelle. K\u00fcnstlerisch bedeutsamer als die gestohlene Madonna (links vom Hauptaltar) ist das Altarbild Jan Polacks, das die Kr\u00f6nung Mariens zeigt.<br \/>\n    Foto: Sarah Ritschel<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Johann Wittmann f\u00fchrt Interessierte durch die Blutenburger Schlosskapelle. K\u00fcnstlerisch bedeutsamer als die gestohlene Madonna (links vom Hauptaltar) ist das Altarbild Jan Polacks, das die Kr\u00f6nung Mariens zeigt.<br \/>\n    Foto: Sarah Ritschel<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Und die Akten zum Madonnendiebstahl von Blutenburg k\u00f6nnten entscheidende Hinweise liefern. Wer in alten Zeitungsberichten dazu bl\u00e4ttert, merkt schnell, warum die Tat damals ganz Bayern in Atem hielt. Bis heute ist das Verschwinden der Blutenburger Madonna einer der kuriosesten Kriminalf\u00e4lle, die je im Freistaat verhandelt wurden.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die Medien begleiten damals jede Wendung. Die filmreifen L\u00f6segeldverhandlungen. Den Prozess, bei dem der damalige bayerische Schauspielstar Walter Sedlmayr als Drahtzieher beschuldigt wird. Das Urteil. Bernd. V geht f\u00fcr den Diebstahl und andere kleinere Vergehen sechseinhalb Jahre in Haft, seine beiden Komplizen werden zu niedrigeren Strafen verurteilt.\n  <\/p>\n<p>            Die Diebe nahmen an einer Kirchenf\u00fchrung teil<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Kirchenf\u00fchrer Johann Wittmann geh\u00f6rte damals noch nicht zur Menzinger Kirchengemeinde, sondern lebte in einem anderen Stadtteil M\u00fcnchens. Jetzt steht er <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/kultur\/internationale-jugendbibliothek-75-jubilaeum-der-internationalen-jugendbibliothek-ein-buecherschloss-mit-einem-besonderen-geist-103008792\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">im Altarraum der gotischen Schlosskapelle<\/a>, hinter ihm auf einem Sockel an der Wand steht die Madonna. Die H\u00e4nde hat sie zum Beten gefaltet, den Blick bescheiden auf einen unsichtbaren Zweiten gerichtet. Der 89-J\u00e4hrige beginnt zu erz\u00e4hlen. \u201eDie Diebe hatten damals an einer F\u00fchrung durch die Schlosskapelle teilgenommen und dabei unbemerkt eine Fensterverriegelung ge\u00f6ffnet\u201c, sagt Wittmann und deutet hinauf zu den Spitzbogenfenstern, deren Glasmalereien Szenen des Kreuzwegs zeigen. \u201eZwei Tage sp\u00e4ter stiegen zwei von ihnen in die Kirche ein.\u201c\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/images.mgpd.de\/img\/108978107\/crop\/c16_9-w100\/1961187018\/1898157328\/muenchen-blutenburg002.jpg\" alt=\"Herzog Sigismund hatte die sp\u00e4tgotische Schlosskapelle zwischen 1488 und 1497 bauen lassen. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Schloss von Ordensfrauen verwaltet.\" title=\"Herzog Sigismund hatte die sp\u00e4tgotische Schlosskapelle zwischen 1488 und 1497 bauen lassen. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Schloss von Ordensfrauen verwaltet.\" loading=\"lazy\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Herzog Sigismund hatte die sp\u00e4tgotische Schlosskapelle zwischen 1488 und 1497 bauen lassen. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Schloss von Ordensfrauen verwaltet.<br \/>\n    Foto: Ralf Lienert<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Herzog Sigismund hatte die sp\u00e4tgotische Schlosskapelle zwischen 1488 und 1497 bauen lassen. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Schloss von Ordensfrauen verwaltet.<br \/>\n    Foto: Ralf Lienert<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Sie sind also zu dritt in jener Nacht. W\u00e4hrend Bernd V. drau\u00dfen vor der Kapelle wartet, holen seine beiden Mitt\u00e4ter die Madonnen-Statue von ihrem Sockel. 117 Zentimeter hoch ist sie und einen Zentner schwer, entstanden h\u00f6chstwahrscheinlich um 1490 im M\u00fcnchner Umfeld des damaligen Star-Bildhauers Erasmus Grasser. Das Diebestrio stiehlt au\u00dferdem zwei Engel, eine Christus-Halbfigur aus Lindenholz und eine weitere Marienhalbfigur mit Kind. Am kostbarsten ist aber die Madonna, Kunstexperten sch\u00e4tzen sie damals auf einen Wert von 500.000 Mark.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201eDas Trio musste bald einsehen, dass das Diebesgut im Kunsthandel wegen des Bekanntheitsgrades der Beute nicht absetzbar war\u201c, erkl\u00e4rt Wittmann. Bernd V. entschlie\u00dft sich, die Figur \u00fcber einen Mittelsmann dem Bisch\u00f6flichen Ordinariat und der Bayerischen Schl\u00f6sser- und Seenverwaltung zum R\u00fcckkauf anzubieten. Seine Identit\u00e4t fliegt auf.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die \u00dcbergabe scheitert an den Modalit\u00e4ten, Bernd V. wird zeitgleich wegen eines anderen Delikts festgenommen. Zwei Monate nach dem Diebstahl erkl\u00e4rt er sich bereit, die Madonna zur\u00fcckzugeben. Seine Verlobte f\u00e4hrt alleine in einem Wagen los, holt die Figur aus ihrem geheimen Versteck und bringt sie zu V.s Anwalt \u2013 eingeh\u00fcllt in ein rotes Tuch. Die bayerischen Zeitungen jubeln: \u201eIm roten Mantel kam die Blutenburger Madonna zur\u00fcck\u201c, titelt am 29. M\u00e4rz 1971 unsere Redaktion.\n  <\/p>\n<p>            Pl\u00f6tzlich ger\u00e4t Schauspieler Walter Sedlmayr ins Visier der Polizei<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Rund ein Jahr sp\u00e4ter beginnt der Prozess gegen Bernd V. und seine Komplizen \u2013 mit einer spektakul\u00e4ren Schlagzeile in unserer Zeitung: \u201eMadonnendieb: Schauspieler Sedlmayr spielt die Hauptrolle\u201c. Aus heiterem Himmel belastet der 27-j\u00e4hrige Angeklagte <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/bayern\/leute-gastronom-kaefer-das-schickimicki-muenchen-ist-verschwunden-113973978\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">den beliebten Mimen Walter Sedlmayr, der damals an den M\u00fcnchner Kammerspielen angestellt ist<\/a>.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die beiden kennen sich offenbar vom <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/veranstaltungen\/aa-oktoberfest\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Oktoberfest<\/a>. Der kriminelle Zahnarztsohn sagt: Das \u201eVerh\u00e4ltnis\u201c zwischen Sedlmayr und ihm sei der Grund f\u00fcr den Mariendiebstahl gewesen. Der Schauspieler, ein leidenschaftlicher Sammler von Heiligenfiguren, habe ihm gesagt, dass er die Madonna gern besitzen wolle und eine Belohnung von 20.000 Mark versprochen.\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/images.mgpd.de\/img\/114037838\/crop\/c16_9-w100\/1992652977\/1583818196\/copy20of20sedlmayr1tif.jpg\" alt=\"Der Volksschauspieler Walter Sedlmayr 1989 vor seinem M\u00fcnchner Wirtshaus. Eine Beteiligung am Madonnendiebstahl wurde nie nachgewiesen.\" title=\"Der Volksschauspieler Walter Sedlmayr 1989 vor seinem M\u00fcnchner Wirtshaus. Eine Beteiligung am Madonnendiebstahl wurde nie nachgewiesen.\" loading=\"lazy\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Der Volksschauspieler Walter Sedlmayr 1989 vor seinem M\u00fcnchner Wirtshaus. Eine Beteiligung am Madonnendiebstahl wurde nie nachgewiesen.<br \/>\n    Foto: Frank M\u00e4chler, dpa<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Der Volksschauspieler Walter Sedlmayr 1989 vor seinem M\u00fcnchner Wirtshaus. Eine Beteiligung am Madonnendiebstahl wurde nie nachgewiesen.<br \/>\n    Foto: Frank M\u00e4chler, dpa<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Der so beschuldigte Sedlmayr kommt gegen Kaution an einer Untersuchungshaft vorbei. Er bestreitet den Auftrag. Vielmehr habe seine Zufallsbekanntschaft von der Wiesn ein P\u00e4ckchen zu ihm gebracht und ihn gebeten, es aufzubewahren. Was sich in dem Paket befand, habe er erst sp\u00e4ter erfahren. Eine Beteiligung am Madonnendiebstahl wird Sedlmayr nie nachgewiesen. Er stirbt am 14. Juli 1990 in M\u00fcnchen, aus Habgier <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/kultur\/Urteil-Sedlmayr-Moerder-haben-kein-Recht-auf-Vergessen-im-Internet-id51495611.html\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">ermordet von seinem Ziehsohn und dessen Halbbruder<\/a>.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Bernd V. berichtet damals vor dem Landgericht M\u00fcnchen I viel von seiner Kindheit. Im Alter von zw\u00f6lf Jahren habe er von seinem Vater eine Pistole geschenkt bekommen, hei\u00dft es in einem Artikel aus dem Archiv unserer Redaktion. Er sei auch \u201eweitgehend auf nationalsozialistische Ideen hin erzogen worden\u201c. V.s Verteidiger fordert ein psychiatrisches Gutachten.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    W\u00f6rtlich hei\u00dft es in einem Prozessbericht: \u201eSein Mandant sei, so sagte der Verteidiger, (&#8230;) zur Abh\u00e4ngigkeit von Vateridolen erzogen worden und auch heute noch bereit, einem anerkannten Idol, selbst wenn es gesetzwidrig sei, zu folgen.\u201c Walter Sedlmayr sei so ein Idol gewesen. Das andere, so muss man nach den neuesten Erkenntnissen wohl erg\u00e4nzen: Adolf Hitler.\n  <\/p>\n<blockquote class=\"mb-4 typo-quotation md:mb-3\">\n<p>\u00a0\u201eWenn ein gewisser Schwellenwert \u00fcberschritten ist, dann entwickelt das Kriminelle in einer Person eine Eigendynamik.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"font-sans text-xs leading-xs md:text-m md:leading-xs lg:text-l lg:leading-xs\">\n      <strong class=\"font-semibold\">Johann Wittmann<\/strong>, fr\u00fcherer Richter\n    <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Im Altarraum der Schlosskapelle, w\u00e4hrend es drau\u00dfen st\u00fcrmt, kommt ein halbes Jahrhundert sp\u00e4ter Kirchenf\u00fchrer Johann Wittmann ins Nachdenken. \u201eWenn ein gewisser Schwellenwert \u00fcberschritten ist, dann entwickelt das Kriminelle in einer Person eine Eigendynamik\u201c, sagt der 89-J\u00e4hrige. Er muss es wissen. Auf dem H\u00f6hepunkt seiner Karriere als Jurist war Wittmann sieben Jahre lang Pr\u00e4sident des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die sechseinhalb Jahre Haft f\u00fcr den Diebstahl sitzt V. in Stadelheim ab. Nach Angaben des Spiegel, <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/justiz\/muenchen-neue-spur-zum-brandanschlag-1970-der-mann-mit-dem-hitler-tick-a-c007de0e-d9d1-476c-b39b-a928fa14a69e\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" class=\"underline \">der als erstes Medium \u00fcber den neuen Tatverdacht berichtete<\/a>, stirbt der Zahnarztsohn im Juni 2020. Damals ist er Mitte 70. Nahm Bernd V. das Wissen um seine schlimmste Tat mit ins Grab? Lebte er 50 Jahre lang mit der Schuld, sieben Menschen get\u00f6tet zu haben, indem er im Februar 1970 das j\u00fcdische Wohnheim in der M\u00fcnchner Reichenbachstra\u00dfe in Brand setzte?\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/images.mgpd.de\/img\/113312941\/crop\/c16_9-w100\/1932817706\/1421264144\/1970feuer.jpg\" alt=\"Bei dem Brandanschlag auf das Wohnheim der israelitischen Kultusgemeinde (IKG) in M\u00fcnchen am 13. Februar 1970 sind sieben Menschen ums Leben gekommen.\" title=\"Bei dem Brandanschlag auf das Wohnheim der israelitischen Kultusgemeinde (IKG) in M\u00fcnchen am 13. Februar 1970 sind sieben Menschen ums Leben gekommen.\" loading=\"lazy\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Bei dem Brandanschlag auf das Wohnheim der israelitischen Kultusgemeinde (IKG) in M\u00fcnchen am 13. Februar 1970 sind sieben Menschen ums Leben gekommen.<br \/>\n    Foto: Joachim Barfknecht, dpa<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Bei dem Brandanschlag auf das Wohnheim der israelitischen Kultusgemeinde (IKG) in M\u00fcnchen am 13. Februar 1970 sind sieben Menschen ums Leben gekommen.<br \/>\n    Foto: Joachim Barfknecht, dpa<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Fest steht, dass die Generalstaatsanwaltschaft im Fall des bis heute ungekl\u00e4rten Angriffs seit etwa einem Jahr wieder ermittelt. Bis zu einem Ergebnis gilt f\u00fcr V. die Unschuldsvermutung. Andreas Franck, Oberstaatsanwalt und Antisemitismusbeauftragter der bayerischen Justiz, <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/bayern\/die-bewegende-geschichte-hinter-der-reichenbachstrasse-27-in-muenchen-110728337\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">best\u00e4tigte schon im September 2025 unserer Redaktion<\/a>, dass ein neues Verfahren gegen Unbekannt wegen siebenfachen Mordes und 15-fachen versuchten Mordes eingeleitet wurde. Franck zufolge hat sich zuvor eine Privatperson mit einem neuen Hinweis an ihn gewandt.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Nach Recherchen unserer Redaktion ist die Zeugin verwandt mit einem der M\u00e4nner, der in den Siebzigerjahren Mitglied in Bernd V.s Einbrecherbande war. Ein Komplize aus dem Madonnentrio. Der Verwandte hatte offenbar innerhalb der Familie von einem Abend erz\u00e4hlt, an dem Bernd V. davon fantasiert habe, Juden anzuz\u00fcnden. Vorher war der Bande der Einbruchsversuch bei einem Juwelier missgl\u00fcckt. Es war der Abend des Brandanschlags, das Schmuckgesch\u00e4ft lag in unmittelbarer N\u00e4he des j\u00fcdischen Wohnheims.\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/pxl20260330092605841.jpg\" alt=\"Johann Wittmann vor dem Eingang zur gotischen Kapelle des Schlosses von Blutenburg.\" title=\"Johann Wittmann vor dem Eingang zur gotischen Kapelle des Schlosses von Blutenburg.\" loading=\"lazy\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Johann Wittmann vor dem Eingang zur gotischen Kapelle des Schlosses von Blutenburg.<br \/>\n    Foto: Sarah Ritschel<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Johann Wittmann vor dem Eingang zur gotischen Kapelle des Schlosses von Blutenburg.<br \/>\n    Foto: Sarah Ritschel<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Bernd V., der von Zeitgenossen als \u201egl\u00fchender Antisemit\u201c mit \u201eHitler-Tick\u201c beschrieben wurde, mag tot sein. Doch die Generalstaatsanwaltschaft durchforstet wieder die Akten zum Brand. Die Ermittler befragen wieder Zeugen. \u00dcber allem steht die Frage: Ist Bernd V. der Brandstifter, der in der Faschingswoche 1970 in das Wohnheim im M\u00fcnchner Zentrum eindrang, einen Benzinkanister anz\u00fcndete und <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/bayern\/Attentat-vor-50-Jahren-Bei-einem-Attentat-in-Muenchen-starben-sieben-Juden-kaum-jemand-erinnert-sich-id56728226.html\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">den Fluchtweg f\u00fcr die Bewohnerinnen und Bewohner in ein Flammenmeer verwandelte<\/a>?\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Sieben J\u00fcdinnen und Juden starben damals: K\u00fcrschner Max Meir Blum, 71 Jahre alt, sprang aus Angst vor den Flammen in den Tod. Tapezierer Georg Eljakim Pfau, 63, starb mit seiner Frau Rosa Drucker, 60. Siegfried Offenbacher, 71, bemerkte nicht die Schreie und Sirenen, weil er taub war. Die 59-j\u00e4hrige Hutmacherin Regina Rivka Becher musste an diesem Abend ihr Leben lassen, auch Rentner Leopold Arie Leib Gimpel, 69. Koch David Jakubowicz, 59, sollte seine Heimat Israel nicht wiedersehen. Vor dem Anschlag sa\u00df er auf gepackten Koffern, um dorthin auszuwandern.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die Blutenburger Madonna ist zur\u00fcckgekehrt. Sie steht seit Jahrzehnten wieder auf ihrem Podest im Altarraum der Schlosskapelle. F\u00fcr die heutige Kirchengemeinde Leiden Christi mit ihren etwa 15.000 Mitgliedern spiele die Madonna als Einzelfigur keine besonders gro\u00dfe Rolle, erkl\u00e4rt Kirchenf\u00fchrer Johann Wittmann. \u201eWesentlicher ist die spirituelle Ausstrahlung des Raums mit seiner mittelalterlichen Anmutung\u201c, sagt der 89-J\u00e4hrige. Ohne die Himmelsk\u00f6nigin w\u00e4re sie nicht komplett. Wittmann schaut ein letztes Mal hinauf zur Gottesmutter und geht dann hinaus in den Regen. Er holt seinen gro\u00dfen Kirchenschl\u00fcssel hervor und schlie\u00dft die Kapelle ab. F\u00fcr die M\u00fcnchner Ermittler ist die Arbeit im besten Fall auch bald zu Ende gebracht. (Mitarbeit: Christine Kaiser)\n  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nur ein kleiner Splitter im Mantel der Madonna zeugt noch von einem der spektakul\u00e4rsten Kirchendiebst\u00e4hle der bayerischen Geschichte.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":985422,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1827],"tags":[772,211828,12941,29,30,211829,356,213289,19613,1268,121,1269,211830],"class_list":["post-985421","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-muenchen","tag-bayern","tag-bernd-v","tag-brandanschlag","tag-deutschland","tag-germany","tag-johann-wittmann","tag-madonna","tag-madonnenraub","tag-mordfall","tag-muenchen","tag-polizei","tag-prozess","tag-walter-sedlmayr"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116496347398535114","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/985421","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=985421"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/985421\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/985422"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=985421"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=985421"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=985421"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}