{"id":986001,"date":"2026-05-01T05:15:30","date_gmt":"2026-05-01T05:15:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/986001\/"},"modified":"2026-05-01T05:15:30","modified_gmt":"2026-05-01T05:15:30","slug":"erst-consulting-jetzt-kuhstall-45-stunden-woche-und-zimmer-auf-dem-hof-27-jaehrige-brennt-fuer-landwirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/986001\/","title":{"rendered":"Erst Consulting, jetzt Kuhstall: 45-Stunden-Woche und Zimmer auf dem Hof \u2013 27-J\u00e4hrige brennt f\u00fcr Landwirtschaft"},"content":{"rendered":"<p>K\u00fche in der Gro\u00dfstadt \u2013 ja, das gibt es! Nun gut, der ruhige Stuttgarter Randbezirk <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Stuttgart-M%C3%B6hringen\" title=\"M\u00f6hringen\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">M\u00f6hringen<\/a> hat zugegebenerma\u00dfen wenig gemein mit dem Innenstadt-Trubel im Kessel. Und doch ist es ein ungew\u00f6hnlicher Anblick, wenn mitten im Wohngebiet in der Unteraicher Stra\u00dfe eine kleine Viehherde stoisch auf ihrem Heu herumkaut. <\/p>\n<p>Laura-Sophie H\u00f6pflinger \u00fcberrascht das aber l\u00e4ngst nicht mehr. Schlie\u00dflich sieht sie den Kuhstall des Reyerhofs sogar von ihrem Schlafzimmer aus. Hier, unweit der Martinskirche in M\u00f6hringen, l\u00e4sst sich H\u00f6pflinger seit 2024 zur Landwirtin ausbilden.<\/p>\n<p>Junge Stuttgarterin orientiert sich beruflich neu <\/p>\n<p>Dabei hatte sie zun\u00e4chst ganz andere Pl\u00e4ne, als sie 2017 aus Augsburg nach <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stuttgart<\/a> zog. H\u00f6pflinger studierte<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.aspergerin-macht-visuelle-effekte-arbeit-an-blockbustern-ist-ihr-alltag-traumjob-am-anderen-ende-der-welt.d98b1592-71b3-4f55-89d5-adc9f5eab101.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"> an der Merz-Akademie<\/a> Kunst und Medien, arbeitete anschlie\u00dfend im Bereich Green Consulting. <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.arbeitsmarkt-in-stuttgart-etwas-machen-das-bleibt-wie-die-gen-z-ueber-die-berufswahl-denkt.ddc97fb8-6dfd-41af-89bb-f71a31468690.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Organisationen zum Thema Nachhaltigkeit zu beraten<\/a>, stellte sie aber bald nicht mehr zufrieden. \u201eIch habe gemerkt, dass ich eigentlich nicht anderen erz\u00e4hlen will, wie sie es machen sollen.\u201c <\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/media.media.2cc90e2d-72c2-4152-9879-d99c6bac4e06.original1024.media.jpeg\"\/>     Ein Schwerpunkt von H\u00f6pflingers   <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Ausbildung\" title=\"Ausbildung\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ausbildung<\/a> liegt auf der Stallarbeit.    Foto: Ferdinando Iannone    <\/p>\n<p>Noch ein zweiter Aspekt st\u00f6rte H\u00f6pflinger in dieser Phase an ihrem Leben in Stuttgart: das Einkaufen. \u201eIch finde es super anstrengend, sich in einer Stadt zu versorgen, wenn man dabei bestimmte Werte beibehalten will\u201c, sagt sie. Mit der Zeit sch\u00e4lte sich bei ihr deshalb der Wunsch nach mehr Erzeugern\u00e4he heraus. <\/p>\n<p>Gem\u00fcse, Brot und Milch f\u00fcr 700 Menschen <\/p>\n<p>So fand H\u00f6pflinger schlie\u00dflich den Weg in die <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Landwirtschaft\" title=\"Landwirtschaft\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Landwirtschaft<\/a>. Als Betrieb entschied sie sich f\u00fcr den Reyerhof und damit f\u00fcr eine biodynamische Ausbildung, eine Alternative zur staatlichen Ausbildung. Die biologisch-dynamische Landwirtschaft <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.100-todestag-von-rudolf-steiner-warum-stuttgart-die-hauptstadt-der-anthroposophie-ist.1063ebbc-1cb5-43f8-924c-b2422b6d264d.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">beruht auf den Ideen Rudolf Steiners<\/a> und ist heute vor allem durch den Demeter-Verband bekannt. F\u00fcr Demeter-Betriebe gelten strenge \u00f6kologische Vorschriften, die \u00fcber den EU-Bio-Standard hinausgehen. Einige von ihnen \u2013 darunter der Reyerhof \u2013 setzen au\u00dferdem auf alternative Wirtschaftskonzepte <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.vortrag-in-stuttgart-wie-funktioniert-die-solidarische-landwirtschaft.ef112e1d-7247-4b8e-bc77-f505ef7e8ce0.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">wie die Solidarischen Landwirtschaft<\/a>. Hier geben die Verbraucher:innen dem Betrieb Abnahmegarantien und erhalten im Gegenzug ein Mitspracherecht. Der Betrieb kann dadurch entsprechend anders planen und wirtschaften.<\/p>\n<p> \u201eWir versorgen 700 Menschen und uns selbst mit Gem\u00fcse, Getreide, Joghurt, Milch und Eiern\u201c, sagt H\u00f6pflinger. Der Reyerhof bewirtschaftet 50 Hektar Ackerland, Weiden und Streuobstwiesem um M\u00f6hringen herum. Hinzu kommen mehrere Gew\u00e4chshaustunnel und eine H\u00fchnerherde mit 270 Tieren. <\/p>\n<p> Die Landwirtschaft ist nichts f\u00fcr Langschl\u00e4fer:innen <\/p>\n<p>Das Herzst\u00fcck ist allerdings der Hof selbst in der Unteraicher Stra\u00dfe, <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.solidarisches-wirtschaften-eines-hofladens-kunden-bestimmen-ihren-preis-selbst.13d4f41c-3d06-4a78-b04a-50df5e2d9e32.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">mit seinem angebundenen Hofladen<\/a> und dem Viehstall. Zehn Milchk\u00fche der Fleckvieh-Rasse werden hier gehalten, dazu einige Rinder und K\u00e4lber. Derzeit plant der Reyerhof den Bau eines neuen, gr\u00f6\u00dferen Stalls, der den Tieren einen Weidezugang erm\u00f6glichen soll. <\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/media.media.46f3a339-df14-4cc7-8bed-c664eaddb02b.original1024.media.jpeg\"\/>     Zehn Milchk\u00fche leben derzeit auf dem Reyerhof.    Foto: Lichtgut\/Ferdinando Iannone    <\/p>\n<p>Dieses Thema treibt auch H\u00f6pflinger um, liegt auf der Stallarbeit doch der Schwerpunkt ihrer Ausbildung. Deshalb hei\u00dft es f\u00fcr sie: Lange ausschlafen ist nicht. \u201eWir starten um sechs Uhr mit dem Melken\u201c, sagt sie. Au\u00dferdem ist sie h\u00e4ufig auf den Feldern im Einsatz, erntet dort Gem\u00fcse oder bek\u00e4mpft Unkraut \u2013 mit der Hacke statt mit Herbiziden. Gerade \u00fcber die Sommerzeit sagt H\u00f6pflinger: \u201eDa arbeiten wir richtig viel.\u201c <\/p>\n<p> Beziehungsarbeit in der Ausbildung <\/p>\n<p> \u00dcberstunden baut sie daf\u00fcr im Winter ab. Dennoch ist H\u00f6pflingers Arbeitspensum mit einer 45-Stunden-Woche \u2013 bei einem Gehalt von 1100 Euro im dritten Lehrjahr \u2013 deutlich h\u00f6her als in anderen Berufen. Eine der Folgen: \u201eIch habe gerade keine Energie mehr<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.lange-nacht-der-museen-wie-kollektive-stuttgarts-clubkultur-praegen.9e8ae419-f32a-4bca-8910-f1d7215c6428.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"> f\u00fcr Nachtleben<\/a>\u201c. <\/p>\n<p>Auf der anderen Seite steht f\u00fcr H\u00f6pflinger eine <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Arbeit\" title=\"Arbeit\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Arbeit<\/a>, der sie nach eigener Aussage jeden Tag freudig entgegenschaut. \u201eDas Sch\u00f6nste an der Landwirtschaft ist die Beziehungsarbeit\u201c, sagt sie. Bedeutet: Die Beziehung zum Boden zu pflegen, aus dem die Lebensmittel stammen; zu den Tieren; zum Stadtteil, dessen Einwohner:innen im <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Hofladen\" title=\"Hofladen\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hofladen<\/a> einkaufen. Und zu den anderen Mitgliedern des 15-k\u00f6pfigen Teams auf dem Reyerhof. Mit einigen Kolleg:innen teilt sich H\u00f6pflinger sogar den Wohnraum. W\u00e4hrend ihrer Ausbildung lebt sie in einem Haus neben dem Stall, zusammen mit zwei Familien, zwei Gesell:innen und einer weiteren Auszubildenden. <\/p>\n<p> Berufliche Zukunft in der Landwirtschaft <\/p>\n<p>Ein Gro\u00dfteil von H\u00f6pflingers Leben spielt sich inzwischen also auf dem Hof ab. Zu den Ausnahmen geh\u00f6ren die Blockseminare, die den Theorieteil ihrer Ausbildung ausmachen. Dort lernt sie beispielsweise biochemisches Fachwissen, den Umgang mit Maschinen und was es braucht, um einen Betrieb zu f\u00fchren. Im Gegensatz zur staatlichen Ausbildung gehe es bei der biodynamischen Ausbildung aber st\u00e4rker um \u00f6kologische denn um profitmaximierende Ziele. <\/p>\n<p>Das passt zu H\u00f6pflingers Einstellung, die ihre berufliche Zukunft \u00fcber die Ausbildung hinaus in der Landwirtschaft sieht. Sie wolle auch k\u00fcnftig \u201ezu kurzen Wegen und regionalen Nahrungssystemen\u201c beitragen. Denn: \u201eNicht Konzerne ern\u00e4hren die Welt, sondern kleinb\u00e4uerliche Betriebe.\u201c <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"K\u00fche in der Gro\u00dfstadt \u2013 ja, das gibt es! 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