{"id":986344,"date":"2026-05-01T08:57:22","date_gmt":"2026-05-01T08:57:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/986344\/"},"modified":"2026-05-01T08:57:22","modified_gmt":"2026-05-01T08:57:22","slug":"im-mexikanischen-niemandsland-aus-den-usa-abgeschobene-migranten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/986344\/","title":{"rendered":"Im mexikanischen Niemandsland &#8211; aus den USA abgeschobene Migranten"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/migranten-mexiko-124.jpg\" alt=\"Aus den USA nach Mexiko deportierte Migranten.\" title=\"Aus den USA nach Mexiko deportierte Migranten. | AP\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 01.05.2026 \u2022 08:12 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Teils leben sie seit Jahrzehnten in den USA, haben sich dort ein Leben aufgebaut &#8211; bis sie in den Drittstaat Mexiko abgeschoben werden. Viele Migranten stecken dort ohne Papiere und ohne Perspektive fest. <\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                    <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/korrespondenten\/barke-102.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                        <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Jenny Barke\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/barke-100.jpg\"\/><br \/>\n                                    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Rolando, Chirino und Luis wissen nicht, wohin mit sich. T\u00e4glich treffen sich die drei Kubaner mit Hunderten anderen Migranten auf dem Hauptplatz von Tapachula, sitzen herum und tr\u00e4umen von ihrer Wahlheimat USA.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Chirino vermisst seinen Enkel, er war 1980 nach Miami gekommen und arbeitete dort 40 Jahre als Elektriker. Luis \u00e4rgert sich, dass er seine monatliche Rente von 2.200 US-Dollar nicht mehr bekommt, er war 1966 mit seinem Vater nach Miami geflohen und f\u00fchrte dort seine eigene Tankstelle. Rolando lebte seit 1995 in Florida, seine f\u00fcnf Kinder f\u00fchren jetzt das von ihm gegr\u00fcndete Unternehmen f\u00fcr Klimaanlagen weiter. Alle drei waren vor dem Sozialismus in Kuba geflohen und hatten sich in den USA ein Leben aufgebaut.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Und alle drei haben einen kleinen Fehler gemacht, der ihnen zum Verh\u00e4ngnis wurde. Die US-Einwanderungsbeh\u00f6rde ICE, die seit Monaten f\u00fcr ihr brutales Vorgehen gegen Migranten in der Kritik steht, hatte auch sie am Arbeitsplatz besucht oder auf die Beh\u00f6rde bestellt: Rolando, weil er vor 30 Jahren beim Kiffen im Park erwischt wurde; Luis, weil er gegen die Stra\u00dfenverkehrsordnung versto\u00dfen hat; Chirino, weil er schon wegen Rauschmitteldelikten in Haft sa\u00df.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nach der Festsetzung durch ICE folgten Monate in Abschiebezentren, wo ihnen ihre Papiere weggenommen wurden, dann die \u00dcbergabe an Mexiko und eine tagelange Busfahrt von der Nordgrenze in den S\u00fcden des Landes.<\/p>\n<p>    Ohne Papiere in den S\u00fcden Mexikos<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Mexiko ist von den USA als sicheres Drittland eingestuft und eines der wichtigsten Ziell\u00e4nder f\u00fcr die Abschiebung von Migranten aus den USA. Schon unter der demokratischen Vorg\u00e4ngerregierung von Joe Biden wurde eine Vereinbarung mit Mexiko getroffen, mit der Mexiko sich bereit erkl\u00e4rt, monatlich bis zu 30.000 Menschen aufzunehmen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Anders als zu Zeiten Bidens kommen heute kaum noch Migranten aus anderen Staaten Lateinamerikas illegal \u00fcber die mexikanische Grenze, die Mexiko direkt wieder in ihre Heimatl\u00e4nder zur\u00fcckschicken kann. Jetzt kommen vor allem aus den USA abgeschobene Migranten nach Mexiko.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Abgeschobenen werden in St\u00e4dte wie Tapachula gebracht. Die Stadt ganz im S\u00fcden Mexikos liegt an der Grenze zu Guatemala. Jahrelang galt der Ort als <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/amerika\/migranten-usa-108.html\" title=\"Tausende Migranten starten Richtung USA\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nadel\u00f6hr f\u00fcr die Migration<\/a> aus Mittelamerika, eine Transitzone, in der die wenigsten lange blieben.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Heute ist das anders: Die hier Gestrandeten d\u00fcrfen die Stadt nicht verlassen. &#8222;Wenn ich aus Tapachula weggehe, nehmen sie mich fest und schieben mich nach 72 Stunden nach Guatemala ab&#8220;, sagt Rolando, der gerne in den touristischen K\u00fcstenort Canc\u00fan ziehen w\u00fcrde, das &#8222;Miami Mexikos&#8220;, wie er sagt. Denn hier in Tapachula gebe es keine Arbeit: &#8222;Das hier ist ein Gef\u00e4ngnis&#8220;.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Viele Migranten aus Drittstaaten werden nach Mexiko deportiert und dort in den S\u00fcden des Landes verbracht.\n                    <\/p>\n<p>    Sieben Bearbeiter f\u00fcr 30.000 Asylantr\u00e4ge<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Offizielle Zahlen, wie viele Migranten aktuell in Tapachula ausharren, gibt es nicht. Eine Anfrage der ARD an die mexikanische Regierung und die Migrationsbeh\u00f6rde blieb unbeantwortet. Nach Sch\u00e4tzungen von Menschenrechtsexperten sind es mehr als 30.000 Menschen, neben 400.000 Einwohnern.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Allen fehlen nach der Inhaftierung durch ICE die Papiere. Hier am Zielort der Abschiebung m\u00fcssten sie Asyl beantragen und humanit\u00e4re Visa erhalten. Doch es gibt nur sieben Bearbeiter f\u00fcr Fl\u00fcchtlingsfragen in Tapachula, kritisiert Luis Garc\u00eda Villagran, der seit 15 Jahren als Menschenrechtsanwalt Migranten vor Ort betreut.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Die Mauer von Trump befindet sich nicht im Norden Mexikos. Die Mauer ist hier. In Tapachula befinden sie sich in einer Art Niemandsland.&#8220; Viele von ihnen seien so gut wie staatenlos, sagt Villagran. Gemeinsam mit Migranten und anderen Anw\u00e4lten reicht er jetzt Verfassungsbeschwerden ein. Die Richter sollen, so sein Wunsch, die Inhaftierung und Abschiebungen aus Mexiko verhindern, die den Menschen bei Verlassen der Ankunftsorte droht. Zudem k\u00e4mpft er f\u00fcr ihre Bewegungsfreiheit innerhalb Mexikos.<\/p>\n<p>    Ohne Papiere keine M\u00f6glichkeiten<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch zu den Zust\u00e4nden vor Ort \u00e4u\u00dfert sich die mexikanische Regierung auf Anfrage nicht. Die Internationale Organisation f\u00fcr Migration, IOM, hingegen sieht dringenden Handlungsbedarf: Ohne staatliche Programme f\u00fcr Arbeit, Wohnraum und rechtliche Betreuung drohe vielen Abgeschobenen ein dauerhaftes Leben im Stillstand, hei\u00dft es in einer <a href=\"https:\/\/mexico.iom.int\/sites\/g\/files\/tmzbdl1686\/files\/documents\/2026-03\/dtm-personas-retornadas-desde-estados-unidos-a-mexico-2023-2025-1.pdf\" title=\"Personas retornadas desde Estados Unidos a M\u00e9xico 2023-2025\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">aktuellen Analyse<\/a>.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ein Stillstand an Orten, die ihnen kaum wirtschaftliche Perspektiven bieten. Tapachula geh\u00f6rt zu den \u00e4rmsten Orten Mexikos. Vor Ort wird die Not der Migranten ausgenutzt &#8211; \u00fcbereinstimmend berichten sie von zw\u00f6lf Stunden Schwarzarbeit f\u00fcr etwa zehn Euro.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ohne Papiere ist kaum etwas m\u00f6glich: Sie k\u00f6nnen nicht f\u00fcr ihre Rechte k\u00e4mpfen, keine legale Arbeit annehmen, die Stadt nicht verlassen. Selbst an das Geld, das die in den USA lebenden Familien ihnen schicken, kommen sie nicht heran: &#8222;Ich muss jemanden mit Pass finden und dieser Person zehn bis 20 Prozent abgeben, damit sie mein Geld abhebt&#8220;, sagt Luis, der sich mit f\u00fcnf weiteren Kubanern ein \u00fcberteuertes Zimmer teilt.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Etwa 1.000 Migranten liefen von Tapachula aus Richtung Norden los, weil die Lage in der Stadt f\u00fcr sie aussichtslos war.\n                    <\/p>\n<p>    &#8222;Ich will hier nicht sterben&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Chirino hatte eine Herzoperation in den Vereinigten Staaten und leidet unter Parkinson. Ohne Papiere bekomme er aber auch keine Medikamente. &#8222;Dabei brauche ich die gegen meinen Bluthochdruck&#8220;. Wie viele andere schl\u00e4ft der 77-J\u00e4hrige auf der Stra\u00dfe. &#8222;Ich will hier nicht sterben&#8220;, sagt Chirino.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Viele Migranten wollen und k\u00f6nnen diese aussichtslose Lage nicht mehr hinnehmen. Vor einigten Tagen startete eine Karawane aus Tapachula. Etwa 1.000 Menschen, \u00fcberwiegend Haitianer und Kubaner, machten sich nach Sonnenuntergang, als die Hitze etwas nachgelassen hatte, mit ihren wenigen Habseligkeiten Richtung Norden auf.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Sie w\u00fcssten nicht weiter und h\u00e4tten keine Ressourcen mehr, sagt einer der Teilnehmer der mexikanischen Tageszeitung La Jornada: &#8222;Die Einwanderungsbeh\u00f6rde in Tapachula hat uns zu oft belogen. Sie versprechen uns ein Verfahren, aber es kommt nie etwas dabei heraus. Sie sagen uns nur, wir sollen warten, warten.&#8220; Ob sie es zur\u00fcck bis in die Wahlheimat USA schaffen, wissen sie noch nicht. Sie laufen, so weit wie sie kommen. Hauptsache, erst einmal weg aus der Perspektivlosigkeit von Tapachula.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 01.05.2026 \u2022 08:12 Uhr Teils leben sie seit Jahrzehnten in den USA, haben sich dort ein Leben&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":986345,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[3],"tags":[17204,13,2229,208,14,15,12,10,8,9,11,64,103,104],"class_list":["post-986344","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-welt","tag-abschiebungen","tag-headlines","tag-ice","tag-mexiko","tag-nachrichten","tag-news","tag-schlagzeilen","tag-top-news","tag-top-meldungen","tag-topmeldungen","tag-topnews","tag-usa","tag-welt","tag-world"],"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/986344","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=986344"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/986344\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/986345"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=986344"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=986344"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=986344"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}