{"id":988434,"date":"2026-05-02T06:25:19","date_gmt":"2026-05-02T06:25:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/988434\/"},"modified":"2026-05-02T06:25:19","modified_gmt":"2026-05-02T06:25:19","slug":"ich-habe-ihm-immer-gesagt-dass-er-nicht-gehen-soll-geld-treibt-kolumbianer-in-den-krieg-in-der-ukraine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/988434\/","title":{"rendered":"&#8222;Ich habe ihm immer gesagt, dass er nicht gehen soll&#8220;: Geld treibt Kolumbianer in den Krieg in der Ukraine"},"content":{"rendered":"<p>Es war im September 2025, als sich eine unerwartete &#8222;bruderm\u00f6rderische&#8220; Konfrontation zwischen kolumbianischen Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen an einem &#8211; gelinde gesagt &#8211; \u00fcberraschenden Ort ereignete: an der Front in der Ukraine. Sarai Vera beschreibt diese Szene. Ihr Mann, John Edward Villarreal, wird seit dem vergangenen Jahr vermisst, als er nach einem Angriff verschwand. Seine Frau hofft jedoch, dass er noch am Leben ist und sie &#8222;bald&#8220; wieder von ihm h\u00f6ren wird.<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>Villarreal ist nicht der Einzige: Nach Sch\u00e4tzungen der UNO k\u00e4mpfen derzeit tausende Kolumbianer in Kriegen, die ihnen fremd sind. Die meisten von ihnen wegen des Geldes. Geld, das notwendig ist, aber meist alles andere als gl\u00fccklich macht.<\/p>\n<p>&#8222;Ich kenne sogar Familienmitglieder, deren M\u00e4nner und Kinder nach Russland gegangen sind, weil die russische Seite ihnen mehr Geld angeboten hat&#8220;, sagt uns Vera beim Video-Anruf von ihrem Haus in Bogot\u00e1 aus. &#8222;Es war eine Frage des Geldes, als Kolumbianer auf dem Schlachtfeld Kolumbianer angriffen&#8220;.<\/p>\n<p>Die Frau, die in Venezuela geboren wurde und eine Tochter hat, berichtet, dass &#8222;das Grundgehalt&#8220; rund 12 Millionen kolumbianische Pesos pro Monat betrage, das entspricht etwa 2.800 Euro im Monat. Dar\u00fcber hinaus enthalte das Angebot einen Bonus von sieben Millionen Pesos, etwa 1.600 Euro. Der Bonus w\u00fcrde, wie sie sagt, von der NATO gezahlt. &#8222;Verglichen mit dem Mindestlohn hier in Kolumbien gehen sie mit der Vorstellung weg, dass sie eine Menge Geld verdienen werden&#8220;, sagt Vera.<\/p>\n<p>Mireya Pineda berichtet \u00c4hnliches und erkl\u00e4rt, dass es &#8222;die wenigen Arbeitsm\u00f6glichkeiten&#8220; in Kolumbien waren, die ihren Mann Pablo Puentes dazu brachten, den ukrainischen Streitkr\u00e4ften als Sanit\u00e4ter beizutreten. Zuvor hatte er als Krankenwagenfahrer gearbeitet.<\/p>\n<p>&#8222;Er war sehr verzweifelt, als er keine Arbeit hatte, und diese Verzweiflung brachte ihn zu der Entscheidung: &#8218;Ich gehe, arbeite drei oder sechs Monate, und dann komme ich zur\u00fcck&#8216;. Sein Traum war immer das Haus, sein eigenes Haus&#8220;, erz\u00e4hlt Pineda. <\/p>\n<p>Das Paar hat zwei Kinder: einen 11-j\u00e4hrigen Jungen und ein 6-j\u00e4hriges M\u00e4dchen. Pineda, die sich selbst als &#8222;ein gro\u00dfes M\u00e4dchen&#8220; bezeichnet, hat Tr\u00e4nen in den Augen, wenn sie von ihrem Mann erz\u00e4hlt. Der ist derzeit in russischer Hand und zu 28 Jahren in einem Hochsicherheitsgef\u00e4ngnis verurteilt worden. Sie will in den n\u00e4chsten Tagen in die Ukraine reisen, um zu sehen, ob sie die Vorbereitungen f\u00fcr seine Freilassung beschleunigen kann.<\/p>\n<p>Kolumbianische Soldaten haben einen &#8222;guten Ruf&#8220;<\/p>\n<p>Nur zwei Beispiele in einer wachsenden Zahl von F\u00e4llen von Kolumbianern, die sich daf\u00fcr entscheiden, zur Waffe zu greifen und ihr Leben in Konflikten im Ausland zu riskieren. <a href=\"https:\/\/www.ohchr.org\/es\/press-releases\/2026\/03\/colombia-un-experts-hail-anti-mercenary-law-warn-rising-recruitment-armed\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Sch\u00e4tzungen<\/a> der Vereinten Nationen zufolgek\u00f6nnten mehr als 10.000 Kolumbianer in bewaffneten Konflikten in verschiedenen Teilen der Welt rekrutiert worden sein, und zwar sowohl auf legalem als auch auf irregul\u00e4rem Weg. In der Tat wurden mehrere kolumbianische S\u00f6ldner im Zusammenhang mit der <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2021\/07\/09\/nach-prasidentenmord-jagdszenen-in-haiti\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ermordung des haitianischen Pr\u00e4sidenten Jovenel Mo\u00efse<\/a> verhaftet.<\/p>\n<p>Das Ph\u00e4nomen ist auf verschiedene Faktoren zur\u00fcckzuf\u00fchren, wie die Instabilit\u00e4t des Landes, den von der Regierung von Pr\u00e4sident Gustavo Petro eingeleiteten Friedensprozess, durch den tausende Guerilleros keine Einnahmequelle mehr haben, und vor allem auf den &#8222;guten Ruf&#8220; der kolumbianischen Streitkr\u00e4fte, der ihre ehemaligen Mitglieder zu sehr attraktiven Kandidaten f\u00fcr andere Armeen oder S\u00f6ldnergruppen macht.<\/p>\n<p>&#8222;Die kolumbianischen Soldaten sind im Ausland als sehr gute Soldaten mit sehr guten F\u00e4higkeiten anerkannt, und das f\u00fchrt dazu, dass man sich auf Kolumbien und die Suche nach dieser Bev\u00f6lkerungsgruppe konzentriert&#8220;, erkl\u00e4rt Carlos Ram\u00edrez, Koordinator der Nicht-Regierungs-Organisation La Voz De Los Que No Est\u00e1n gegen\u00fcber Euronews. Deren Aufgabe ist es, bei der Suche nach ihren im Kampf verschwundenen Landsleuten zu helfen.<\/p>\n<p>Dieser Ruf sei jedoch oft \u00fcbertrieben, argumentiert Ram\u00edrez. Das liege daran, dass der Milit\u00e4rdienst in Kolumbien obligatorisch ist, was &#8222;nicht unbedingt bedeutet, dass man in den Konflikt geht&#8220;, sondern dass man daf\u00fcr &#8222;ein Milit\u00e4rpassbuch&#8220; bekommt.<\/p>\n<p>&#8222;Alle Kolumbianer haben ein Milit\u00e4rpassbuch, und das ist wie ein Freipass, um ins Ausland zu gehen, obwohl nicht alle, die es haben, echte Kampferfahrung haben&#8220;, beklagt Ram\u00edrez.<\/p>\n<p>Genau das sei bei Puentes der Fall, sagt Pineda. &#8222;Pablo leistete seinen Milit\u00e4rdienst als Abiturient, als er 18 Jahre alt war. Und hier dauert der Milit\u00e4rdienst als Abiturient ein Jahr, und man nimmt ihn nat\u00fcrlich nicht mit in die Kampfzone&#8220;, erkl\u00e4rt sie von ihrem Haus in der Gemeinde Coromoro aus. &#8222;Von da an hat dieser Mann nie wieder eine Waffe in die Hand genommen: nie wieder.&#8220;<\/p>\n<p>T\u00e4uschung oder nicht?<\/p>\n<p>Die Geschichte von Puentes, die Ende 2024 begann, weist noch eine weitere Gemeinsamkeit mit vielen dieser F\u00e4lle auf: T\u00e4uschung. In diesem speziellen Fall begann die &#8222;Tortur&#8220; des Kolumbianers laut Pineda mit einem &#8222;Bekannten&#8220;, der ihm von der M\u00f6glichkeit erz\u00e4hlte, einen Job als Krankenwagenfahrer in Polen zu finden. Als er dort ankam, wartete jedoch niemand auf ihn. Schlie\u00dflich sah er ein Schild, auf dem nach Ersthelfern f\u00fcr die Ukraine gesucht wurde.<\/p>\n<p>&#8222;Daraufhin fuhr er dorthin. Sie kamen bei einem Bataillon an, ich wei\u00df nicht mehr, in welchem Gebiet, wo es viele Kolumbianer gab&#8220;, berichtet sie. Den letzten Kontakt mit ihrem Mann hatte sie am 3. Januar 2025. Pablo warnte sie, dass er an einem Einsatz zur Bergung von Verwundeten teilnehmen werde, und dass sie sich an einen Kollegen wenden solle, wenn er sich nicht innerhalb von zwei Tagen melde. &#8222;Pass gut auf die Kinder auf. Ich wei\u00df nicht, ob wir uns wiedersehen&#8220;, sagte er ihr.<\/p>\n<p>Angesichts des v\u00f6lligen Mangels an Kommunikation seitens der Milit\u00e4reinheit leitete Pineda auf eigene Faust eine Suchaktion ein. Sie erstattete Vermisstenanzeigen beim B\u00fcro des Ombudsmanns, beim Roten Kreuz, beim Au\u00dfenministerium, bei der Staatsanwaltschaft und bei der Polizei. Gleichzeitig begann sie, Krankenh\u00e4user, Netzwerke und internationale Plattformen f\u00fcr die Suche nach Vermissten ausfindig zu machen. So fand sie am 15. Januar auf einer russischen Website ein Foto, auf dem Pablo als &#8222;lebend in Gefangenschaft&#8220; identifiziert wurde.<\/p>\n<p>Tage sp\u00e4ter best\u00e4tigte ein auf <a href=\"https:\/\/t.me\/s\/TrackAMerc\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow\">Telegram<\/a> ver\u00f6ffentlichter Eintrag, dass Pablo von den russischen Streitkr\u00e4ften gefangen genommen worden sei, nachdem er w\u00e4hrend einer Offensive in einem feindlichen Sch\u00fctzengraben Zuflucht gesucht habe. Im Juli 2025 wurde er zu einer fast 30-j\u00e4hrigen Haftstrafe verurteilt. &#8222;Er ist ein Mann, der die Enge nicht mag, ein Mann, der hyperaktiv war, weil er nicht gerne stillsitzt&#8220;, sorgt sich seine Frau.<\/p>\n<p>Im Fall von Villarreal, der einen Vertrag mit den Streitkr\u00e4ften unterschrieben hat, den er nur &#8222;durch den Google-\u00dcbersetzer&#8220; verstehen konnte, r\u00e4umt seine Frau ein, dass er wusste, dass er an die Front gehen w\u00fcrde. Sie ist aber dennoch der Meinung, dass er in gewisser Weise get\u00e4uscht wurde. &#8222;Er wusste, dass er k\u00e4mpfen w\u00fcrde, aber ich denke, dass er bis zu einem gewissen Grad von der Person, die ihm die Informationen gab, get\u00e4uscht wurde und ihr vertraute&#8220;, sagt Vera.<\/p>\n<p>Ein beschwerlicher Weg f\u00fcr die Angeh\u00f6rigen<\/p>\n<p>Ram\u00edrez von La Voz De Los Que No Est\u00e1n best\u00e4tigt, dass es trotz der Tatsache, dass die Regierung von Petro vor kurzem das internationale \u00dcbereinkommen \u00fcber S\u00f6ldner von 1989 ratifiziert hat, eine &#8222;Grauzone&#8220; im Land gebe, in der die Anwerber operieren.<\/p>\n<p>&#8222;Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Chancen auf wirtschaftliches Wachstum sind gering, und diese Jobangebote &#8211; in Anf\u00fchrungszeichen &#8211; in sozialen Netzwerken wie TikTok, Instagram und anderen werden attraktiv&#8220;, stellt er fest. &#8222;Es gibt einige, die wirklich die Wahrheit sagen, wie die Dinge sind. Aber es gibt auch andere, die versuchen, dieses Panorama in falscher Weise zu besch\u00f6nigen, und das bringt die Leute dazu, zu sagen: Ich werde mir keine Sorgen machen, es wird nicht so schwierig sein.&#8220;<\/p>\n<p>Pineda, die mehr Hilfe von den Regierungen sowohl in Kyjiw als auch in Bogot\u00e1 fordert, ist dankbar f\u00fcr die Unterst\u00fctzung, die sie in diesen Tagen von der NRO erh\u00e4lt. Diese bem\u00fcht sich um die Entlastung und Unterst\u00fctzung der Familien der betroffenen Kolumbianer, von denen man in manchen F\u00e4llen nie wieder etwas h\u00f6rt. Dort traf Pineda &#8222;wunderbare Menschen&#8220;, die sich in einer \u00e4hnlichen Situation befinden wie sie selbst.<\/p>\n<p>&#8222;Es ist so kompliziert. Und jede Geschichte ist anders&#8220;, berichtet sie. &#8222;Sagen wir, wir sind eine Familie geworden, ohne uns zu kennen. Aber gleichzeitig ist jeder Fall anders, ich meine, gleich und doch anders.&#8220;<\/p>\n<p>Viele dieser Geschichten stimmen darin \u00fcberein, dass die Protagonisten von einem besseren Leben tr\u00e4umen, das sie ihren Angeh\u00f6rigen bieten k\u00f6nnen, manchmal sogar, ohne ihre Angeh\u00f6rigen \u00fcber ihre Absicht zu informieren, in einem fernen Konflikt zu k\u00e4mpfen. Am Ende des Weges bleiben jedoch oft nur Schweigen, Schmerz und Ungewissheit zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Vielleicht erinnert sich Vera deshalb daran, wie sie es als &#8222;Zeichen&#8220; sah, dass Villarreals Absicht, sich zu melden, zun\u00e4chst zu scheitern drohte. Denn sein Kontaktmann tauchte in Kolumbien nicht auf, um sich um seinen Reisepass zu k\u00fcmmern. Dennoch gelang es ihm schlie\u00dflich, in die Reihen der Armee aufgenommen zu werden. Im Juni 2025 flog er nach Istanbul und von dort in die Ukraine. Im September 2025 wurde seine Einheit von der russischen Armee bombardiert. Seitdem gilt er als vermisst. &#8222;Ich habe ihm immer gesagt, dass er nicht gehen soll&#8220;, klagt seine Frau.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es war im September 2025, als sich eine unerwartete &#8222;bruderm\u00f6rderische&#8220; Konfrontation zwischen kolumbianischen Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen an einem &#8211; gelinde&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":988435,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4012],"tags":[331,332,13,47040,14,15,12,317,1712,51274],"class_list":{"0":"post-988434","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-ukraine","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-kolumbien","12":"tag-nachrichten","13":"tag-news","14":"tag-schlagzeilen","15":"tag-ukraine","16":"tag-ukraine-krieg","17":"tag-ukrainische-streitkraefte"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116503560024953779","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/988434","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=988434"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/988434\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/988435"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=988434"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=988434"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=988434"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}