{"id":992648,"date":"2026-05-04T01:49:24","date_gmt":"2026-05-04T01:49:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/992648\/"},"modified":"2026-05-04T01:49:24","modified_gmt":"2026-05-04T01:49:24","slug":"gentechnik-im-essen-neue-zuechtungsmethoden-sollen-in-der-eu-gefoerdert-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/992648\/","title":{"rendered":"Gentechnik im Essen: Neue Z\u00fcchtungsmethoden sollen in der EU gef\u00f6rdert werden"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Im Mai plant das EU-Parlament endg\u00fcltig \u00fcber eine Neuregelung des Gentechnik-Rechts abzustimmen. Wenn der Entwurf durchkommt, endet zumindest vorl\u00e4ufig eine jahrelange Debatte. Wissenschaftler und gro\u00dfe Teile der <a href=\"https:\/\/augsburger-allgemeine.de\/wirtschaft\/\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Wirtschaft<\/a> begr\u00fc\u00dfen die Neuregelung. Umweltsch\u00fctzer und die Bio-Branche warnen vor weitreichenden Folgen. Was man wissen muss:\n  <\/p>\n<p>            Warum wird die Gentechnik neu geregelt?<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die Gentechnik hat in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht, w\u00e4hrend ihre Regulierung weitgehend noch vom Anfang des Jahrtausends stammt. Vor allem <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/kultur\/Nobelpreis-Forscherinnen-erhalten-Chemie-Nobelpreis-fuer-Gen-Schere-id58289661.html\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">die Entwicklung der sogenannten Genschere durch das Verfahren Crispr-Cas<\/a> erlaubt es, das Erbgut gezielt zu ver\u00e4ndern. Bisher unterliegen Pflanzen, die mit den neuen genomischen Techniken hervorgebracht werden, aber dem strengen Gentechnik-Recht in der EU und spielen deswegen kommerziell keine gro\u00dfe Rolle. International ist das ganz anders, in den USA etwa dominieren gentechnisch ver\u00e4nderte Nutzpflanzen den Anbau.\n  <\/p>\n<p>            Was plant die EU konkret?<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    K\u00fcnftig sollen\u00a0Pflanzen, die durch neue gentechnische Verfahren (NGT) und ohne fremdes Genmaterial entstanden sind, mit herk\u00f6mmlich gez\u00fcchteten gleichgestellt sein. Das hei\u00dft: Sie d\u00fcrfen ohne weitere Risikopr\u00fcfung in den Anbau gebracht werden. Gekennzeichnet werden muss die Entstehungsmethode nur auf dem Saatgut.<a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/wirtschaft\/lebensmittel-eu-kommission-praesentiert-lockerungsplaene-fuer-gentechnik-id67067241.html\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\"> In Lebensmitteln k\u00f6nnen Produkte aus diesen Z\u00fcchtungen ohne gesonderte Kennzeichnung<\/a> verwendet werden. Eine Ausnahme von dieser Regel soll aber f\u00fcr Pflanzen gelten, die so gegen Pflanzenschutzmittel resistent gemacht wurden.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Pflanzen, die mit tiefer ins Erbgut eingreifenden Methoden erzeugt worden sind, bei denen eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl von Genen ver\u00e4ndert wurde oder bei denen Gene anderer Arten eingebracht wurden, sollen weiterhin als gentechnisch ver\u00e4nderte Organismen gelten. Damit k\u00f6nnen sie nur nach einem Zulassungsverfahren mit Risiko- und Sicherheitsbewertungen in Verkehr gebracht werden. Die Nationalstaaten k\u00f6nnen den Anbau auch ganz verbieten.\n  <\/p>\n<p>            Welche Vorteile soll das neue Gesetz bringen?<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Wirtschaft und Wissenschaft versprechen schnellere Fortschritte bei der Z\u00fcchtung von Pflanzen, die besser an den Klimawandel angepasst oder resistent gegen bestimmte Krankheiten oder Sch\u00e4dlinge sind. Das soll helfen, die Ertr\u00e4ge zu sichern und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und D\u00fcngern zu reduzieren.\n  <\/p>\n<p>            Welche Kritik gibt es an dem Gesetz?<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die Kritik an der Lockerung der Regeln entfacht sich haupts\u00e4chlich an drei Punkten:\n  <\/p>\n<ul rel=\"\" class=\"[&amp;&gt;li]:relative list-none  [&amp;&gt;li]:pl-[1.2em] [&amp;&gt;li]:marker:text-[0] [&amp;&gt;li]:relative [&amp;&gt;li]:before:absolute [&amp;&gt;li]:before:w-3 [&amp;&gt;li]:before:h-3 [&amp;&gt;li]:before:bg-brand [&amp;&gt;li]:before:left-0 [&amp;&gt;li]:before:top-[8px] [&amp;&gt;li]:before:rounded-full  my-5\">\n<li class=\" mb-3 text-xs md:text-m lg:text-l\">Sicherheit: Umweltverb\u00e4nde und Teile der Landwirtschaft warnen vor bisher unbekannten Risiken gentechnisch ver\u00e4nderter Pflanzen. Auch das Bundesamt f\u00fcr Naturschutz (BfN) erkl\u00e4rt, bereits geringf\u00fcgige \u00c4nderungen im Genom, ohne dass zus\u00e4tzliche Gene eingef\u00fcgt werden, k\u00f6nnten die Eigenschaften von Organismen stark ver\u00e4ndern. So werde etwa bei der Entwicklung von Pflanzen, die Trockenstress besser verkraften, h\u00e4ufig an Genen angesetzt, die den Stoffwechsel regeln. \u201eWerden diese Stellschrauben geringf\u00fcgig modifiziert, k\u00f6nnen damit viele nachfolgende Prozesse ver\u00e4ndert werden, ohne dass die entsprechenden Gene modifiziert werden m\u00fcssen\u201c, schreibt das Amt in einer Einsch\u00e4tzung. Au\u00dferhalb des Gentechnik-Rechts gebe es etwa im Saatgutrecht keine ausreichende Kontrolle neuer Gentechniken, sagt das BfN. Dagegen \u00fcberwiegen f\u00fcr den Deutschen Bauernverband die Chancen der neuen Technik. Wegen der hohen Zulassungsh\u00fcrden k\u00f6nnten europ\u00e4ische Landwirte bisher aber nicht von ihr profitieren, hei\u00dft es in einer Stellungnahme des Verbandes.<\/li>\n<li class=\" mb-3 text-xs md:text-m lg:text-l\">Transparenz: K\u00fcnftig m\u00fcssen Produkte, die aus Pflanzen hergestellt werden, die mit neuer Gentechnik geschaffen wurden, keine extra Kennzeichnung mehr tragen. Das kritisiert vor allem die Bio-Branche, die Gentechnik in jeder Form ablehnt. Martin H\u00e4usling, Verhandlungsf\u00fchrer der Gr\u00fcnen f\u00fcr das Gesetz im Europaparlament, sagt: \u201eWenn ich nicht mehr wei\u00df, ob Saatgut oder Lebensmittel mit Gentechnik in Ber\u00fchrung gekommen sind, wird es schwierig, das Vertrauen der Verbraucher und Verbraucherinnen zu erhalten.\u201c Bioland-Chef Jan Plagge erkl\u00e4rt die grunds\u00e4tzliche Ablehnung der Technik so: \u201eApfelsorten, die resistent sind gegen Schorf oder Kartoffelsorten, die unempfindlich gegen bestimmte Krankheiten sind, z\u00fcchten wir schon seit Jahrzehnten erfolgreich mit nat\u00fcrlichen Methoden. Daher gibt es f\u00fcr den \u00f6kologischen Anbau, der so naturnah wie m\u00f6glich sein sollte, \u00fcberhaupt keinen Anlass, jetzt auf eine Technologie zu setzen, die sich in der Praxis noch gar nicht bew\u00e4hrt hat, deren Risiken man nicht einsch\u00e4tzen kann und deren Folgen f\u00fcr Natur und \u00d6kosysteme gef\u00e4hrlich sein k\u00f6nnen.\u201c<\/li>\n<li class=\" mb-3 text-xs md:text-m lg:text-l\">Patentierung: Der wichtigste <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/politik\/interview-genprodukte-waeren-nicht-mehr-als-solche-gekennzeichnet-id66926266.html\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Kritikpunkt an der geplanten Deregulierung<\/a> ist, dass sie zum Einfallstor f\u00fcr eine weitreichende Patentierung wichtiger Nutzpflanzen werden k\u00f6nnte. Auf Pflanzen, die durch herk\u00f6mmliche Z\u00fcchtungsmethoden entstanden sind, k\u00f6nnen keine Patente erteilt werden. Z\u00fcchter k\u00f6nnen zwar Lizenzgeb\u00fchren f\u00fcr die kommerzielle Nutzung des Saatguts verlangen. Andere Z\u00fcchter d\u00fcrfen aber mit den Sorten ohne Genehmigung weiterz\u00fcchten. Pflanzen, die mit gentechnischen Verfahren gez\u00fcchtet wurden, k\u00f6nnen dagegen patentiert werden, etwa wenn sie dank einer bestimmten genetischen Sequenz eine Toleranz gegen ein Pflanzenschutzmittel aufweisen, erkl\u00e4rt die Nationale Akademie der Wissenschaften, Leopoldina. Mit diesen Pflanzen d\u00fcrfen andere Z\u00fcchter nur gegen Genehmigung und Nutzungsgeb\u00fchren weiterarbeiten. Kritiker wie die Arbeitsgemeinschaft b\u00e4uerliche Landwirtschaft bef\u00fcrchten, dass dies dazu f\u00fchrt, dass sich die Patente langfristig in der Hand weniger gro\u00dfer Konzerne konzentrieren. Bioland-Chef Plagge sagt: \u201eUns droht das massenhafte Abflie\u00dfen b\u00e4uerlichen Wissens in Richtung weltweit operierender Kapitalgesellschaften und Konzerne. Damit verlieren wir die Souver\u00e4nit\u00e4t \u00fcber unsere Ern\u00e4hrung.\u201c<\/li>\n<\/ul>\n<p>            Wie geht es weiter?<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    In Br\u00fcssel haben die Mitgliedstaaten dem \u00fcber Jahre ausgehandelten Kompromiss bereits zugestimmt. Nun muss noch das EU-Parlament final zustimmen. Die Abstimmung ist f\u00fcr Mitte Mai geplant.\n  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Im Mai plant das EU-Parlament endg\u00fcltig \u00fcber eine Neuregelung des Gentechnik-Rechts abzustimmen. 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