{"id":993655,"date":"2026-05-04T11:46:15","date_gmt":"2026-05-04T11:46:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/993655\/"},"modified":"2026-05-04T11:46:15","modified_gmt":"2026-05-04T11:46:15","slug":"die-energie-richtet-sich-vollstaendig-auf-die-acts-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/993655\/","title":{"rendered":"\u00bbDie Energie richtet sich vollst\u00e4ndig auf die Acts\u00ab \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>Drei Freunde aus der Musikszene organisierten im Juni 2023 das erste \u00bbUnreleased Berlin\u00ab-Konzert. In den vergangenen drei Jahren hat sich die Gr\u00f6\u00dfe der Show stark ver\u00e4ndert: von anf\u00e4nglich 150 G\u00e4sten, kommen nun bis zu 1200 G\u00e4ste zu den Veranstaltungen. Das Konzept ist \u00fcber die Jahre gleichgeblieben: Ein geheimes Line-up, abgeklebte Handykameras, kurze Sets unterschiedlicher K\u00fcnstler von zwei bis drei unver\u00f6ffentlichten Songs. Aufgrund der gro\u00dfen Nachfrage bieten die drei Unreleased-Gr\u00fcnder Walmir Hong Thom\u00e9 de Moura, Federico Battaglia und Mehmet K\u00fcc\u00fck das Showkonzept als Deutschlandtour an. Nach Hamburg, Hannover und K\u00f6ln folgt nun am 6. Mai auch Leipzig. Im Gespr\u00e4ch mit dem kreuzer gibt Mehmet K\u00fcc\u00fck, der sich als Memo vorstellt, erste Einblicke, wie die Veranstaltung laufen wird.<\/p>\n<p><strong>Wie ist Ihr besonderes Konzept entstanden?<\/strong><\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nlich war bei einer Comedy-Veranstaltung mit dem Prinzip eines Secret-Line-ups. Ich fand es sehr erfrischend, nicht zu wissen, was passiert und habe dadurch auch neue Leute entdeckt. Aus der Veranstaltung bin ich dann mit der Frage rausgegangen, warum es das nicht f\u00fcr Musik gibt. Mit zwei Freunden, mit denen ich mir ein Musikstudio geteilt habe, habe ich dann \u00fcberlegt, wie man das Konzept f\u00fcr Musik umsetzen kann. Wir haben sechs Monate daran gefeilt, bevor im Juni 2023 das erste Mal 150 bis 180 Leute bei unserer ersten Show in der Monarch Bar in Berlin am Kottbusser Tor waren. Dadurch, dass wir keinen Bezug zum Eventmanagement haben, mussten wir alles durch eigenen Aufwand und Unterst\u00fctzung von Freunden auf die Beine stellen. Unser DJ, der auch aktuell unsere Shows begleitet, war zum Beispiel eine Empfehlung eines Freundes f\u00fcr unsere erste Show. Das Konzept hat direkt einen Nerv getroffen und f\u00fcr uns war klar, dass das f\u00fcr Gr\u00f6\u00dferes bestimmt ist. Wir haben die Tickets f\u00fcr die zweite Show ver\u00f6ffentlicht und waren innerhalb von wenigen Minuten ausverkauft. <\/p>\n<p><strong><br \/>Sie haben selbst einen Artist-Background, wie nutzen Sie den f\u00fcr die Unreleased-Shows?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, ich habe selbst Musik gemacht: Anfangs im Rap, das ist mittlerweile 15 Jahre her, sp\u00e4ter dann als Songwriter. Durch die Arbeit mit anderen Artists konnte ich mir ein Netzwerk aufbauen, auf das ich f\u00fcr Unreleased zur\u00fcckgreifen kann. Die erste Show war zur H\u00e4lfte mit Freunden oder Bekannten besetzt. Wir haben das Konzept auch aus der Artist-Perspektive weiter ausgearbeitet. Dadurch, dass wir selbst teilweise schlechte Live-Erfahrungen gemacht haben, wussten wir genau, wie wir es nicht machen wollten: Man kommt als gebuchter K\u00fcnstler in eine Venue, niemand k\u00fcmmert sich, niemand wei\u00df Bescheid, der Soundcheck wird von einem Typen gemacht, der nicht mal wei\u00df, wer der K\u00fcnstler ist, der Sound ist nicht gut. Deswegen hat unsere Perspektive \u00ad unabh\u00e4ngig vom Netzwerk \u00ad den Vorteil, dass wir wissen, wie sich die K\u00fcnstler f\u00fchlen.<\/p>\n<p><strong><br \/>Wie kuratieren Sie einzelne Shows? <\/strong><\/p>\n<p>Wir versuchen bei der Show immer daf\u00fcr zu sorgen, dass besondere Momente entstehen. Beispielsweise durch Comebacks, wie bei Nina Chuba nach \u00bbWildberry Lillet\u00ab. Da die Leute nicht wissen, wer auftreten wird, versuchen wir, ganzheitlich an die Sache ranzugehen. Wir k\u00f6nnen nicht nur ein Genre abbilden, sondern wollen Vielfalt zeigen: Wir wollen Rap und Hip-Hop klassisch darstellen, Gesang, R&amp;B und Indie mit einflie\u00dfen lassen. Jemand, der zum Beispiel gerne Hip-Hop h\u00f6rt, hat zwei bis drei Hip-Hop Acts und wird hoffentlich von den restlichen Acts auch abgeholt. Au\u00dferdem wollen wir mindestens 50 Prozent Newcomer in den Line-ups haben. Im besten Fall Artists, die noch unbekannt sind, vielleicht sogar noch keinen Song ver\u00f6ffentlicht haben und noch nie auf einer B\u00fchne standen. So k\u00f6nnen wir coole Momente f\u00fcr die Crowd schaffen, wenn sie die Artists wiedererkennen oder f\u00fcr sich neu entdecken.<br \/>Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Verh\u00e4ltnis zwischen weiblichen und m\u00e4nnlichen K\u00fcnstlern. Mindestens die H\u00e4lfte der Line-up-Slots sollen an Frauen vergeben werden. Unser Ziel ist es, nicht nur musikalisch Diversit\u00e4t zu zeigen. Die Songauswahl ist auch ein gro\u00dfes Thema wegen der Texte. Wir wollen, dass sich alle bei uns wohlf\u00fchlen. Deswegen achten wir darauf, dass keine Grenzen durch diskriminierende Texte \u00fcberschritten werden. Im Laufe der letzten 30 Shows hatten wir auch F\u00e4lle, in denen wir wegen sexistischen Textabschnitten ins Gespr\u00e4ch mit den Artists gegangen sind. Wir wollen Diskriminierungen keine B\u00fchne bieten. In einem Fall hat der Artist den unver\u00f6ffentlichten Song dann sogar umgeschrieben und sich f\u00fcr den Hinweis bedankt. Ab und an m\u00fcssen wir in der Hinsicht aber auch diskutieren und es gibt auch F\u00e4lle, in denen die Artists nicht bei uns auftreten, weil sie keine Einsicht zeigen.<\/p>\n<p><strong><br \/>Warum die abgeklebten Kameras?<\/strong><\/p>\n<p>Der urspr\u00fcngliche Gedanke hinter dem Abkleben der Handykameras war der Schutz der Artists: Oft werden unver\u00f6ffentlichte Songs performt, die vor Publikum getestet werden sollen. So haben die K\u00fcnstler die M\u00f6glichkeit, ihre Tracks auszuprobieren, ohne dass sie direkt in den sozialen Netzwerken landen. Wir hatten auch schon F\u00e4lle in denen Songs anschlie\u00dfend nicht ver\u00f6ffentlicht wurden oder abge\u00e4ndert wurden, weil sie festgestellt haben, dass das so vielleicht doch nicht funktioniert. Das w\u00e4re schwieriger, wenn er schon auf Instagram oder TikTok online w\u00e4re.<br \/>Gleichzeitig haben wir gemerkt, dass diese Regel auch die Atmosph\u00e4re im Raum ver\u00e4ndert. Die Energie richtet sich vollst\u00e4ndig auf die Acts, und niemand ger\u00e4t in Versuchung, das gesamte Konzert durch den Handybildschirm zu erleben. Dadurch entsteht eine intensivere Aufmerksamkeit, die sich sp\u00fcrbar auf die Stimmung und Energie im Raum auswirkt.<br \/>Mittlerweile ist aus dieser Regel ein echtes Commitment geworden: Die Crowd achtet selbst darauf, dass sie eingehalten wird und spricht vereinzelt auch Personen an, die sich nicht daran halten, sodass der gemeinsamen Live-Moment f\u00fcr alle bewahrt wird.<\/p>\n<p><strong><br \/>Wie gehen Sie mit jemandem um, der noch nie auf einer B\u00fchne stand?<\/strong> <\/p>\n<p>Am Anfang haben wir das vernachl\u00e4ssigt und immer wieder bei den Soundchecks oder w\u00e4hrend der Performances gemerkt, dass es aufgrund der fehlenden Erfahrung unterschiedliche Qualit\u00e4tsstufen gibt. Dementsprechend haben wir Gespr\u00e4che mit den Newcomern eingef\u00fchrt, in denen wir Tipps f\u00fcr den B\u00fchnenauftritt geben. Da wird im Detail \u00fcber die Show gesprochen, \u00fcber das Setup und die Anforderungen \u2013 ein kleines Briefing im Vorfeld. Auch unser Sound-Team vor Ort gibt eine Einweisung mit den wichtigsten Fragen: Wie h\u00f6rst du dich? Wie kann das Equipment eingestellt werden, damit du dich wohlf\u00fchlst? Wie h\u00e4ltst du dein Mikrofon am besten? Am liebsten w\u00fcrden wir auch dar\u00fcber hinaus mehr Arbeit in diesem Bereich leisten, aber daf\u00fcr fehlt am Show-Tag einfach die Zeit. <br \/>Auf der anderen Seite haben wir eine sehr unterst\u00fctzende Crowd. Selbst wenn etwas nicht wie geplant l\u00e4uft, weil Erfahrung fehlt oder die Aufregung so gro\u00df ist, entstehen authentische Momente, die die Zuschauer sch\u00e4tzen. Wir hatten \u00f6fter die Situation, dass aus Nervosit\u00e4t Texte vergessen wurden. Dann waren die Leute vor der B\u00fchne einfach noch lauter. Die Zuschauer sehen, dass jemand etwas zum ersten Mal macht und supporten das aus Leidenschaft f\u00fcr Livemusik. Wir haben bei unseren Shows eine sehr liebevolle Stimmung, es ist viel Liebe in der Luft und das macht unsere Veranstaltungen aus.<\/p>\n<p>&gt; Unreleased.berlin,\u00a06.5. 21 Uhr, T\u00e4ubchenthal Leipzig<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Drei Freunde aus der Musikszene organisierten im Juni 2023 das erste \u00bbUnreleased Berlin\u00ab-Konzert. 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